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Er löste unsere Verlobung vorm Jawort

Er löste unsere Verlobung vorm Jawort

By:  BagelCompleted
Language: Deutsch
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Nachdem mein Verlobter, der Capo der Familie Moretti, mich drei Tage lang mit Schweigen gestraft hatte, nahm er seine Assistentin Bella mit auf einen Inselurlaub. Er hatte erwartet, dass ich wie sonst immer vor Eifersucht fast den Verstand verlor. Doch als er einen Monat später nach Valmont zurückkehrte, fand er eine andere Frau vor. Er zwang mich, mein Eckbüro aufzugeben. Ich stritt nicht mit ihm. Ich packte einfach meine Sachen und überließ es ihr. Um Bella in Szene zu setzen, stellte er mich beim jährlichen Familientreffen vor einem wichtigen Geschäftspartner bloß, nur damit sie glänzen konnte. Ich versuchte nicht einmal, meine Unschuld zu beweisen. Ich nahm die Rüge der Familie einfach hin und akzeptierte meine Strafe. Als Lucas Bella die Leitung des profitabelsten Geschäfts der Familie übertragen wollte, wurde ich nicht einmal wütend. Ich händigte ihm alle nötigen Unterlagen kampflos aus und ließ ihn die Macht neu verteilen, wie es ihm gefiel. Bella war sichtlich zufrieden. „Na, was habe ich dir gesagt? So eine Frau braucht einfach eine harte Hand. Ein einziger Inselurlaub, und schon hat sie panische Angst, dich zu verlieren. Sieh dir nur an, wie gehorsam sie jetzt ist.“ Lucas glaubte ihr das. Er lobte Bella sogar für ihren Scharfsinn. Dann versprach er mir etwas, was er noch nie zuvor getan hatte. Er sagte, unsere Hochzeit würde so groß werden, dass sie in der Unterwelt von Valmont zur Legende werden würde. Aber offenbar hatte er die Scheidungsvereinbarung vergessen, die er unterschrieben hatte. Ich hatte sie ihm unmittelbar vor der Abfahrt in die Hand gedrückt, kurz bevor er mit Bella ins Auto stieg. Ich hatte längst alle Verbindungen zu ihm gekappt. Ich ging. Und er hatte keine Ahnung.

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Chapter 1

Kapitel 1

„Elara, warum hast du so lange gebraucht? Ich warte schon ewig auf dich.“

„Ich höre ständig, wie alle dich dafür loben, dass du so schnell und so gut arbeitest. Wenn du schon so effizient bist, dann nimm mir doch einfach etwas davon ab. Du bearbeitest den Kram doch sowieso schon. Das ist also superleicht für dich.“

Bella knallte einen Stapel völlig unsortierter Akten auf meinen Schreibtisch.

Ich hob nicht einmal den Blick. Ruhig nahm ich sie an mich. „In Ordnung.“

Aber Bella war noch nicht fertig. Mit derselben süßlichen Stimme setzte sie nach:

„Ach, und übrigens: Lucas und ich gehen später zu einer privaten Kartenrunde mit der Familie Genovese. Leg die Unterlagen einfach ins Büro des Capo, wenn du fertig bist. Und vergiss nicht, die Weingläser in seinem Arbeitszimmer wegzuräumen, bevor du gehst.“

Damit drehte sie sich um und ging davon. Das selbstsichere Klacken ihrer Absätze hallte durch den Flur.

Die Wachen der Familie vor der Tür sahen mich mitleidig an. Aber keiner wagte es, mir auch nur ein Wort des Trostes zu sagen.

In der gesamten Unterwelt von Valmont wusste jeder, dass Lucas Moretti, der kaltherzige Capo der Familie, mein Verlobter war. Doch er bevorzugte ganz offen seine Assistentin Bella.

Er brach nicht nur die Regeln der Familie, indem er Bella bei vertraulichen Besprechungen dabeisitzen ließ. Er übergab ihr sogar unser profitabelstes Gebiet. Genau das Gebiet, das ich unter Kugelhagel für uns gesichert hatte.

Als ich ihn zur Rede stellte, setzte Lucas scheinheilig eine Abstimmung mit den Ältesten der Familie an. Er dachte, seine Macht würde sie einschüchtern und zum Schweigen bringen.

Doch am Ende stimmten alle Ältesten für mich. Bella bekam genau eine einzige, einsame Stimme: seine.

Daraufhin zog Lucas Fotos von einem früheren Gipfeltreffen hervor. Darauf war zu sehen, wie ich mit diesen Ältesten höflich anstieß. Er benutzte die Bilder als „Beweis“ dafür, dass wir heimlich gemeinsame Sache machten.

Er erklärte all ihre Stimmen für ungültig.

Damit blieb nur Bellas einzige Stimme übrig. Und die galt.

Noch in derselben Nacht bereitete Lucas ein romantisches Dinner bei Kerzenschein vor und machte mir mit einem teuren Geschenk seine Entschuldigung.

Er hielt mich sanft im Arm und behauptete, er wolle Bella nur davor schützen, von den alten Männern der Familie ausgegrenzt zu werden. Außerdem müsse er seine Autorität festigen.

Damals glaubte ich ihm. Wie eine Idiotin.

Heute war der Gedanke daran einfach nur lächerlich.

Bella konnte nicht einmal richtig rechnen.

Sogar ein Blinder konnte erkennen, dass das keine Fürsorge war, sondern schamlose Bevorzugung. Nur er weigerte sich, das zuzugeben.

Ein Geräusch von oben ließ mich den Blick heben. Lucas’ große, schlanke Gestalt erschien oben auf der Treppe.

Er warf nur einen kurzen Blick in meine Richtung, dann drehte er sich um und ging, ohne sich noch einmal nach mir umzusehen. Er hatte sich in einen maßgeschneiderten Anzug geworfen. Sogar von hier unten nahm ich schwach den Duft seines Zedernparfüms wahr.

Lucas trug nie Parfüm. Diese Flasche war ein Geschenk von Bella.

Ich wusste, dass er es absichtlich tat.

Seit fünf Jahren war das sein Lieblingsspiel.

Alles begann damit, dass ich die verschlüsselten Nachrichten zwischen ihm und Bella fand. Schlichte Gute-Nacht-Nachrichten. Und doch fühlten sie sich an wie Verrat. Ich konnte mich nicht zurückhalten und stellte ihn zur Rede.

Lucas war der Meinung, ich würde mich nur anstellen. „Wenn du schon so misstrauisch bist, dann behalte ich sie eben an meiner Seite. Dann kannst du zusehen, so viel du willst.“ Unter diesem Vorwand machte er Bella zu seiner persönlichen Assistentin.

Je mehr ich litt, desto demonstrativer spielte er seine Bevorzugung aus.

Er nahm Bella mit zu wichtigen Abendessen der Familie. Und bei unseren eigenen Zusammenkünften schnitt er ihr direkt vor meinen Augen das Steak klein und wischte ihr den Mund ab.

Wenn ich mich wieder fügte, nahm er mich mit ins Bett. Danach küsste er die Spuren auf meiner Haut und flüsterte mir zu, dass er nur mich liebte.

Eine Zeit lang fragte ich mich sogar, ob vielleicht ich das Problem war. Ob ich mich nicht an die Regeln hielt. Ob ich nicht großzügig genug dachte.

Doch das änderte sich am dritten Tag seines Schweigens. Ich glühte vor Fieber, weil ich von seiner schweren Arbeit völlig ausgelaugt war.

Er ignorierte es und flog mit Bella auf eine Insel.

In diesem Moment starb etwas in mir.

Endlich sah ich die Wahrheit.

Er benutzte meine Eifersucht nur als Deckmantel, um ganz offen mit Bella zu flirten und diese zweideutige Beziehung zu ihr aufrechtzuerhalten.

Selbst wenn ich diese verschlüsselten Nachrichten nie gesehen hätte, hätte Lucas irgendeinen anderen Vorwand gefunden, um mit Bella zusammenzukommen.

Als sie von der Insel zurückkamen, spielten sie den Chef und die Untergebene. Doch an seiner Kleidung roch ich ihr Parfüm.

Es spielte keine Rolle mehr.

Fünf Jahre lang war ich auf Messers Schneide gegangen. Jetzt war es endlich vorbei. Ich war dieses Spiel leid.

Nachdem ich die letzte Zahl eingetippt hatte, speicherte ich die bearbeiteten Abrechnungen. Dann nahm ich mein Handy zur Hand und sah ein paar neue Beiträge von Bella.

Die Fotos stammten aus einem extrem privaten Casino tief unter der Erde. Lucas beherrschte gerade den Pokertisch. Vor ihm stapelten sich Chips im Wert von einer Million Dollar.

Bella trug ein Kleid mit tiefem Ausschnitt. Ihre Brust drückte sich eng an seinen Arm.

Die Bildunterschrift lautete:

„Mein tapferer Capo verwöhnt mich heute Abend schon wieder nach Strich und Faden. Alle machen Witze, dass ich für ihn wohl der wichtigste Mensch überhaupt bin.“

In den Kommentaren schwärmten viele Geschäftspartner davon, was für ein perfektes Paar sie seien. Diejenigen, die nichts von unserer Beziehung wussten, fragten sogar, wann sie zu ihrer Hochzeit kommen dürften. Lucas antwortete nur mit Auslassungspunkten. Bella setzte ein „verspieltes“ Emoji darunter.

Keine Klarstellung.

Wie immer.

Die alte Elara hätte vor Eifersucht gezittert. Sie hätte sofort einen verschlüsselten Anruf gestartet, um ihn zur Rede zu stellen. Und am Ende hätte man sie wieder nur eine hysterische, verrückte Frau genannt.

Doch heute schrieb ich ihm lediglich, dass die Abrechnungen fertig waren. Dann legte ich die Unterlagen in sein Büro, räumte wie verlangt die Gläser weg und fuhr nach Hause.

Kaum saß ich im Auto, klingelte mein Telefon.

„Elara, sind die Bücher fertig? Es tut mir sooo leid. Ich lade dich ein anderes Mal zum Essen ein.“

In dem Moment, in dem ich ranging, drang Bellas süßliches Lachen durch die Leitung.

Bevor ich etwas sagen konnte, schnitt Lucas’ tiefe Stimme dazwischen.

„Verschwende keine Zeit mit ihr. Sie hat das Kerngeschäft doch selbst abgegeben. Jetzt ist es eben ihre Aufgabe, deine Assistentin zu spielen und die Belege zu zählen.“

„Capo, sagen Sie so etwas doch nicht. Elara ist schließlich immer noch Ihre Verlobte. Seien Sie etwas nachsichtiger mit ihr“, säuselte Bella.

Sie flirteten so selbstverständlich miteinander, als wären sie beide längst verheiratet.

Meine Lippen verzogen sich zu einem stummen, freudlosen Lächeln.

Dieses gesicherte Telefon war die Lebensader der gesamten Mafia von Valmont. Früher warf er mir schon Grenzüberschreitung vor, wenn ich es nur ansah.

Jetzt warf er es Bella hin wie ein Spielzeug, mit dem sie prahlen durfte.

Wer ihm wichtiger war, stand schon lange fest.

Und doch blieb mein Herz unheimlich ruhig. Nicht eine einzige Regung ging hindurch.

Ein Verrat, von dem ich einmal geglaubt hatte, er würde mich zerreißen, fühlte sich inzwischen nach gar nichts mehr an.

Nachdem Lucas noch ein paar Momente mit Bella geredet und gelacht hatte, erinnerte er sich vielleicht daran, dass ich noch in der Leitung war, und sagte beiläufig:

„Ich bin bald zurück. Warte nicht auf mich. Ruh dich aus.“

Dann legte er auf.

Sein „bald“ bedeutete immer mindestens vier oder fünf Stunden. Früher hatte ich wach auf ihn gewartet, rastlos und voller Unruhe.

Aber heute startete ich einfach den Wagen und fuhr zurück in mein Apartment.

Als ich die Tür öffnete, fiel mein Blick auf den Kalender an der Wand.

Kurz bevor er mich mit hohem Fieber und völlig erschöpft zurückgelassen hatte, um mit Bella auf die Insel zu verschwinden, nutzte ich einen Moment seiner Unachtsamkeit. Ich schob ihm die Scheidungsvereinbarung unter, getarnt als ärztliche Haftungsverzichtserklärung.

Er hatte nur Augen für Bella.

Er unterschrieb, ohne auch nur ein zweites Mal hinzusehen.

In drei Tagen würde die Vereinbarung wirksam werden.

In drei Tagen, sobald die Übergabe abgeschlossen war, konnte ich diesen Sumpf sauber hinter mir lassen.

Ich dachte einen Moment nach und rief dann meinen früheren Professor am Forschungsinstitut in Serrania an.

Wegen Lucas hatte ich mein Talent für Wirtschaft aufgegeben und meine vertiefte akademische Forschung abgebrochen, nur um mich um die Finanzen seiner Familie zu kümmern.

Mein Professor hatte damals verzweifelt versucht, mich davon abzuhalten. Doch ich war blindlings weitergerannt.

Wenn ich jetzt daran dachte, kam ich mir erbärmlich dumm vor.

Männer sind wankelmütig. Kapital bleibt.

Als er ranging, erklärte ich ihm, dass ich in die Forschung zurückkehren wollte.

Ich hatte mit einer Standpauke gerechnet. Stattdessen seufzte der Professor nur schwer. Er sagte mir, er habe längst erfahren, was in Valmont mit mir geschehen war, und habe mir die ganze Zeit eine Stelle freigehalten.

„Aber bist du dieses Mal wirklich bereit, alle Verbindungen zu kappen?“

Ich senkte den Blick. Meine Stimme war fest.

„Ja, Professor. Die Scheidungsvereinbarung ist bereits geregelt.“

„Scheidungsvereinbarung? Welche Vereinbarung?“

Eine kalte Stimme durchschnitt die Luft hinter mir.

Mein ganzer Körper versteifte sich.

Ich drehte mich um.

Lucas, der eigentlich im Casino hätte sein müssen, stand in der Tür meines Unterschlupfs.

An einem Ort, den er niemals hätte betreten können.
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