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Author: Pawn
last update publish date: 2026-05-28 03:54:33

 Tinte, Narben und Geheimnisse

 

Knox' Sichtweise

Ich mochte Unbekanntes nicht.

Und Aria Crest war eine verdammt unbekannte Größe.

Sie bewegte sich, als wäre sie für den Kampf ausgebildet worden, zögerte aber vor jedem Schlag, als hielte sie sich zurück. Sie verhielt sich nicht wie ein unterwürfiger Omega. Sie benahm sich nicht wie eine Einzelgängerin. Und sie sprach ganz sicher nicht wie jemand, der sein Leben lang unter der Knute eines

Rudels gestanden hatte.

Aber sie verbarg etwas.

Etwas, das nach Blut und Geheimnissen roch.

Ich lehnte an der Wand des Lagezentrums und starrte auf die verblasste Karte der abtrünnigen Gebiete, die wir mit roter Tinte und frischen Narben versehen hatten. Ein einziger Name ging mir den ganzen Morgen nicht aus dem Kopf.

Kamm.

Nur noch wenige Meuten trugen diesen Namen. Die meisten wurden während der Highland-Kriege ausgelöscht oder in die Reihen der Meuten aufgenommen. Doch es gab eine... versteckt nahe dem nördlichen Bergrücken. Alt, traditionsreich und gefährlich.

Ich nahm mir vor, Diesel zu bitten, genauer nachzuforschen.

Hinter mir öffnete sich die Tür knarrend.

„Hast du eine Minute Zeit?“, fragte Diesel.

„Ja“, sagte ich und stieß mich von der Wand ab. „Was hast du gefunden?“

Er warf einen gefalteten Zettel auf den Tisch. „Informationen aus Reapers letztem Einsatz. Es macht die Runde, dass jemand durchsickern ließ, dass hier eine Wölfin gehalten wird. Manche sagen, sie sei vom Wappenblut. Andere glauben, sie sei die Ratte des Rates.“

Ich presste die Zähne zusammen. „Wie lange?“

„Zwei Tage, vielleicht weniger. Der Rat hat noch nichts unternommen. Aber ihr altes Rudel vielleicht.“

Ich schaute mir die Karte noch einmal an.

Was ich sah, gefiel mir nicht.

„Patrouillenrotationen beginnen. Wer nicht als Blackfang gekennzeichnet ist, kommt nicht durch die Tore.“

Diesel nickte und warf mir dann einen scharfen Blick zu. „Bist du dir sicher, was sie angeht?“

"NEIN."

„Sie bringt Unruhe in die Sache, Knox. Du hast seit... noch nie jemanden einzeln trainiert.“

Er nannte ihren Namen nicht. Musste er auch nicht.

Tessa.

Die letzte Frau, die ich nah an mich herangelassen habe. Die letzte, die mir in die Rippen krallte und eine Narbe hinterließ, die nie ganz verheilt ist.

„Sie ist anders“, sagte ich, mehr zu mir selbst als zu ihm.

„Sie ist gefährlich.“

„Vielleicht“, sagte ich. „Aber ich auch.“

Der alte Schrottplatz hinter dem Gelände war zu unserem inoffiziellen Übungsplatz geworden. Verrostete Kotflügel bildeten brauchbare Hindernisse, und der Kies hielt die Wölfe auf Trab.

Aria stand mir gegenüber, die Ärmel hochgekrempelt, die Kiefer zusammengebissen.

„Noch einmal“, befahl ich.

Sie machte einen Ausfallschritt. Schnell, kontrolliert. Ihr Knie drehte sich tief ein, als wollte sie meine Seite treffen. Ich wich aus, packte ihr Handgelenk und warf sie zu Boden.

Sie schlug mit einem Grunzen auf dem Boden auf, blieb aber nicht liegen.

Sie rollte sich ab, sprang auf die Füße und zielte mit einem Stoß auf mein Kinn. Ich fing ihre Faust in der Luft ab.

„Du verbesserst dich“, sagte ich.

„Du hältst dich immer noch zurück.“

Das hat mich zum Lächeln gebracht.

„Vorsicht“, warnte ich. „Ich könnte denken, dass dir das gefällt.“

Ihre Lippen zuckten. „Ich genieße es zu gewinnen.“

Wir umkreisten sie. Sie war außer Atem, aber nicht erschöpft. Dieses Feuer in ihr hatte ich seit Jahren nicht mehr gesehen. Vielleicht sogar seit …

Ich ließ meine Deckung für einen kurzen Moment fallen, und sie fegte mir das Bein weg.

Ich schlug auf dem Boden auf.

„Scheiße“, murmelte ich.

Sie blinzelte überrascht. „Habe ich gerade …?“

„Das hast du.“

Ich kicherte leise und stand auf, wobei ich mir den Kies vom Arm klopfte.

Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich. Sie sah mich nun nicht mehr nur als Alpha an, sondern als etwas anderes. Ihr Blick fiel auf das Tattoo über meinen Rippen, das halb unter dem lockeren Kragen meines Hemdes hervorblitzte.

Ein Wolfsschädel. Ein Name in Runen. Ein Datum.

Sie hat nicht gefragt.

Aber ich sah das Verständnis in ihren Augen.

Narben erkennen Narben.

Später am Abend schenkte ich mir in meinem Zimmer ein Glas Whiskey ein. Ich trank nicht, um zu vergessen, sondern nur, um das Brennen in meinem Hals zu spüren und mich daran zu erinnern, dass ich noch atmete.

Die Tür öffnete sich.

Aria trat ein, barfuß, das Haar noch feucht vom Duschen.

„Du solltest das abschließen“, sagte sie.

„Wenn mich jemand töten wollte, würde ihn ein Schloss nicht aufhalten.“

Sie lehnte sich an den Türrahmen.

„Trainierst du alle so?“

"NEIN."

„Nur ich?“

Ich habe nicht geantwortet.

Stattdessen beobachtete ich, wie sie langsam und vorsichtig durch den Raum ging, als ob die zwischen uns vibrierende Verbindung zubeißen könnte, wenn sie zu fest auftrat.

Mein Wolf regte sich. Diesmal nicht vor Wut. Sondern vor Bedürfnis.

Aber ich habe mich nicht bewegt.

Sie saß auf der Bettkante und hatte die Beine unter sich angezogen. Ihr Atem ging ruhig, die Augenlider waren schwer.

„Ich habe letzte Nacht nicht geschlafen“, murmelte sie.

„Dann schlaf jetzt.“

„Das macht Ihnen nichts aus?“

Ich hätte ja sagen sollen.

Stattdessen nickte ich nur einmal und ging zu dem entferntesten Stuhl, um ihr Raum zu geben.

Innerhalb weniger Minuten war sie bewusstlos, ihr Körper schlaff, ihr Herzschlag schwach.

Ich habe ihr beim Schlafen zugesehen.

Und für einen Moment, nur einen einzigen verdammten Moment, erlaubte ich mir, an Frieden zu glauben.

Das Klopfen klang wie ein Schuss.

Drei kräftige Schläge gegen die Tür.

Ich war bereits im Umzug.

Aria regte sich hinter mir, als ich die Tür öffnete.

Ein Späher stand keuchend da, Staub und Schweiß rannen ihm über das Gesicht.

„Sie sind da“, sagte er. „Vier Geländewagen. Mit den Abzeichen der Crest-Gruppe. Sie stehen am Tor und fragen nach ihr.“

Mir schnürte es die Brust zu.

„Haben sie einen Verstoß begangen?“

„Noch nicht. Sie wollen Verhandlungen.“

Ich drehte mich um und sah Aria, die nun blass und mit aufgerissenen Augen dastand.

„Sie haben mich gefunden“, flüsterte sie.

Ich machte einen Schritt auf sie zu.

Aber irgendetwas an diesem Geruch stimmte nicht.

Dort, begraben unter Kiefern, Mondlicht und Angst, dem Verrat.

Mein Wolf knurrte.

Und mir wurde klar, dass jemand in diesem Komplex sie gewarnt hatte.

 

 

 

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