LOGINAria war verunsichert und überrascht.
„Meinst du das ernst?“, fragte sie. „Ja.“ „Nein.“ Sie schüttelte wiederholt den Kopf. „Das muss doch irgendein Scherz sein.“ „Ist es nicht.“ „Ich bin die Ex deines Sohnes. Wir haben uns erst dreimal getroffen. Liegt es an gestern Abend? Gestern Abend war ein Fehler. Ich war betrunken und traurig. Ich war nicht bei klarem Verstand.“ Sie sah den kurzen Anflug von Schmerz in seinen Augen nicht, bevor er wieder verschwand. „Du weißt gar nichts über mich, nicht einmal meinen zweiten Vornamen.“ „Danielle.“ „Meine Lieblingsfarbe?“ „Lila.“ „Mein … mein G-Geburtstag?“ „16. April 2000.“ „Woher … woher weißt du das alles?“ „Ich weiß mehr über dich, als du denkst, Miss Bennett. Und das liegt nicht daran, dass du meinen Sohn hättest heiraten sollen.“ Er hielt inne. „Miss Bennett, Sie wollen Rache. Ich brauche eine Ehefrau. Wir können uns gegenseitig helfen. Ich habe einen Vertrag entworfen. Sie werden mindestens ein Jahr lang mit mir verheiratet sein, bevor Sie sich für eine Scheidung entscheiden, und wir werden uns scheiden lassen, sobald Sie Ihre Rache genommen haben. „Ich meine, stell dir vor, die Herrin von Grand Orion zu sein. Weißt du, wie sich Ethan fühlen wird, wenn du seine Stiefmutter wirst? Ich habe ihn immer unterstützt und seine Fehler vertuscht. Es ist an der Zeit, dass er einen Vorgeschmack auf seine eigene Medizin bekommt.“ Sie lehnte sich ungläubig zurück. „Das ist verrückt.“ „Das ist es, Miss Bennett.“ Er bestritt es nicht, und das … das machte es irgendwie noch unglaublicher. Aria stand abrupt auf. „Das ist deine Definition von ‚die Zukunft lässt sich ändern‘? Oh mein Gott. Ich bin immer noch betrunken, oder vielleicht träume ich sogar, oder ich bin verrückt geworden. Vielleicht hat mich die Traurigkeit in den Wahnsinn getrieben.“ „Sie träumen weder, noch sind Sie verrückt, Miss Bennett.“ „Dann erklären Sie mir das.“ Damien erhob sich von seinem Stuhl. „Ich brauche eine Ehefrau, und Sie sind die perfekte Kandidatin.“ „Und ich soll mich freiwillig melden?“ Sie verschränkte die Arme. „Ich verstehe nicht, wie das gehen soll.“ „Wirklich, Miss Bennett? Soll ich Sie daran erinnern, wie Sie vier Jahre lang ausgenutzt und getäuscht wurden – von dem Mann, den Sie lieben, und von Ihrer Cousine, die Sie nicht ausstehen konnte?“ Ihr Kiefer spannte sich an. „Meine Familie braucht Stabilität“, fuhr er ruhig fort. „Der Skandal um den untreuen Ashford-Erben hat bereits die Schlagzeilen beherrscht. Die Paparazzi und die Medien werden Antworten verlangen. Und was werden Sie tun?“ „Ich sollte gehen.“ Sie griff nach ihrer Handtasche. „Ich verstehe.“ Damien machte keine Anstalten, sie aufzuhalten. Sie ging auf die Tür zu, griff nach der Klinke und hielt dann inne. Eine Frage hallte in ihrem Kopf wider. Warum sollte der reichste und mächtigste Mann des Landes die Ex seines Sohnes bitten, ihn zu heiraten? Sie drehte sich langsam um. „Warum ich?“ Zum ersten Mal flackerte etwas Unlesbares in Damiens Augen. „Weil diese Ehe Probleme für euch beide lösen würde.“ „Wie denn? Wenn ich deinen Antrag annehme, würde die Schlagzeile lauten: ‚Sie hat den Sohn für seinen Vater verlassen.‘ Ich würde im Internet zur Zielscheibe werden, beschimpft werden, als Goldgräberin bezeichnet werden.“ „Ich werde mich um die Presse kümmern … um die Medien.“ „Kümmern? Die Presse wird den Mund halten, aber werden alle den Mund halten? Der Vorstand deines Unternehmens – würde er das akzeptieren?“ Damien konnte weder antworten noch sprechen. Er wich ihrem Blick aus. Er wusste nicht, wie er ihr sagen sollte, dass er nur eines wollte: dass sie ihm gehörte. Der Mann, der dafür bekannt war, Millionen von Menschen zu kontrollieren, stand dort vor der Frau, die er liebte, und war unfähig, ihr die Wahrheit zu sagen. Aria seufzte. „Und wenn ich mich weigere?“ „Dann wirst du gehen.“ „Das ist alles?“ fragte Aria. „Ich zwinge niemanden, zu bleiben“, sagte er. Aber sein Herz sagte etwas anderes. Bitte bleib. Bitte stimme diesem unvernünftigen Wunsch von mir zu. Seine Antwort überraschte sie, denn sie wusste – wie jeder wusste –, dass er ein „Nein“ nicht als Antwort akzeptierte. Er drohte ihr nicht und manipulierte sie auch nicht. Er bot ihr lediglich eine Wahlmöglichkeit an. Doch Wahlmöglichkeiten, die von Reichen angeboten wurden, waren niemals einfach. Als Damien ihr Zögern bemerkte, hielt er ihr die schwarze Mappe hin. „Das ist ein Ehevertrag. Du kannst ihn durchlesen und mir sagen, womit du einverstanden bist oder was du gerne darin aufgenommen hättest.“ Sie öffnete ihn langsam. Die erste Seite raubte ihr den Atem. Sie starrte darauf. VERTRAG ÜBER EINE EHE Ihre Augen weiteten sich, und bevor sie eine weitere Zeile lesen konnte, fügte Damien leise hinzu: „Wenn du meine Frau wirst, wirst du die rechtmäßige Stiefmutter von Ethan Ashford sein. Außerdem wirst du die Leitung des neuen Unternehmens übernehmen, das Ethan eigentlich hätte leiten sollen. Ich werde dir alles geben, was du willst und dir wünschst.“ Die Worte hallten in Arias Ohren nach. Stille legte sich über den Raum. Aria starrte den Mann vor sich an. „Was hast du gerade gesagt?“ Damiens Miene blieb gelassen. „Ich habe genau das gesagt, was du gehört hast.“ Sie trat einen Schritt zurück, wobei sie darauf achtete, nicht gegen die Tür zu stoßen, und lachte ungläubig auf. „Nein. Das kann ich nicht glauben. Wie kannst du das nur so ruhig sagen, als würdest du über das Wetter von morgen sprechen?“ Damien verschränkte die Hände. „Gefühle ändern nichts an den Tatsachen, Miss Bennett.“ Seine Gelassenheit machte sie nur noch wütender. „Du bist der Verrückte.“ „Vielleicht, aber ich liege nicht falsch.“ Aria konnte ihn nur anstarren und suchte nach dem kleinsten Anzeichen dafür, dass dies ein Scherz oder ein Versuch war, sie zu manipulieren. Es gab keines. Sein Gesichtsausdruck blieb: Kalt. Beherrscht. Selbstbewusst. Sie blickte auf den Vertrag, der in ihrer Hand lag. Die elegante schwarze Mappe fühlte sich plötzlich viel schwerer an, als Papier eigentlich sein sollte. „Auf Wiedersehen, Herr Damien Ashford“, sagte sie und nannte ihn zum ersten Mal beim Namen. „Warten Sie.“ „Falls Sie es sich anders überlegen sollten, hier ist meine Visitenkarte. Darauf steht meine direkte Kontaktnummer. Ich werde meinen Chauffeur bitten, Sie nach Hause zu fahren, Miss Aria.“ Aria nahm die Visitenkarte entgegen, hielt den Vertrag fest an sich gedrückt und verließ das Restaurant. Marcus hielt ihr bereits die Tür auf. Er verbeugte sich vor ihr. Sie konnte nur nicken, während sie sich hinsetzte. Sie blickte zum Restaurant zurück und sah, dass Damien sie immer noch durch die Glastür beobachtete, die Hand in der Hosentasche. Seine Erscheinung strahlte Macht aus. Sie wandte ihren Blick schnell von seinen blauen Augen ab „Meine Adresse lautet …“ „Die kennen wir schon, Fräulein“, warf Marcus schnell ein. Sie wirkte nicht einmal überrascht. Sie lehnte ihren Kopf gegen das Fenster. „Ich habe Ethan schon einmal hierhergebracht, deshalb habe ich mir Ihre Adresse gemerkt“, erklärte Marcus hastig, als müsse er die Situation klären. Er erhielt keine Antwort. Er beschloss, nach vorne zu schauen, und gab dem Fahrer ein Zeichen, langsam zu fahren. Als sie zu Hause ankam, murmelte sie ein Dankeschön an Marcus. Er verbeugte sich leicht vor ihr und sah ihr nach, wie sie ihr Haus betrat. „Ist sie zu Hause?“, ertönte eine Stimme in seinem Telefon. „Ja, Chef“, antwortete Marcus. Damien hatte die ganze Fahrt über, vom Restaurant bis zu ihrem Haus, mit ihm telefoniert. Er beendete das Gespräch. Aria ging, sobald sie drinnen war, direkt in ihre Küche, trank zwei Gläser Wasser und begab sich dann in ihr Zimmer. Sie legte sich hin. Sie blickte auf die Mappe und die Karte auf ihrer Kommode zurück, und eine Träne rollte ihr über die Wange. „Mama, Papa, ich vermisse euch so sehr. Ich brauche euch bei mir, bitte. Ich bin müde. Mein ganzes Leben ist eine Lüge. Er hat mich gebrochen. Ich dachte, er wäre mein Traumprinz.“ Sie wischte sich die Tränen ab. „Ich werde dafür sorgen, dass ich dich vernichte, Ethan Ashford. Ich werde alles tun, was nötig ist, um deinen Untergang herbeizuführen.“ Sie schrie auf, als sie die Kommentare zu dem Beitrag las, in dem stand, dass ihr Mann sie mit ihrer Cousine betrogen hatte. Bald schlief sie ein, nachdem sie sich die Tränen ausgeweint hatte. Doch ihr Schlaf wurde unterbrochen von … In dem Moment, als Aria aus dem Aufzug trat, begrüßten sie mehrere Mitarbeiter.„Guten Nachmittag, Frau Ashford.“„Guten Nachmittag.“Sie lächelte, während sie durch das Büro ging.Sie trug das Essen selbst.Ein paar Mitarbeiter warfen einen Blick auf die Behälter, bevor sie sie mit amüsiertem Lächeln ansahen.Aria machte das nichts aus.Sie war eigentlich gut gelaunt.Sie erreichte Damiens Büro.Die Tür war fast geschlossen.Sie lächelte.Perfekt.Wahrscheinlich arbeitete er gerade.Sie könnte ihn überraschen.Sie richtete die Behälter in ihren Händen zurecht und griff nach der Tür.Da hörte sie eine Frauenstimme.„Damien, du kannst mir nicht ständig aus dem Weg gehen.“Aria erstarrte.Ihre Hand blieb in der Luft hängen.Sie runzelte die Stirn.Eine Frauenstimme.In Damiens Büro.Aria drückte die Tür langsam auf.Was sie sah, ließ ihren Gesichtsausdruck völlig verändern.Eine Frau stand vor Damiens Schreibtisch.Sie trug ein enges, freizügiges Kleid, das kaum etwas der Fantasie überl
Das Erste, was Aria bemerkte, als sie die Augen öffnete, waren die Kopfschmerzen.Es waren keine gewöhnlichen Kopfschmerzen.Es fühlte sich an, als hätte jemand die ganze Nacht lang mit einem Hammer in ihrem Schädel herumgeschlagen.Sie stöhnte und zog sich die Decke über den Kopf.„Nie wieder.“Sie lag mehrere Sekunden lang völlig regungslos da, in der Hoffnung, der Schmerz würde verschwinden, wenn sie ihn einfach ignorierte.Das tat er nicht.Aria setzte sich langsam auf.Ihr Haar war völlig zerzaust. Ihr Hals fühlte sich trocken an, und hinter ihren Augen lag ein unangenehmes Schweregefühl.Sie sah sich im Schlafzimmer um.Für einen Moment schien alles normal zu sein.Dann fiel ihr Blick auf die leere Stelle neben ihr.Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich.Die Erinnerung kehrte zurück.Nicht auf einmal.Sie kam in Bruchstücken.Die Party.Der Champagner.Damien, der sie trug.Ihre Beschwerden über ihre Füße.Ihre Eifersucht.Die Art, wie sie sich an ihn geklammert hatte.Dann.Aria
Damien trug Aria wortlos aus dem Veranstaltungssaal hinaus.Sie war an seiner Brust ungewöhnlich still geworden.Einen Moment lang dachte er, sie sei eingeschlafen.Dann hob sie den Kopf.„Damien?“„Ja?“„Gehen wir schon?“„Ja.“„Warum?“„Weil du genug getrunken hast.“Aria runzelte die Stirn.„Ich hatte doch Spaß.“„Du hast geweint.“„Ich habe auch gelacht.“„Das ist mir aufgefallen.“„Das heißt doch, ich hatte Spaß.“Damien schüttelte den Kopf.„Du bist unmöglich.“Sie lächelte.„Du magst mich.“Er warf ihr einen Blick zu.„Du bist betrunken.“„Das war keine Antwort.“Damiens Mund zuckte.„Schlaf jetzt.“Aria legte ihren Kopf wieder an seine Schulter.„Du bist so herrisch.“Ein paar Sekunden vergingen.Dann hob sie plötzlich den Kopf.„Warte.“„Was?“„Ich habe etwas vergessen.“„Was?“„Meine Tasche.“„Marcus hat sie.“„Oh.“Sie entspannte sich wieder.Dann schien ihr ein weiterer Gedanke einzufallen.„Warte.“Damien seufzte.„Was denn jetzt schon wieder?“„Meine Schuhe.“„Die hast d
Aria hatte versucht, sich einzureden, dass es ihr völlig gut ging.Das tat es aber nicht.Je länger sie Damien dabei beobachtete, wie er sich im Raum bewegte, desto gereizter wurde sie.Nicht, weil er irgendetwas Falsches tat.Genau das war das Ärgerliche daran.Er war einfach nur Damien.Gelassen. Höflich. Charmant, wenn es nötig war.Und offenbar war das jeder Frau im Raum aufgefallen.Aria stand in der Nähe eines der Tische, nippte langsam an ihrem Champagner und beobachtete, wie er sich mit mehreren Geschäftspartnern unterhielt.Eine Frau in einem silbernen Kleid näherte sich ihm.Aria kniff die Augen zusammen.Die Frau lächelte Damien an.Dann berührte sie seinen Arm.Aria umklammerte ihr Glas fester.Schon wieder?Sie wandte den Blick ab.Zwei Sekunden später schaute sie wieder hin.Die Frau war immer noch da.Aria nahm einen weiteren Schluck.Etwas mehr, als sie hätte sollen.Dann noch einen.Sie redete sich ein, es sei nichts.Schließlich war Damien nur dem Namen nach ihr Ehem
Am folgenden Abend herrschte im Ashford Manor ungewöhnlich reges Treiben.Aria stand vor dem Spiegel, während eine Stylistin die letzten Handgriffe an ihrer Frisur vornahm. Sie hatte sich für ein langes, elegantes Kleid entschieden, das sanft um ihre Figur fiel, ohne zu freizügig zu sein. Ihr Haar war schlicht frisiert, und das silberne Fußkettchen, das Damien ihr geschenkt hatte, schmiegte sich zart um ihren Knöchel.Sie betrachtete sich einen Moment lang.„Das ist zu viel“, murmelte sie.Sophia, die auf der Bettkante saß, schüttelte sofort den Kopf.„Nein. Auf keinen Fall.“Aria wandte sich ihr zu. „Ich sehe aus, als würde ich zu einer königlichen Hochzeit gehen.“„Du bist mit einem Milliardär verheiratet. Da darfst du ruhig teuer aussehen.“„Ich versuche nicht, irgendjemanden zu beeindrucken.“Sophia grinste durch die Videoverbindung.„Genau das sagen Leute, die im Begriff sind, alle zu beeindrucken.“Aria verdrehte die Augen.Bevor sie antworten konnte, klopfte es an der Tür.„Her
Als sie zum Ashford Manor zurückkehrten, begann die Sonne bereits, hinter den hohen Gebäuden in der Ferne zu versinken.Aria stieg aus dem Auto und streckte die Arme über den Kopf.„Endlich.“Damien stieg hinter ihr aus.„Bist du müde?“„Ein bisschen.“Sie blickte auf die Einkaufstüten hinunter, die Marcus ihr aus dem Auto getragen hatte.„Eigentlich ziemlich.“Damien warf einen Blick auf die Tüten.„Du warst doch diejenige, die einkaufen gehen wollte.“Aria drehte sich sofort um.„Das wollte ich nicht.“„Du bist hingegangen.“„Weil Sophia mich dazu gezwungen hat.“Damien hob eine Augenbraue.„Sie hat dich gezwungen?“„Ja.“Aria nickte ernst.„Sie ist sehr überzeugend.“Hinter ihnen trug Marcus mehrere Tüten.Er sah Aria an.„Sie hat dich auch gezwungen, drei Kleider zu kaufen.“Aria riss die Augen auf.„Marcus.“Er lächelte.„Ich stelle nur die Fakten fest.“Damien warf ihm einen Blick zu.Marcus wandte sofort den Blick ab.„Ich bringe die hier rein.“Aria sah ihm nach, wie er durch







