LOGINKapitel 3
Natalias POV
Als ich meine Wohnung betrat, atmete ich schwer aus. Ich drehte mich um und schloss die Tür hinter mir. Der leise Hintergrundlärm der Stadt verschwand, obwohl ich wünschte, ich könnte ihn noch hören.
Es war eine schöne Abwechslung von den überwältigenden Anforderungen und dem Stress des Silver Ridge-Rudels.
Meine eigene Wohnung war eng und winzig. Es gab keine großen Flure, keine schicken Samtteppiche oder Marmorböden. Aber es gehörte mir, und das war das Einzige, was wichtig war.
Nun, es gehörte mir und... Oh, da war sie. Selene saß mit verschränkten Armen auf dem Sofa und ein vertrautes Grinsen erschien auf ihren Lippenwinkeln.
„Also“, begann sie mit beiläufiger Stimme, „ich habe gehört, was passiert ist.“
Ich blieb wie angewurzelt stehen, völlig unsicher, wie ich reagieren sollte. Ihre Stimme hatte immer noch diesen neugierigen, berechnenden Ton, den ich vollkommen kannte. Ich ging davon aus, dass es ihr inzwischen jemand gesagt hätte, aber zu diesem Zeitpunkt war sie normalerweise weg, also dachte ich, dass ich ihr heute nicht gegenübertreten müsste.
„Aber warum solltest du ihn ablehnen?“ fragte sie und beugte sich mit verwirrtem Blick etwas nach vorne. „Als ich hörte, dass du es getan hast, war ich so durcheinander und wollte ihnen einfach nicht glauben. Ich dachte, meine beste Freundin würde so etwas niemals tun. Was ist los, Natalia?“
Auch wenn sie so tat, als würde sie sich um mich kümmern, konnte ich erkennen, dass sie mich tatsächlich verurteilte. Ich konnte es spüren, und ich konnte auch einen leichten Duft von Liam wahrnehmen, gemischt mit ihrem Parfüm.
Das ließ mich sofort wissen, dass er dort gewesen war. Ich drehte mich zu ihr um, und als ich sprach, versuchte ich überhaupt nicht, meine Bitterkeit zu verbergen. „Seit wann brauche ich deine Erlaubnis für meine Entscheidungen, Selene?“ Ich fragte kalt.
Selenes Augen weiteten sich und sie blinzelte. Es gab eine kurze Pause, einen kleinen Riss in ihrer perfekten Handlung, der ein langsames, zufriedenes Lächeln auf meinen Lippen entstehen ließ.
„W – Was ist los mit dir?“ Sie schnappte nach Luft, schockiert darüber, wie gemein ich klang. „Du kannst nicht-“
Ich hob meine Hand, um sie vom Reden abzuhalten.
Jetzt, wo ich sie mit klügeren Augen ansah, konnte ich erkennen, dass alles an ihr genau zeigte, wie nahe sie Liam gekommen war. Die entspannte Art, wie sie auf der Couch saß, ihr perfekt gestyltes Haar und die Art, wie sich ihr besorgter Blick in Glück verwandelte, als sie dachte, ich würde nicht zuschauen.
Wenn sie sich nicht bereits heimlich mit Liam traf, würde sie es bald tun.
Ich hätte wütend sein sollen, aber ich konnte es mir nicht leisten, meine Zeit mit Wut zu verschwenden. Ich hatte Pläne, um die ich mich kümmern musste.
Ohne sie anzusehen, ging ich zu unserer kleinen Küche und holte meinen Laptop von der Theke. Mit einem Stirnrunzeln im Gesicht, als ich versuchte, mich an mein altes Bankpasswort zu erinnern, loggte ich mich schließlich in mein Bankkonto ein.
Mein Stirnrunzeln vertiefte sich, als ich mein Gleichgewicht überprüfte. Etwas mehr als zehntausend Dollar, meine Mittel waren kleiner als ich erwartet hatte, aber ich konnte es auf jeden Fall zum Laufen bringen.
Für mich war es genug, um anzufangen, aber nicht genug, um mich zurückzulehnen und auf den richtigen Zeitpunkt zum Investieren zu warten. Es stand viel auf dem Spiel, und dieses Mal hatte ich nicht vor, darauf zu warten, dass mir jemand meine Zukunft übergab.
Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück und ballte meine Hände zu Fäusten, während ich versuchte, mich an die genaue Zeitleiste meines früheren Lebens zu erinnern. Die Handelsrouten, die Lieferungen, jede verpasste Gelegenheit und jede Schwachstelle, ich erinnerte mich an alles.
Und nun war ich in der Lage, dieses Wissen zu meinem Vorteil zu nutzen.
Die allererste Maßnahme, die ich ergreifen musste, war völlig offensichtlich: die Kontrolle über die Mondschattenversorgung zu erlangen. Nur eine einzige fehlende Lieferung würde den Markt in Panik versetzen, und fast augenblicklich würde das, was früher ungewöhnlich war, von unschätzbarem Wert und fast unmöglich zu finden sein.
Nachdem ich meinen Plan im Kopf entworfen hatte, schaltete ich meinen Laptop aus, schnappte mir meinen Mantel und verließ das Haus ohne ein weiteres Wort. Selene hatte versucht, mit mir zu sprechen, aber nachdem sie über ein Dutzend Mal keine Antwort erhalten hatte, beschloss sie schließlich, dass ich ihr nicht antworten würde.
Als sie mich hinausgehen sah, stand sie mit geöffneten Lippen auf, aber es kam kein Laut heraus.
Gut.
Auf den Straßen der „Unterseite“, dem Teil der Stadt, der ausschließlich von Werwölfen kontrolliert wurde, herrschte reges Treiben. Das riesige Handelszentrum in der Mitte des ersten Blocks war ein Bienenstock aus Transaktionen, Stimmen und schlurfenden Füßen.
Ich bewegte mich sanft und zielstrebig zwischen den Wölfen. Ich ging über den Markt, scannte, notierte und berechnete die unterschiedlichen Preise für Kräuter. Ich habe Lieferanten, Preise und sogar Mengen notiert.
Ich stellte bei Bedarf Fragen und täuschte Neugier vor, wenn die Verkäufer neugierig auf meine Motive wurden. Ich habe darauf geachtet, dass ich mit jedem Verkäufer nur ausreichend Zeit verbringe. Ich wollte nicht, dass irgendjemand gegenüber meinen Taten Verdacht erregte.
Als ich fertig war, war ich ziemlich sicher, dass ich genügend Informationen gesammelt hatte, um den Markt zu übernehmen, wenn die Zeit zum Handeln gekommen war.
Als ich zurück zum Ausgang ging, erfüllte ein Gefühl tiefer Zufriedenheit meine Brust. Ich fühlte mich vorbereitet und mein allererster Schritt war fast getan.
Dann, gerade als ich das Handelszentrum verließ, zwang mich eine Stimme, die ich sofort erkannte, zum Anhalten.
„Natalia.“
Ich blieb völlig still und drehte mich langsam um, bis ich direkt in ein Gesicht blickte, von dem ich nie erwartet hatte, dass ich es jemals wieder sehen würde.
Alpha Ethan, der Herrscher des Viscount-Rudels.
Warum war er überhaupt an diesem Ort? Sein Rudel lebte die ganze Zeit auf der anderen Seite des Staates.
Ethan wirkte seiner Form treu und wirkte entspannt, selbstbewusst und hatte ein leichtes Grinsen im Gesicht. Im Gegensatz zu Liam strahlte er von Natur aus Autorität und Stärke aus, ohne ein Wort darüber verlieren zu müssen.
Zu beiden Seiten standen Wachen, aber mit einer kurzen Handbewegung wichen sie zurück, um ihm genug Platz zu geben, um auf mich zuzugehen.
In meinem früheren Leben war er einer der Alphawölfe, die mich verfolgt hatten. Ich hatte ihn damals abgelehnt, weil ich mich langsam in Liam verliebte. Aber jetzt betrachtete ich ihn aus einer ganz anderen Perspektive.
„Laufst du immer noch vor mir weg?“ fragte er mit verspielter, neckender Stimme.
Ich sah ihm wieder in die Augen und verspürte eine seltsame Aufregung, als ich ihn untersuchte. Dieser Typ hatte überhaupt keine Ähnlichkeit mit Liam. Ethan war jemand, der sich nie gezwungen fühlte, einen anderen Wolf zu manipulieren oder zu dominieren.
Er war ein Mensch, der mich wirklich als mehr als nur ein Objekt betrachtete, das man benutzen konnte.
Und zum allerersten Mal seit meiner Wiedergeburt wurde mir klar, dass Allianzen genauso wichtig sein können wie individuelle Pläne.
„Ich renne nicht weg“, sagte ich leise, obwohl meine Gedanken schneller rasten als meine Worte, „ich bin nur … vorwärts gegangen.“
Er lachte und machte einen Schritt nach vorne. „Wie wäre es, wenn du mir beim Abendessen von deiner Entscheidung erzählst, weiterzumachen?“
Natalias POV„Ich halluziniere“, flüsterte ich und mein durchscheinender Geist schwebte einen Zentimeter über dem makellos weißen Boden. „Ethan, sag mir, dass ich halluziniere.“Aus reinem Instinkt griff ich nach seiner Hand, aber meine goldenen Finger gingen einfach durch seine Schulter. Ethan stand nicht mehr als Geist neben mir. Er war wieder in seinem physischen Körper, kniete auf dem polierten Marmor und schnappte nach Luft, als wäre er gerade aus einem Ozean aus Eis gezogen worden. Sein zerrissenes schwarzes Hemd war durchnässt von dem flüssigen Schatten, der uns verschluckt hatte, aber die dunklen Adern an seinem Hals waren vollständig verschwunden. „Du bist nicht verrückt, Natalia“, krächzte Ethan und stützte sich auf seinen gesunden rechten Arm. Mit großen silbernen Augen wischte er sich einen Streifen dunklen Ruß vom Kinn, während er an mir vorbei auf den goldenen Thron starrte. „Weil ich sie auch sehe.“Die Frau auf dem Thron rührte sich nicht. Sie saß mit geradem Rücken
Natalias POV„Komm zu mir, kleine Luna.“Die Stimme kroch durch die Dunkelheit. Ich kannte diese Stimme. Es war Ethans Stimme. Aber es war nicht Ethan. Ich konnte nichts sehen. Nicht meine Mutter. Nicht der silberne Wolf. Nicht einmal meine eigenen Hände. Es gab nur Dunkelheit. Kalte, endlose Dunkelheit. „Ethan!“ Ich schrie. Meine Stimme verschwand in der Dunkelheit. „Ethan!“Nichts. Dann hörte ich ein leises Lachen. „Immer noch besorgt um ihn?“Ich wirbelte herum. "Wer bist du?"Ein Paar rote Augen erschien in der Dunkelheit. Dann noch ein Paar. Und noch einer. Hunderte von roten Augen öffneten sich um mich herum. Mein Geist zitterte. „Zeig dich!“Die Dunkelheit bewegte sich. Eine Frau stieg heraus. Die Frau, die genauso aussah wie ich. Ihr silbernes Haar umspielte ihr Gesicht, obwohl kein Wind wehte. Ihr schwarzes Kleid bewegte sich wie Rauch und ihre Augen hatten nicht mehr das gleiche warme Gold wie die meiner Mutter. Sie waren rot. Sie lächelte. „Du erin
Natalias POVEin paar Sekunden lang konnte ich nicht atmen. Ich wusste, dass ich keine Lunge mehr hatte. Ich wusste, dass ich nur ein Geist war. Doch die Worte der Frau ließen meine ganze Seele erstarren. Meine Tochter. Ich starrte sie von der anderen Seite der riesigen weißen Marmorhalle aus an. Meine echte Mutter. Die Worte wiederholten sich immer wieder in meinem Kopf. Meine echte Mutter. NEIN. Das war unmöglich. Meine Mutter war gestorben, als ich ein Kind war. Mein Vater hatte mir hundertmal dieselbe Geschichte erzählt. Er hatte gesagt, sie sei beim Schutz des Nordens gestorben. Er hatte gesagt, sie habe sich geopfert, damit der Rat überleben könne. Er hatte mir den Gedenkstein mit ihrem eingravierten Namen gezeigt. Er hatte meine Hand gehalten, während ich neben ihrem leeren Grab weinte. Aber jetzt saß sie vor mir. Lebendig. Schön. Und die Krone von Sol tragen. Ich drehte mich langsam zu Ethan um. Er stand ein paar Meter von mir entfernt, durchnässt von sch
Natalias POV"Vater?" Das Wort entkam meinem Geist wie ein kaltes Keuchen und flatterte nutzlos in der erstickenden Luft der Halle. Ich schwebte auf ihn zu, mein goldenes Licht flackerte unregelmäßig und beleuchtete die harten, scharfen Linien seines Gesichts. Er sah nicht wie ein Geist aus. Er sah nicht wie eine Erinnerung aus meiner Kindheit aus. Er wirkte solide, echt und völlig frei von der Wärme, die er mit sich herumgetragen hatte, als er mich in Sol-Keep in mein Bett brachte. „Bleib zurück, Natalia“, sagte mein Vater leise. Seine Stimme hatte diesen vertrauten, tiefen Tonfall, der mir früher ein sicheres Gefühl gab, aber jetzt schickte sie eine Welle absoluter Abscheu direkt durch meine Seele. „Du schwebst ohne Hülle. Du bist im Moment zerbrechlich. Zwinge mich nicht, dich noch einmal zu fesseln.“„Du solltest tot sein!“ Jax brüllte und trat mit erhobenen Zwillingsdolchen vor Ethan. „Wir haben dich in den nördlichen Katakomben begraben! Ich habe gesehen, wie sie den Stein ü
Ethans POV"Festhalten!" Ich schrie, meine Stimme zerriss den rauschenden Wind, als die riesige Steinhand tiefer in den pechschwarzen Abgrund eintauchte. Kalte Luft wehte an uns vorbei und roch nach zerkleinertem Schiefer, nassem Kiefernholz und altem Staub, der seit dreitausend Jahren nicht mehr die Sonne gesehen hatte. Meine Finger krallten sich verzweifelt in den rauen Granitboden der riesigen Palme und versuchten, nicht vom Rand in die dunkle Leere darunter abzurutschen. Jede Bewegung löste eine neue Welle des Schmerzes in meiner linken Schulter aus, wo Lyra den Knochen gebrochen hatte. Natalias durchsichtige Geistergestalt kniete direkt neben mir und ihr goldenes Licht warf weiche, flackernde Schatten auf die alten Runen, die in die Steinfinger gemeißelt waren. „Ethan, beweg dich nicht!“ rief sie, ihre Stimme hallte in meinem Kopf wider wie eine silberne Glocke. Sie schlang ihre leuchtenden, geisterhaften Arme um meine Brust und eine wohltuende, kühle Wärme breitete sich dur
Natalias POV„Zerbrich es“, sagte ich leise in die Dunkelheit meines Kristallgefängnisses, während mein Geist gegen die Glaswand drückte. „Ethan, du musst die Kugel zerbrechen.“"Bist du verrückt?" kam Ethans Antwort über unseren Link und klang wütend und wild. „Wenn du dieses Glas zerbrichst, wird dein Geist wegfliegen! Ich werde dich nicht töten!“„Es wird mich nicht umbringen!“ Ich flehte ihn an, während ich durch das Glasgefängnis die schreckliche Szene draußen beobachtete. „Ich bin mit deinem Herzen verbunden! Brich es und alles, was ich verliere, ist meine Energie, aber nicht mich! Aber wenn du ihr dieses Glas gibst, wird sie meine Seele zur Krone bringen und der ganze Kontinent fällt!“Ethan schwieg. Er konnte nicht sprechen. Der schneebedeckte Wald um uns herum wurde totenstill. Dreihundert Reiter auf Schreckenswölfen standen mit erhobenen Waffen regungslos und schweigend da und atmeten Nebel in der kalten Luft. Niemand wagte es, sich zu bewegen. Niemand atmete. Lyra war fün
Das Abendessen begann ruhig. Es war nicht unangenehm oder erzwungen, wie ich es für die ersten Minuten erwartet hatte; es war einfach kontrolliert.Ethan hatte nicht überstürzt das Wort ergriffen, sobald ich mich gesetzt hatte. Stattdessen hatte er sich herübergebeugt und mir ein Glas Wein eingesch
„Is er der Grund, warum du mich abgewiesen hast?“ Diese Worte schnitten tief durch die Nacht. Sein Tonfall mochte ruhig gewesen sein, aber darunter lag etwas, das meine Nerven blank legte – etwas Dunkleres. Ich musste mich nicht umdrehen, um zu wissen, wer es war. Doch ich tat es trotzdem. Alpha
Als ich auf den Parkplatz meiner Wohnung einbog, war es ziemlich klar, dass die Sonne kurz vor dem Untergang stand. Ich stellte den Motor meines Autos ab und blieb einen langen Moment so sitzen, meine Finger ruhten auf dem Lenkrad, während ich tiefe, lange Atemzüge nahm. Dann atmete ich aus und sti
Kapitel 4Ich runzelte die Stirn, während ich ihm in die Augen sah. Abendessen? Was könnte er denken? In meinem früheren Leben war mir bewusst, dass er Gefühle für mich hatte, aber wir hatten uns nie wirklich verabredet. Warum sollte er mich plötzlich zu einem Date mitnehmen wollen? Im Gegensatz







