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KAPITEL 14

Author: Joss Austen
last update publish date: 2026-10-10 01:31:37

ANGELINE HARRINGTON

Nach dem Wenigen, was ich über Nikolai wusste, aus Instinkt und aus dem Terror, den er mir einflößte, schien mir eines sicher: Er war kein Mann der Reue. Ein von ihm gegebener Befehl war wie ein in Stein gemeißeltes Gesetz — unveränderlich, tödlich. Aber etwas, irgendein unbekannter Mechanismus in seinem undurchdringlichen Verstand, begann zu arbeiten. Vielleicht war es keine Reue. Vielleicht war es nur ein Unbehagen, dasselbe, das man bei einem schlecht platzierten Möbelst
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    ANGELINE HARRINGTON Nach fast drei Wochen täglicher und eisiger Anweisungen von Rosana Romanov — wie man Besteck hält, welchen Tonfall man verwendet, wie man mächtige Männer ansieht (oder nicht ansieht) — wurde die Routine durch eine Präsenz durchbrochen, die ich kaum wiedererkannte. Nikolai tauchte wieder auf. Laut Mila, die es mit Sympathie murmelte, war er in Brasilien gewesen, um "Geschäfte zu erledigen". Er sah mich im Korridor, ich erstarrt mit einem Buch in der Hand. Seine grauen Augen glitten über mich, von Kopf bis Fuß, in einem schnellen und unpersönlichen Röntgenblick. Dann ein kaum wahrnehmbares Nicken des Kopfes. — Guten Morgen — sagte er mit rauer Stimme, aber so trocken wie der Schnee draußen. Und ohne eine Antwort abzuwarten, drehte er sich um und betrat seine Gemächer, die Tür schloss sich mit einem sanften und endgültigen Klick. Das war unsere Wiederbegegnung. Das war unsere neue etablierte Routine. Von jenem Tag an regierte eine stillschweigende und kalte Verei

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    ANGELINE HARRINGTON Am nächsten Morgen erwachte ich inmitten einer unbekannten Sanftheit. Das Zimmer war luxuriös und schön, das Bett eine Einladung zum Vergessen. Doch als ich aufstand, kam jener Gedanke: Bald, wenn ich hinunterginge, würde ich mich wie ein Objekt in einer Ausstellung fühlen, eine seltsame Trophäe, die Nikolai beschlossen hatte, seinem Team zu präsentieren. Ich ging durch das beheizte Zimmer und spürte auf der Haut den brutalen Kontrast zu Dunyavin. Der Komfort war real, aber das Gefühl, etwas Vorbereitetes zu sein, ein "exotisches Dekorationsstück" in einem neuen Regal, blieb bestehen, wie ein bitterer Geschmack unter etwas Süßem. Ich zog die Kleider an, die Mila für mich bereitgelegt hatte — auf Nikolais Befehl. Sie waren nicht schön im modischen Sinne, aber unglaublich bequem, aus weicher Wolle und mit schlichten Schnitten, perfekt für die schneidende Kälte draußen. Ich stieg die Haupttreppe hinunter, mein Herz schlug stark. Die Villa im Morgenlicht war noch at

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    ANGELINE HARRINGTON Jetzt, im stillen Jet, der den Nachthimmel in Richtung Moskau durchschneidet, gibt es kein Entkommen vor meinem Schicksal und dem, was Nikolai für mich vorbereitet hat. Er sitzt auf der anderen Seite des Ganges, seine Anwesenheit setzt sich durch, selbst wenn er starr in die Dunkelheit draußen schaut. Und etwas in seinem Schweigen, in der andersartigen Steifheit seiner Schultern, sagt mir, dass er über das monströse Ausmaß seiner Ungerechtigkeit nachdenkt. Aber wie er selbst mit einer schneidenden Kälte sagte, ist er kein Mann, der um Verzeihung bittet. Stattdessen befahl er. Er befahl diese Reise, befahl meine Anwesenheit, befahl, dass ich ihm folge. Wieder einmal übernimmt er die totale Kontrolle über die Situation und damit über mein Leben, als wäre ich ein Besitz, der umplatziert werden muss. Ein Handgepäckstück, aber eines, das er jetzt inspiziert hat und entschieden hat, dass es sich lohnt, in einem anderen Fach aufbewahrt zu werden. Aber was ist dieses F

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    ANGELINE HARRINGTON Dann sah er mich direkt an und zeigte anscheinend keine Überraschung. Doch jetzt schienen seine grauen Augen, noch immer hart, mit einem anderen Gewicht beladen. — Angeline — sagte er, und mein Name in seinem Mund klang seltsam, nicht mehr wie eine Beleidigung. — Jetzt erkenne ich das Ausmaß des Fehlers, den ich begangen habe. Ich könnte niemals etwas tun, um zu kompensieren… was ich getan habe. Ich bin kein Mann der Reue. — Er machte eine Pause, und seine nächsten Worte raubten mir den Atem. — Aber ich bin auch kein ungerechter Mann. Ich möchte auf irgendeine Weise… versuchen, keine weitere Schmerzquelle für dich zu sein. Ich blieb ausdruckslos. Zu glauben, dass jener eiskalte Mann diese Worte sagte, war unmöglich — es war keine Entschuldigung, aber es war eine Anerkennung seines großen Fehlers. Deshalb schlug mein Herz ungleichmäßig, aber ich vertraute noch nicht, ich hatte noch immer Angst vor ihm. Und etwas sagte mir, dass ich Gründe dafür hatte. Und als er

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    ANGELINE HARRINGTONWährend ich die Details von Angelos Tod erzählte, blieb er stehen und beobachtete mich, während ich mein Gesicht mit dem Leinentaschentuch abwischte, das er mir gegeben hatte. Der Stoff war fein und weich, ein absurder Kontrast zur Brutalität seiner Hände. Der Zweifel verzehrte mich innerlich, eine stille Panik. Glaubte er es? Sein Blick war noch immer kalt, eisig. Ich konnte keine Reue oder Verständnis darin lesen. Nur eine intensive Analyse, als wäre ich ein Problem, das gelöst werden musste.Er näherte sich und setzte sich in den Sessel neben meinem. Ich kauerte mich zusammen und wich instinktiv zurück. Die bloße Wärme seines Körpers, so nah, verursachte mir schon physischen Ekel, ein Echo der Gewalt, die noch immer in mir schmerzte. Er bemerkte meinen Rückzug. Ein Muskel pulste in seiner Kiefer, aber er kommentierte es nicht. Stattdessen stellte er die Frage, die zählte:— Erzähl mir. Was wirklich in der Nacht zuvor geschah. Bevor du in jenem Zimmer neben mir a

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    NIKOLAI VOLKOVUnd dann, zwischen Schluchzen und von Emotionen zerschnittenen Worten, ging die Geschichte weiter. Angelo war der einzige Sohn und auch der Liebling seiner Eltern.Dann erzählte sie die Details, die ihr am meisten schmerzten. Als Angelo sich über sie warf, um sie zu schützen, absorbierte er den gesamten Aufprall und starb sofort mit gebrochenen Knochen, während sie mit der Narbe im Gesicht davonkam. Die Trauer der Mutter, verwandelt in Hass. Das Exil im Kloster mit neun Jahren, die kindliche Hoffnung, Nonne zu werden, ein Opfer, um das Leben zu sühnen, das sie "gestohlen" hatte. Und dann, mit achtzehn, die stille Vertreibung zurück in ein Haus, das kein Zuhause war, in ein Leben des Dienens und der Unsichtbarkeit, zwei Jahre damit verbracht, der eigenen Familie als nichts weiter als eine Dienstmagd zu dienen.Ihre Worte schufen klare und schreckliche Bilder in meinem Kopf.Sie fuhr fort, die Stimme ein Faden des Schmerzes:— Sobald die Narbe verheilt war, schickten sie

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