ログインIch stand kurz davor, ein Blutband mit einem anderen Vampirfürsten einzugehen. Doch mein Partner, mit dem ich ein ganzes Jahrhundert verbracht hatte, Kaelan, ahnte nichts davon. Er war viel zu beschäftigt damit, mit seiner neuen menschlichen Assistentin Sylvia zu turteln. Nächtelang steckten sie zusammen in seinem Büro, angeblich um „synthetisches Blut zu erforschen“. Er machte sogar unser hundertjähriges Jubiläum zu ihrer Geburtstagsfeier. Vor allen Anwesenden überreichte Kaelan ihr eine Schwarzwälder Kirschtorte, verziert mit Silberglöckchen. Sie lachten und schmierten einander Sahne ins Gesicht. Dass die Blüten für mich tödliches Gift waren, hatten sie schlicht vergessen. Meine Kraft brach zusammen. Schmerz durchfuhr mich, und die Schatten peitschten unkontrolliert aus mir heraus. Die Wachen meiner Familie mussten meinen zuckenden Körper fortschleppen. Und während ich allein in der kalten, dunklen Gruft lag und mich erholte, feierte Kaelan weiter – und badete im Jubel, der ihm und Sylvia galt. Das Blut in meinen Adern gefror. Ein Jahrhundert voller Liebe und Hoffnung verbrannte zu Asche. In diesem Moment stimmte ich der Vereinbarung meiner Familie zu. Ohne zu zögern. Eine Verbindung mit dem Herrscher des Obsidianthrons – einem Vampir, den man die leibhaftige Macht nannte.
もっと見るDie Blutmondkapelle erstrahlte im Lichterschein.Auf dem uralten Altar warteten zwei Kristallkelche auf den heiligen Ritus. Das Licht des Blutmondes fiel durch die Buntglasfenster und tauchte alles in einen gespenstischen roten Schein.„Prinzessin Rosalie vom Haus Silbermond, Fürst Damien vom Obsidianthron – tretet vor“, sprach der Hohepriester. Seine Stimme war tief und getragen.Da eilte meine Tante Elara herein. Sie trug ein prächtiges violettes Kleid, die Augen feucht vor Freude.„Meine liebe Nichte“, flüsterte sie und küsste meine Stirn. „Mögest du wahres Glück finden.“Damien und ich traten Seite an Seite vor den Altar.„Reicht einander die rechte Hand“, sagte der Hohepriester.Ich streckte meine Hand aus. Damiens Handfläche legte sich auf meinen Handrücken.Kalt. Aber fest.„Im Angesicht des Blutmondes, bei den uralten Schwüren, die wir ablegen…“Der Hohepriester begann die heiligen Worte des Blutbandes zu sprechen.Gerade als er zum Schnitt ansetzte –„Halt! Ich widerspreche!“
Ich löschte Sylvias Nachricht. Kein Wort davon glaubte ich.Jetzt das Opfer spielen? Zu spät.Gerade als die Maskenbildnerin meinen Kopfschmuck richtete, klopfte es an der Tür.„Hoheit, eine Zustellung für Euch“, sagte der Butler mit einer Verbeugung.„Jetzt?“ Ich runzelte die Stirn. „Wer schickt am Tag einer Blutbandzeremonie etwas?“Der Butler reichte mir ein Samtkästchen, umwickelt mit einem blutroten Band.Auf der Karte standen nur drei Worte: Für meine Prinzessin.Meine Hand zitterte.Dieser Name. Meine Prinzessin. Ein ganzes Jahrhundert lang hatte nur Kaelan mich so genannt. Es war sein Wort für mich gewesen.„Hoheit?“, fragte die Maskenbildnerin leise. „Soll ich öffnen?“Ich holte tief Luft und löste das Band.In der Schatulle lag eine einzige, makellose Stygische Rose.Keine gewöhnliche Blume. Eine ewige Blüte, eingeschlossen in klarem Kristall.Die 999.Die letzte, die er mir je versprochen hatte.Auf der Rückseite der Karte eine einzige handgeschriebene Zeile:„Verzeih die Ve
„Lasst Vater und Mutter nichts davon hören“, sagte ich leise. „Ich nehme das Gespräch in meinem Zimmer entgegen.“Sie nickte und führte meinen Vater hinaus.Ich schloss die Tür und nahm ab.„ROSALIE!“Kaelans Brüllen hätte mir fast das Trommelfell zerrissen.„Was zum Teufel soll das?! Ein Porträt mit einem anderen Mann? Hast du völlig den Verstand verloren?!“Ich ließ seine Raserei über mich ergehen.„Wer ist dieser Damien? Was hat er mit dir zu schaffen?“ Seine Stimme war schwer vor Wut und Besitzgier. „Du wagst es, mich zu hintergehen?!“„Hintergehen?“ Ich lachte auf – kurz, kalt und spöttisch. „Mit welchem Recht nimmst du dieses Wort in den Mund, Kaelan?“„Du kommst sofort zurück! Auf der Stelle!“ Er befahl es wie einem Untergebenen. „Ich verbiete dir jeden Kontakt mit einem anderen Mann!“„Du verbietest mir?“ Ich holte tief Luft. Meine Stimme war eiskalt. „Kaelan, unser Jahrhundert ist vorbei. Was ich tue, geht dich nichts mehr an.“„Was heißt hier vorbei? Was redest du da für eine
„Die Prinzessin von Silbermond.“ Seine Stimme war ein tiefes, magnetisches Raunen, durchzogen von der eisigen Eleganz einer längst vergangenen Zeit. „Willkommen am Obsidianthron.“Er neigte kaum merklich den Kopf. Der Gruß eines Fürsten.Meine Mutter flüsterte aufgeregt neben mir: „Was für ein Mann!“„Fürst Damien“, mein Vater trat vor. „Wir danken Euch, dass Ihr diese Verbindung angenommen habt.“„Die Ehre ist ganz meinerseits.“ Damiens Blick ruhte unverwandt auf mir. „Ein Bündnis mit dem Haus Silbermond ist ein Privileg.“Eine Zofe in prachtvollem Gewand trat heran. „Hoheit, wenn Ihr mir bitte folgen würdet. Euer Zeremonienkleid wartet.“In einem Ankleidezimmer ganz oben im Schloss hatte eine Schneiderin ein Kleid für mich vorbereitet.Es war ein Kleid aus flüssigem Mondlicht – so wirkte es zumindest. Der Stoff schimmerte wie ein Band aus Sternen und fiel in weichen Bahnen bis zum Boden. Bei jeder Bewegung wogte der Rock wie Wasser.Ich stand vor dem Spiegel und betrachtete mein Spie