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last update publish date: 2026-09-18 13:18:17

MATHILDAS POV

Das Geräusch des sich drehenden Schlüssels klang wie ein Todesurteil im Flur dieser ruhigen Wohnung. Ich trat ein und ließ die schwere Tür hinter mir ins Schloss fallen. Klick. Das automatische Schloss klang viel zu laut. Und viel zu endgültig.

Diese Wohnung ist luxuriös. Enzo hatte sie mir als mein privates „Hauptquartier“ überlassen. Weißer Marmorboden, riesige Glasfenster mit Blick auf die Skyline von New York und eine Ledercouch, deren Preis wahrscheinlich ausgereicht hätte, u
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  • Die Rache seiner unattraktiven Ehefrau   122

    FREDRIC’S POVDer Regen in New York wäscht wirklich gar nichts rein. Er macht den Schmutz auf den Straßen nur noch klebriger und lässt die Sünden in diesem Gebäude noch schwerer wiegen.Die Wanduhr zeigt zwei Uhr siebenundvierzig morgens.Das Gebäude des Smith-Jones-Towers müsste eigentlich dunkel und friedlich sein. Nur die Sicherheitsbeleuchtung und ein paar Notlichter brannten. Aber im zweiundfünfzigsten Stock, hinter einer doppelten, verschlossenen Holztür aus Eiche, war ich immer noch wach.Der riesige Mahagonitisch vor mir war ein einziges Chaos. Ein Stapel von Dokumenten über die illegalen Überweisungen von Gian an die Moretti-Firmen lag verstreut neben einer kalten Tasse Kaffee, auf deren Oberfläche sich bereits eine schimmelige Schicht gebildet hatte. Meine Augen brannten. Es fühlte sich an, als wären meine Augenlider mit Sand gefüllt. Die Folgen des Kokainentzugs, den Paula mir aufgezwungen hatte, jagten von Zeit zu Zeit immer noch leichte Zitteranfälle durch meine Fingerspi

  • Die Rache seiner unattraktiven Ehefrau   121

    MATILDAS POVDer Geruch von Staub, Nähmaschinenöl und kaltem Kaffee lag in der Luft dieser halbdunklen Lagerhalle.Ich stand auf einem kleinen Podest in der Mitte des Raumes, wie erstarrt vor einem riesigen Spiegel, dessen Ränder mit Staub bedeckt waren. Mein Körper war in ein dunkelblaues Kleid gehüllt, das Maria ausgewählt hatte. Der Seidenstoff war kalt, glatt und schmiegte sich mit grausam erlesener Präzision an die Konturen meines Körpers. Es fühlte sich an, als trüge ich eine Rüstung aus Eis.Antonio kniete hinter mir. Seine rauen Hände – die Hände eines Schneiderlehrlings, der jahrzehntelang Nadeln durch Stoffe gejagt hatte – passten den Saum des Kleides um meine Waden an. Er steckte die Stecknadeln mit schnellen, präzisen Bewegungen fest. Hin und wieder berührte die Spitze einer Nadel meine Haut und hinterließ ein kaltes Gefühl, das mir einen Schauer über den Rücken jagte.»Du bist viel zu starr«, murmelte Antonio, ohne aufzusehen. Seine Stimme war heiser und klang erschöpft.

  • Die Rache seiner unattraktiven Ehefrau   120

    FREDRIC’S POVDas Ticken der antiken Wanduhr in der Bibliothek des Anwesens fühlte sich an wie ein riesiger Hammer, der auf meinen Schädel einschlug. Tick. Tick. Tick.Jeder Schlag erinnerte mich an die unerbittlich verstreichende Zeit und an die Atemzüge, die ich immer noch tat, obwohl ich eigentlich an Matildas Seite auf dem Grund der Silent-Drop-Klippe hätte tot sein sollen.Ich saß gegenüber dem massiven Schreibtisch des Meisters und starrte auf den Laptop-Bildschirm, auf dem der Entwurf für die Rede der Wohltätigkeitsgala zu sehen war. Die Buchstaben auf dem Bildschirm tanzten, verschwammen und drehten sich. Meine Augen schmerzten. Es war nicht der Schmerz vom Weinen – meine Tränen waren seit jener Nacht im Verhörraum getrocknet –, sondern der Schmerz von Schlafmangel, der nun schon den dritten Tag anhielt.Mein Körper schrie nach Ruhe. Meine Muskeln fühlten sich an wie mit Blei gefüllt, und hinter meinen Rippen schlug mein Herz in einem unregelmäßigen Rhythmus. Die Entzugsersche

  • Die Rache seiner unattraktiven Ehefrau   119

    MATHILDAS POVDie Fernbedienung fühlte sich glitschig in meiner Handfläche an.Ich hätte den Fernseher heute Abend nicht einschalten dürfen. Antonio hatte es gesagt, Enzo hatte es gesagt, und selbst Maria – die sich sonst nie um mich scherte – hatte gewarnt: „Schau keine Nachrichten über die Smith-Familie an, bis die Gala vorbei ist. Dein Kopf muss frei sein.“Aber ich hatte ihn trotzdem eingeschaltet.Und jetzt saß ich auf der schwarzen Ledercouch, deren Preis wahrscheinlich ausgereicht hätte, um ein ganzes Dorf in der alten Heimat meines Vaters zu kaufen, und starrte mit rasendem Herzschlag auf den Bildschirm.„Eilmeldung von der New Yorker Börse. Die Familie Smith-Jones, das größte Diamanten-Konglomerat Nordamerikas, befindet sich in einem heftigen internen Aufruhr. Glaubwürdige Quellen bestätigen, dass Gillian Smith, der Cousin von CEO Frederick Liam Smith, die Stimmrechte der Aktionäre mobilisiert, um ein Misstrauensvotum gegen Fredericks Führung einzubringen.“Gillians Gesicht t

  • Die Rache seiner unattraktiven Ehefrau   118

    FREDRICS POVDer Konferenzraum im zweiundfünfzigsten Stock des Smith-Jones-Towers wirkte wie eine Operationssäle, sorgfältig gestaltet aus Mahagoni und persischen Teppichen.Die Klimaanlage lief extrem kalt. Oder vielleicht war es auch nur ich, der eine extreme Hitze in sich spürte.Ich saß am Ende des Tisches, ganz allein. Vor mir standen sieben leere Stühle, die eigentlich von den Vorstandsmitgliedern hätten besetzt sein sollen. Doch nur vier Plätze waren belegt. Marcus, mein Betriebsleiter, saß zu meiner Linken – der einzige Verbündete, der es noch wagte, sich an meiner Seite blicken zu lassen. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tisches saß Gillian mit einem leichtem Lächeln, das in mir den Wunsch auslöste, mein Frühstück zu erbrechen.Neben Gillian saßen drei ältere Herren. Mr. Henderson. Mr. Whitmore. Und Mr. Callaway. Die Stimmrechtsvertreter. Jene Leute, deren Dividenden ich jahrelang eigenhändig und ohne Zögern ausgezahlt hatte, starrten mich nun an, als wäre ich ein bösarti

  • Die Rache seiner unattraktiven Ehefrau   117

    MATHILDAS POVDas Geräusch des sich drehenden Schlüssels klang wie ein Todesurteil im Flur dieser ruhigen Wohnung. Ich trat ein und ließ die schwere Tür hinter mir ins Schloss fallen. Klick. Das automatische Schloss klang viel zu laut. Und viel zu endgültig.Diese Wohnung ist luxuriös. Enzo hatte sie mir als mein privates „Hauptquartier“ überlassen. Weißer Marmorboden, riesige Glasfenster mit Blick auf die Skyline von New York und eine Ledercouch, deren Preis wahrscheinlich ausgereicht hätte, um ein ganzes Dorf zu kaufen, in dem mein Vater früher gearbeitet hatte. Doch in dieser Nacht wirkte dieser Ort wie ein eisiges Mausoleum. Kalt. Leer. Es roch nach künstlichem Lufterfrischer, der vergebens versuchte, den Geruch der Einsamkeit zu verbergen.Ich trat meine zwölf Zentimeter hohen High Heels von den Füßen. Meine zerkratzten und geschwollenen Zehen berührten endlich den kalten Marmorboden. Es fühlte sich an, als würde man mir erlauben zu atmen, nach zwölf Stunden, in denen ich gezwung

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