LOGINFREDRICS POVDie Tür meiner Wohnung schwang mit einem Klick auf, das in meinen ohrenklingenden Ohren schmerzte.Ich trat ein und wurde von diesem Geruch empfangen – einer Mischung aus billigem Alkohol, dem Duft von Paulas Parfüm, der noch immer an der Couch haftete, und einer Verzweiflung, die sich über Monate hinweg aufgestaut hatte. Früher hatte mich dieser Geruch fühlen lassen wie einen König, der in seinem eigenen Reich feiert. Nun wurde mir davon übel.Ich warf meine Armani-Jacke auf den Boden. Eine dreitausend Dollar teure Jacke, die jetzt wie ein Fetzen wirkte. Ich ging durch das Wohnzimmer, das noch immer in einem Zustand des Chaos war – leere Flaschen, schmutziges Geschirr und Paulas rotes Kleid, das über der Stuhllehne hing wie ein Geist, der darauf wartete, beschworen zu werden.Früher wäre ich direkt zur kleinen Bar in der Ecke des Raumes gegangen. Ich hätte Whisky in ein Glas gegossen und getrunken, bis die Welt aufhörte sich zu drehen. Ich hätte in der Schublade des Schm
MATILDAS POVMeine Schritte hallten auf dem Betonboden der Tiefgarage wider. Klick. Klick. Klick.Hinter mir hörte ich seine Schritte. Frederick. Er folgte mir.Ich hätte einfach in das bereitstehende Auto des Anwesens steigen, die dunkle Glastür schließen und den Fahrer auffordern können, aufs Gas zu treten. Aber ich kenne diesen Mann. Frederick Liam Smith würde niemals aufgeben. Wenn ich ihn auch nur den Hauch einer Hoffnung behalten ließe, ich könnte Matilda sein, würde er noch mehr Detektive anheuern. Er würde mich bis nach Genf verfolgen. Er würde Enzo, Antonio und jeden vernichten, der mich beschützt, nur um ein einziges Geständnis zu erlangen.Mit Mitleid kommt man hier nicht weiter. Und Metaphern helfen auch nicht.Es gibt nur einen Weg, den Geist in seinem Kopf zu töten: Ich musste Matilda direkt vor seinen Augen schlachten.Ich blieb stehen. Ich holte tief, zitternd Luft und drehte mich um.Frederick stand fünf Schritte hinter mir. Seine Brust hob und senkte sich, seine Auge
FREDRICS POVDer schwere stählerne Safe-Tür fiel mit einem lauten Wumms ins Schloss und schloss ihn mitsamt seinen Geistern ein.Ich stand da und starrte auf mein Spiegelbild auf der polierten Metalloberfläche. Dieses Gesicht sah aus wie das eines Fremden. Das Gesicht eines Mannes, der soeben den einzigen Menschen, den er liebte, an den Rand des Abgrunds gedrängt hatte.Die Übelkeit schnürte mir den Magen zusammen.Der Vorwand war so fadenscheinig und erbärmlich gewesen, dass er mich fast zum Lachen gebracht hätte. Aber ich lachte nicht. Meine Brust war wie zugeschnürt, meine Lungen weigerten sich, sich zu weiten.Sie war weggelaufen.In den vergangenen drei Monaten hatte ich die Rolle des geduldigen Jägers gespielt. Ich hatte auf Beweise gewartet, auf Vances Bericht gewartet, auf die Abschlussgala gewartet. Ich hatte Marcus gesagt, ich würde sie von selbst zu mir kommen lassen.Doch als ich diesen geschlossenen Stahltürflügel anstarrte, packte mich eine urtümliche, verzweifelte Panik
MATILDAS POV„Einen Dummling?“Fredericks Stimme war kaum wahrnehmbar, nur ein heiseres Flüstern. Doch in dem engen Raum zwischen uns explodierte das Wort wie ein Pistolenschuss.Er trat einen Schritt näher. Der Duft von Sandelholz in seinem Parfüm legte sich um meinen Hals, erstickend und schmerzhaft vertraut.„Glaubst du das wirklich, Helena? Oder redest du dir das nur ein, um heute Nacht schlafen zu können?“Ich zwang mein Kinn nach oben und nötigte meine Stimme, völlig frei von jeglicher Emotion zu bleiben: „Ich glaube, dass ein Vogel, der in die Asche zurückkehrt, einfach ein Vogel ist, der keine andere Wahl hat.“„Lügnerin.“Das Wort traf meine Brust. Ich zuckte zusammen. Nur einen einzigen Millimeter. Ein mikroskopisch kleiner Verrat meiner Muskeln. Doch Frederick sah es. Seine Augen verdunkelten sich, und er folgte der Bewegung wie ein Raubtier, das gerade ein verletztes Rehmaterial erblickt hat.Er sagte: „Du zitterst.“„Es ist kalt hier.“„Dieser Safe ist exakt auf zwanzig G
FREDRICS POVIch wusste, dass ich aufhören musste. Marcus hätte sich an den Kopf geschlagen, wenn er gewusst hätte, dass ich diese Frau in diesem erdrückenden Safe immer noch in die Enge trieb. Aber da war etwas Primitives und Grausames in meiner Brust – etwas, dem es nicht reichte, Helena einfach nur erstarren zu sehen. Ich wollte, dass sie blutete. Ich wollte sehen, wie diese Maske riss, nur ein kleines bisschen, nur um mir selbst zu beweisen, dass ich nicht verrückt war.„Komm her, Helena“, sagte ich, und meine Stimme klang normal, fast heiter. „Es gibt noch etwas anderes, das ich dir zeigen möchte. Das sind keine Diamanten, aber ihre Geschichte ist viel faszinierender.“Helena drehte den Kopf. Ihre dunkelbraunen Augen – mein Gott, diese Augen – musterten mich mit einer Vorsicht, die sie hinter professioneller Langeweile zu verbergen versuchte. „Ist das Kreativteam mit der Beleuchtung noch nicht fertig?“„Sie brauchen noch zwanzig Minuten für die Schatteneffekte“, antwortete ich un
MATILDAS POVDas Kreativteam ging nach oben, um die Beleuchtung vorzubereiten. „Zehn Minuten“, sagten sie. Aber zehn Minuten in diesem Safe fühlten sich wie zehn Jahre an.Ich stand in der Mitte des Raumes, umgeben von gläsernen Vitrinen, die säuberlich wie transparente Särge aufgereiht waren. Jede Vitrine beherbergte ein einziges Schmuckstück, beleuchtet von LED-Lampen, die die Edelsteine im Inneren wie wachende Augen glänzen ließen.Und ich war von ihnen allen umgeben.„Du kannst hier anfangen, die Winkel auszuwählen, Helena“, hallte Fredericks Stimme aus einer Ecke des Raumes. Er lehnte an der Stahlwand, die Hände vor der Brust verschlankt, als hätte er nicht die Absicht, näher zu kommen. „Das Kreativteam sagt, du hast ein Faible für Beleuchtung.“Ich wandte mich nicht um. „Ich schaue mich erst einmal um.“„Bitte sehr.“Seine Stimme war extrem ruhig. Extrem ruhig. Ich wusste, was er tat. Er beobachtete mich. Er registrierte jeden Schritt. Er registrierte jedes Mal, wenn seine Augen







