LOGINThe Rhythm of Poetry ist weit mehr als nur eine Sammlung von Texten – es ist ein kompromissloses Manifest der Unabhängigkeit. Dieses Werk bricht mit den glattgebügelten, kommerziellen Regeln des Mainstreams und erhebt die Stimme für das pure, rohe Fundament der Straßenkultur. Es ist ein rhythmischer Weckruf, der den echten Beat, die harte Realität der Nachtschichten und die ungesäuberte Realität des Untergrunds einfängt. Wie ein Manifest formuliert es den Anspruch, sich nicht verbiegen zu lassen, sondern Kunst aus der eigenen Haltung und Überzeugung heraus zu erschaffen – direkt vom Mikrofon in die Welt. Ein kraftvoller Auftakt, der den Herzschlag der Szene widerspiegelt!
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Vorwort
Dieses Buch erzählt den Anfang der Geschichte von Papadakuz und davon, wie er an der Benzenberg-Realschule seine Leidenschaft für die Musik entdeckte. In diesem Band liegt der Schwerpunkt auf den Erlebnissen, die Papadakuz in der Schule machte. Die Schule wird so anschaulich beschrieben, dass der Leser einen Eindruck von dem Alltag gewinnt, den Papadakuz dort Tag für Tag erlebte.
Schule ist keine von den Eltern auferlegte Strafe, sondern ein wertvoller Ort, an dem Bildung und Charakter geformt werden. Ein gesunder Verstand ist das Wichtigste überhaupt, denn das Leben ist bunt und granatenstark.
Papadakuz!
Ich bitte die Leserinnen und Leser, beim Lesen dieses Buches keine Partei zu ergreifen und keine Vorurteile gegenüber irgendeiner Person zu entwickeln. Die Geschichte eines Menschen ist zugleich auch die Geschichte vieler anderer Menschen. Sie wirkt wie ein Uhrwerk, in dem jedes einzelne Leben seinen Platz hat und zum Ausdruck bringt, was uns alle miteinander verbindet.
The Rhythm of Poetry
Es ist das aufregende Ende des Sommers im Jahr 1995. Die Schulen haben erst seit wenigen Tagen geöffnet, und dennoch liegt bereits dieser besondere Geruch eines neuen Schuljahres in der Luft. Die Sonne strahlt warm vom Himmel herab und legt sich wie ein goldener Schleier auf die Straßen. Man spürt ihre angenehme Wärme auf der Haut. Aus der Ferne mischen sich Vogelgezwitscher, das Murmeln vieler Menschen und das Rattern von Autos und Straßenbahnen zu einem lebendigen Klangteppich.
Mit einem leisen Brummen biegt ein dunkelblauer BMW in die Auffahrt der Benzenberg-Realschule ein. Auf dem Schulhof stehen noch zahlreiche Kinder und Jugendliche. Einige lachen laut, andere rennen umher oder tauschen die ersten Geschichten der neuen Woche aus. Alle warten ungeduldig darauf, dass der Schulgong in wenigen Minuten läutet.
Coast steigt gemeinsam mit seiner Schwester und seinem Vater aus dem Wagen. Für die beiden Geschwister fühlt sich dieser Moment an wie der Beginn eines völlig neuen Lebens. Eine Woche zu spät – tatsächlich haben sie es erst jetzt geschafft, zum Unterricht zu kommen. Der Grund dafür war ein Flugproblem am griechischen Flughafen. Die Familie hatte keinen früheren Rückflug mehr bekommen und musste mehrere Umwege in Kauf nehmen.
Während der Vater zum Schulbüro geht, um die verspätete Ankunft seiner Kinder zu erklären, bleiben Coast und seine Schwester am Rand des Schulhofs stehen. Sie beobachten neugierig die anderen Schüler. In der Nähe der Sporthalle entdeckt Coast eine Gruppe Kinder in Turnkleidung. Einige Gesichter erkennt er sofort aus der Grundschule wieder. Ein seltsames Gefühl breitet sich in ihm aus – eine Mischung aus Vertrautheit und Fremdheit.
Wenig später kehrt der Vater zurück. Neben ihm geht eine freundlich wirkende Frau mit dunklem Haar und einem offenen Lächeln. Sie stellt sich als Frau Noelle vor – ihre neue Klassenlehrerin. Ihre ruhige Stimme nimmt Coast sofort etwas von seiner Unsicherheit. Der Vater verabschiedet sich herzlich von den beiden Kindern und sagt mit ernster Miene:
„Bleibt in der Schule auf der Höhe. Ab jetzt wird es ernst.“
Diese Worte hallen noch in Coast nach, als er Frau Noelle in Richtung Sporthalle folgt.
Kaum betreten sie die Halle, wird Coast von einigen Jungen begrüßt – allerdings nicht besonders freundlich.
„Alter, wo wart ihr eine ganze Woche?“, ruft einer grinsend. „Die Schule hat längst angefangen, und ihr macht noch Urlaub!“
Coast erklärt ruhig die Probleme mit dem Flug, doch die Jungen machen weiter spöttische Bemerkungen. Noch bevor er antworten kann, wird die Tür zur Umkleide geöffnet, und die Klasse stürmt laut hinein.
Da Coast und seine Schwester weder Sportsachen noch den aktuellen Stundenplan besitzen, nehmen sie ohne Sportkleidung am Unterricht teil. Während die Jungen sich umziehen, tritt Walid zu Coast.
„Dieses Jahr mache ich dich fertig. Also muck bloß nicht auf.“
Die beiden kennen sich bereits aus der Grundschule und mochten sich noch nie. Coast spürt sofort ein unangenehmes Ziehen im Magen. Noch vor wenigen Tagen war er begeistert von dieser Schule gewesen. Bei der Anmeldung hatte sie modern und freundlich gewirkt. Jetzt denkt er nur:
Fünf Jahre mit diesem Typen? Das kann doch niemals gut gehen. Hoffentlich passiert ein Wunder.
Als alle fertig umgezogen sind, gehen sie in die Halle und setzen sich um die große Kreis-Markierung auf dem Boden. René, ein ruhiger Junge mit freundlichem Gesicht, rückt ein Stück zur Seite.
„Du kannst dich neben mich setzen“, sagt er.
Es ist die erste wirklich nette Geste dieses Tages.
Die Sportstunde steht ganz im Zeichen der Gymnastik. Frau Noelle lässt die Klasse laufen, dehnen und verschiedene Übungen machen. Schon nach wenigen Minuten sind viele Schüler außer Atem. Coast schwitzt, obwohl er kaum mitmacht.
Danach folgt eine Freistunde in der Halle. Sofort entsteht lebhaftes Treiben. Einige Schüler schleppen dicke Matten vor das Klettergerüst, klettern hinauf und springen lachend hinunter. Die meisten Jungen spielen Fußball. Coast nimmt sich einen Basketball und wirft ein paar Körbe, doch allein macht es keinen Spaß.
Während er sich umsieht, beobachtet er die Mädchen beim Seilspringen. Dann fällt ihm ein Junge namens Peter auf, der auf einer Matte Saltos übt. Peter nimmt Anlauf, springt auf ein Sprungbrett und landet elegant auf der Matte.
Coast ist sofort begeistert.
„Darf ich das auch mal probieren?“, fragt er.
Ohne lange zu überlegen, macht er mit. Für einen kurzen Moment vergisst er seine Unsicherheit völlig.
Nach dem Sportunterricht beginnt die große Pause. Coast und seine Schwester bleiben dicht beieinander, weil sie sich noch fremd fühlen und niemanden richtig kennen. Er betrachtet die älteren Schüler auf dem Hof. Manche wirken noch wie Kinder, andere beinahe erwachsen.
Das ist also die neue Welt, denkt er.
Hier beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Vielleicht kann man hier wirklich zu dem Menschen werden, der man sein möchte.
Als der Gong ertönt, strömen die Schüler durch das Pädagogische Zentrum – die Aula – in ihre Klassenräume. In dem Gedränge trifft Coast erneut auf René.
„Ich will keinen Stress“, sagt René. „Wenn du Hilfe brauchst, sag Bescheid.“
Dann fragt er neugierig, wie man es schaffen könne, gleich in der ersten Schulwoche zu fehlen. Coast erklärt noch einmal geduldig die Flugprobleme. René nickt verständnisvoll.
Vor der Klassentür bleibt Coast kurz stehen. Als sie geöffnet wird, überkommt ihn ein eigenartiges Gefühl. Der Raum riecht nach neuen Möbeln und frischer Farbe. Die Tische glänzen, die Stühle sind kaum benutzt. Alles wirkt wie ein unbeschriebenes Blatt.
Seine Schwester wird sofort von Camilla herbeigerufen.
„Setz dich zu mir!“
Coast nimmt neben Sebastian Platz, den er bereits aus der Grundschule kennt. Die Tische stehen in U-Form, in der Mitte befinden sich weitere Arbeitsplätze. Schräg gegenüber sitzt Robert neben Lydio. Robert mustert Coast und seine Schwester ununterbrochen. Coast sagt nichts, fragt sich aber, warum der Junge ihn so aufmerksam beobachtet.
Nun beginnt der Textilunterricht bei Frau Langenfeld. Coast ist überrascht. Er erinnert sich an seine Großmutter in Griechenland, die Pullover und Schals für die Familie gestrickt hat. Gleichzeitig muss er schmunzeln.
Was kommt als Nächstes? Bungee-Jumping oder Wäschewaschen?
Als Frau Langenfeld den Raum verlässt, betritt eine blonde Lehrerin in legerer Kleidung die Klasse. Währenddessen kritzeln Neima, Christin, Jessica und einige andere Mädchen Blumen, Wolken und einen Regenbogen an die Tafel.
Die Lehrerin stellt sich auf Englisch vor.
„Good morning, class.“
Coast richtet sich begeistert auf.
Cool, wir haben Englisch!
Doch die Begeisterung hält nur wenige Sekunden. Frau Kleineidamm spricht fast ausschließlich Englisch, und Coast versteht kaum ein Wort.
Wie soll man das verstehen? Kann die nicht Deutsch sprechen?, denkt er verzweifelt.
Er versucht dennoch aufmerksam zuzuhören, während neue Vokabeln an die Tafel geschrieben werden.
Dann ruft die Lehrerin seinen Namen auf.
Selbstbewusst geht Coast nach vorne. Er soll „a bird“ anschreiben. Vorsichtig schreibt er bird an die Tafel und fragt dann:
„Was bedeutet denn dieses a?“
Die Klasse bricht in Gelächter aus. Neima erklärt ihm freundlich, dass der Artikel dazugehört.
„Komische Sprache“, murmelt Coast, als er sich wieder setzt.
Der erste Schultag geht langsam zu Ende. Doch der Eindruck, den diese Schule hinterlässt, ist stärker, als Coast erwartet hatte. Er spürt, dass es wichtig sein wird, hier seinen Platz zu finden und den richtigen Weg nicht zu verlieren.
Nach Unterrichtsschluss warten er und seine Schwester an der Haltestelle Kaiserslauterner Straße auf die Straßenbahnlinie U74 oder U77. Die Bahn ist überfüllt; unzählige Schüler drängen hinein, jeder hofft auf einen Sitzplatz. Während die Straßenbahn durch die Stadt fährt, betrachtet Coast die Gesichter der Menschen um sich herum.
Ist das alles wirklich passiert?
Ein Teil von ihm fühlt sich noch immer wie ein Grundschüler, der an der Haltestelle Ickeswarder Straße aussteigen müsste.
Zu Hause sitzt der Vater bereits im Wohnzimmer vor dem Fernseher.
„Und? Wie war die Schule? Habt ihr Hausaufgaben bekommen? Besonders in Mathe?“
Da der Vater kaum Deutsch spricht, kann er seinen Kindern vor allem bei Mathematik helfen.
Coast spürt sofort Druck. Er weiß genau, wie ernst sein Vater das Thema Schule nimmt. In der Grundschule war das Lernen noch leichter gewesen, doch jetzt scheint alles schwieriger.
Die meiste Zeit verbringt Coast in dem kleinen Kinderzimmer, das er sich mit seiner Schwester teilt. Dort zeichnet er, spielt Super Nintendo oder verliert sich in Tagträumen. Oft fällt es ihm schwer, mit seinen Gedanken in der Realität zu bleiben. Das Zimmer ist sein sicherster Ort. Hier kann seine Fantasie frei werden: Er kämpft gegen Drachen, erfindet Brettspiele oder rettet ganze Welten.
In den nächsten Tagen versucht Coast, sich an den Schulalltag zu gewöhnen. Mit Sebastian versteht er sich immer besser, und in den Pausen schließt er sich häufig ihm und Matthäus an. Seine Schwester verbringt viel Zeit mit Lemonia, einer alten Bekannten der Familie. Walid ist meist auf dem Fußballplatz beschäftigt und hält Abstand – das beruhigt Coast.
Trotzdem flüchtet er sich im Unterricht oft in seine Fantasiewelt. Dort ist er mutig, stark und wichtig. In Gedanken rettet er die Schule vor Gefahren oder besiegt mächtige Gegner. Unterricht war nie seine große Leidenschaft. Besonders der Deutschunterricht bei Frau Hilger erscheint ihm langweilig.
Immer wieder fragt er sich:
Was soll ich später einmal werden?
Wahrscheinlich stellen sich viele andere dieselbe Frage.
Am meisten freut er sich auf den Musikunterricht. Sobald Herr Schmidt mit seiner Gitarre den Raum betritt, verändert sich die Stimmung. Sein voller Bart, seine warme Stimme und seine Begeisterung für Musik füllen den Klassenraum mit Leben. Er singt „Guantanamera“ und baut dabei die Namen der Schülerinnen und Schüler der Klasse 5a in das Lied ein. Die Klasse lacht, klatscht mit und erfindet gemeinsam immer neue Strophen.
Zum ersten Mal seit seiner Ankunft hat Coast das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.
An einem sonnigen Tag fahren die Klassen 7A und 7B nach Benrath, um Schloss Benrath zu erkunden. Sie lernen die Geschichte des Schlosses kennen und erfahren, warum es gebaut wurde und wer den Auftrag dafür gab. Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz beauftragt im Jahr 1755 seinen Hofarchitekten Nicolas de Pigage mit dem Bau.Coasts Schwester hat eine Fotokamera dabei, um Erinnerungen einzufangen. Sie spazieren durch das Museum und erkunden einige Tiere, bevor es anschließend wieder zurück zur Schule geht.Die Tage werden langsam wärmer und sonniger, und das tut Coast gut. Die angenehme Wärme und das Licht wirken sich auch auf seine Stimmung aus. Nach der Zeit im Schloss geht es für die Schüler wieder zurück in den Unterricht.Die Tage werden langsam sonniger und wärmer, und die Mütze auf Coasts Kopf tut ihm megagut. Er läuft erneut mit Michael nach Wersten, weil dessen Mutter ihnen erzählt hat, dass es dort einen Laden gibt, der eine Wüstenrennmaus verkauft, die auf ihren Namen hört. Al
Zu Hause folgt das gewohnte Programm. Die neuen CD-Alben von East 17 bereiten Coast eine riesige Freude. Beim Anhören der Songs und bei all dem Musikgeschmack, den er zurzeit entwickelt, fragt er sich, wie es wohl irgendwann sein wird, wenn er seine eigene Musik perfekt abgemischt und perfekt aufgenommen anhören kann.Wird er es überhaupt so weit bringen, eine eigene CD aufzunehmen und sie irgendwann auf den Markt zu bringen? Und wenn es tatsächlich so weit kommt, wird sich das überhaupt noch jemand anhören wollen? Viele Fragen und viele Sorgen kommen gleichzeitig auf.Dazu kommt sein Wunsch, sich auch modisch eine Cap auf den Kopf zu setzen. Zu Hause besitzt er eine rote Cap, die er von seiner Mutter geschenkt bekommen hat. Seit langer Zeit liegt sie in einer Ecke seines Kinderzimmers und wartet darauf, endlich auf Coasts Kopf zu landen.Zunächst versucht er, sich privat damit zu identifizieren. Er setzt sie auf, als er das Haus verlässt und sich mit Michael trifft. Michael fühlt sic
Ein weiterer Tag in der Benzenberg-Realschule. Unten im Keller sitzen Coast und Robert. Die Beatmaschine läuft im Hintergrund, während sie versuchen, weiter an ihrer Musik zu arbeiten.Doch der Text ist noch immer schwach. Und Robert wirkt zunehmend desinteressiert. So langsam entsteht der Eindruck, dass sie nicht mehr vorankommen und in einem Dilemma feststecken.Jürgen kommt hin und wieder in den Keller, um nach dem Rechten zu sehen und zu überprüfen, ob noch alles steht. Schließlich vertraut er diesen kleinen Rebellen nicht zu hundert Prozent.Die Kassette ist immer noch nicht mit neun Songs gefüllt. Auch der Text von „Here We Come“ ist noch lange nicht fertig, weil Coast beim Schreiben einfach nicht mehr weiterkommt.Also machen sie zunächst ein bisschen Quatsch vor den Mikrofonen und rappen weiterhin den Song vom Wu-Tang Clan. Robert hat inzwischen schon weitere Lyrics davon im Kopf. Er schnappt sich solche Sachen unglaublich schnell auf. Und genau darin liegt mittlerweile das Pr
Einige Tage später verlassen Michael und Coast nach der Schule an einem regnerischen Tag das Falkenberg Center, um bei Michael zu Hause zu chillen. Sie laufen an der Ampel vorbei, direkt an einem Kunst- und Verkaufsladen neben der Apotheke.Plötzlich hält ein älterer Mann die beiden Jungs an. Voller Sorge spricht er Coast an. Er erzählt ihm, dass er seinem Vater noch 150 Deutsche Mark schuldet, weil er letztens ein Gemälde aus dem Laden gekauft hat. Jetzt möchte er seine Schulden endlich begleichen.Der Mann greift in seine Geldbörse und holt 150 Mark heraus. Michael schaut Coast mit riesigen Augen an. In seinem Kopf steht nur eine Frage: Was geht denn hier ab? Ist das gerade wirklich ernst? Passiert das wirklich?Wir kriegen jetzt einfach so Geld? Hoffentlich macht Coast keine Scheiße und nimmt das Geld an.Coast kann es selbst kaum glauben. Einfach so bekommt er Geld angeboten. Er nimmt die Situation ernst und sagt dem alten Mann, dass alles in Ordnung ist. Er könne ihm das Geld ruhi