Share

2

last update publish date: 2026-07-22 03:01:31

Okay, vielleicht war es schon ruiniert, aber er hatte maßgeblich dazu beigetragen, und sie brauchte jemanden, auf den sie wütend sein konnte. Sara riskierte einen Blick in den Spiegel, wohl wissend, dass er noch immer hinter ihr stand, und schnappte fast nach Luft, als sie sah, wie er sie bereits aus seinem Auto beobachtete. Trotzig hielt sie seinem Blick einige Sekunden stand, bevor sie wegsah.

Ihr Meeting war abgesagt, also würde sie direkt nach Hause fahren, beschloss sie. Ein Bad schien eine gute Idee, und zum Glück würde sie diesen Idioten nie wiedersehen müssen.

__________ Sara McCall hatte Cocktailpartys noch nie gemocht, da sie in der Vergangenheit viel zu viele besuchen musste … meist auf Geheiß ihres Bruders Scott McCall. Die von Senatoren veranstalteten Partys mochte sie noch weniger. Die meisten Reichen und Schönen der Stadt füllten den riesigen Empfangssaal eines der renommiertesten Hotels New Yorks bis auf den letzten Platz. Das Stimmengewirr war laut, das Lachen noch lauter, und die Juwelen an den Handgelenken, Hälsen und Ohren der elegant gekleideten Damen glitzerten und funkelten im Licht der etwa zwölf Kristalllüster, die über ihnen hingen. Gleichzeitig wurde Saras Geruch von Dutzenden teurer Parfums, die den klimatisierten Raum erfüllten, überwältigt.

Aber, wie ihre Mutter so gern sagte: „Was nicht zu ändern ist, muss man ertragen.“

Es kostete Sara all ihre Geduld, die Zähne zusammenzubeißen und diese Cocktailparty zu überstehen, die von niemand Geringerem als dem zu Besuch weilenden Senator Robert Ashcroft ausgerichtet wurde. Als Assistentin ihres Bruders war sie gezwungen gewesen, teilzunehmen, aber selbst dann bezweifelte Sara, dass sie die Einladung angenommen hätte, wenn sie nicht gewusst hätte, wie sehr sie dem Mann gefallen würde, der sie an diesem Abend begleiten sollte.

Es war genau die Art von gesellschaftlichen Anlässen, die Mark Forbes genoss. Was ja auch in Ordnung war. Nur war es nicht der eigentliche Grund, warum sie ihn wiedersehen wollte.

 In Wahrheit hatte Sara keine Ahnung, wie Mark reagieren würde, wenn sie ihm die Gelegenheit dazu bekäme und ihm erklärte, dass sie absolut nicht die Absicht hatte, jemals mit ihm – oder mit irgendeinem anderen Mann – ins Bett zu gehen. Stattdessen überlegte sie, ihn zu fragen, ob er als Samenspender zur Verfügung stünde, falls sie sich für die von ihr in Erwägung gezogene künstliche Befruchtung entscheiden würde. Ein so heikles, so persönliches Thema musste sie ihrer Meinung nach behutsam ansprechen, anstatt es gleich beim ersten – oder gar zweiten! – Treffen auszusprechen.

__________

Senator Ashcrofts Empfang entpuppte sich als genauso überfüllt, wie Simon Hamilton es erwartet hatte. Die meisten kannte er bereits nach der vergangenen Woche, in der sie sich mit anderen getroffen hatten, und viele der Männer wollten ihre Bekanntschaft mit ihm auffrischen. Ihre Frauen, Töchter oder Freundinnen machten kein Geheimnis daraus, dass sie sein düsteres und grüblerisches Aussehen attraktiv fanden.

Nicht, dass Simon etwas gegen den letzten Teil einzuwenden gehabt hätte. Er hatte während seiner Jahre in London ein erfülltes Sexualleben genossen und hoffte inständig, dies auch nach seinem Umzug nach New York fortsetzen zu können.

Dennoch, obwohl er von wunderschönen Frauen umgeben war, die alle um seine Aufmerksamkeit buhlten, bemerkte Simon die Frau in dem figurbetonten roten Kleid, die ihm am anderen Ende des Raumes begegnete. Wahrscheinlich, weil sie sich von den anderen anwesenden „schönen Leuten“ abhob, da sie keinerlei Anstalten machte, auf die schmeichelhaften Gespräche der Männer um sie herum zu reagieren, sondern stattdessen völlig gelangweilt wirkte – sowohl von ihnen als auch von ihrer Umgebung.

Doch es war nicht nur diese Gleichgültigkeit, die Simons Aufmerksamkeit erregte. Auch nicht die Tatsache, dass sie jung war – wahrscheinlich Ende zwanzig – und außergewöhnlich schön. Ihr schwarzes Haar fiel üppig über ihre Schultern und bis zur Mitte ihres Rückens, und ihre Augen waren hell – vielleicht grau oder braun? – und von dichten, dunklen Wimpern umrahmt. Ihre Haut hatte die Farbe eines blassen Alabasters, ihre Gesichtszüge waren zart und anmutig, und ihre vollen Lippen glänzten in demselben verführerischen Rot wie ihr überaus dekadentes Kleid. Ihr einziger Schmuck bestand aus einem Paar zierlicher, filigraner Goldohrringe, die fast bis zu ihren nackten Schultern reichten.

All das wäre sicherlich Grund genug für jeden Mann gewesen, ihr einen zweiten Blick zuzuwerfen, doch es war nicht das, was Simons Aufmerksamkeit fesselte und ihn in dem Moment, als er sie erblickte, vor Erregung erstarren ließ …

Es war Wiedererkennen.

Sie war es! Er konnte es nicht fassen, aber sie war es! Die Frau, die ihn erst gestern angefahren hatte. Der Spruch „Die Welt ist klein“ kam ihm in den Sinn, und er amüsierte sich leicht bei dem Gedanken an ihre Reaktion, wenn sie ihn endlich sah. Simon Hamilton wurde nicht oft herausgefordert, und es war seltsam erfrischend, jemanden zu sehen, der es tat. Diese Frau hatte ihm Paroli geboten, ihm in die Augen geschaut und ihn arrogant genannt, und er konnte die ganze Zeit nur an ihre Schönheit denken. Schade, dass sie fast so schnell verschwunden war, wie sie aus dem Auto gesprungen war, und er dachte, er würde sie nie wiedersehen, aber da war sie nun … und sah noch schöner aus. Wenn das nicht das Schicksal war, das ihm eine zweite Chance gab, dann wusste er es auch nicht.

Alle anderen Frauen im Raum trugen Unmengen teurer Juwelen an Ohren, Hals, Handgelenken und Fingern, und ob groß oder klein, sie waren alle modisch schlank. Die Frau in dem figurbetonten, roten, trägerlosen Kleid trug nur diese Ohrringe, und ihre Figur war … Es gab ein Wort für ihren Figurtyp. Ein altmodisches Wort, das sie genau beschrieb – eines, das oft verwendet worden war, um Filmstars des goldenen Zeitalters zu beschreiben … Üppig! Genau das war es! Die Frau in dem roten, figurbetonten Kleid war üppig. Nicht dick – dafür war ihr Körper viel zu durchtrainiert. Sie hatte einfach eine Sanduhrfigur: kurvenreich, üppig, sinnlich und sinnlich.

Ihre Schultern waren frei, die Hautfläche hatte denselben glatten Alabasterton wie ihr Gesicht, und das verführerisch wirkende Kleid betonte die Fülle ihrer Brüste, die unter dem seidigen Stoff, der über ihre schmale Taille fiel und sich zärtlich an ihre Hüften schmiegte, deutlich zu erkennen waren. Der Stoff endete einige Zentimeter über ihren Knien und gab den Blick auf ihre langen, wohlgeformten Beine frei, an deren eleganten, schlanken Füßen rote Riemchensandalen mit drei Zoll hohen Absätzen steckten.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • EIN GRUND ZU HEIRATEN   163

    Er nickte. „Ich war so fest entschlossen, Bruce zu ruinieren, indem ich seine Schwester Jennifer benutzte, aber dann habe ich dich getroffen. Und ohne es überhaupt zu versuchen, hast du irgendetwas in mir berührt. Du hast dafür gesorgt, dass es mir nicht mehr egal war. Du hast mich davor bewahrt, ein Monster zu werden, und mich dazu gebracht, mich um wichtigere Dinge als Rache zu kümmern. Verdammt, ich habe mich sogar mit Jennifer angefreundet. Sie hat nach dem Unfall versucht, mich zu erreichen, aber meine Mutter und meine Schwester waren in so einer Zeit einfach noch nicht bereit, sie um sich zu haben.“„Oh, Scott …“„Als ich diesen Unfall hatte, war ich auf dem Weg zu dir. Ich wollte dir sagen, dass ich dich vermisst habe. Ich bin immer noch vor meinen Gefühlen für dich weggelaufen und war nicht bereit, mir meine Gefühle selbst einzugestehen, aber ich habe dich vermisst … unglaublich sehr. Und ich war auf dem Weg zu dir … um es dir zu sagen … Und genau da habe ich … ich … Was ich d

  • EIN GRUND ZU HEIRATEN   162

    „Du siehst gut aus. Ich meine, du siehst gesund aus – vollkommen erholt“, sagte Vivian.„So fühle ich mich auch.“ Er zog eine dunkle Augenbraue hoch. „Lädst du mich gar nicht erst hinein?“„Natürlich!“ Sie öffnete die Tür weit, und als er in den Flur trat, dachte sie, dass die Tatsache, dass er überhaupt hatte fragen müssen, Bände über die Distanz sprach, die zwischen ihnen gewachsen war. Genau wie die Tatsache, dass er sie nicht berührt hatte – und der kühl-distanzierte Ausdruck auf seinem dunklen Gesicht, der keinerlei Anstalten dazu machte. Sie trat ihm verlegen gegenüber.„Wo wollen wir uns hinsetzen?“Er fragte sich, wie sie reagieren würde, wenn er das Schlafzimmer vorschlüge; doch obwohl das nicht gerade der letzte Gedanke in seinem Kopf war, war das nicht der Grund, warum er heute hierhergekommen war. „Ist es warm genug, um draußen zu sitzen?“„Ich denke schon. Soll ich uns einen Kaffee machen und ihn auf den Balkon bringen?“Aber ihm stand der Sinn nicht nach einem gesellscha

  • EIN GRUND ZU HEIRATEN   161

    Vivian konnte nichts weiter tun als nicken. Sie konnte Scotts Mutter nichts von ihren Problemen erzählen, also umarmte sie sie einfach und wünschte ihr alles Gute. „Bitte sagen Sie Sara, dass es mir sehr leidtut, dass ich sie vor meiner Abreise nicht mehr sehen konnte“, sagte sie und verließ daraufhin das Haus. Erst als sie in ihrem Auto saß und davonfuhr, ließ sie ihren Tränen freien Lauf.Vivian verbrachte den Abend damit, wie eine verlorene Seele in ihrem Haus herumzuwandern, unfähig, sich auf irgendetwas zu konzentrieren, und ihr Herz sprang ihr beinahe aus der Brust, als ihr Telefon zu klingeln begann.Sie riss es an sich, als sie den Anrufer sah. „Hallo?“„Vivian.“„Oh, Scott!“ Sie stieß einen leisen Seufzer der Erleichterung aus, entsetzt über die Erkenntnis, dass sie halb damit gerechnet hatte, nie wieder von ihm zu hören. Aber das hätte einen Mangel an Mut seinerseits bedeutet, und an Mut fehlte es ihm ganz sicher nicht. „Geht es dir gut?“, fragte sie.Gut? Scott sah sich um,

  • EIN GRUND ZU HEIRATEN   160

    Sie hatte das Gefühl, als späche er das Wort wie ein Fremdwort aus. „Ja, wir.“Er lächelte, aber Vivian empfand es als ein kühles Lächeln, obwohl er die Spitze ihrer Nase mit seinen Lippen berührte.„Ich weiß, dass wir eine Beziehung hatten und dass es eine sehr angenehme Beziehung ist.“Sehr angenehme? Er ließ es klingen wie ein Stück klassischer Musik, das im Radio lief!„Ich verstehe“, sagte Vivian.Er fragte sich, ob sie das wirklich tat, aber im süßen Nachglühen des Liebesspiels war sein Geist nicht untätig gewesen. „Wollen wir uns anziehen und uns etwas zu trinken holen?“Wäre es jemand anderes gewesen, hätte sie vielleicht gedacht, er suche nach flüssigem Mut, aber Scott war nicht der Typ Mann, der Alkohol brauchte, um sich zu einer Äußerung durchzuringen, egal wie unangenehm sie sein mochte.Sie spürte, dass das Ende nahte, und dass sie ihm, wenn es so weit war, ruhig und mit Würde entgegensehen würde. „Gegen einen Drink hätte ich nichts einzuwenden“, sagte sie beiläufig.Er m

  • EIN GRUND ZU HEIRATEN   159

    Er hatte sich verändert. Die dunklen Augen waren nicht mehr so unruhig. Der blitzende, raubtierhafte Blick des Hais war verschwunden.Aber ein Stoß für sein Gedächtnis könnte ihn doch sicher zurückbringen, oder? Und der kaltblütig ehrgeizige Scott McCall könnte wieder aus dem Kokon seines Komas hervortreten.„Bereit?“, fragte sie.Er ließ seine Hand über ihr Haar gleiten und folgte ihr mit der schmetterlingsleichten Berührung seiner Lippen auf ihrem Nacken. „Vielleicht sollten wir noch eine Weile zurück ins Bett gehen?“, murmelte er.Vivian schloss die Augen, versucht. Wenn es eine Sache gab, die Scott schnell zurückgewonnen hatte, dann war es seine Qualität als Liebhaber. „Aber wir sind doch gerade erst aufgestanden!“, wandte sie ein.„Der Arzt hat gesagt, ich soll mich so viel wie möglich ausruhen.“„Ich glaube, deine Vorstellung von Ausruhen und die des Arztes sind nicht ganz dieselbe“, erwiderte Vivian. Widerstrebend zog sie ihren Nacken zurück. „Sollen wir fahren oder ein Stück z

  • EIN GRUND ZU HEIRATEN   158

    Er holte leise tief Luft, um seine Bewunderung zu bekunden, als sie vor ihm stand – gehüllt in nichts als hauchzarte Unterwäsche aus weicher, grüner Spitze, während ihre Haut wie Seide schimmerte. Ihre Brüst quollen über den tief geschnittenen BH, und das passende Höschen ließ ihre Beine endlos lang wirken.Er musste sie schon früher so gesehen haben, und doch schien es ihm, als hätte er sie nie wirklich betrachtet. Als hätte er nie den seidigen Fall des dunklen Haares geschätzt, das kaskadenartig über ihre Schultern fiel.„Herrgott“, murmelte er. „Du bist unglaublich. Einfach unglaublich.“„Nein, ich bin echt.“ Sie begann, sein Hemd aufzuknöpfen.„Du trägst all das, während ich fast gar nichts anhabe“, beschwerte sie sich.Er lachte leise auf und hielt den Atem an, als ihre Handflächen leichte, sinnliche Kreise über seine Brustwarzen zogen. „Du trägst viel zu viel, oh, Vivian –“Dies, als sie seine Hose öffnete und mit den Fingerspitzen seine pralle Härte neckte. Er schob seine Hand

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status