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Kapitel 4

Author: C-Emmzy
Iris’ Sicht

In dieser Nacht schlief ich kaum.

Immer wieder fragte ich mich, ob Eric am Morgen tatsächlich auftauchte und sein Wort hielt. Evies Enttäuschung, falls er nicht kam, wollte ich nicht sehen.

Als um sieben Uhr ein eleganter schwarzer Geländewagen vor dem Haus hielt, setzte mein Herz vor Überraschung einen Schlag aus.

Eric stieg aus. Er trug ein maßgeschneidertes schwarzes Hemd und eine schwarze Hose, frisch angezogen, wie aus einem Magazin. Wie immer sah er mühelos gut aus – und ebenso kalt, ebenso undurchschaubar.

Evie rannte zum Fenster und rief außer sich vor Freude: „Mama! Papa ist da!“

Ich brachte ein schwaches Lächeln zustande. „Na los, hol deine Tasche.“

Evie flitzte durchs Haus und sammelte ihre Sachen ein, während ich zur Tür ging. Als ich öffnete, sagte ich kein Wort zu Eric.

„Fertig?“, fragte er, ohne mich anzusehen.

Evie nickte eifrig und hielt strahlend seine Hand.

Als die beiden losfuhren, folgte ich ihnen in meinem eigenen Wagen. Ich traute Eric nicht mit Evie, auch wenn er ihr Vater war.

Vor der Rudelschule sah ich sie sofort – und erstarrte.

Zara war schon da.

Selbst um diese Uhrzeit sah sie umwerfend aus. Ihre eisblauen Augen leuchteten auf, als Eric näher kam. Tiffany, ihre kleine blonde Tochter, lief kichernd direkt in seine Arme. Eric fing sie auf, hob sie hoch und wirbelte sie mit einem echten Lachen herum, wie ich es seit Jahren nicht mehr von ihm gehört hatte.

Kurz darauf trat Zara zu ihnen und hakte sich so selbstverständlich bei ihm ein, als gehöre sie genau dorthin.

Eric zog seinen Arm nicht weg.

Evie stand still da und starrte die drei an. Ihr Lächeln verblasste langsam.

Schnell ging ich zu ihr und ging neben ihr in die Hocke. „Hey, willst du deiner Lehrerin schon mal guten Morgen sagen? Ich glaube, ich habe sie gerade gesehen.“

Evie nickte langsam und ging davon. Ihre Schultern sanken ein wenig herab.

Ich richtete mich auf, presste den Kiefer zusammen und ging auf Eric zu.

„Wir hatten eine Abmachung“, sagte ich leise und zog ihn beiseite, als Zara und Tiffany zum Gebäude gingen.

Er hob eine Augenbraue. „Und ich bin hier, oder nicht? Ich habe sie zur Schule gebracht.“

„Du hast Evie wegen Zara und ihrer Tochter links liegen lassen. Das war nicht Teil der Abmachung.“

Eric seufzte, sein Kiefer spannte sich an. „Aha. Jetzt soll ich also Zara im Stich lassen, obwohl sie offensichtlich Hilfe braucht? Sie ist alleinerziehend, Iris. Sie braucht Unterstützung.“

Ich wollte ihm entgegenschleudern, dass auch ich alleinerziehend war und Unterstützung brauchte. Aber ich schwieg.

„Wenn du willst, dass ich diese Scheidungspapiere unterschreibe, dann ja. Dann will ich, dass du sie im Stich lässt.“

Seine grünen Augen verengten sich vor Abscheu. „Du bist unglaublich.“

Ich richtete mich auf. „Nein. Ich bin Mutter. Und ich tue alles, damit Evie bekommt, was sie braucht.“

Eric biss die Zähne zusammen und stürmte davon, ohne ein weiteres Wort.

Ich blieb zitternd zurück, das Herz laut in der Brust.

In den nächsten Tagen veränderte sich tatsächlich etwas.

Eric begann, Zara zu ignorieren. Wenn er bei Evie war, nahm er ihre Anrufe nicht an.

Er holte Evie von der Schule ab. Er saß in den Mittagspausen bei ihr und kam sogar zu ihrem Zeichenkurs am Wochenende.

Zu Evie war er nicht so warmherzig, wie ich ihn mit Tiffany erlebt hatte. Aber er war da. Und Evie war glücklich.

Das reichte mir.

An einem dieser Tage nahm Eric Evie mit in den Park.

Der Park war an diesem Samstagnachmittag fast leer. Nur ein paar Eltern waren mit ihren Welpen über die Wiesen verstreut. Eric saß steif auf einer Bank, die Arme vor der Brust verschränkt, während Evie quiekend über die Wiese rannte und sich immer wieder im Kreis drehte.

Ich hatte mein Skizzenbuch mitgebracht, konnte mich aber nicht konzentrieren. Eric saß kaum zwei Schritte entfernt, schweigend und undurchschaubar wie immer.

Evie lief zu uns, die Wangen gerötet, die Augen glänzend. „Spielt mit mir! Alle zusammen!“

Erics Stirn zog sich zusammen. „Spielen?“

„Ja! Fangen! Mama, du auch!“

Ich zögerte. „Schatz, ich glaube nicht –“

„Bitte?“ Evie legte bittend die Hände zusammen. „Nur eine Runde. Es macht Spaß, versprochen!“

Eric öffnete den Mund, um abzulehnen, aber Evie zog bereits an seiner Hand und dann an meiner. „Bitte, bitte!“

Wir standen beide widerwillig auf, steif und unbeholfen. Im nächsten Moment lachte ich tatsächlich, während ich meiner Tochter über die Wiese hinterherlief. Eric machte zunächst nur widerwillig mit, doch Evies Lachen steckte ihn an. Schließlich huschte auch über sein Gesicht ein kleines Lächeln, als er sie abschlug und davonrannte.

Für einen flüchtigen Augenblick fühlte es sich an, als wären wir eine Familie.

Ich wollte loslaufen, blieb mit dem Fuß an einer Wurzel hängen und stolperte direkt in Eric hinein.

Wir gerieten ins Taumeln. Ich prallte hart gegen ihn, meine Hände landeten auf seiner Brust. Instinktiv fing er mich auf und legte die Arme um meine Taille.

Wir erstarrten.

Unsere Gesichter waren nur wenige Zentimeter voneinander entfernt.

Sein Blick glitt kurz zu meinen Lippen, und mein Herz schlug schneller. Die Luft zwischen uns knisterte. Meine Lippen öffneten sich leicht.

Dann klingelte Erics Handy, und der Moment zerbrach.

Eric kam zu sich, wich hastig zurück und ließ mich abrupt los. Ich taumelte und fing mich gerade noch ab, bevor ich zu Boden stürzte.

Nicht einmal auf das Display sah er. Stattdessen funkelte er mich an. Sein Blick machte mich zur Schuldigen.

Sein Kiefer war angespannt, seine Augen kalt.

„Du findest wirklich immer einen Weg, alles zu verdrehen“, murmelte er.

Mir schnürte sich die Brust zu. „Was –“

Bevor ich noch etwas sagen konnte, presste er das Handy ans Ohr, drehte sich weg und sprach mit scharfer Stimme hinein. Dann stürmte er davon und ließ mich fassungslos mitten auf der Wiese stehen.

Später kam Evie zurückgelaufen. „Wo geht Papa hin?“

Ich zwang mich zu einem Lächeln, ging in die Hocke und wischte ihr Gras von der Wange.

„Ihm ist nur etwas eingefallen. Aber es ist gut, mein Schatz. Wir hatten doch Spaß, oder?“

Evie nickte langsam. „Ja. Es war fast wie eine richtige Familie.“

Bei ihren Worten musste ich die Tränen zurückblinzeln.

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