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Frau Moretti gelöscht
Frau Moretti gelöscht
Echo

Kapitel 1

Echo
Die höhnischen Nachrichten von der Geliebten meines Mannes hatten vor zwei Monaten begonnen.

Fotos von ihnen, ineinander verschlungen im Bett, explizite Details seiner Besessenheit von ihrem Körper… Die brutale Wahrheit ihrer Affäre lag offen vor mir.

Ich stellte ihn nicht zur Rede. Ich organisierte still und leise eine neue Identität und setzte mir eine Frist: sieben Tage.

In einer verlassenen Lagerhalle auf der Westseite von Chicago warf eine einzelne, flackernde Glühbirne ein schwaches gelbes Licht.

Ich schob einen dicken Stapel Bargeld über den Tisch zu dem Mann mit der Schiebermütze.

„Ich brauche eine neue Identität“, hallte meine Stimme durch den riesigen Raum. „Der Name ist Ava.“

Der Mann nahm die Scheine und fächerte sie mit geübtem Daumen auf. Das Rascheln des Geldes war laut in der Stille. „Reisepass, Führerschein, das volle Programm?“

„Das volle Programm.“ Ich nickte, während meine Finger die Ledertasche auf meinem Schoß umklammerten. „Und ein Bankkonto mit Kredithistorie.“

„Das kostet das Doppelte.“ Er blickte auf. Ein Goldzahn blitzte im schwachen Licht.

Ich zögerte nicht. Ich schob einen weiteren Stapel heraus.

Der Mann stopfte das Bargeld in seine Jacke und beugte sich dann vor, seine Stimme gedämpft. „Eine Woche. Aber ich muss Sie warnen – sobald Sie diese neue Identität benutzen, muss die Vergangenheit tot und begraben sein. Die Familie Moretti hat überall in diesem Land Augen und Ohren. Sie hinterlassen eine einzige Spur, und sie werden Sie finden.“

Ich stand auf. Meine Absätze klackten scharf auf dem Betonboden. „Ich verstehe.“

Mein Entschluss war unerschütterlich.

Zwanzig Minuten später lag ich auf einer Liege in einem privaten Tattoo-Studio.

Das scharfe Zischen der Laser-Entfernungsmaschine bildete einen Kontrapunkt zu dem dumpfen Schmerz in meiner Brust, während das Falkenwappen der Familie Moretti langsam von meinem Schlüsselbein verschwand. Der Schmerz war unerträglich – wie ein glühender Schürhaken, der immer wieder meine Haut versengte.

Doch ich biss die Zähne zusammen und gab keinen Laut von mir.

Ich spürte nur, wie fünf Jahre voller Erinnerungen, meine Liebe zu Dante, weggebrannt wurden – genau wie die Tinte.

Es war elf Uhr abends, als ich zu unserer Villa im Lincoln Park zurückkehrte. Die acht Millionen teure viktorianische Villa – Dantes Hochzeitsgeschenk an mich – fühlte sich jetzt an wie nichts anderes als ein goldener Käfig.

Ich schaltete den Fernseher ein. Eine Wiederholung des Interviews „Mann des Jahres“ vom Chicago Tribune lief.

Mein Ehemann Dante Moretti war auf dem Bildschirm. Sein schwarzes Haar war zurückgekämmt, keine einzige Strähne fehl am Platz. Seine dunklen braunen Augen – erfüllt von einer angeborenen Aura der Autorität – blickten in die Kamera.

Der Reporter fragte ihn, was Loyalität für ihn bedeute. Dante öffnete langsam den obersten Knopf seines Hemdes und enthüllte das Familienwappen auf seiner Brust – einen Falken mit ausgebreiteten Schwingen, dessen Klauen eine Rose und einen Dolch umgriffen.

„Loyalität ist das hier“, sagte er mit tiefer, magnetischer Stimme und deutete auf die Tinte über seinem Herzen. „Und das hier.“

Die Kamera zoomte heran, und ich sah es deutlich: die zarte Geige, die direkt unter dem Wappen tätowiert war – die er sich vor fünf Jahren für mich hatte stechen lassen.

„Meine Frau Alessia ist eine begnadete Musikerin“, sagte Dante. Ein Lächeln spielte um seine Lippen, während er die Hand mit seinem Platin-Ehering hob. „Sie hat ihren Traum aufgegeben, eine Weltklasse-Violinistin zu werden – für mich. Dieses Opfer ist über meinem Herzen verewigt. Es kann niemals ausgelöscht werden.“

Ich griff nach oben und berührte die Gaze auf meinem Schlüsselbein. Die Haut schmerzte noch immer.

Niemals ausgelöscht?

Die Erinnerung an das Foto traf mich wie ein Schlag.

Vor zwei Monaten. Eine Nachricht von einer unbekannten Nummer.

Mein Handy vibrierte, und ein Bild erschien.

Meine Welt zerbrach.

Auf dem Foto lag eine blonde Barkeeperin namens Jenna nackt in Dantes Armen.

Ihr Körper war eine Leinwand aus frischen Knutschflecken und den rohen Spuren ihrer Leidenschaft. Sie hatten offensichtlich gerade erst geendet.

Ihr langer, schlanker Finger deutete stolz auf Dantes Brust – wo neben meiner Geige ein neues, grobes Gekritzel mit einem Marker hingeschmiert worden war.

Ihr Name, „Jenna“, in schlampiger Schreibschrift.

Es war nur ein Marker, etwas, das abgewaschen werden konnte. Aber die Tatsache, dass Dante es ihr erlaubt hatte, war ein Verrat, der schärfer schnitt als jede Klinge.

Ein Dutzend weiterer Fotos folgten. Sie in unserem Ferienhaus. In unserem Lieblingsrestaurant. Sogar an meinem Geburtstag – während ich dachte, er würde sich um „Familienangelegenheiten“ kümmern, presste er eine andere Frau gegen die Wand seines Arbeitszimmers.

„Dante sagt, nur wenn er in mir ist, fühlt er sich noch wie ein Mann. Du kannst ihn doch gar nicht mehr erregen, oder, süße Alessia? Vielleicht wird es Zeit, dass du zur Seite trittst.“

Das Geräusch eines Schlüssels im Schloss riss mich zurück in die Gegenwart.

Dante war zu Hause.

Seine Schritte hallten auf dem Marmorboden und kamen näher. Ich roch es an ihm – ein billiges Parfüm. Nicht das Tom Ford, das ich ihm gekauft hatte, sondern etwas widerlich Süßes und Blumiges. Der Duft einer anderen Frau, vermischt mit Zigaretten und Wodka.

Sein weißes Hemd war leicht zerknittert, seine Krawatte gelockert. An seinem Hals war ein unverkennbarer Bissabdruck.

„Alessia? Noch wach?“ Er ging auf mich zu, bereit, mich zu umarmen, wie er es immer tat.

Eine Welle des Ekels überkam mich. Ich hob eine Hand und stoppte ihn.

Dante sah verwirrt aus. Dann fiel sein Blick auf mein Schlüsselbein, auf die weiße Gaze, die die Stelle bedeckte, wo einst das Moretti-Wappen gewesen war.

„Alessia,“ Seine Stimme wurde leise und gefährlich. „Was ist mit deiner Tätowierung passiert?“
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