Share

Kapitel 2

Author: Three salaries
Für einen Augenblick zuckten Alexanders Pupillen. Doch schon kurz darauf wich jeder Ausdruck aus seinem Blick, und nur noch Ungeduld blieb zurück.

„Schon wieder?“

Alexander lachte. Es war ein eisiges, spöttisches Lachen voller Überheblichkeit.

„Von mir aus. Wann soll es denn sein?“

Emilia öffnete die Autotür und stieg ein.

„Jetzt.“

Wenig später hielten sie vor einer Kanzlei für Familienrecht.

Als die Mitarbeiterin der Kanzlei sich nach den Umständen ihrer Trennung erkundigte, sah Alexander Emilia mit einem spöttischen Halblächeln an.

Emilia antwortete ruhig.

„Unsere Ehe ist zerrüttet.“

Alexanders Miene verfinsterte sich schlagartig.

Die Mitarbeiterin warf einen Blick auf Emilias hochgewölbten Bauch und versuchte, sie umzustimmen.

„Frau Hartmann, in jeder Ehe gibt es Streit. Werfen Sie Ihre gemeinsame Zeit nicht aus einer Laune heraus weg. Ihr Kind kommt bald auf die Welt. Sie möchten doch sicher auch nicht, dass es ohne Vater aufwächst.“

Noch während die Mitarbeiterin sprach, hatte Alexander die vorbereiteten Trennungsunterlagen bereits mit ausdrucksloser Miene unterschrieben.

„Emilia, wenn du glaubst, mich mit dem Kind in deinem Bauch unter Druck setzen zu können, bist du wirklich dumm.“

„Bis eine Scheidung rechtskräftig werden kann, müsst ihr in der Regel erst einmal ein Jahr getrennt leben. Nutze die Zeit, um zur Vernunft zu kommen und deinen Kopf wieder einzuschalten.“

„Das ist das letzte Mal, dass ich bei deinem Theater mitmache!“

Alexander schleuderte den Stift auf den Tisch, drehte sich um und stürmte davon, ohne Emilia eines weiteren Blickes zu würdigen.

Die Mitarbeiterinnen wechselten Blicke. Als sie Emilia ansahen, lag nur noch Mitleid in ihren Augen.

Tränen tropften auf das Papier. Emilia setzte langsam und sorgfältig ihre Unterschrift darunter und reichte der Mitarbeiterin die Unterlagen.

„Vielen Dank.“

Es war das dritte Mal, dass Emilia die Scheidung verlangte.

Beim ersten Mal hatte Clara Emilia des Diebstahls bezichtigt.

Alexander hatte Emilia nicht sofort verteidigt. Stattdessen ließ Alexander zu, dass Clara vor allen Leuten Emilias Tasche durchwühlte. Emilia sollte ihre Unschuld selbst beweisen.

Damals begriff Emilia zum ersten Mal, wie wenig Alexander von ihr hielt.

Nach einer schlaflosen Nacht packte Emilia am nächsten Morgen ihre Sachen, verlangte die Scheidung und kehrte zu ihren Eltern zurück.

Alexander war gerade auf Geschäftsreise im Ausland. Obwohl er einen über zehnstündigen Flug hinter sich hatte, machte er sich noch in derselben Nacht auf den Rückweg und wartete bis zum Morgen vor dem Haus von Emilias Eltern.

Mit geröteten Augen erklärte Alexander, dass er genau gewusst habe, dass Emilia nichts gestohlen hatte. Er habe Clara nur deshalb gewähren lassen und sie Emilias Tasche durchsuchen lassen, weil er das für den schnellsten Weg gehalten habe, ihre Unschuld zu beweisen.

Emilia liebte Alexander. Am Ende wurde sie doch wieder weich und kehrte zu ihm zurück.

Beim zweiten Mal veröffentlichte Clara im großen Firmenchat gezielt Screenshots aus Emilias Chatverlauf mit Alexander, auf denen nur Emilias Liebesbekundungen zu sehen waren.

Aus einem gegenseitigen Austausch wurde so eine einseitige Schwärmerei.

Emilias Ruf war ruiniert. Die Kollegen verspotteten Emilia und grenzten sie aus. In ihrer Verzweiflung platzte es schließlich aus Emilia heraus, dass sie und Alexander verheiratet waren und Clara alles aus Bosheit erfunden hatte.

Doch um Clara zu schützen, leugnete Alexander vor versammelter Belegschaft, mit Emilia verheiratet zu sein, und kündigte ihr auch noch.

Später erklärte Alexander beiläufig:

„Wenn du alles aufdeckst, verliert Clara in der Firma ihr Gesicht. Unsere Ehe ist doch trotzdem echt. Es reicht, wenn ich weiß, dass du meine Frau bist.“

Damals geriet Emilia zum ersten Mal heftig mit Alexander aneinander und verlangte erneut die Scheidung.

Doch vor lauter Aufregung verlor Emilia das Bewusstsein und wurde ins Krankenhaus gebracht. Als Emilia wieder zu sich kam, erfuhr sie, dass sie schwanger war.

Um des Kindes willen gab Emilia noch einmal nach.

Je öfter Emilia zurücksteckte und je größer ihr Bauch wurde, desto sicherer schien Alexander sich zu fühlen. Für ihn war die Drohung mit der Scheidung bloß Emilias Mittel, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Diesmal aber meinte Emilia es ernst.

Als Emilia die Kanzlei nach der Unterschrift verließ, sah sie gerade noch, wie Alexanders Wagen davonfuhr.

Ein leichter Windhauch ließ Emilias Rock flattern. Dabei musste sie an den Tag zurückdenken, an dem sie Alexander geheiratet hatte.

Alexander war ein Mann, den selbst die größten Turbulenzen nicht aus der Ruhe brachten und der seine Gefühle nur selten nach außen zeigte. Doch auf dem Foto, das sie an ihrem Hochzeitstag zusammen machen ließen, strahlte er über das ganze Gesicht.

Alexander hielt Emilias Hand. In seinem Blick lag ein Anflug von Schuld.

„Emilia, meine Eltern stören sich am Unterschied zwischen unseren Familien. Sie haben unserer Heirat nur unter der Bedingung zugestimmt, dass wir sie geheim halten und auf eine Hochzeitsfeier verzichten.“

„Es tut mir leid, dass du das ertragen musst. Hab noch ein bisschen Geduld. Ich werde sie überzeugen und dir so bald wie möglich eine große Hochzeit ausrichten.“

Damals hatte Emilia geglaubt, dass Alexander sie zumindest ein kleines bisschen lieben müsse.

Nun wusste Emilia: Es war tatsächlich nur ein winziges bisschen gewesen.

Ein einziger Windhauch hatte genügt, um es verwehen zu lassen.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • Geheime Ehe – als ich ging, weinte er   Kapitel 18

    Die Wunde an Alexanders rechtem Bein entzündete sich. Alexander musste erneut ins Krankenhaus.Auch Emilia wurde ins Krankenhaus gebracht, um sich untersuchen zu lassen.Am nächsten Morgen schickte der Assistent alle Ergebnisse seiner Nachforschungen auf Alexanders Handy.Alexander atmete tief durch, bevor er die Unterlagen öffnete. Je weiter er las, desto blasser wurde sein Gesicht.Clara hatte Emilia absichtlich in der Öffentlichkeit geohrfeigt und als Geliebte beschimpft.Es stimmte also nicht, dass Emilia Clara absichtlich provoziert und mit ihrer Ehe geprahlt hatte, wie Clara behauptet hatte.Auch den Verdacht, Emilia habe auf dem Empfang etwas gestohlen, hatte Clara absichtlich geschürt.Die Nachrichten, die in der Firma verbreitet worden waren, hatte Clara heimlich von Emilias Handy gestohlen.Emilia hatte Clara diese Nachrichten keineswegs geschickt, um mit ihrer Beziehung zu Alexander anzugeben. Auch Claras Behauptung, sie habe sich deshalb aus verletztem Stolz gerächt, war ei

  • Geheime Ehe – als ich ging, weinte er   Kapitel 17

    Im nächsten Augenblick sprang Alexander direkt vom Ufer ins Wasser und schwamm wie von Sinnen auf Emilia zu.Clara zuckte erschrocken zusammen. Als sie Alexander erkannte, geriet sie sofort in Panik.„Alexander, was machst du hier?“„Bist du verrückt? Komm sofort raus! In einem Stausee zu schwimmen ist lebensgefährlich!“Alexander ignorierte Clara völlig. Sein Blick war ausschließlich auf Emilia gerichtet, deren Körper immer tiefer sank.Mit aller Kraft schwamm er zu ihr hinüber. Emilia war bereits kaum noch bei Bewusstsein.Alexander klopfte ihr leicht auf die Wange.„Emilia, halte noch ein bisschen durch! Ich bringe dich sofort ans Ufer. Du darfst jetzt nicht einschlafen!“Emilia sah ihn an, konnte aber nicht mehr antworten.Alexanders Herz zog sich zusammen. Er zog Emilia auf seinen Rücken und schwamm unter größten Mühen mit ihr zum Ufer.In dieser Haltung war es äußerst schwierig, voranzukommen. Dazu kam noch seine verletzte Oberschenkelwunde.Mehrmals glaubte Alexander, dass seine

  • Geheime Ehe – als ich ging, weinte er   Kapitel 16

    Alexanders Blick verfinsterte sich.Als er daran dachte, dass Clara sich mit seiner Mutter zusammengetan und ihn unter Drogen gesetzt hatte, wurde ihm allmählich klar, dass er Clara vielleicht doch nicht so gut kannte, wie er geglaubt hatte.Erst nach einer Weile brachte Alexander mühsam eine Antwort hervor.„Ich weiß. Aber ich dachte, sie schwärmt nur vorübergehend für mich, wie es bei jungen Mädchen eben manchmal vorkommt.“„Du brauchst dir keine Sorgen zu machen. Ich weiß, dass du sie nicht magst. Ich habe mit ihr gesprochen. Künftig werde ich keinen Kontakt mehr zu ihr haben.“„Auch meiner Mutter habe ich bereits eine klare Ansage gemacht. Wenn du meine Familie nicht sehen willst, brauchst du nie wieder zu meiner Familie zu kommen oder dich nach ihnen zu richten.“„Wenn wir wieder heiraten, können wir so glücklich sein wie früher.“Alexander sah Emilia voller Hoffnung an. Doch Emilia schüttelte nur bitter den Kopf.„Alexander, wir können nie wieder zurück zu dem, was einmal war.“F

  • Geheime Ehe – als ich ging, weinte er   Kapitel 15

    Emilia trat näher und sah Alexander mit gerunzelter Stirn an.„Was machst du hier?“Alexander sah Emilia mit glühendem Blick an.„Ich will dich nach Hause holen.“Emilias Mutter zog ihre Tochter schützend hinter sich.Ihr Haar war bereits ergraut, und ihre Augen waren leicht gerötet. Sie wandte sich an Alexander.„Herr Falk, wir wissen nicht genau, was zwischen Ihnen und Emilia vorgefallen ist. Aber ich weiß, dass meine Tochter Unrecht getan wurde.“„Emilia hat uns gesagt, dass sie sich von Ihnen scheiden lassen hat. Sie wird nicht mitkommen. Was Sie mitgebracht haben, nehmen wir nicht an. Gehen Sie bitte.“Unter den Nachbarn entstand aufgeregtes Gemurmel.„Geschieden?“„Nach nur ein paar Jahren Ehe?“„Bei den Reichen ist es doch immer dasselbe. Ist er etwa fremdgegangen?“„Ich habe gleich gesagt, dass es schwer ist, in so eine reiche Familie einzuheiraten. Seit Emilia wieder hier ist, verkriecht sie sich jeden Tag im Haus und ist nur noch niedergeschlagen.“Alexander verspürte einen S

  • Geheime Ehe – als ich ging, weinte er   Kapitel 14

    Alexander wurde umgehend in den Operationssaal gebracht.Seine Mutter stand völlig erschöpft vor dem Operationssaal.Als sie daran dachte, wie Alexander blutüberströmt ausgesehen hatte, warf sie Clara einen leicht genervten Blick zu.„Du wolltest meine Hilfe, und ich habe dir geholfen. Und was haben wir jetzt davon? Mein Sohn liegt im OP und kämpft um sein Leben!“„Clara, ich mag Emilia nicht. Aber meinen Sohn will ich erst recht nicht verlieren.“„Selbst nach all dem will Alexander dich immer noch nicht. Hör endlich auf, dich weiter in diese Sache hineinzusteigern.“Clara hob ruckartig den Kopf. Als sie den entschlossenen Blick von Alexanders Mutter sah, konnte sie schließlich nur noch mit zusammengebissenen Zähnen nicken.„Gut.“Doch innerlich brodelte es in ihr vor Unzufriedenheit und Wut.Sie blickte zu dem Schild mit der Aufschrift „OP“. Tränen liefen ihr übers Gesicht, doch in ihren Augen lag nichts als Wahnsinn.Sie zitterte am ganzen Körper. Ihre Arme hingen schlaff an den Seit

  • Geheime Ehe – als ich ging, weinte er   Kapitel 13

    Das Gefühl war fremd und doch vertraut. Es überrollte Alexander mit voller Wucht.Alexander fuhr zu seiner Mutter herum. Sein Blick fiel auf die Teetasse, die sie ihm gerade gereicht hatte.„Was hast du getan?“Seine Mutter lachte kalt.„Das ist alles nur zu deinem Besten!“„Wegen einer Frau hörst du nicht einmal mehr auf deine eigene Mutter. Wenn das so weitergeht, zählen dein Vater und ich bald gar nichts mehr für dich!“Seine Mutter wandte sich an die Leibwächter.„Bringen Sie meinen Sohn auf sein Zimmer.“Als Alexander zum Anwesen seiner Familie gefahren war, hatte er selbstverständlich keine eigenen Leibwächter mitgebracht.Die Wachen des Anwesens packten Alexander von beiden Seiten und zerrten ihn die Treppe hinauf.Er leistete keinen sinnlosen Widerstand, sondern sah seine Mutter nur kalt an.Ihr stieg bei seinem Blick der Schmerz ins Gesicht. Sie wich seinen Augen aus und richtete nur trotzig den Rücken auf.„Wenn es einmal vollendete Tatsachen geschaffen sind, wirst du dich da

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status