LOGINSechs Monate lang lag ich als die perfekte Geliebte in Kai Voss’ Bett. Heute Nacht würde ich sein verschlüsseltes Kontobuch stehlen und alles zerstören, was er sich aufgebaut hatte. Mit einem verführerischen Lächeln biss ich mir auf die Lippe und spielte mit seiner Krawatte. „Kai, vertraust du mir?“ Er küsste meine Stirn, seine Stimme tief und ruhig: „Ja. Ich vertraue dir. Egal, was du tust.“ Um drei Uhr morgens schob ich das Kontobuch in meine getarnte Tasche und stand lautlos auf. Plötzlich ging die Lampe am Bett an. Kai lehnte entspannt gegen das Kopfteil. In seiner Hand drehte er meine Ersatzwaffe zwischen den Fingern. Seine Augen waren klar und wach – viel zu wach für jemanden, der gerade erst aufgewacht sein sollte. „Lila Moreau… du warst dabei, als dein Vater durch meine Hand gestorben ist.“ Mein Blut gefror in meinen Adern. Er winkte mich mit einer langsamen Bewegung zu sich und lächelte. „Komm her. Ich gebe dir eine Chance. Drück ab.“ Erst jetzt verstand ich es. Die sechs Monate voller Zärtlichkeit waren nie echt gewesen. Von der ersten Sekunde an war alles eine Falle.
View More"Tisch neun beschwert sich schon wieder, Ava. Geh da hin, bevor die mich reinziehen."
Die scharfe Stimme des Managers schnitt durch den Laerm, waehrend ich das schwere Tablett mit Cocktails balancierte. Ich nickte schnell und draengte mich durch das volle Lokal, das kurze schwarze Hostess-Kleid rutschte gerade weit genug hoch, um Blicke auf sich zu ziehen. The Eclipse pulsierte um mich herum. Der Bass vibrierte durch meine Absaetze bis in die Knochen. Lichter blitzten ueber schwitzende Koerper und klirrende Glaeser. Sechs Wochen in diesem Club im Meatpacking District und meine Fuesse schmerzten noch nach jeder Schicht, aber ich hielt das Laecheln breit und einladend.
"Kommt sofort, Jungs", sagte ich und schob die Drinks mit einem kleinen Schwung auf Tisch neun. Einer mit dickem Hals und zu viel Parfum liess seine Finger ueber mein Handgelenk streifen. Ich zog es glatt zurueck, lachte, als waere es nichts. "Habt ihr heute Abend Glueck? Klingt, als wuerdet ihr einen grossen Deal abschliessen."
Sie legten gleich los und prahlten von einer Lieferung und einem Politiker in ihrer Tasche. Ich blieb stehen und wischte einen Fleck auf, waehrend mein Kopf die Sekunden zaehlte. Das Abhoergeraet, das ich letzte Woche unter diesen Tisch geklebt hatte, sollte jedes Wort auffangen. Kleine Fortschritte. Eineinhalb Monate drin und ich hatte bereits drei Geraete platziert. Genug Brocken, um sie an Vater weiterzugeben und mir eine weitere Woche zu erkaufen.
Komm schon, Lila. Reiss dich zusammen. Dafuer wurdest du ausgebildet.
Schweiss sammelte sich an meinem Nacken. Die Luft fuehlte sich heute Abend schwerer an. Ich hatte Victor Details ueber Routen durch Newark und ein paar Namen gegeben. Fortschritt, aber nicht genug. Nicht nah genug am eigentlichen Ziel. Kai Voss. Der juengste und brutalste Don, den das Voss-Syndikat je gesehen hatte. Er kontrollierte illegale Kasinos, Waffendeals und die Haelfte der Politiker an der Ostkueste. Kalt. Berechnend. Unantastbar. Und der Mann, den ich zerstoeren sollte.
Meine Haut kribbelte. Dieser schwere Blick zog ueber mich wie Haende. Ich richtete mich langsam auf, Tablett unter dem Arm, und liess meine Augen beilaeufig nach oben zum Balkon im zweiten Stock wandern. Dunkles Glas. Privat. Eine grosse Gestalt stand dort, vollkommen still. Breite Schultern in einem tadellosen schwarzen Hemd. Die Art, wie er den Raum beherrschte, ohne auch nur etwas zu tun. Kai Voss.
Er beobachtete mich. Direkt. Ohne zu blinzeln. Mein Magen zog sich zusammen. Das war gut. Das musste der Durchbruch sein, auf den ich gewartet hatte. Aber die Intensitaet in diesen eisgrauen Augen liess meinen Puls schneller rasen, als er sollte.
Ich senkte zuerst den Blick und spielte das scheue Maedchen, dann drehte ich mich zurueck zur Bar. Meine Haende fuehlten sich feucht auf dem Tablett an. _Atme, Lila. Du hast Schlimmeres ueberstanden. Das ist deine Chance, naeher ranzukommen._
Mia schob sich neben mich an die Servicestation. Ihre leuchtend roten Straehnen stachen wild gegen das gedaempfte Licht hervor. Sie bewegte sich immer, als gehoerte ihr der Boden, und hatte fuer alles eine scharfe Zunge. Die einzige Person hier, die geradeaus redete.
"Maedchen, spuerst du die Hitze von oben?" murmelte Mia und lud ihr Tablett, waehrend sie die Stimme senkte. Sie warf einen schnellen Blick zum Balkon. "Kai hat dich da oben jetzt seit zwanzig Minuten wie ein Falke beobachtet. Das ist nicht seine uebliche Art. Der Boss verschwendet keine Zeit an Servicepersonal, wenn er nicht etwas im Sinn hat."
Ich lehnte mich naeher ran und wischte mir die Haende an einem Tuch ab, als wuerden wir nur ueber Schichten quatschen. "Was meinst du? Ich hab ihn schon gesehen, aber nie so. Du bist laenger hier, Mia. Sag mir direkt: Soll ich mir Sorgen machen oder geschmeichelt sein?"
Mia schnaubte und stapelte Glaeser mit schnellen Haenden. "Beides. Ich hab gesehen, wie Maedchen vorher versucht haben, seine Aufmerksamkeit zu bekommen. Manche werden nach oben zum Privatgespraech geholt und kommen mit fetten Boni zurueck. Andere stellen die falschen Fragen und ploetzlich sind sie weg. Keine Kuendigung, kein Tschuess. Er hat Rafe, den grossen Typ mit der Narbe, der ihm wie ein Schatten folgt. Die beiden spielen nicht. Rafe ist derjenige, der Probleme still verschwinden laesst."
Ich stupste sie leicht an der Schulter an und zwang mich zum Lachen. "Klingt intensiv. Ich bin nur hier um die Miete zu zahlen und gute Trinkgelder zu machen. Aber Kai hat schon diesen Sog, oder? Gross, ruhig, sieht aus, als koennte er dein Leben mit einem Wort ruinieren. Wurdest du selbst schon mal nach oben gerufen?"
Mia schuettelte schnell den Kopf, Augen ernst. "Einmal. Ich brauchte frei fuer meine Mutter. Er hoerte zu, sagte nein, und Rafe sorgte dafuer, dass ich verstand, dass der Dienstplan nicht flexibel war. Klug ist, den Kopf unten zu halten, Ava. Besonders wenn man huebsch ist wie du. Typen wie er bemerken alles. Und sie vergessen nichts."
Sie schnappte ihr volles Tablett und ging mit einem schnellen "Pass auf dich auf" ueber die Schulter davon. Ihre Worte lagen schwer in meiner Brust. Ich nahm die naechste Bestellung, Beine aussen stabil, waehrend meine Gedanken sich ueberschlugen. _Lila, du musst das nutzen. Bring ihn dazu, sich zu interessieren. Bring ihn dazu, dir genug zu vertrauen, um einen Fehler zu machen._ Vaters Forderungen wurden jeden Tag draengender. Naeher ran. Die echten Geheimnisse stehlen. Das Voss-Syndikat beenden.
Die Nacht zog sich hin. Ich bewegte mich von Tisch zu Tisch, liess ueber schwache Witze lachen, liess Haende meinen Arm streifen, waehrend ich meine Geraete ueberpruefte. Alle paar Minuten kehrte dieses Gefuehl zurueck. Kai noch immer da oben. Noch immer beobachtend. Meine Haut blieb angespannt, bewusst ueber jeden Schritt.
Ich lieferte Drinks an eine laute VIP-Gruppe an den Seilen. Einer versuchte, Geld in meinen Kleidertraeger zu schieben. Ich wimmelte ihn mit einem Augenzwinkern ab und trat zurueck. Das Geraet in der Privatlounge koennte mehr auffangen, wenn Kai bald herunterkam. Ich brauchte echten Zugang.
Spaeter, gegen Ende meiner Schicht, wischte ich einen leeren Stehtisch in der Naehe der Treppe ab. Mia kam wieder vorbei.
"Ava, noch eine letzte Sache", sagte sie und blieb nah stehen. "Wenn er dich wirklich nach oben ruft? Geh nicht blind rein. Und was auch immer du tust, versuch nicht, ihn auszuspielen. Maenner wie Kai riechen Luegen aus einer Meile Entfernung."
Ich wollte gerade fragen, was sie meinte, als die Hauptlichter fuer das spaete Set dimmten. Meine Augen wanderten noch einmal nach oben.
Der Balkon war jetzt leer.
Aber das schwere Gefuehl war nicht gegangen. Als wuerde mich noch jemand aus dem Schatten mit jedem Atemzug verfolgen.
Ich drehte mich zur Personaltuer, als eine tiefe Stimme von der oberen Galerie kam.
"Schick das neue Maedchen nach ihrer Schicht rauf. VIP-Lounge. Allein."
Meine Schritte stockten. Das war Kais Stimme. Ruhig. Entscheidend. Kein Raum fuer Widerspruch.
Mia warf mir einen grossaeugigen Blick zu. Mein Mund wurde trocken. Das war die Oeffnung, auf die ich hingearbeitet hatte. Aber die Art, wie er es sagte, schickte Eis durch meine Adern. Als haette sich das Spiel bereits veraendert.
Ich stand im Türrahmen im schwarzen Nachthemd und wartete.Kai sah mich an, als wäre er getroffen worden. Rafe starrte auf den Boden. Das Loch in der Wand roch noch nach Schießpulver. Die Waffe lag zwischen ihnen auf dem Schreibtisch.„Raus“, sagte Kai.Rafe ging ohne ein Wort. Die Tür fiel zu.Kai bewegte sich eine Sekunde lang nicht. Seine Augen wanderten von meinem Gesicht zu den dünnen Trägern an meinen Schultern zu dem Saum, der mitten am Oberschenkel endete. Dann zurück zu meinen Augen.„Was hast du an.“„Kleidung.“„Das ist keine Kleidung.“ Seine Stimme war niedrig. Rau. „Das bist du, die nach einem Schuss in mein Arbeitszimmer kommt in etwas, das dich kaum bedeckt.“Ich warf einen Blick auf das Loch in der Wand. „Was ist passiert?“„Jemand hat vergessen, wer hier das Sagen hat. Ich habe ihn erinnert.“ Er erklärte nichts weiter. „Du hättest einen Bademantel anziehen können.“„Ich wollte keinen Bademantel.“Die Stille dehnte sich. Er ging langsam um den Schreibtisch herum. Blieb
Ich verließ das Zimmer, bevor ich etwas tat, das ich nicht mehr rückgängig machen konnte.Die Tür fiel hinter mir zu. Ich stand im Flur, die Hände an den Seiten geballt, und der Geschmack von ihr noch im Mund. Sie war da drin. Einen Monat schwanger. Zwei Wochen nach einer Kugel. Sie hatte mich angesehen, als wollte sie, dass ich das alles vergaß und sie so auf dieses Bett legte wie früher.Ich hätte es beinahe getan.Mein Schwanz war bereits hart, als ich ins Badezimmer den Flur hinunter ging. Ich schloss ab, stützte beide Hände auf das Waschbecken und starrte in den Spiegel, bis mein Atem langsam genug war zum Denken. Es half nicht. Ich sah nur sie. Die Art, wie sie Ja gesagt hatte, als ich es klar ausgesprochen hatte. Den Schauer, der durch sie gelaufen war, als ich ihre Brust berührte. Den Laut, den sie gemacht hatte. Die Art, wie ihre Hand die Matratze gepackt hatte, als wäre sie schon halb weg.Ich öffnete den Reißverschluss, holte meinen Schwanz heraus und legte die Hand darum.
Er ließ meinen Arm erst los, als wir wieder im Schlafzimmer waren.Die Tür fiel härter zu, als nötig. Kai warf seine Schlüssel auf den Tisch und drehte sich zu mir um. Staub klebte noch an seinen Stiefeln. Seine Jacke lag um meine Schultern und er machte keine Anstalten, sie zurückzunehmen.„Setz dich.“Ich setzte mich auf die Bettkante. Er blieb stehen.„Du hast das Zimmer verlassen“, sagte er.„Ich brauchte Luft.“„Du brauchtest Luft in einem dünnen Hemd, während die Temperatur fiel und außer der Perimeterwache niemand wusste, wo du warst.“„Die Wachen waren bei mir.“„Die Wachen bin nicht ich.“ Seine Stimme blieb niedrig, aber es war kein Nachgeben darin. „Zwei Wochen nach einer Kugel. Einen Monat schwanger. Und du sitzt draußen, als wäre das hier ein normales Haus in einem normalen Leben.“Ich zog die Jacke enger um mich. „Hast du die Lieferung geregelt?“„Einen Teil davon. Victor hat die Hauptladung getroffen. Wir haben Ware und Zeit verloren. Ich habe dafür gesorgt, dass die Leu
Kapitel 35Der Anruf kam mitten am Nachmittag.Ich saß aufrecht im Bett und ging Fondstransfers durch, als Kais Telefon aufleuchtete. Er nahm ab, hörte ein paar Sekunden zu, und sein Gesicht veränderte sich.„Wie schlimm?“Eine Pause. Sein Kiefer spannte sich an.„Ich bin unterwegs.“Er legte auf und griff nach seiner Jacke. Rafe erschien in der Tür, als wäre er schon informiert worden.„Victor hat die Jersey-Lieferung getroffen“, sagte Kai. „Munition. Die wichtige. Die ganze Ladung ist kompromittiert. Ich muss hin.“„Du gehst?“Er sah mich an. Eine Sekunde lang antwortete er nicht.„Ich will nicht. Aber ich kann das nicht von hier aus regeln. Rafe kommt mit. Du hast ein volles Detail am Haus. Niemand rein oder raus ohne Freigabe.“„Wie lange?“„So lange, wie es dauert, das Chaos zu bereinigen und sicherzustellen, dass er versteht, was passiert, wenn er meine Lieferketten anfasst.“ Er kam zum Bett, legte eine Hand an die Seite meines Gesichts und küsste mich hart und kurz. „Du bleibst





