Share

258

Author: Judith GW
Nolans Perspektive

Talia hatte in der vergangenen Woche schlecht geschlafen. Jede Nacht schlief sie nur ein paar Stunden, bevor sie aufwachte und an die Decke starrte. Sie wollte nicht darüber sprechen, und ich drängte sie auch nicht dazu.

Beim Frühstück saß sie mir gegenüber. Talia war nur noch ein Schatten ihrer selbst. Sie war blass und hatte dunkle Ringe unter den Augen.

‚Wir müssen einen Arzt hinzuziehen. Unsere Gefährtin braucht Schlaf‘, schlug mein Wolf vor.

Talia wandte sich an das D
Continue to read this book for free
Scan code to download App
Locked Chapter

Latest chapter

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   298

    Talias Perspektive„Gut. Ich werde dafür sorgen, dass er es allen im Empfangssaal verkündet“, sagte ich. „Danach wirst du zur Grenze begleitet und nie wieder hierher zurückkehren.“„Nein, so funktioniert das nicht“, erwiderte Jason.„Was soll das heißen? Ich habe doch zugestimmt“, gab ich zurück. Ich erklärte mich bereits bereit, seine Forderungen zu erfüllen. Was wollte er denn noch?„Dir vertraue ich, Talia, aber denen nicht.“ Jason zeigte auf Nolan und Solon. „Dein Vater muss es an der Grenze tun, nicht unter demselben Dach wie all die Leute, die mich tot sehen wollen. Betrachte es als Absicherung, damit ich das Ganze überlebe. Ich bin sicher, du verstehst das.“Meine Wölfin knurrte in mir. ‚Wir können ihm nicht vertrauen. Jedes Wort, das er sagt, ist gelogen.‘Es war klug von Jason, das zu verlangen. Er hatte recht mit seiner Annahme, dass die anderen ihr Wort brechen würden. Alpha Landon und Colin waren zwei unberechenbare Faktoren, die ihn töten würden, sobald sich ihnen di

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   297

    Jasons PerspektiveAls Leslie sprach, blitzte Hoffnung in Talias Gesicht auf, und ich hätte beinahe gelächelt. Dieser Hoffnungsschimmer erfüllte mich mit düsterer Genugtuung. Genau das wollte ich. Ich wollte, dass sie gerade genug Hoffnung für ihren Vater schöpfte, damit ich es auskosten konnte, sie wieder zu zerstören. Alles lief noch immer nach Plan.Schon Talias Auftreten beim Hereinkommen hatte alles verraten. Sie war außer sich gewesen und hatte darum gekämpft, die Fassung zu bewahren. Sie war verzweifelt. Etwas war schiefgelaufen, und jetzt blieb ihr nichts anderes übrig, als meine Forderungen in Betracht zu ziehen.Ich steckte den Korken wieder in das Fläschchen und hielt es zwischen meinen Fingern hoch. Dabei beobachtete ich, wie ihre Augen ihm folgten. Ihre Kiefermuskeln spannten sich an, und sie presste die Lippen zusammen. Ich tat so, als würde ich es fallen lassen, nur um die Panik kurz in ihren Augen aufblitzen zu sehen. Ihr Atem stockte, und ein leichtes Zittern verrie

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   296

    Talias PerspektiveMein Vater sah noch schlechter aus als gestern. Der Geruch des Todes hing im Zimmer. Er ließ mir die Nackenhaare zu Berge stehen.Von seinem Arm und seiner Brust führten Schläuche zu den Geräten neben seinem Bett. Das einzige Geräusch war das langsame, gleichmäßige Piepen des Monitors. Jeder Ton ließ die Stille noch bedrückender wirken. Sein Hut war verschwunden und gab den Blick auf sein silberweißes Haar frei, das feucht an seiner Stirn klebte. Seine Haut war geisterhaft blass und wirkte beinahe wächsern.Zum ersten Mal hatte meine Wölfin nichts Tröstendes zu sagen. Sie lief rastlos in mir auf und ab. Ihr Schweigen verstärkte meine Beklemmung nur noch.Ich stand in der Tür und brachte es nicht fertig, hineinzugehen.„Leslie, was ist mit ihm passiert? Heute Morgen ging es ihm noch gut. Er hat das gesamte Erntetreffen geleitet. Warum hat sich sein Zustand so schnell verschlechtert?“, fragte ich.Leslie stand mit einer Patientenakte in der Hand neben dem Bett. S

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   295

    Talias Perspektive„Ich habe die Angriffe der abtrünnigen Wölfe auf mein Gebiet bereits abgewehrt“, erklärte Kent. „Ich werde den Wiederaufbau meines Rudels selbst übernehmen. Ich sehe keinen Grund, den Alpha-König mit Angelegenheiten zu belasten, die in meinen eigenen Zuständigkeitsbereich fallen. Ich bin sicher, dass es andere Rudel gibt, die Ihre Hilfe dringender benötigen als ich.“Henry wandte sich Kent zu. Die Überraschung stand ihm ins Gesicht geschrieben. Landons Kiefermuskeln spannten sich an, und seine Nasenflügel bebten vor Wut. Solon warf mir einen besorgten Blick zu. Auch die anderen Alphas wirkten sichtlich aufgebracht. Wir alle dachten dasselbe. Der unausgesprochene Vorwurf war eindeutig.Verräter.Kent musste uns für Narren halten. Glaubte er wirklich, wir würden ihm abnehmen, dass ein Alpha ohne Wolf mit seinem kleinen Rudel einen ebenso schweren Angriff abtrünniger Wölfe abwehren konnte wie den, der Lonefur beinahe lahmgelegt und dessen Alpha fast das Leben gekost

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   294

    Talias PerspektiveIch sah zu, wie Jason zwischen den Wachen aus dem Saal geführt wurde. Als er selbstgefällig davonging, stieg Wut in mir auf. Ich umklammerte die Armlehnen meines Stuhls so fest, dass das Holz splitterte. Nolan legte seine Hand auf meine und sagte über die Gedankenverbindung: ‚Talia, gönn ihm nicht die Genugtuung, dich die Fassung verlieren zu sehen.‘‚Er ist einfach in Silverfang hereinspaziert, als würde ihm der ganze Ort gehören. Die Göttin weiß, was unseren Kriegern zugestoßen ist, dass er hereinkommen konnte, ohne dass wir alarmiert wurden‘, erwiderte ich wütend.‚Ich weiß. Wir werden uns darum kümmern‘, sagte Nolan. ‚Es ist besser, ihn vorerst glauben zu lassen, dass er die Oberhand hat. Wir können nicht riskieren, dass dein Vater vor allen einen Rückfall erleidet.‘ Er strich mit dem Daumen über meinen Handrücken. Ich atmete ein paarmal tief ein und durch die Nase wieder aus, um meine Wut abklingen zu lassen. Mein Vater hob vorne auf der Bühne die Hand, und d

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   293

    Jasons PerspektiveIch tötete den letzten Wachmann vor dem Saal und wischte die Klinge an seinem Ärmel sauber. Im Fenster über mir hob Kent zweimal seine Fackel. Ich grinste. Das war das Signal, auf das ich gewartet hatte.Ich ging auf die großen Türen zu. Als ich sie erreichte, begannen sie sich zu öffnen. Ich trat in den Saal. Sobald die Anwesenden mich sahen, setzte ein hektisches, erschrockenes Flüstern ein.Mein Wolf war angespannt, und mir ging es genauso. Es war riskant, hierherzukommen. Der Saal war voller Alphas. Wenn sie sich entschlossen, mich anzugreifen, konnte ich zwar einige von ihnen ausschalten, würde aber nicht lebend herauskommen. Die Kunst bestand darin, die Anwesenden einzuschätzen, bevor sie mich durchschauten. Ich musterte die Gesichter in den vorderen Reihen und sah genau das, was ich sehen musste. Verwirrung. Zögern. Niemand wollte den ersten Schritt machen. Niemand würde es wagen, mir etwas anzutun, solange der König der abtrünnigen Wölfe hinter mir stand.

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status