LOGINSie hätte niemals seine Ehefrau sein dürfen. Er hätte sie niemals berühren dürfen. Eine arrangierte Ehe, eine grausame Lüge und ein Blutpakt besiegelten das Schicksal von Angelina Harrington, der vergessenen Adoptivtochter, gezeichnet von den Narben der Vergangenheit. In die Arme von Nikolai Volkov geworfen, dem gefürchteten Don der russischen Mafia, entdeckt sie, dass es keine Flucht gibt — nur den Schmerz, von einem Mann gehasst zu werden, der schwört, dass sie mitschuldig am Verrat ist, der ihn an sie gebunden hat. Kalt. Grausam. Erbarmungslos. Nikolai verwandelte ihr Leben in eine Hölle, doch je mehr er versucht, sie zu zerstören, desto mehr sieht er sich gefangen von der Stärke und der Unschuld jener, die nur seine Strafe sein sollte. Zwischen Hass und Verlangen, Rache und Leidenschaft beginnt ein Krieg: Er verspricht, sie zu brechen. Sie verspricht, sich nicht zu ergeben. Doch als Geheimnisse ans Licht kommen und das Blut der Mafia Opfer fordert, zählt nur eine Frage: Ist der Hass stärker als die Liebe? Inhaltswarnungen: Lesen ab 18: enthält explizite Sexszenen, Gewalt und vulgäre Sprache. Dark Romance: intensive, toxische Beziehung mit ungleichen Machtverhältnissen. Sensible Trigger: Nötigung, psychischer Missbrauch, körperliche und emotionale Gewalt, Traumata, Rache, Verlust und Trauer. Nicht empfohlen für Leser, die leichte Geschichten oder konventionelle Romanzen suchen.
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Die Kirche stank für mich nach Sünde. Nicht schlimmer als meine eigene. Nicht wegen dem, was ich bereits getan hatte — sondern wegen dem, was ich gleich tun würde. Die Stille dort drinnen war dicht, fast erstickend. Ich blieb ein paar Sekunden an der Tür stehen und atmete tief durch, bevor ich eintrat. Ich stecke in einer schönen Klemme. — Mein Herr, Sie müssen hineingehen. Die Braut kommt. Ich presste den Kiefer zusammen und spürte, wie die Irritation in mir brodelte. — Ich habe keine Eile, eine entstellte Frau zu heiraten — antwortete ich schließlich und ging den Gang entlang. Am Altar vermied sogar der Priester meinen Blick. Die Bänke waren fast leer. Nur sechzehn Zeugen. Sechzehn Komplizen meines gesellschaftlichen Mordes. Unter ihnen allen war der schneidendste Blick der meines Vaters. Ivan Arkady Volkov. Der alte Bär. Der Mann, der mich mit Eisen und Feuer geformt hatte, dessen Gesetze ich auf der Haut und in der Seele trug. In seinen Augen lag ein einziges Wort: Enttäuschung. Nur aus Respekt vor ihm — und wegen der Tradition, die uns an die Bratva kettet — war ich noch dort. Der letzte Faden, der mich davon abhielt, diese ganze Kirche niederzubrennen. Ich hielt seinem Blick nicht lange stand. Mein Fokus blieb sofort an den drei Gestalten hängen, die in der ersten Reihe saßen. Elizabeth Harrington mit ihrem aufgesetzten Lächeln wie immer. Richard, der Alte, mit den Augen eines Gefängniswärters — der Mann, der seine eigene Tochter aus purer Ambition einem Wolf übergeben hatte. Und Victoria. Die Architektin dieser Falle. Ihr feines Lächeln war reines Gift, direkt in die Vene injiziert. — Giftschlange… — murmelte ich zu mir selbst. Eine verdammte Dreifaltigkeit. Und dann, am Ende des Ganges, der zu meiner persönlichen Hölle führte, war sie. Angeline Harrington. Reglos unter einem so dichten weißen Schleier, dass er sie zu verschlingen schien. Was Reinheit symbolisieren sollte, war für mich nichts weiter als das Tuch, das eine beschädigte Ware einwickelt. Mein Schicksal war an diese Narbe gebunden worden, und ich wusste nicht, was ich mehr verachtete: die Familie, die mir das aufgezwungen hatte, oder das erbärmliche Spiegelbild dessen, was ich gerade wurde. Der Priester begann die Zeremonie: — Wir sind heute versammelt, um die heilige Verbindung zu feiern… — Überspringen Sie die Scharade, Priester — unterbrach ich ungeduldig. — Kommen Sie direkt zu den Gelübden. Niemand ist hier aus Glauben. Einige Murmeln breiteten sich im Raum aus. Der Priester verstummte für einen Moment. Die Schultern der Braut zuckten leicht unter dem Schleier. Dann entkam eine sanfte Stimme unter dem Stoff hervor: — Ja… bitte, machen wir weiter. Die Ruhe in diesem Satz irritierte mich für eine Sekunde. Mehr Resignation als Angst. Ich ignorierte es. Verlegen beschleunigte der Priester den Ritus. Meine Gelübde kamen tot heraus, mechanisch, als würde jemand anderes durch mich sprechen. Dann kam der Moment, den alle in angespannter Stille erwarteten. — Sie dürfen den Schleier der Braut lüften. Ich trat einen Schritt vor. Ich hob die Hände und griff nach dem feinen Stoff, hob ihn an. Die Narbe war das Erste, was ich sah. Eine unregelmäßige, rosafarbene Linie, die von der rechten Schläfe bis zum Mundwinkel hinunterlief. Eine Spur von Gewalt, in die blasse Haut eingraviert. Mein vom Zorn vergiftetes Gehirn registrierte nur eines: Makel. Deformität. Aufgezwungene Braut. Ich sah nicht das trübe Grün der feuchten Augen. Ich bemerkte nicht das subtile Zittern der Unterlippe. Ich sah nur die Unvollkommenheit, die meine Niederlage besiegelte. Ich senkte den Schleier mit einer brüsken Geste und schnitt die Szene ab. Der Anblick drehte mir den Magen um. Der Priester, verwirrt, schloss ab: — Kraft der mir verliehenen Macht… erkläre ich Sie zu Mann und Frau. Die Worte fielen trocken, wie Steine in einen leeren Brunnen. Mann und Frau. Gefängniswärter und Gefangene. Kaum hatten wir die Kirchentür durchschritten, näherte sich Richard lächelnd mit ausgestreckter Hand. — Herzlichen Glückwunsch, Nikolai. Möge es eine Verbindung sein… — Sparen Sie sich Ihre Falschheiten, Richard — schnitt ich ab und starrte auf seine Hand, als wäre sie Müll. — Und gehen Sie mir aus dem Weg, bevor ich zeige, wer ich wirklich bin. Sein Lächeln gefror. Ich ging an ihm vorbei, ohne noch etwas zu sagen, konzentriert auf das Auto, das mich zur Harrington-Villa bringen würde. Wo ich endlich beginnen würde, ihren Betrug auseinanderzunehmen. Es war nur eine Frage der Zeit.ANGELINE HARRINGTONWährend ich die Details von Angelos Tod erzählte, blieb er stehen und beobachtete mich, während ich mein Gesicht mit dem Leinentaschentuch abwischte, das er mir gegeben hatte. Der Stoff war fein und weich, ein absurder Kontrast zur Brutalität seiner Hände. Der Zweifel verzehrte mich innerlich, eine stille Panik. Glaubte er es? Sein Blick war noch immer kalt, eisig. Ich konnte keine Reue oder Verständnis darin lesen. Nur eine intensive Analyse, als wäre ich ein Problem, das gelöst werden musste.Er näherte sich und setzte sich in den Sessel neben meinem. Ich kauerte mich zusammen und wich instinktiv zurück. Die bloße Wärme seines Körpers, so nah, verursachte mir schon physischen Ekel, ein Echo der Gewalt, die noch immer in mir schmerzte. Er bemerkte meinen Rückzug. Ein Muskel pulste in seiner Kiefer, aber er kommentierte es nicht. Stattdessen stellte er die Frage, die zählte:— Erzähl mir. Was wirklich in der Nacht zuvor geschah. Bevor du in jenem Zimmer neben mir a
NIKOLAI VOLKOVUnd dann, zwischen Schluchzen und von Emotionen zerschnittenen Worten, ging die Geschichte weiter. Angelo war der einzige Sohn und auch der Liebling seiner Eltern.Dann erzählte sie die Details, die ihr am meisten schmerzten. Als Angelo sich über sie warf, um sie zu schützen, absorbierte er den gesamten Aufprall und starb sofort mit gebrochenen Knochen, während sie mit der Narbe im Gesicht davonkam. Die Trauer der Mutter, verwandelt in Hass. Das Exil im Kloster mit neun Jahren, die kindliche Hoffnung, Nonne zu werden, ein Opfer, um das Leben zu sühnen, das sie "gestohlen" hatte. Und dann, mit achtzehn, die stille Vertreibung zurück in ein Haus, das kein Zuhause war, in ein Leben des Dienens und der Unsichtbarkeit, zwei Jahre damit verbracht, der eigenen Familie als nichts weiter als eine Dienstmagd zu dienen.Ihre Worte schufen klare und schreckliche Bilder in meinem Kopf.Sie fuhr fort, die Stimme ein Faden des Schmerzes:— Sobald die Narbe verheilt war, schickten sie
NIKOLAI VOLKOVSie zitterte, ich wusste, dass sie Angst vor mir hatte, und genau das wünschte ich mir von dieser entstellten Kreatur. Doch etwas in ihren Augen veränderte sich. Die Angst wich einer so tiefen und echten Verzweiflung, dass sie für einen Moment die Panik aufzulösen schien.— Warum? — die Frage kam wieder, aber diesmal war es kein Flüstern. Es war ein gedämpfter Schrei, beladen mit einem Schmerz, der weit über die Angst vor mir hinausging. — Warum hassen Sie mich so sehr?— Weil du akzeptiert hast! — schrie ich zurück und verlor für einen Moment die Kontrolle. — Du warst ein Teil ihres Plans! Es steht dir ins Gesicht geschrieben!Da explodierte sie. Nicht mit Gewalt, sondern mit einem Strom zitternder und verzweifelter Worte, als wäre ein jahrelanger Damm auf einmal gebrochen.— Ich habe Ihnen schon gesagt, dass es nicht wahr ist und…— Glaubst du wirklich, ich falle auf dein Gerede herein — fragte ich und unterbrach sie sarkastisch.— Ist es so unmöglich für den allmächt
NIKOLAI VOLKOV Die Festung in Moskau war still, aber das Echo der Ratssitzung summte noch immer in meinen Ohren, lauter als jedes Geräusch. An meinem Schreibtisch sitzend, überprüfte ich keine Berichte über Schmuggel oder Truppenbewegungen. Ich las die Updates aus Dunyavin. Trockene Berichte, geschrieben von Agnessas fester und sparsamer Hand: "Tag 14. Die Herrin hat alles gegessen. Verbrachte den Nachmittag in der Bibliothek. Bat um mehr Papier." "Tag 16. Herrin las bis spät. Schlief gut. Zündete den Kamin selbst an." "Tag 18. Frau Volkov isst gut, mag die Bibliothek, liest viel. Schreibt gern auf, was sie lernt, in das Notizbuch, um das sie mich bat. Hat nie versucht zu fliehen." Die letzte Zeile schien von der Seite zu springen. "Hat nie versucht zu fliehen." Nicht aus Loyalität, natürlich. Weil sie nirgendwohin konnte. Die Logik war klar, aber ein Teil von mir bestand darauf, es als Akzeptanz zu sehen, eine Kapitulation, die ich nicht erobert hatte. Ich drückte einen Knopf a





