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Author: Pawn
last update publish date: 2026-05-28 03:52:01

Arias Sichtweise

 

Die Freiheit begann sich wie eine Lüge anzufühlen.

Die Mauern des Blackfang-Geländes bestanden nicht aus Gittern, sondern aus Stahl, Lärm und unzähligen Blicken. Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, wieder in einem Käfig zu sitzen – nur dass dieser nach Motoröl und Testosteron roch.

Und ihn.

Dieser Duft war allgegenwärtig. Verbranntes Leder, Kiefernrauch und etwas Dunkleres darunter. Alpha-Kraft. Altes Blut. Etwas Urwüchsiges.

Mein Wolf hatte mich innerlich zerkratzt, seit er mich berührt hatte. Als wollte sie sich an ihn pressen, sich in seinem Duft wälzen und ihm ihren Hals entblößen.

Vergiss es.

Ich bin nicht diesen ganzen Weg gekommen, habe nicht geblutet, bin nicht durch Schlamm gekrochen, wäre nicht fast gestorben, um am Ende unter dem Stiefel eines anderen Alphas zu landen.

Auch wenn mir ihre Stimme die Knochen zum Schmelzen brachte.

Ich saß mit bandagierten Knöcheln auf der Liege im Krankenzimmer, die blauen Flecken verblassten bereits. Der abtrünnige Heiler musste mir etwas Starkes verabreicht haben. Mein Körper heilte schneller als sonst, was bedeutete, dass mein Wolf kurz davor war. Zu kurz davor.

Ich musste mich verändern. Wegrennen. Verschwinden.

Bevor ich mich wieder verlor.

Die Tür öffnete sich mit einem Knarren, das wie eine Drohung widerhallte.

Er griff ein.

Keine Worte. Nur Präsenz.

Seine Augen musterten mich langsam, nicht lüstern, sondern berechnend. Er las mich wie ein Problem, das es zu lösen galt. Sein Kiefer war angespannt, als ob ihm sein Anblick nicht gefiele.

„Schläfst du?“, fragte er.

"Ich habe es versucht."

Er grunzte. „Lügst du immer so schlecht?“

„Ich lüge nicht.“

"Du bist."

Ich stand da und ignorierte das plötzliche Aufflammen des Schmerzes in meinem Knöchel.

Er rührte sich nicht, er schaute nur zu.

„Du bist nicht von hier“, sagte er.

„Du auch nicht“, schnauzte ich.

Er hob eine Augenbraue. „Das stimmt. Aber ich bin nicht derjenige, der mit den Vollstreckern des Rudels im Nacken in unwegsames Gebiet humpelt.“

Ich biss mir so fest auf die Lippe, dass ich Blut schmeckte.

„Wer hat sie geschickt?“, fragte er mit leiser, gefährlicher Stimme.

"Ich weiß nicht."

"Versuchen Sie es erneut."

„Ich sagte, ich weiß es nicht.“

Er machte einen Schritt vorwärts. Mein Wolf schnurrte beinahe bei seiner Nähe.

Verdammt sei sie.

„Hören Sie“, sagte ich und wich zurück, „ich bin nicht hierher gekommen, um Hilfe zu holen.“

„Nein. Du bist hierher gekommen, um in meinem Wald zu bluten und mir den Ärger des Rudels vor die Haustür zu locken.“

Ich reagierte empört. „Ich habe nicht darum gebeten, gerettet zu werden.“

„Das tut nie jemand.“ Sein Tonfall war kalt, aber seine Augen... nicht so sehr.

Wir starrten uns einen Moment lang an, gefangen in einem stillen Krieg.

Dann drehte er sich weg und murmelte: „Haltet euch von der Westseite fern. Reaper trainiert dort. Wenn ihr ihm in die Quere kommt, verliert ihr mehr als nur einen Knöchel.“

„Danke für die Warnung.“

„Bedanken Sie sich nicht. Sterben Sie einfach nicht auf meinem Land.“

Das hat er mir hinterlassen.

Ich fand meine Stiefel in der Nähe der Tür, blutbefleckt und verkrustet. Ich zog sie an, zuckte vor Schmerz in meinem Fuß zusammen und ging hinaus.

Das Gelände von Blackfang war lauter als erwartet. In verrosteten Fässern brannten Feuer. Motorräder dröhnten und heulten auf einem Eckparkplatz auf. Wölfe und Menschen bewegten sich synchron – Fahrer, Schläger, Mädchen in abgeschnittenen Jeans, sogar ein Typ, der an einer Werkbank schweißte und dabei Funken sprühten.

Alle waren bewaffnet. Alle starrten.

Ich spürte die Hitze ihrer Blicke auf meiner Haut wie die von Feuerameisen. Manche sahen neugierig aus. Andere feindselig. Die meisten ignorierten mich einfach.

Ein Außenseiter.

Ein Rudelmädchen.

Ich hielt den Kopf gesenkt und schlenderte an der Kneipe vorbei, wo ein Wolf mit dichtem Bart hinter der Theke Schnäpse auskippte. Rauchschwaden hingen in der Luft wie Geister vergangener Schlägereien. Aus einem alten Radio dröhnte blecherne, aggressive Musik.

„Du hast verloren?“, bellte eine Stimme von links.

Ich drehte mich um. Ein hochgewachsener, schmächtiger Kerl mit unzähligen Piercings und einem breiten Grinsen trat mir in den Weg. Er versperrte den Zugang zu den hinteren Garagen. Sein Hemd hing offen und gab den Blick auf Kratzspuren und tätowierte Stammeslinien an seinen Rippen frei.

„Ich gehe nur spazieren“, sagte ich mit neutraler Stimme.

Er schnupperte. Seine Lippen kräuselten sich.

„Du riechst nach Rudelgesetz. Bist du sicher, dass du kein eingeschleuster Agent bist?“

„Ich bin mit niemandem zusammen.“

„Hätte mich täuschen können. Du siehst aus wie etwas, das an die Leine gehört.“

Ich habe nicht gezögert.

Meine Faust schnellte vor und traf ihn hart am Kiefer. Sein Kopf schnellte zur Seite und sein Grinsen verschwand.

Dann stürzte er sich auf ihn.

Ich wich nach links aus, mein Knöchel schmerzte laut, und duckte mich vor einem wilden Hieb. Doch er war schnell, und ich war nicht in Bestform. Seine Schulter traf mich mit voller Wucht in die Brust, und ich stürzte hart zu Boden.

Seine Hand packte mein Hemd.

„Freche Göre“, knurrte er. „Vielleicht zeige ich dir mal, wie Schurken mit frechen kleinen…“

Er beendete den Satz nicht, bevor er seine Hand um den Hals des Schurken schloss und ihn hochzog.

„Niemand rührt sie an“, sagte er ruhig. Zu ruhig.

Die Füße des Schurken strampelten in der Luft.

„Sie gehört nicht zu uns“, brachte er stockend hervor.

„Sie lebt unter meinem Dach“, knurrte Knox, seine Augen blitzten golden auf. „Das macht sie zu meiner.“

Die Menge war verstummt. Jeder Wolf in der Nähe beobachtete sie. Wartend.

Knox ließ den Schurken wie Müll fallen und starrte ihn an.

„Wenn du sie noch einmal anfasst“, sagte er, „reiße ich dir das Rückgrat heraus und trage es als Gürtel. Verstanden?“

Der Schurke hustete, nickte und huschte in die Menge davon.

Ich stand da und klopfte mir den Staub von der Jacke; ich war zu fassungslos, um etwas zu sagen.

Knox wandte sich mir zu.

„Alles in Ordnung?“

Ich blinzelte. „Warum hast du das getan?“

„Ich mag keine Tyrannen.“

„Bin ich für dich nur das? Ein bemitleidenswerter Fall?“

Er antwortete nicht.

Später versuchte ich, mich in einen der alten Geräteschuppen hinter der Garage zu schleichen, in der Hoffnung, fünf Minuten allein zum Nachdenken zu haben.

Er hat mich trotzdem gefunden.

Knox klopfte nie. Er öffnete einfach die Tür und stand da, wie ein Sturm, den man schon riechen konnte, bevor er losbrach.

„Läufst du schon wieder?“, fragte er.

"Noch nicht."

„Hast du das vor?“

Ich habe nicht geantwortet.

Er trat ein und schloss die Tür hinter sich.

Mein Wolf regte sich, sobald er näher kam. Die Verbindung zwischen uns war schwach spürbar, noch nicht stark, aber da. In der Luft. Im Blut.

„Ich werde dich nicht noch einmal fragen, vor wem du wegläufst“, sagte er und verschränkte die Arme. „Aber ich werde dir eine Wahl lassen.“

Ich schluckte.

„Entweder du bleibst“, fuhr er fort, „unter meinem Schutz, unter meinem Dach … oder ich schicke dich wieder auf die Straße und du gehst dein eigenes Risiko ein. Vielleicht findet dich dein Rudel. Vielleicht passiert etwas Schlimmeres.“

„Glaubst du, ich habe Angst?“

„Nein“, sagte er und kniff die Augen zusammen. „Ich glaube, du bist müde. Und tust nur so, als wärst du es nicht.“

Er kam einen Schritt näher. Ich wich zurück, bis mein Rücken an die Wand stieß.

„Mir ist egal, was du bist, Aria. Rudeltier. Streuner. Halbwild. Aber du dringst jetzt in meine Welt ein. Und das hat seine Regeln.“

Er beugte sich vor, seine Stimme wurde leiser.

„Du willst Freiheit? Dann verdien sie dir. Beweise, dass du dazugehörst. Oder geh.“

Er richtete sich auf, mir stockte der Atem.

Denn sein Blick war damals nicht kalt. Er war... besitzergreifend. Beschützerisch.

Als hätte er sich bereits entschieden.

Aber er vermittelte mir weiterhin die Illusion, ich hätte die Wahl.

Ich habe es gehasst.

Weil ich wusste, was ich sagen würde.

Ich wollte es einfach nicht zugeben.

 

 

 

 

 

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