LOGINCamellia Nusantara stand vor dem großen Fenster. Auf ihrem bleichen, schönen Gesicht lag eine beunruhigende Stille – es war jene stille Ergebung, die nur jemand kennt, der einen Sturm der Gefühle durchlebt und sich bereit gemacht hat, die schwerste Entscheidung seines Lebens zu treffen.Auf dem Schreibtisch hinter ihr stand eine kleine schwarze Samtschachtel, geöffnet. Der Diamant des Verlobungsrings glomm schwach und matt im Licht der letzten Glut des Kaminfeuers.Knall.Die Tür wurde weit aufgestoßen. Kalte Luft aus dem Korridor strömte herein, als Morgan Erlangga rasch das Zimmer betrat.Er trug einen nassen Mantel, vom Regen durchnässt. Auf seinem Gesicht – das sonst stets beherrscht und emotionslos war – zeichneten sich tiefe, unübersehbare Sorgenfalten ab. Sein schwarzes Haar war wirr, er atmete schwer – ein Anblick, so selten bei dem Mann, der der Welt als makelloser Geschäftsführer gegenübertrat.Morgan blieb einige Schritte hinter Camellia stehen. Er blickte auf ihren geraden
Auf dem Schreibtisch türmten sich mehrere Geschäftsberichte von Nusantara Heritage. Doch Camellias Blick blieb an den Zahlen, die vor ihr lagen, völlig vorbeigehen. Sie blickte nur gedankenverloren dem flackernden Feuer im Kamin zu. Die seelische Erschöpfung, die sich in den letzten Tagen angehäuft hatte, begann nach und nach ihre innere Stärke zu zehren.Sie hatte sich entschieden, vorübergehend Jakarta zu verlassen, um ihre Gedanken zu ordnen. Doch in dieser alten Villa, in der Erinnerungen an ihre Kindheit lebendig waren, tauchten immer wieder jene Erinnerungen auf, die sie zu vergessen versucht hatte – wie ihre Familie zugrunde gegangen war, wie sie aufgewachsen war, ohne je die Wärme eines Vaters kennengelernt zu haben, und wie tief die Wunden waren, die die Ungewissheit ihrer Vergangenheit geschlagen hatte.Klopf, klopf.Ein Geräusch an der Holztür durchbrach die Stille des Raumes. Bi Asih, die erfahrene Haushälterin, die diesem Haus seit der Zeit des verstorbenen Pradipta dient
Drei Uhr nachts. Der 54. Stock des Hauptgebäudes der Erlangga Holding, der sonst immer in hellstem Licht erstrahlte, lag in gedämpftem Dunkel. In dem geheimen Kommandozentrum, verborgen hinter holzgetäfelten Wänden von Morgans Büro, zeigten hochauflösende Bildschirme lebhaft digitale Diagramme, internationale Bankdaten und verschlüsselte Netzwerke medizinischer Informationen.Morgan Erlangga stand in der Mitte des Raumes. Die Ärmel seines schwarzen Hemdes waren bis zu den Ellbogen hochgekrempelt, der oberste Knopf geöffnet. Seine scharfen, eisigen Augen blickten unverwandt auf die drei großen Bildschirme vor ihm. Von seiner gewohnten Müdigkeit war nicht die geringste Spur übrig. Was er zeigte, war die absolute Konzentration eines Raubtiers, das seine Beute im Visier hat.Neben ihm tippte David schnell auf einer mechanischen Tastatur und führte Schritt für Schritt geheime Verfahren durch, um auf schweizerische Bankdaten zuzugreifen. Auf der anderen Seite des Kommandotisches analysierte
Als die Morgendämmerung über Jakarta hereinbrach, wurde die Stille in der Residenz der Erlangga-Familie in Menteng von einem unaufhörlichen Klingeln durchbrochen. Dämmerlicht fiel durch die seidenen Vorhänge und tauchte das Empfangszimmer in sanftes Licht. Frau Helena Erlangga saß auf einem mahagonigen, geschnitzten Sofa – aufrecht, streng und ohne eine Spur von Nachgiebigkeit. Vor ihr auf dem Glastisch lagen drei führende Wirtschaftszeitungen und ein Tablet, alle mit derselben Schlagzeile:Versteckte Schwangerschaft hinter dem Erlangga-Imperium: Steht das Bündnis Erlangga-Nusantara vor dem Zusammenbruch?Was bisher nur im Kreis von Börsenkennern geflüstert wurde, brach nun mit einem Mal ins öffentliche Bewusstsein. Die Berichte behaupteten, eine Frau aus angesehenem Hause, Jugendfreundin von Morgan Erlangga, trage einen Erben mit reinem Erlangga-Blut in sich – und drohete die prachtvolle Verlobung zwischen Morgan und Camelia Nusantara zu zerschlagen.Helena drückte mit den Fingern ge
Kaum war die Morgendämmerung über Jakarta hereingebrochen, wurde die Residenz der Familie Erlangga in Menteng von einer Flut dringender Anrufe erschüttert. Schwaches goldenes Licht sickerte an hohen Seidenvorhängen vorbei in das Wohnzimmer, wo Madame Helena Erlangga steif auf ihrem geschnitzten Mahagonisofa saß. Auf dem Glastisch vor ihr lagen drei führende Wirtschaftszeitungen und ein digitales Tablet – alle schrien mit derselben Schlagzeile:GEHEIME SCHWANGERSCHAFT HINTER DEM ERLANGGA-IMPERIUM: RISSE IN DER ERLANGGA-NUSANTARA-ALLIANZ?Gerüchte, die einst auf geschlossenen Börsenkreisen beschränkt waren, waren in die Öffentlichkeit explodiert. Berichte behaupteten, eine angesehene Frau, Morgans engste Freundin seit Kindheitstagen, trage einen reinblütigen Erben der Erlangga – und drohe die große Verlobung zwischen Morgan und Camelia Nusantara zu zerstören.Helena massierte ihre pochenden Schläfen. Ihre smaragdbesetzten Finger zitterten leicht. Jahrzehntelang hatte sie die Würde der D
Es war zwei Uhr in der Zentrale von Erlangga Holding. Der vierundfünfzigste Stock, sonst ein Hort der Ruhe, Präzision und Effizienz, verbarg nun ein sorgsam gesponnenes, unsichtbares Netz der Manipulation.Camelia Nusantara stieg aus dem privaten VIP-Fahrstuhl. Sie trug einen weichen Blazer in Pastellcreme, der von beruflicher Eleganz zeugte. Fest unter den Arm geklemmt trug sie eine dicke Ledermappe mit den abschließenden Bewertungsdokumenten für die Erlangga-Nusantara Global Initiative – gedacht zur gemeinsamen Prüfung und Genehmigung mit Morgan vor der Aufsichtsratssitzung an jenem Nachmittag.Als sie sich dem Schreibtisch der Sekretärin im Eingang näherte, stand Maya – Morgans persönliche Assistentin – unbehaglich und sichtlich nervös da.„Guten Tag, Fräulein Camelia“, begrüßte sie mit höflichem Nicken.„Guten Tag, Maya. Ist Morgan in seinem Büro?“, fragte Camelia warmherzig, ihr aufrichtiges Lächeln strahlte von stetem Frieden.„Herr Morgan ist gerade mit Herrn David für ein drin







