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Kapitel 122

Author: Judith GW
Talias Perspektive

Ich hatte mir große Mühe gegeben, heute Abend nicht aufzufallen. Ich rückte die schlichte Schürze über meiner Dienstmädchenuniform zurecht und stellte mich zu den Omegas, die neben den Küchentüren in einer Reihe standen. Wie die anderen senkte ich den Kopf. Ich hatte gehofft, in der Menge unterzugehen. Doch diese Hoffnung zerschlug sich, als Solon mich von der anderen Seite des Raumes entdeckte.

Er stand neben meinem Vater und begrüßte die Gäste am Eingang. Als sein Blick au
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  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   154

    Talias PerspektiveKnöpfe flogen über den Boden. Jason packte meine Bluse mit grober Ungeduld. Der Stoff riss leicht unter seinen Fingern. Die Bluse fiel auseinander, und ich schnappte nach Luft, als die kühle Luft meine Haut traf.„Hör auf, ich …“Sein Mund schloss sich um meine Brust. Der Druck jagte einen Ruck durch meinen Körper. Ich keuchte und klammerte mich instinktiv an seine Schultern. Alles, was ich noch spüren konnte, war sein Atem, das Kratzen seiner Zähne und die Hitze, die durch meinen Körper strömte. Ich wusste, dass das falsch war, doch der Gedanke fühlte sich weit entfernt und unerreichbar an.„Sobald unsere Gefährtenbindung wiederhergestellt ist“, sagte Jason mit tiefer Stimme an meiner Haut, „wirst du mir verzeihen. Dann wird alles wieder normal.“Seine Stimme klang verzerrt, als würde er unter Wasser sprechen. Ich zwang mich, mich auf sein Gesicht zu konzentrieren, doch meine Sicht verschwamm immer wieder.„Wir sind vorbestimmte Gefährten“, sagte er. Er wechse

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   153

    Talias PerspektiveBei meinen Worten verstummten beide Männer. Die Wachen blieben aufmerksam, hielten aber vorsichtshalber Abstand. Jason antwortete als Erster.„Hey, ich bin gekommen, um dich einzuladen.“„Kommt überhaupt nicht infrage“, knurrte Nolan.Jason sah ihn nicht einmal an. „Ich habe dich nicht gefragt.“Ich spürte, wie Nolans Alpha-Aura von ihm ausging. Die Wachen wechselten einen Blick. Ich hatte keine Lust, dabei zuzusehen, wie die beiden sich prügelten.„Warum? Du hast dich schon mehrmals entschuldigt. Was gibt es noch zu sagen?“, fragte ich.„Es gibt etwas, das ich dir unter vier Augen sagen muss. Wir können nach Fangvale gehen. Dort sind wir auf neutralem Boden“, erwiderte Jason.„Das ist lächerlich. Sie hat dir bereits Nein gesagt. Du solltest nach Hause gehen“, mischte Nolan sich ein.Ich runzelte die Stirn, weil Nolan wieder versuchte, die Situation zu kontrollieren. Ich erinnerte mich an Colins Plan und seine Worte: „Halte Abstand zu Nolan. Mit der Zeit wir

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   152

    Talias PerspektiveDie Nachmittagssonne stand hoch am Himmel, als ich den Trainingsplatz erreichte. Am anderen Ende stand Solon allein. Schweiß glänzte auf seiner Haut, während er seine Fäuste immer wieder gegen ein hölzernes Trainingsziel schlug. Das dumpfe Pochen hallte über den Platz. Jeder Schlag war härter als der vorherige.Als ich näher kam, roch ich sein Blut im Wind. „Solon“, rief ich, doch er hörte nicht auf.Aus einer aufgeplatzten Stelle an seinen Knöcheln lief Blut, und seine Brust hob und senkte sich in kurzen, schnellen Atemzügen. Seine Arme waren voller Blutergüsse. Ich beobachtete ihn einen Moment und ging dann ganz zu ihm.„Das reicht“, sagte ich bestimmt.Er ignorierte mich und schlug noch einmal zu. Das Holz knackte.„Solon.“ Ich packte sein Handgelenk. „Du wirst dir noch die Hand brechen.“Er riss sich los, schlug aber nicht noch einmal zu. Schweiß lief an seinem Hals hinunter, und sein Atem ging weiterhin unregelmäßig. Er sah mich nicht an, sondern ging lan

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   151

    Jasons PerspektiveIch wachte mit einem stechenden Schmerz hinter den Augen und Rückenschmerzen auf. Das Sonnenlicht, das durch die Vorhänge fiel, ließ meinen Kopf pochen. Ich stellte fest, dass ich auf dem Boden lag, und hatte keine Ahnung, wie ich zurück in mein Zimmer gekommen war.Während ich mir die Zähne putzte, kehrten meine Erinnerungen langsam zurück. Ich erinnerte mich daran, wie ich Talia angefleht hatte, mich zurückzunehmen. Dann hatte Nolan mich gewürgt. Die Blutergüsse an meinem Hals waren noch zu sehen, heilten aber langsam ab.Es klopfte an meiner Tür.„Alpha Jason?“, sagte Henry, als er eintrat.„Ja“, sagte ich und setzte mich langsam auf. „Komm rein.“„Du siehst schrecklich aus“, sagte er.„Du weißt wirklich immer, wie man jemandem den Tag versüßt“, murmelte ich und rieb mir die Schläfen.„Wie viel hast du getrunken?“„Genug, um meine Entscheidungen zu bereuen“, stöhnte ich. „Was ist los? Warum bist du so früh hier?“„Es ist zwei Uhr nachmittags.“ Henry durc

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   150

    Talias PerspektiveEinen Moment lang sagte niemand etwas. Della und ich standen einfach nur da, zu erschüttert, um ein Wort herauszubringen.„Sag es“, sagte Solon und durchbrach die Stille. „Sag es noch einmal.“Sein Blick ging ins Leere. Er atmete tief und stoßweise, während er versuchte, den Schmerz zu ertragen, den die Zurückweisung seiner Gefährtin in ihm auslöste.„Das muss ich nicht“, sagte Leslie. „Du hast mich gehört.“Solon machte einen Schritt nach vorn und knurrte: „Sag es!“„Solon, hör auf!“ Ich stellte mich zwischen die beiden und hob die Hände. „Du musst gehen.“Solons Blick huschte zu mir. Sein Wolf war dicht unter der Oberfläche und kurz davor, die Kontrolle zu übernehmen. In seinen Augen lag so viel Schmerz, dass mir das Herz wehtat.„Sie hat mich zurückgewiesen“, sagte er ungläubig. „Was habe ich getan, um das zu verdienen?“„Sie meint es nicht so“, sagte ich schnell. „Sie ist in Panik. Du kannst jetzt keine Entscheidung treffen.“„Ich muss die Zurückweisung

  • Die unfruchtbare Luna – Eine zweite Chance   149

    Talias PerspektiveIm Gästetrakt war es still. Nur durch die offenen Fenster war Vogelgezwitscher zu hören. Ich hatte vorgehabt, gleich am Morgen zur Krankenstation zu gehen. Seit der vergangenen Nacht musste ich immer wieder an Leslie denken.Auf halbem Weg durch den Flur ging Marcos Zimmertür auf, und Della trat heraus. Als sie mich sah, wirkte sie überrascht, dann strahlte sie mich an. An ihrem Hals entdeckte ich ein frisches Gefährtenmal.„Oh, Talia, was machst du denn hier im Gästetrakt?“, fragte Della.„Sieht aus, als hättest du eine wilde Nacht gehabt“, erwiderte ich. „Glückwunsch.“Della berührte das Mal unwillkürlich und grinste. „Sieht man es so deutlich?“„Ja“, sagte ich. „Hat Marco die Initiative ergriffen? Oder hast du dafür gesorgt, dass es passiert?“„Er war es. Er ist gestern Abend regelrecht über mich hergefallen“, sagte sie und lachte leise. „Ich wollte gerade Frühstück holen, bevor er wieder aufwacht.“„Ich freue mich für euch beide“, sagte ich aufrichtig.„

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