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Kapitel 3

C-Emmzy
Iris’ Sicht

Ich wischte mir die Tränen von den Wangen und betrat das Büro mit erhobenem Kopf, obwohl ich innerlich zerbrach.

Eric und Marcus verstummten, sobald ich eintrat. In Marcus’ Gesicht stand Mitleid. In Erics nur unverhohlene Abneigung.

Eric stand hinter seinem Schreibtisch, aufrecht und beherrscht, ganz der geborene Alpha. Er war noch immer der schönste Mann, den ich je gesehen hatte. Das lässig zerzauste Haar, die durchdringend grünen Augen, die breiten Schultern, der scharf geschnittene Kiefer – er hatte mir das Herz gestohlen, ohne sich auch nur darum zu bemühen.

Früher hatte mir schon sein Anblick ein Kribbeln in den Bauch gejagt. Ich hatte mich nach seiner Aufmerksamkeit gesehnt, danach, von ihm geliebt zu werden.

Jetzt spielte all das keine Rolle mehr.

Evies Leben war wichtiger als ein Mann, der weder sie noch mich je liebevoll angesehen hatte.

Ja, es tat weh. Aber ich schob den Schmerz beiseite.

In diesem Augenblick zählte nur eines: Eric musste Evie ihren größten Wunsch erfüllen. Vielleicht war es ihr letzter.

Mein Blick fiel auf die Unterlagen auf dem Tisch. Ohne zu zögern nahm ich sie an mich. „Das ist sicher die Scheidungsvereinbarung“, sagte ich leise.

Eric nickte.

Ich überflog die Papiere und nickte knapp. „Alles in Ordnung. Evie wartet zu Hause auf dich. Deine Aufgabe als guter Vater beginnt jetzt. Nach ihrem Geburtstag unterschreibe ich, dann ist die Scheidung offiziell.“ Meine Stimme klang völlig leer. Danach wandte ich mich zum Gehen.

Erics Stirn legte sich leicht in Falten. Meine Kälte überraschte ihn. Er hatte erwartet, dass ich verletzt, besorgt oder verzweifelt wirkte. Gerade wollte er etwas sagen, da trat Zara herein und nahm den Raum mit ihrer bloßen Anwesenheit für sich ein.

Im selben Augenblick war ich für Eric vergessen. Sein Gesicht wurde weicher, seine Lippen hoben sich zu einem Lächeln, und er stand auf, um Zara zu begrüßen.

„Hey, du“, sagte er warm.

Ich konnte nicht anders und sah zu ihm hinüber. Vor Zara war nichts von dem kalten, schroffen Mann übrig, den ich kannte. Er wirkte glücklich, fast sanft.

Zara warf ihr blondes Haar zurück. Als ihre eisblauen Augen mich entdeckten, blitzte sofort Eifersucht darin auf.

„Oh … Alpha“, sagte sie leise. „Entschuldige. Ich wusste nicht, dass du gerade mit deiner Gefährtin beschäftigt bist. Ich komme später wieder.“

Erics Gesicht verdüsterte sich. „Nenn sie nicht so. Ich habe dir oft genug gesagt, dass sie nicht meine Gefährtin ist.“

Triumph blitzte in Zaras Augen auf. Sie hatte genau gewusst, was ihre Worte auslösen würden. Marcus verzog das Gesicht und sah mich mitleidig an. Meine Finger schlossen sich fester um die Unterlagen, während mir die Scham heiß in die Glieder schoss.

Eric wandte sich mit kaltem Blick an mich. „Du kannst gehen. Zum Abendessen komme ich vorbei.“

Stumm nickte ich und verließ endlich den Raum, bemüht, Zaras Kichern und Erics leises Murmeln zu überhören.

Als ich zu Hause ankam und Evie die Nachricht erzählte, waren Scham und Schmerz wie weggeblasen.

Evies Gesicht leuchtete auf. „Wirklich? Papa kommt heute Abend wirklich zum Essen?“ Sie konnte kaum glauben, dass ihr Vater heute tatsächlich kam. Sie erinnerte sich nicht einmal mehr daran, wann sie zuletzt mit ihm an einem Tisch gesessen hatte.

Bei ihrer reinen Freude musste ich lächeln. „Ja, mein Schatz. Er kommt heute Abend.“

Evie klatschte begeistert in die Hände, schnappte nach Luft und rannte in ihr Zimmer. „Dann ziehe ich mein Lieblingskleid an! Das gelbe mit den Schmetterlingen!“

Ich sah ihr nach, und mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Ich wusste, ich durfte mir keine Hoffnungen machen. Aber Evie zuliebe betete ich, dass Eric sie diesmal nicht enttäuschte.

An diesem Abend bereitete ich ein schlichtes, aber gutes Essen zu. Evie half beim Tischdecken. Gabeln und Servietten legte sie mit größter Sorgfalt hin, damit für ihren Vater nichts schiefging. Alle paar Minuten lief sie zum Fenster und spähte hinaus. „Ist er schon da?“

Endlich klopfte es.

Eric stand vor der Tür, kalt und undurchschaubar wie immer. Ich sagte nichts. Evie dagegen rannte ihm sofort in die Arme.

„Papa!“

Zuerst wirkte Eric überrumpelt. Evie umklammerte seine Taille, und einen Augenblick lang hing seine Hand unbeholfen in der Luft. Dann legte er sie langsam auf ihren Rücken.

„Hey“, murmelte er.

Dieses eine Wort reichte Evie. Sie strahlte.

Das Abendessen war angespannt. Eric sagte kaum etwas und rührte sein Essen fast nicht an. Ich konzentrierte mich auf Evie, fragte nach ihrem Tag, ihren Schulfreundinnen, ihren Zeichnungen. Evie redete fast die ganze Zeit. Ihre Aufregung füllte den Raum, während sie versuchte, mit Eric ins Gespräch zu kommen – doch eigentlich sprach nur sie.

Irgendwann streckte Evie die Hand über den Tisch und legte sie auf seine. „Du bist wirklich hier“, flüsterte sie. Ihre Stimme verriet, dass sie dem Moment noch nicht ganz traute. „Kannst du morgen wiederkommen?“

Eric räusperte sich. „Mal sehen“, murmelte er.

Nach dem Essen begann ich, die Teller abzuräumen, doch Evie zog an Erics Hand.

„Papa … bringst du mich heute ins Bett?“

Eric zögerte.

„Bitte?“, fügte sie hastig hinzu. „Nur heute?“

Ich erstarrte in der Küche und drehte mich nicht um. Ich wartete auf seine Antwort.

Eric seufzte. „Na gut.“

Als es Zeit fürs Bett war, strahlte Evie und zog ihn in ihr Zimmer. Ich blieb an der Tür stehen und sah ihrem Glück zu.

Sie plapperte aufgeregt drauflos, zeigte ihm ihre Zeichnungen, ihre Stofftiere und alles andere, was ihr wichtig war. Dann kroch sie unter die Decke und sah mit schläfrigen Augen zu ihm auf.

„Bleibst du, bis ich eingeschlafen bin?“

Eric nickte schweigend und setzte sich auf die Bettkante.

„Papa?“, flüsterte Evie nach einer Weile.

„Ja?“

„Ich bin doch deine Tochter … oder?“

Er nickte kaum merklich. „Ja.“

Evie lächelte. „Gut. Schlaf gut, Papa.“

Sie drehte sich auf die Seite und schlief mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen ein.

Eric blieb noch ein paar Minuten sitzen und sah sie an. Sie hatte seine Nase und sein blondes Haar. Nur die blauen Augen waren meine.

Sein Handy vibrierte. Mir wurde schwer ums Herz.

Als ich sah, wie seine Lippen sich zu einem kleinen Lächeln verzogen, wusste ich sofort: Das musste Zara sein.

Eric stand langsam auf und warf einen Blick auf Evie. Sie sah so friedlich aus, das Stoffhäschen fest im Arm.

Sein Handy vibrierte erneut.

Eric presste den Kiefer zusammen und schob das Handy zurück in die Tasche.

Dann beugte er sich langsam hinunter, zögerte kurz und drückte Evie einen leichten Kuss auf die Stirn.

Als er sich wieder aufrichtete, fiel sein Blick auf mich. Ich stand mit verschränkten Armen im Flur, das Gesicht reglos. Ich hatte ihn die ganze Zeit beobachtet.

Eric erstarrte. Dann verdunkelten sich seine Augen vor Ärger.

Er ging an mir vorbei, als wäre ich Luft.

„Wohin gehst du?“, fragte ich, als er auf die Tür zusteuerte.

Er blieb stehen, den Rücken zu mir gewandt. „Ich muss etwas Dringendes erledigen“, sagte er kalt.

Ich trat näher und zwang mich, ruhig zu bleiben. „Evie ist am Boden zerstört, wenn sie aufwacht und du weg bist.“

„Jede Nacht fragt sie, ob du kommst“, sagte ich leise. „Jede Ausrede, die ich ihr erzähle, glaubt sie mir – nur damit ihr Bild von dir nicht zerbricht. Wenn du mich wirklich so sehr hasst, wie du immer sagst, kann es dir doch nicht schwerfallen, wenigstens ihr etwas vorzuspielen – nur damit du mich endlich loswirst.“

Eric drehte sich nicht um. „Ich komme morgen früh zurück und bringe sie zur Schule.“

Ohne ein weiteres Wort ging er.

Ich blieb im leeren Flur zurück, während Trauer und Schmerz in meiner Brust brannten.

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