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Kapitel 3

Author: Peachy
Nachdem ich aufgelegt hatte, ging ich zurück in mein Atelier.

Mein Telefon kam nicht zur Ruhe.

Ich öffnete das interne Netzwerk des Bundes – das „Nachtsauge“. Die Nachrichten überschlugen sich.

Der angepinnte Beitrag sagte alles.

Verfasst von: Sylvia_Mensch

Das Foto zeigte Kaelan, wie er hochkonzentriert eine Sonnenschutzanlage in der Wohnung installierte. Keine gewöhnlichen Jalousien – ein Hightech-Abwehrsystem im Wert von Hunderttausenden.

Bildunterschrift: „Vielen Dank an unseren edlen Herrn für so viel Fürsorge! Was für ein Glück, als Mensch unter seinem Schutz zu stehen. So rührend, einen so umsichtigen Anführer zu haben!“

Die Kommentare hatten längst die Dreihundert überschritten.

„Wow, der Herr ist so großzügig zu Menschen?“

„Sylvia hat es gut getroffen!“

„Das Schutzsystem ist ja besser als das in meiner Zuflucht.“

„Versteckt der Herr etwa sein neues Spielzeug?“

„Ich wette, Sylvia steht kurz vor der Wandlung! Bald ist sie eine von uns!“

„Gratulation! Sollten wir schon mal eine Feier planen?“

Jeder einzelne Kommentar bohrte sich wie ein Dolch in mein Herz.

Ich scrollte weiter.

Noch mehr Fotos.

Kaelan, der ihre Umzugskisten schleppte.

Kaelan, der die Klimaanlage für sie einstellte.

Kaelan, der in ihrer Küche Essen für Menschen zubereitete.

Jedes Foto, jedes Detail schrie dasselbe:

Sie wohnten zusammen.

Ich dachte an alles, was ich im Laufe des Jahrhunderts für ihn getan hatte.

Ich hatte die uralten Verbindungen meiner Familie genutzt, um seine Forschung an synthetischem Blut zu finanzieren.

Ich hatte meine Eltern davon überzeugt, ihn als Anführer eines jungen Bundes anzuerkennen.

Ich hatte sogar persönlich für ihn gebürgt, als der Ältestenrat seine Eignung anzweifelte.

Doch das alles hatte sich geändert, als Sylvia aufgetaucht war.

Vor drei Monaten hatte Marcus, einer der Ältesten meiner Familie, infrage gestellt, warum ein Mensch an den Kernentscheidungen des Bundes beteiligt war.

Kaelan war in Rage geraten. Er hatte Marcus dazu verurteilt, einen Monat lang ausschließlich Tierblut zu trinken.

Für unsereins war Tierblut die tiefste Erniedrigung. Es schwächte die Kräfte und umnebelte den Verstand.

Damals schon hätte ich es erkennen müssen.

Ich lachte kalt auf und zerstörte meinen Netzwerkschlüssel.

Von nun an ging mich ihre Welt nichts mehr an.

Zurück in der Gruft begann ich, meine persönlichen Dinge zusammenzupacken.

Mein Blick fiel auf eine Schatulle aus schwarzem Ebenholz auf meinem Schreibtisch.

Ich fuhr mit den Fingerspitzen über die kunstvollen Schnitzereien auf dem Deckel, ehe ich sie langsam öffnete.

998 Stygische Rosen lagen darin, jede einzelne makellos konserviert, umgeben von einem schwachen, dunklen Schimmer.

Die erste stammte aus dem Jahr 1925, als er noch ein bloßer Anwärter auf die Führung gewesen war.

Die 998. war von letztem Weihnachten.

Er hatte mir versprochen, dass wir an dem Tag, an dem er die 999. zusammenhätte, unser ewiges Blutband unter dem Blutmond schließen würden. Die Schatulle war eigens dafür angefertigt worden – mit genau 999 Fächern.

Doch als ich auf das letzte Fach blickte, war es leer.

Ich starrte lange auf die leere Stelle. Ein bitteres Lächeln legte sich auf meine Lippen.

Ganz gleich, wie lange ich gewartet hatte – es war alles umsonst gewesen.

Ich trug die Schatulle hinaus, über das Gelände bis zum Familienfriedhof. Ich zog ein Silberstreichholz aus der Tasche und strich es an.

Die silbrig schimmernde Flamme leckte an der Schatulle empor und fraß sich hinein. Die magisch konservierten Rosen lösten sich eine nach der anderen in der Glut auf, zerfielen zu Asche – und dann zu nichts.

Diese Rosen waren das Zeugnis meiner verlorenen Jugend. Nun war das Feuer ihr Grab.

Kaelan kehrte zurück – und fand mich vor den Flammen.

Sein Gesicht war aschfahl vor Entsetzen.

Er schoss als Schemen aus schwarzem Nebel auf mich zu, stieß mich zur Seite und griff nach der Schatulle.

Doch das Feuer war zu stark. Die vom Silberstreichholz genährten Flammen trieben ihn zurück.

Die Flammen züngelten an seinen Händen empor und brannten seine Haut schwarz. Er stieß einen Laut aus, taumelte zurück. Verzweifelt versuchte er, den Brand mit seiner Kraft zu ersticken.

Vergeblich.

Er konnte nur zusehen, wie die Rosen – Zeugen eines Jahrhunderts gemeinsamer Erinnerungen – im Feuer zerfielen.

„Hast du den Verstand verloren?!“

Er fuhr zu mir herum, die Augen lodernder als die Flammen. Seine Stimme war schneidend vor Zorn.

„Du hast sie verbrannt? Ein Jahrhundert. Eine Ewigkeit voller Versprechen – und du hast einfach alles vernichtet? Begreifst du überhaupt, was du gerade angerichtet hast?“

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