LOGINSimon stockte der Atem, als sie über die Köpfe der Männer um sie herum hinwegblickte und sich desinteressiert im Raum umsah – fast so, als ob sie spürte, beobachtet zu werden, aber keine Ahnung hatte, wer oder warum. Sein erster Eindruck von ihrer völligen Langeweile angesichts ihrer Bewunderer und der Umgebung bestätigte sich, als sie ein Gähnen unterdrückte. Im selben Moment trafen sich ihre Blicke.
Trefften sich und dann, als der Blick der Frau langsam wieder auf seinen wanderte, verharrte er… Dann – bumm! – erkannte sie ihn!
Er wusste es an ihren überrascht geweiteten Augen. Er hatte jede ihrer Bewegungen beobachtet… Wie sie tief einatmete… Wie ihr die Röte ins Gesicht stieg… Das Stirnrunzeln, bevor sie schnell wegsah. Ihre Reaktion war noch komischer, als er erwartet hatte, und Simon grinste innerlich. Umso überraschender war es, dass er eine seltsame Freude empfand, weil sie sich an ihn erinnert hatte. Er hatte wohl Eindruck gemacht, dachte er.
Sie sah ihn wieder an. Er wollte sich wohl vergewissern, dass er es wirklich war, und Simon hob fragend eine Augenbraue – nur um einen leeren Blick und dann ein desinteressiertes Achselzucken zu ernten. Dann wandte sich die Frau im roten Kleid, wie Simon sie in Gedanken bereits nannte, ab, um von einem der Männer um sie herum ein frisches Glas Champagner entgegenzunehmen, ganz so, als hätte sie seine Existenz bereits vergessen.
Nach der vergangenen Woche und den letzten Stunden, in denen sich ihm die Frauen wie Opfergaben an den Hals geworfen hatten, war dies zwar eine willkommene Abwechslung, aber ganz sicher nicht die Reaktion, die Simon gewohnt war, wenn er Interesse an einer schönen Frau zeigte.
Als einer der beiden Hamilton-Cousins mit weltweiten Geschäftsinteressen und unvorstellbarem Reichtum war Simon nie so naiv gewesen zu glauben, dass es allein sein Aussehen war, das Frauen anzog. Er glaubte auch nicht, dass jede Frau, die er traf, seine Größe und sein dunkles Aussehen attraktiv finden musste.
Doch es ärgerte ihn immer noch, dass die Frau in dem figurbetonten roten Kleid – eine Frau, die ihn schon beim Anblick erregte! – ihn so leichtfertig und kategorisch abgewiesen hatte.
War sie vielleicht verheiratet? Oder verlobt? Oder in einer festen Beziehung?
Nein, keines von beidem; die Hand, die das Champagnerglas hielt, das sie gerade an ihre vollen roten Lippen geführt hatte – ihre linke Hand –, eine lange, schlanke Hand, die Simon sich nur allzu gut vorstellen konnte, wie sie zärtlich über seine viel dunklere Haut strich, ein Zeitvertreib, den seine Erregung durchaus billigte, während sein Glied vor Vorfreude pochte! –, war genauso schmucklos wie ihr Hals und ihre Handgelenke. Und falls es sich um Letzteres handelte, wo war dann der Mann, mit dem sie zusammen war?
Wenn eine so schöne Frau ihm gehört hätte, hätte er sie sicherlich keine Minute allein gelassen, dem Rudel Hyänen ausgeliefert, das gerade auf Beute aus war. Wenn eine solche Frau ihm gehörte…?
Was zum Teufel?
Simon war nicht an Zugehörigkeit interessiert. Nicht einmal an langfristigen Beziehungen. Und schon gar nicht an dauerhaften. Ein paar Tage, in manchen Fällen ein paar Wochen, in denen man die Gesellschaft – und die Körper – des anderen genoss, war das Maximum an Interesse, das er den Frauen entgegenbrachte, mit denen er in den letzten achtzehn Jahren etwas hatte.
Mögen – ja. Sex – definitiv ja. Liebe oder Zugehörigkeit – definitiv nein. Sein Cousin Zach – ein Mann, der festen Beziehungen noch abgeneigter gewesen war als Simon, bis er vor einem Monat Evelyn kennengelernt und sich so schnell in sie verliebt hatte – hätte sich vielleicht auf eine feste Beziehung eingelassen, aber Simon war ganz sicher nicht daran interessiert, dasselbe zu tun.
Er begehrte die Frau im roten Kleid. Er war ziemlich verärgert darüber, wie leichtfertig sie ihn eben abgewiesen hatte. Gleichzeitig war er erregt und hart, allein beim Anblick des eng anliegenden roten Kleides, das sich so liebevoll an ihre üppigen und darunter nackten Kurven schmiegte. Simon wusste, dass er diese Erregung lieber von ihr als von einer anderen Frau befriedigen lassen wollte.
Mit diesem Gedanken im Kopf entschuldigte sich Simon zerstreut bei den Frauen, die sich um ihn drängten, bevor er den Raum durchquerte und auf die Frau im roten Kleid zuging.
—----------------- Wie Moses, der das Rote Meer teilte, bemerkte Sara wehmütig, als die Männer um sie herum dem großen, dunkelhaarigen und arrogant gutaussehenden Mann Platz machten, der ihren Blick vor wenigen Minuten absichtlich auf sich gezogen hatte, bevor er so entschlossen auf sie zukam.
Wie konnte es sein, dass ausgerechnet sie mit dem Mann auf einer Party war, der ihre Rücklichter kaputtgefahren und sich geweigert hatte, sich auch nur zu entschuldigen? Wenn das kein Zeichen war, nach Hause zu gehen, was dann? Sie hatte ihn fast sofort erkannt und konnte einfach nicht aufhören, ihn anzusehen. Welche Frau würde diesen dunklen, geheimnisvoll gutaussehenden Mann nicht bemerken?
Sein Aussehen war natürlich auch nicht zu verachten. Sara war 1,80 Meter groß in ihren roten Schuhen mit acht Zentimeter hohen Absätzen, aber er war trotzdem einige Zentimeter größer. Groß genug, dass er mit seinen warmen, geheimnisvoll-sinnlichen grünen Augen auf sie herabsehen konnte. Sein dunkles Haar fiel ihm sanft über Ohren und Nacken, und sein smaragdgrüner Blick war nun zusammengekniffen und prüfend. Er lag in einem auffallend schönen Gesicht, das wie aus sanftem Gold gemeißelt wirkte: hohe, markante Wangenknochen, eine lange, schmale Nase, volle Lippen und ein kantiges, entschlossenes Kinn. Der perfekt sitzende schwarze Abendanzug verbarg kaum seine kräftige Statur – breite, muskulöse Schultern und Brust, ein flacher, schlanker Bauch, schmale Hüften und lange, lange Beine.
Kein Zweifel. Was Charisma und gutes Aussehen anging, hatte dieser Mann beides im Überfluss! Es war vielleicht unglücklich für ihn, dass Sara ihm schon beim Anblick ansah, dass er genau der Typ Mann war, mit dem sie nichts zu tun haben wollte. Weder privat noch beruflich.
„Ist es nicht wunderbar, dass wir uns wiedersehen?“, fragte er, während sich ein Mundwinkel nach oben zog. „Ich hätte nie gedacht, dass wir uns wiedersehen würden … und dann auch noch so bald.“
Sara unterdrückte den Impuls, die Augen zu verdrehen. „Ich würde nicht sagen, dass es toll ist“, sagte sie und sah ihm in die Augen. „Eher schade.“
Er kicherte über ihre Bemerkung, und Sara fragte sich, ob sie das wirklich lustig fand, denn so hatte sie es ganz sicher nicht gemeint.
Er nickte. „Ich war so fest entschlossen, Bruce zu ruinieren, indem ich seine Schwester Jennifer benutzte, aber dann habe ich dich getroffen. Und ohne es überhaupt zu versuchen, hast du irgendetwas in mir berührt. Du hast dafür gesorgt, dass es mir nicht mehr egal war. Du hast mich davor bewahrt, ein Monster zu werden, und mich dazu gebracht, mich um wichtigere Dinge als Rache zu kümmern. Verdammt, ich habe mich sogar mit Jennifer angefreundet. Sie hat nach dem Unfall versucht, mich zu erreichen, aber meine Mutter und meine Schwester waren in so einer Zeit einfach noch nicht bereit, sie um sich zu haben.“„Oh, Scott …“„Als ich diesen Unfall hatte, war ich auf dem Weg zu dir. Ich wollte dir sagen, dass ich dich vermisst habe. Ich bin immer noch vor meinen Gefühlen für dich weggelaufen und war nicht bereit, mir meine Gefühle selbst einzugestehen, aber ich habe dich vermisst … unglaublich sehr. Und ich war auf dem Weg zu dir … um es dir zu sagen … Und genau da habe ich … ich … Was ich d
„Du siehst gut aus. Ich meine, du siehst gesund aus – vollkommen erholt“, sagte Vivian.„So fühle ich mich auch.“ Er zog eine dunkle Augenbraue hoch. „Lädst du mich gar nicht erst hinein?“„Natürlich!“ Sie öffnete die Tür weit, und als er in den Flur trat, dachte sie, dass die Tatsache, dass er überhaupt hatte fragen müssen, Bände über die Distanz sprach, die zwischen ihnen gewachsen war. Genau wie die Tatsache, dass er sie nicht berührt hatte – und der kühl-distanzierte Ausdruck auf seinem dunklen Gesicht, der keinerlei Anstalten dazu machte. Sie trat ihm verlegen gegenüber.„Wo wollen wir uns hinsetzen?“Er fragte sich, wie sie reagieren würde, wenn er das Schlafzimmer vorschlüge; doch obwohl das nicht gerade der letzte Gedanke in seinem Kopf war, war das nicht der Grund, warum er heute hierhergekommen war. „Ist es warm genug, um draußen zu sitzen?“„Ich denke schon. Soll ich uns einen Kaffee machen und ihn auf den Balkon bringen?“Aber ihm stand der Sinn nicht nach einem gesellscha
Vivian konnte nichts weiter tun als nicken. Sie konnte Scotts Mutter nichts von ihren Problemen erzählen, also umarmte sie sie einfach und wünschte ihr alles Gute. „Bitte sagen Sie Sara, dass es mir sehr leidtut, dass ich sie vor meiner Abreise nicht mehr sehen konnte“, sagte sie und verließ daraufhin das Haus. Erst als sie in ihrem Auto saß und davonfuhr, ließ sie ihren Tränen freien Lauf.Vivian verbrachte den Abend damit, wie eine verlorene Seele in ihrem Haus herumzuwandern, unfähig, sich auf irgendetwas zu konzentrieren, und ihr Herz sprang ihr beinahe aus der Brust, als ihr Telefon zu klingeln begann.Sie riss es an sich, als sie den Anrufer sah. „Hallo?“„Vivian.“„Oh, Scott!“ Sie stieß einen leisen Seufzer der Erleichterung aus, entsetzt über die Erkenntnis, dass sie halb damit gerechnet hatte, nie wieder von ihm zu hören. Aber das hätte einen Mangel an Mut seinerseits bedeutet, und an Mut fehlte es ihm ganz sicher nicht. „Geht es dir gut?“, fragte sie.Gut? Scott sah sich um,
Sie hatte das Gefühl, als späche er das Wort wie ein Fremdwort aus. „Ja, wir.“Er lächelte, aber Vivian empfand es als ein kühles Lächeln, obwohl er die Spitze ihrer Nase mit seinen Lippen berührte.„Ich weiß, dass wir eine Beziehung hatten und dass es eine sehr angenehme Beziehung ist.“Sehr angenehme? Er ließ es klingen wie ein Stück klassischer Musik, das im Radio lief!„Ich verstehe“, sagte Vivian.Er fragte sich, ob sie das wirklich tat, aber im süßen Nachglühen des Liebesspiels war sein Geist nicht untätig gewesen. „Wollen wir uns anziehen und uns etwas zu trinken holen?“Wäre es jemand anderes gewesen, hätte sie vielleicht gedacht, er suche nach flüssigem Mut, aber Scott war nicht der Typ Mann, der Alkohol brauchte, um sich zu einer Äußerung durchzuringen, egal wie unangenehm sie sein mochte.Sie spürte, dass das Ende nahte, und dass sie ihm, wenn es so weit war, ruhig und mit Würde entgegensehen würde. „Gegen einen Drink hätte ich nichts einzuwenden“, sagte sie beiläufig.Er m
Er hatte sich verändert. Die dunklen Augen waren nicht mehr so unruhig. Der blitzende, raubtierhafte Blick des Hais war verschwunden.Aber ein Stoß für sein Gedächtnis könnte ihn doch sicher zurückbringen, oder? Und der kaltblütig ehrgeizige Scott McCall könnte wieder aus dem Kokon seines Komas hervortreten.„Bereit?“, fragte sie.Er ließ seine Hand über ihr Haar gleiten und folgte ihr mit der schmetterlingsleichten Berührung seiner Lippen auf ihrem Nacken. „Vielleicht sollten wir noch eine Weile zurück ins Bett gehen?“, murmelte er.Vivian schloss die Augen, versucht. Wenn es eine Sache gab, die Scott schnell zurückgewonnen hatte, dann war es seine Qualität als Liebhaber. „Aber wir sind doch gerade erst aufgestanden!“, wandte sie ein.„Der Arzt hat gesagt, ich soll mich so viel wie möglich ausruhen.“„Ich glaube, deine Vorstellung von Ausruhen und die des Arztes sind nicht ganz dieselbe“, erwiderte Vivian. Widerstrebend zog sie ihren Nacken zurück. „Sollen wir fahren oder ein Stück z
Er holte leise tief Luft, um seine Bewunderung zu bekunden, als sie vor ihm stand – gehüllt in nichts als hauchzarte Unterwäsche aus weicher, grüner Spitze, während ihre Haut wie Seide schimmerte. Ihre Brüst quollen über den tief geschnittenen BH, und das passende Höschen ließ ihre Beine endlos lang wirken.Er musste sie schon früher so gesehen haben, und doch schien es ihm, als hätte er sie nie wirklich betrachtet. Als hätte er nie den seidigen Fall des dunklen Haares geschätzt, das kaskadenartig über ihre Schultern fiel.„Herrgott“, murmelte er. „Du bist unglaublich. Einfach unglaublich.“„Nein, ich bin echt.“ Sie begann, sein Hemd aufzuknöpfen.„Du trägst all das, während ich fast gar nichts anhabe“, beschwerte sie sich.Er lachte leise auf und hielt den Atem an, als ihre Handflächen leichte, sinnliche Kreise über seine Brustwarzen zogen. „Du trägst viel zu viel, oh, Vivian –“Dies, als sie seine Hose öffnete und mit den Fingerspitzen seine pralle Härte neckte. Er schob seine Hand







