LOGINIsabela kommt im November, und sie kommt mit Sara zusammen, weil das suedliche Netz keine Einzelreise erlaubt, wenn zwei Mondgesegnete zusammengehoeren.
Das erklart Sara, bevor sie ankommen, in einer kurzen Nachricht: Wir kommen zusammen. Das suedliche Netz sagt, das Zusammenkommen ist das Richtige.
Das suedliche Netz, denke ich. Das Fliessen. Zwei Fluesse, die zusammenkommen.
Sie treten gemeinsam durch die Eingangstuer, Sara und Isabela, und das Anwesen nimmt sie auf, be
Luna fängt an zu schreiben.Nicht das dreizehnte Buch. Sie ist vier, und das dreizehnte Buch kommt, wenn es kommt. Aber Luna schreibt, mit einem kleinen Stift, auf großem Papier, die Buchstaben noch unsicher, die Worte noch langsam.Was schreibst du? fragt Sara.Luna schaut auf das Papier. Das Netz, sagt sie.Was schreibst du über das Netz? sagt Sara.Luna schaut auf das Papier und liest, langsam, weil das Lesen noch langsam ist: Das Netz ist schön. Das Netz ist hier. Das Netz ist ich.Das Netz ist ich, sagt Sara.Ja, sagt Luna.Sara zeigt mir den Zettel, am Abend. Ich lese die drei Sätze, mit Lunas unsicherer Schrift.Das Netz ist schön. Das Netz ist hier. Das Netz ist ich.Das, sage ich, ist der erste Absatz des dreizehnten Buches.Das schrieb ein Vierjähriges, sagt Sara.Das schrieb das Netz, sage ich, durch ein Vierjähriges.Amara liest es, und sie sagt: Das war das Erste, das ich als Kind spürte. Das Netz ist schön. Das Netz ist hier. Ich wusste nur nicht, wie es heißt.Luna weiß
Nadia kommt an einem Februarmorgen zu mir, und sie setzt sich, und sie sagt: Ich muss dir etwas sagen, das ich lange aufschiebe.Ich lege den Stift hin.Amara, sagt sie.Was ist mit Amara? sage ich.Amara, sagt Nadia, ist nicht mehr das Kind, das sie war. Das weißt du. Aber ich glaube, du siehst sie manchmal noch so.Ich sitze damit, ehrlich.Das stimmt, sage ich. Manchmal schon.Nadia schaut auf ihre Hände. Amara ist siebenundzwanzig, sagt sie. Sie hielt das zweite noerdliche Anwesen allein. Sie trifft ihre eigenen Entscheidungen. Sie braucht dich nicht mehr, um ihr zu sagen, was das Netz bedeutet.Ich weiß das, sage ich.Das Wissen und das Leben sind manchmal verschiedene Dinge, sagt Nadia.Das stimmt, sage ich.Es ist schwer, sagt Nadia, nicht mehr die Person zu sein, die jemand braucht. Das weiß ich auch. Als du nicht mehr die Arithmetik der Unmöglichkeit trugst, war das schwer für mich. Ich war gewöhnt, gebraucht zu werden.Das hatte ich nicht gewusst, sage ich.Das erzählte ich
Das Buch des Ungeschriebenen.Ich beginne es im Februar des achtunddreißigsten Jahres, und das Beginnen ist das Schwierigste, das ich je beginnte.Das war immer der Anfang, denke ich. Das Anfangen ist immer das Schwierigste.Aber das Buch des Ungeschriebenen ist schwieriger als alle anderen Anfänge, weil ich nie über das Schwierige schrieb. Ich schrieb das Netz, das haelt. Ich schrieb die Verbindungen, die wachsen. Ich schrieb die Menschen, die ankommen und bleiben.Ich schrieb das Gute.Das Gute ist real. Aber das Gute ist nicht alles.Die ersten Seiten:Das Netz schweigt manchmal. Das ist die erste Wahrheit, die ich nie schrieb. Das Netz schweigt, wenn das Leben nicht Besonderes verlangt, und das Schweigen des Netzes ist keine Abwesenheit. Es ist das Ausruhen. Das Ausruhen des Netzes fühlt sich leer an, wenn man das Summen gewöhnt ist. Das Leere-Fühlen ist keine Wahrheit. Es ist die Gewöhnung.
Luna kommt mit Sara im Winter des achtunddreißigsten Jahres, und Luna ist jetzt vier, und Vier ist das Alter, in dem die Kinder anfangen, Fragen zu stellen, die keine einfachen Antworten haben.Luna stellt die schwierigste Frage, die je im Anwesen gestellt wurde.Sie sitzt beim Frühstück, neben Sara, und sie schaut mich an, mit den Netz-Augen, die alle dreizehn kennen, und dann sagt sie: Warum schreibst du das Netz auf?Das ist die Frage, sage ich.Amara, neben mir, wird sehr still.Ich denke nach, ehrlich. Weil, sage ich, ich das Netz nicht selbst kannte, am Anfang. Und weil ich wollte, dass die nach mir es kennen, ohne es erst suchen zu müssen.Luna schaut mich an. Aber ich kenne es, sagt sie. Ohne das Buch.Das stimmt, sage ich.Dann, sagt Luna, schriebst du das Buch für jemand anderen.Ja, sage ich. Für die, die das Netz nicht von Geburt an kennen.Luna denkt nach. Dann: Warum ke
Das Anwesen ohne Lyra ist anders, wie das Anwesen immer anders ist, wenn jemand geht, der lang blieb.Das Anderssein ist kein Verlust. Es ist ein Verändern. Das Anwesen verändert sich, wenn jemand geht, weil das Anwesen die Linien haelt, und das Haelten der Linie ohne die Person ist das Bewahren des Vergangenen, während das Gegenwärtige sich neu ordnet.Das klingt abstrakt, sage ich zu Damon.Das ist konkret, sagt er. Das Anwesen sitzt anders, ohne Lyra. Die Raeume klingen anders.Klingen, sage ich.Die Akustik, sagt er. Lyra war immer da, in jedem Raum, irgendwie. Nicht koerperlich, aber als Präsenz. Das Ankern war ueberall spuerbar.Das Ankern war ueberall, sage ich.Jetzt, sagt er, ist das Ankern im Anwesen selbst.Das Anwesen ankert sich selbst, sage ich.Ja, sagt er.Joel kommt und setzt sich, und er sagt nichts, und das Schweigen von Joel ist das beredteste, das ich kenne, weil Joel
Nadia sagt mir etwas, an einem Frühlingsmorgen des siebenunddreißigsten Jahres, das sie nie sagte, in all den Jahren.Sie sagt: Es war nicht immer leicht.Ich schaue sie an.Das Halterin-Sein, sagt sie. Es war nicht immer das, was ich wollte. Am Anfang war es das, was ich tat, weil du es brauchtest. Das ist anders als das Wollen.Ich wusste das nicht, sage ich.Das weißt du jetzt, sagt Nadia.Wann wurde es das, was du wolltest? sage ich.Sie denkt nach. Als Amara geboren wurde, sagt sie. Als ich ein Kind hatte, das das Netz als Erstes kannte, da verstand ich, warum das Halterin-Sein wichtig war. Nicht für dich. Für Amara.Das Halterin-Sein für die nächste Generation, sage ich.Das Halterin-Sein, sagt Nadia, war immer für die nächste Generation. Das erste Buch schriebst du für die nach dir. Das Haelten war immer für die nach mir.Das war immer das Muster, sage ich.Ja, sagt Nadia. Aber ich verstand es erst mit Amara.Ich sitze damit. Nadia, die am Anfang nicht das Halterin-Sein wollte.







