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Rache in Weiß

Rache in Weiß

By:  RosalieCompleted
Language: Deutsch
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Im dritten Jahr meiner Ehe mit Viktor Grau schickte mir seine Stiefschwester Nina plötzlich ein Video. Ich öffnete es und sah Viktor. Mit der Krawatte, die ich ihm gerade geschenkt hatte, fesselte er seine Stiefschwester am Bettpfosten fest. Sie lag nackt unter ihm und stöhnte immer wieder „Schatz“. Danach lagen sie eng umschlungen. Nina schmiegte sich an seinen Hals und säuselte: „Viktor, der Ring, den du mir geschenkt hast, gefällt mir nicht. Gib ihn doch deiner Frau – als Geburtstagsgeschenk von deiner kleinen Schwester.“ Am nächsten Tag saß ich in einem gehobenen Restaurant und starrte geistesabwesend auf den leeren Stuhl mir gegenüber. Plötzlich kam sein Vertrauter mit einer riesigen Torte auf mich zu. „Don hatte etwas Dringendes zu erledigen und bat mich, Ihnen Ihr Geburtstagsgeschenk zu überbringen.“ In der Schatulle lag genau der Ring, den seine Stiefschwester nicht gewollt hatte. Im selben Moment erreichte mich ein neues Foto auf dem Handy: Viktor war mit seiner Stiefschwester im Krankenhaus. Ich weinte nicht, machte keine Szene und unterschrieb ruhig die Scheidungspapiere – dann ließ ich eine Hochzeit vorbereiten. „Gnädige Frau, wessen Namen sollen für Braut und Bräutigam eingetragen werden?“ „Viktor Grau und Nina Grau.“ In sieben Tagen würde die ganze Welt erfahren, was der stets so unnahbare Don hinter verschlossenen Türen mit seiner Stiefschwester so alles trieb.

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Chapter 1

Kapitel 1

„Nina Grau? Ist Nina Grau nicht die Schwester des Don? Wie können die beiden heiraten?“ Einer der Untergebenen riss entsetzt die Augen auf.

„Sie sind keine leiblichen Geschwister“, erwiderte ich ruhig.

Nina war ein Kind, das Viktors Eltern aus einem Waisenhaus geholt hatten. Wer hätte gedacht, dass sie ihm Jahre später ins Bett steigen würde.

Ich starrte auf den leeren Stuhl mir gegenüber. Ein beißendes Gefühl der Bitterkeit stieg in mir auf.

Ohne zu zögern griff ich zum Stift und setzte meinen Namen unter das Dokument vor mir. Dann reichte ich die Scheidungsvereinbarung seinem Vertrauten David.

„Leg das zu den neuesten Spesenabrechnungen.“

Viktor war mir gegenüber immer großzügig gewesen. Er unterschrieb Abrechnungen, ohne sie auch nur anzusehen.

Sobald sein Name darauf stand, wäre alles zwischen uns endgültig vorbei.

Bevor ich das Restaurant verließ, warf ich vor Davids Augen die Rosen und den Ring in den Müll.

Er konnte nicht an sich halten. „Gnädige Frau, da muss doch ein Missverständnis vorliegen. Sie sollten vielleicht …“

„David.“ Meine Stimme wurde eiskalt. „Vergiss nicht, wo dein Platz ist.“

„Was zwischen dem Don und mir läuft, geht dich nichts an. Und wenn ich auch nur ein Gerücht höre, hacke ich dir persönlich Hände und Füße ab.“

David verstummte sofort. Schließlich war ich dank Viktors jahrelanger Gunst die Nummer zwei im Clan. Niemand wagte es, mir zu widersprechen.

Als ich das Restaurant verließ, begann es draußen heftig zu schneien. Schneeflocken fielen eine nach der anderen in meine Handfläche.

Beim ersten Mal, als Viktor mir sagte, dass er mich liebte, hatte es auch so geschneit.

Damals band er mir einen roten Schal um und beugte sich herunter, um mich zu küssen.

„Wow, schaut mal!“ Ein aufgeregter Ruf riss mich aus meinen Gedanken.

Ich hob den Kopf und sah meinen Namen auf der größten Werbetafel der Stadt.

[Luna Silber, ich werde dich lieben, bis ich sterbe.]

„Oh mein Gott, ich beneide diese Luna Silber so sehr! Ihr Mann ist nicht nur steinreich, sondern auch noch so liebevoll!“

„Ja, es gibt bestimmt kein glücklicheres Mädchen auf der Welt!“

„So neidisch! Gott, schick mir auch so einen Mann!“

Auf der Straße hoben alle Frauen sehnsüchtig den Blick zur Werbetafel.

Nur ich, die Hauptperson, wandte still den Kopf ab.

Mein Handy klingelte wieder.

Eine neue Nachricht von Nina.

Auf dem Foto lag Viktor schlafend am Rand ihres Krankenhausbetts. Selbst im Schlaf hielt er ihr Handgelenk fest umklammert.

[Hattest du Spaß an deinem Geburtstag?]

Nina provozierte mich wieder. Doch mein Gesicht blieb völlig ausdruckslos. Kühl tippte ich zwei Worte: [Sehr schön.]

Wie könnte ich mich nicht freuen? Ich würde bald einen Mann verlassen, der es nicht wert war, und ein neues Leben beginnen.

Ich stieg in ein Taxi. Auf dem Heimweg leuchteten die Reklametafeln eine nach der anderen auf.

Egal ob große Kaufhäuser oder kleine Läden – überall, wo Licht brannte, standen Liebeserklärungen an mich.

Heute Nacht wusste ganz Stromburg, dass eine Frau namens Luna Silber geliebt wurde.

Mein Handy leuchtete auf. Diesmal war es nicht Nina, sondern Viktor.

Er schien gerade erst aufgewacht zu sein. Seine Stimme klang noch rau. „Bist du glücklich heute Abend?“

Ich schwieg einen Moment. Dann sagte ich: „Geht so.“

Viktor lachte leise. „Ich hab’s also immer noch nicht geschafft, dich zu besänftigen. Luna, heute Abend hatte ich wirklich dringende Angelegenheiten.“

„Im Clan gab es innere Unruhen. Es ging um viele Menschenleben. Ich bin sicher, dass du das verstehst – so vernünftig wie du bist.“

Typisch er. Seine verwöhnenden Worte klangen wie eine Drohung. Man hatte keine andere Wahl, als nachzugeben.

„Schon gut. Mach weiter. Ich geh ein bisschen im Einkaufszentrum bummeln.“ Ich blickte aus dem Fenster, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern.

Viktor schien zufrieden mit meiner Antwort. Nach dem Auflegen überwies er mir eine Million Euro mit der Nachricht: „Gib alles aus, bevor du heimkommst.“

Herrisch und verwöhnend zugleich.

Er wirkte, als würde er mich wirklich lieben. Hätte ich ihn nicht mit seiner Stiefschwester im Bett erwischt, hätte ich ihm vielleicht ein Leben lang geglaubt.

Gestern bekam ich von seiner Stiefschwester ein Video geschickt.

Aus Neugier öffnete ich es – und das Erste, was ich sah, war mein Ehemann Viktor.

Er hatte Nina mit einer Krawatte ans Kopfende des Bettes gefesselt.

Sie lag nackt unter ihm und stöhnte ununterbrochen.

Geübt nannten sie sich gegenseitig „Schatz“. Ihre Bewegungen und Stellungen zeigten deutlich, dass es nicht das erste Mal war.

Mein Blick blieb an der lilafarbenen Krawatte hängen. Die hatte ich ihm vor ein paar Tagen zu unserem dritten Hochzeitstag geschenkt.

Er benutzte also mein Geschenk, um mit einer anderen Frau ins Bett zu gehen? Und diese Frau war auch noch seine Schwester?

Das war einfach nur absurd.

An unserem dritten Hochzeitstag hatte ich extra neue Dessous angezogen, um einen schönen Abend zu verbringen.

Doch als ich aus dem Bad kam, war das Zimmer leer. Nur ein Zettel lag auf dem Tisch.

[Clan-Angelegenheiten. Schlaf schon mal. Warte nicht auf mich.]

Ich unterdrückte meine Verletztheit und wartete die ganze Nacht. Erst gegen Mittag kam er zurück.

Aufgeregt warf ich mich ihm entgegen. Doch er schob mich sanft weg. „Sei brav, heute nicht. Ich bin etwas müde.“

Damals dachte ich mir nichts dabei. Er hatte schließlich keinen Grund zu lügen.

Nach dem Video zerbrach meine Zuversicht in Stücke.

Ich wollte der Sache auf den Grund gehen. Über das Informationsnetzwerk des Clans spürte ich die Quelle auf. Die Adresse führte zu einem Hotel.

Kaum stand ich vor der Zimmertür, hörte ich lautes Stöhnen und heftiges Klatschen.

„Viktor, wer ist besser – ich oder sie?“

„Natürlich du, Schatz. Luna ist im Bett sterbenslangweilig. Sie ist nicht halb so locker wie du.“

„Heißt das, ich bin nur dein Betthäschen? Oder noch schlimmer – ein billiges Spielzeug? Viktor, diese Rolle gefällt mir nicht.“

„Gefällt dir nicht? Wie wär’s dann, wenn du draußen meine Frau spielst?“

„Hast du keine Angst, dass Luna es rausfindet? Sie ist ziemlich clever.“

Viktor stutzte kurz, dann lachte er auf. „Luna wird’s nie rausfinden. Sie mag clever sein, aber nicht so clever wie ich.“

Er klang so überzeugt, so selbstsicher.

Sterbenslangweilig im Bett?

Das war also sein Grund fürs Fremdgehen?

In dem Moment wusste ich nicht mehr, was ich sagen sollte. Ich hatte nicht mal mehr die Kraft, wütend zu sein und ihn zur Rede zu stellen.

Mit einem Schlag verlor ich jedes Verlangen, hineinzustürmen. Wie betäubt verließ ich das Hotel.

Am Abend sah ich Viktor wieder. Auf seinem Hals waren frische Kratzspuren. Er sagte, eine Katze hätte ihn versehentlich gekratzt.

Wie lächerlich. Aber ich wollte nicht mehr fragen.

„Morgen ist dein Geburtstag. Ich verbringe den ganzen Tag mit dir, ja?“

Das hatte er damals gesagt. Heute war klar: Er hatte sein Wort wieder gebrochen.

Als ich aus meinen Erinnerungen auftauchte, hatte das Taxi bereits vor unserem Haus gehalten.

Wie betäubt öffnete ich die Tür. Da bemerkte ich einen vertrauten Wagen, der nicht weit entfernt parkte. Zwei Personen stiegen aus.

Viktor drückte Nina gegen die Autoscheibe und küsste sie.

Das Mondlicht wurde immer schwächer, doch dieser Kuss wurde immer deutlicher.

Es war das erste Mal, dass ich den Betrug meines Mannes aus so nächster Nähe sah.

Ich dachte, ich wäre mental vorbereitet gewesen. Doch in dem Moment, als ich es wirklich sah …

… fühlte es sich an, als würde mir jemand ein Messer ins Herz rammen.
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