Masuk„ARIA!“, rief Sophia und sprang auf sie zu.
„Ich bekomme keine Luft“, stellte Aria schnell fest, als Sophia nicht aufhörte, sie zu umarmen … und ihr dabei fast die Luft abdrückte. „Wie kannst du mich einfach auf der Party stehen lassen?“, fragte Sophia und setzte sich neben sie. Aria setzte sich auf. „Tut mir leid, ich musste einfach mal Luft holen.“ Sophia umarmte sie erneut, diesmal etwas lockerer. „Geht es dir jetzt gut?“ „Ja. Ich meine, natürlich geht es mir gut. Es ist ja nicht so, als hätte ich gerade herausgefunden, dass mein Freund, mit dem ich seit sechs Jahren zusammen bin, vier Jahre lang hinter meinem Rücken mit meiner Cousine rumgemacht hat. Es ist ja nicht so, als hätte man mich zum Narren gehalten.“ „Ich werde diesen Mistkerl umbringen. Nur weil er reich ist, heißt das noch lange nicht, dass er so ein Arschloch sein darf. Wir sollten ihn hintergehen und ihm ordentlich die Fresse polieren, und Vanessa – wir sollten ihr den Magen mit Zement füllen und sie in einen Fluss werfen“, sagte Sophia ganz beiläufig. Aria sah ihre beste Freundin an, die über das Töten von Menschen sprach, als würde sie über irgendwelche Rezepte reden. Sie fragte sich, wie sie überhaupt Freundinnen sein konnten. Sie waren beide Mitbewohnerinnen im Studentenwohnheim und hatten entdeckt, dass sie die gleiche Musikrichtung liebten – K-Pop –, und hatten die ganze Nacht damit verbracht, über ihre Lieblings-Boygroup zu reden und Fanfiction über ihr Lieblings-Paar zu lesen. Mit der Zeit hatten sie sich näher gekommen: Sophia erzählte von ihrer Liebe zum Essen und davon, eines Tages ein Restaurant zu eröffnen, während Aria von ihrem Traum sprach, einmal eine eigene Firma zu besitzen. Keine von beiden verurteilte die andere. Bald schon verbrachte Aria ihre Ferien bei Sophia, und Sophias Eltern liebten sie und hatten sie von ganzem Herzen aufgenommen. Aria konnte es sich nicht leisten, zu ihrem Onkel zurückzukehren, weil sie dort von ihrer Tante und Vanessa misshandelt wurde. „Wir bringen niemanden um“, unterbrach Aria ihre beste Freundin schnell. „Wir können sie nicht einfach so davonkommen lassen. Ich wollte diese Hexe von einem Mädchen, Vanessa, schon immer mal verprügeln. Schließlich bringt sie dich oft zum Weinen.“ „Es ist schon gut, okay? Mir geht es gut“, sagte Aria und versuchte, das Gespräch zu beenden. „Es ist nicht okay, und das weißt du auch.“ Sophia versuchte, den Mund zu halten, als sie merkte, dass Aria das Thema vermeiden wollte. Beide saßen schweigend da. „Wo warst du gestern? Ich meine, wo bist du hingegangen? Ich habe mir Sorgen gemacht.“ „Ich war in einer Bar, der nächstgelegenen, die ich finden konnte.“ „Oh“, sagte Sophia, unsicher, was sie sagen sollte. Sie konnte es sich nicht leisten, ihre beste Freundin zu verärgern, wusste aber auch nicht, was sie sagen sollte, damit es ihr wieder besser ging. „Ich könnte dir etwas zum Abendessen machen.“ Sophia stand auf, um etwas Leckeres zu kochen, in der Hoffnung, ihrer Freundin damit aufzumuntern. Ihr Blick fiel auf den schwarzen Ordner und die schimmernde schwarze Karte mit den goldenen Verzierungen. „Was ist das?“, fragte sie und zeigte auf die Mappe. Aria schnappte sich die Mappe schnell, bevor Sophia sie erreichen konnte. „Es ist nichts.“ Aria setzte sich hastig wieder hin. „Ich bin nicht von gestern. Ich weiß, dass da etwas ist. Du versteckst nicht immer alles vor mir.“ Sophia versuchte, Aria die Mappe aus der Hand zu ziehen, während diese nicht hinschaute. Sie öffnete sie und ignorierte dabei den flehenden Blick ihrer Freundin. Als sie sie aufschlug, weiteten sich ihre Augen ungläubig. EHEVERTRAG Sophia sah Aria an, dann wieder die Mappe und gleich darauf wieder Aria. „Hör auf, mich so anzusehen, als hättest du das Schrecklichste gesehen, was es je gab. Du hast richtig gelesen. Aria konnte ihre verrückte Freundin nur ungläubig anstarren. „Vielleicht solltest du ihn heiraten, da du das hier nicht absurd und unvernünftig findest. Ihr seid beide verrückt.“ „Ach, bitte. Du weißt doch, dass ich kein Interesse an Männern und Beziehungen habe. Ich konzentriere mich auf mein Restaurant, aber im Ernst, das ist eine wahnsinnige Gelegenheit zur Rache. Das ist wie aus einem Roman.“ „Ich weiß nicht. Ich bin so müde. Du kennst doch die Medien, die werden niemals den Mund halten. Die ganze Welt wird mich beschimpfen. Das will ich in meinem Leben wirklich nicht, oder? Ich habe … ich habe Angst“, gab Aria zu bedenken. „Hey, sieh mich an, meine Liebe. Egal was passiert, egal wie gut oder schlecht du bist, die Leute werden reden. Kümmere dich nicht darum, was die Leute sagen oder denken oder was die Medien schreiben werden. Tu, was du willst. Du musst wissen: Egal, welche Entscheidung du triffst, ich werde dich immer unterstützen. Ich liebe dich und werde immer für dich da sein, ob du dem zustimmst oder nicht.“ „Ich will dem zustimmen.“ „Hä?“ „Dem Ehevertrag. Ich werde dem zustimmen.“ „Wirklich?“ „Ja, ich muss diesem Mistkerl eine Lektion erteilen.“ „Ich bin so stolz auf dich. Oh mein Gott, endlich wirst du das Sagen haben. Ich kann es kaum erwarten, den Gesichtsausdruck dieses Mistkerls und seiner Hexe zu sehen.“ „Du genießt das viel zu sehr.“ „Natürlich tue ich das.“ „Als ob du den mächtigsten und reichsten Mann heiraten würdest, der dich besser behandeln wird, und er ist der Vater deines Ex, was bedeutet, dass du seine Stiefmutter wirst. Das ist der Beginn einer großartigen Rache an dem Ex von jemandem.“ „Wie sicher bist du dir, dass er mich besser behandeln wird?“ „Schwesterchen, er hat dir einen Vertrag gegeben und gesagt, du sollst hinzufügen, was du willst und womit du dich nicht wohlfühlst. Das ist ein positives Zeichen.“ „Und ist es kein Warnsignal, die Ex deines Sohnes heiraten zu wollen?“ „Es gibt nichts Neues unter der Sonne, Madame. Ich drücke ihm so sehr die Daumen. Oh mein Gott, ich kann es kaum erwarten, ihn kennenzulernen. Stell dir vor, wie die Schlagzeile lauten würde.“ „Gehst du nicht zu schnell vor?“ „Natürlich nicht, Aria. Hör mal, ich koche dir ein umwerfendes Abendessen, und dann muss ich leider los, sonst hätten wir noch eine Pyjamaparty machen und eine peinliche Rom-Com anschauen können. Aber in meinem Restaurant kommen gerade wichtige Bestellungen rein. Ich schaffe das schon, und du solltest dich etwas ausruhen. Du siehst müde aus, und diese Tränensäcke stehen Mrs. Damien Ashford nicht besonders gut.“ „Du redest zu viel, meine Güte, geh schon“, sagte Aria scherzhaft, und beide lachten. „Wenn du aufwachst, solltest du das Essen in die Mikrowelle stellen. Du musst gut schlafen und dich ausruhen, damit diese Tränensäcke morgen nicht mehr da sind, wenn du deinen zukünftigen Ehemann triffst“, sagte Sophia, als sie aufstand, um in die Küche zu gehen. Aria warf ihr einen Blick zu, in dem jedoch keine wirkliche Schärfe lag. „Hey, Aria, verschwinde mir nicht schon wieder.“ Die Tür fiel zu. Aria starrte auf den Ehevertrag auf dem Tisch. Morgen wird sich alles ändern.In dem Moment, als Aria aus dem Aufzug trat, begrüßten sie mehrere Mitarbeiter.„Guten Nachmittag, Frau Ashford.“„Guten Nachmittag.“Sie lächelte, während sie durch das Büro ging.Sie trug das Essen selbst.Ein paar Mitarbeiter warfen einen Blick auf die Behälter, bevor sie sie mit amüsiertem Lächeln ansahen.Aria machte das nichts aus.Sie war eigentlich gut gelaunt.Sie erreichte Damiens Büro.Die Tür war fast geschlossen.Sie lächelte.Perfekt.Wahrscheinlich arbeitete er gerade.Sie könnte ihn überraschen.Sie richtete die Behälter in ihren Händen zurecht und griff nach der Tür.Da hörte sie eine Frauenstimme.„Damien, du kannst mir nicht ständig aus dem Weg gehen.“Aria erstarrte.Ihre Hand blieb in der Luft hängen.Sie runzelte die Stirn.Eine Frauenstimme.In Damiens Büro.Aria drückte die Tür langsam auf.Was sie sah, ließ ihren Gesichtsausdruck völlig verändern.Eine Frau stand vor Damiens Schreibtisch.Sie trug ein enges, freizügiges Kleid, das kaum etwas der Fantasie überl
Das Erste, was Aria bemerkte, als sie die Augen öffnete, waren die Kopfschmerzen.Es waren keine gewöhnlichen Kopfschmerzen.Es fühlte sich an, als hätte jemand die ganze Nacht lang mit einem Hammer in ihrem Schädel herumgeschlagen.Sie stöhnte und zog sich die Decke über den Kopf.„Nie wieder.“Sie lag mehrere Sekunden lang völlig regungslos da, in der Hoffnung, der Schmerz würde verschwinden, wenn sie ihn einfach ignorierte.Das tat er nicht.Aria setzte sich langsam auf.Ihr Haar war völlig zerzaust. Ihr Hals fühlte sich trocken an, und hinter ihren Augen lag ein unangenehmes Schweregefühl.Sie sah sich im Schlafzimmer um.Für einen Moment schien alles normal zu sein.Dann fiel ihr Blick auf die leere Stelle neben ihr.Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich.Die Erinnerung kehrte zurück.Nicht auf einmal.Sie kam in Bruchstücken.Die Party.Der Champagner.Damien, der sie trug.Ihre Beschwerden über ihre Füße.Ihre Eifersucht.Die Art, wie sie sich an ihn geklammert hatte.Dann.Aria
Damien trug Aria wortlos aus dem Veranstaltungssaal hinaus.Sie war an seiner Brust ungewöhnlich still geworden.Einen Moment lang dachte er, sie sei eingeschlafen.Dann hob sie den Kopf.„Damien?“„Ja?“„Gehen wir schon?“„Ja.“„Warum?“„Weil du genug getrunken hast.“Aria runzelte die Stirn.„Ich hatte doch Spaß.“„Du hast geweint.“„Ich habe auch gelacht.“„Das ist mir aufgefallen.“„Das heißt doch, ich hatte Spaß.“Damien schüttelte den Kopf.„Du bist unmöglich.“Sie lächelte.„Du magst mich.“Er warf ihr einen Blick zu.„Du bist betrunken.“„Das war keine Antwort.“Damiens Mund zuckte.„Schlaf jetzt.“Aria legte ihren Kopf wieder an seine Schulter.„Du bist so herrisch.“Ein paar Sekunden vergingen.Dann hob sie plötzlich den Kopf.„Warte.“„Was?“„Ich habe etwas vergessen.“„Was?“„Meine Tasche.“„Marcus hat sie.“„Oh.“Sie entspannte sich wieder.Dann schien ihr ein weiterer Gedanke einzufallen.„Warte.“Damien seufzte.„Was denn jetzt schon wieder?“„Meine Schuhe.“„Die hast d
Aria hatte versucht, sich einzureden, dass es ihr völlig gut ging.Das tat es aber nicht.Je länger sie Damien dabei beobachtete, wie er sich im Raum bewegte, desto gereizter wurde sie.Nicht, weil er irgendetwas Falsches tat.Genau das war das Ärgerliche daran.Er war einfach nur Damien.Gelassen. Höflich. Charmant, wenn es nötig war.Und offenbar war das jeder Frau im Raum aufgefallen.Aria stand in der Nähe eines der Tische, nippte langsam an ihrem Champagner und beobachtete, wie er sich mit mehreren Geschäftspartnern unterhielt.Eine Frau in einem silbernen Kleid näherte sich ihm.Aria kniff die Augen zusammen.Die Frau lächelte Damien an.Dann berührte sie seinen Arm.Aria umklammerte ihr Glas fester.Schon wieder?Sie wandte den Blick ab.Zwei Sekunden später schaute sie wieder hin.Die Frau war immer noch da.Aria nahm einen weiteren Schluck.Etwas mehr, als sie hätte sollen.Dann noch einen.Sie redete sich ein, es sei nichts.Schließlich war Damien nur dem Namen nach ihr Ehem
Am folgenden Abend herrschte im Ashford Manor ungewöhnlich reges Treiben.Aria stand vor dem Spiegel, während eine Stylistin die letzten Handgriffe an ihrer Frisur vornahm. Sie hatte sich für ein langes, elegantes Kleid entschieden, das sanft um ihre Figur fiel, ohne zu freizügig zu sein. Ihr Haar war schlicht frisiert, und das silberne Fußkettchen, das Damien ihr geschenkt hatte, schmiegte sich zart um ihren Knöchel.Sie betrachtete sich einen Moment lang.„Das ist zu viel“, murmelte sie.Sophia, die auf der Bettkante saß, schüttelte sofort den Kopf.„Nein. Auf keinen Fall.“Aria wandte sich ihr zu. „Ich sehe aus, als würde ich zu einer königlichen Hochzeit gehen.“„Du bist mit einem Milliardär verheiratet. Da darfst du ruhig teuer aussehen.“„Ich versuche nicht, irgendjemanden zu beeindrucken.“Sophia grinste durch die Videoverbindung.„Genau das sagen Leute, die im Begriff sind, alle zu beeindrucken.“Aria verdrehte die Augen.Bevor sie antworten konnte, klopfte es an der Tür.„Her
Als sie zum Ashford Manor zurückkehrten, begann die Sonne bereits, hinter den hohen Gebäuden in der Ferne zu versinken.Aria stieg aus dem Auto und streckte die Arme über den Kopf.„Endlich.“Damien stieg hinter ihr aus.„Bist du müde?“„Ein bisschen.“Sie blickte auf die Einkaufstüten hinunter, die Marcus ihr aus dem Auto getragen hatte.„Eigentlich ziemlich.“Damien warf einen Blick auf die Tüten.„Du warst doch diejenige, die einkaufen gehen wollte.“Aria drehte sich sofort um.„Das wollte ich nicht.“„Du bist hingegangen.“„Weil Sophia mich dazu gezwungen hat.“Damien hob eine Augenbraue.„Sie hat dich gezwungen?“„Ja.“Aria nickte ernst.„Sie ist sehr überzeugend.“Hinter ihnen trug Marcus mehrere Tüten.Er sah Aria an.„Sie hat dich auch gezwungen, drei Kleider zu kaufen.“Aria riss die Augen auf.„Marcus.“Er lächelte.„Ich stelle nur die Fakten fest.“Damien warf ihm einen Blick zu.Marcus wandte sofort den Blick ab.„Ich bringe die hier rein.“Aria sah ihm nach, wie er durch







