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Kapitel 4

Penulis: Sophiel
last update Tanggal publikasi: 2026-09-18 13:04:50

DER HINTERHALT

Ronan wartete nicht ab, um herauszufinden, ob der Pfeil mehr als nur eine Warnung bedeutete.

„Beweg dich.“ Er packte Sloanes Arm, nicht gerade sanft, und zog sie von dem Weg herunter, dem sie bisher gefolgt waren, bevor er stattdessen seitlich durch ein dichtes Gebüsch schnitt. „Jetzt. Wer auch immer ihn geschickt hat, weiß genau, wo wir sind. Wir bleiben nirgendwo lange genug, damit sie uns einholen können.“

Sloane widersprach nicht. Sie ließ sich von ihm mitziehen, stolperte über Wurzeln, die sie in der Dunkelheit nicht sehen konnte, und ihre Lungen brannten erneut von einem Lauf, von dem sie geglaubt hatte, dass er für diese Nacht bereits vorbei war.

Sie waren noch nicht weit gekommen, als sie es hörte. Das Knacken eines Astes, zu gezielt, um von einem Tier zu stammen, links von ihnen. Dann ein weiteres Geräusch, näher, rechts von ihnen.

„Sie umkreisen uns“, sagte Ronan leise, mehr zu sich selbst als zu ihr. Er veränderte seinen Griff an ihrem Arm und stellte sich ein wenig vor sie, ohne überhaupt darüber nachzudenken. „Bleib hinter mir.“

„Wie viele?“

„Das weiß ich noch nicht.“

Eine Sekunde später fand sie es heraus, als vier Gestalten gleichzeitig aus der Baumreihe traten und jede Richtung versperrten, in die sie hätten fliehen können. Sie bewegten sich wie Soldaten, nicht wie Gesetzlose, mit geübtem Abstand zwischen ihnen. Jeder von ihnen war bereits halb verwandelt, irgendwo zwischen Wolf und Mensch, eine kontrollierte Mischform, die nur ausgebildete Kämpfer in einem echten Kampf aufrechterhalten konnten.

„Für wen auch immer ihr arbeitet“, sagte Ronan mit harter, flacher Stimme, „ihr solltet genau wissen, wem ihr hier gegenübersteht.“

„Das wissen wir“, antwortete eine von ihnen. Eine Frauenstimme, ruhig und unbeeindruckt. „Genau darum geht es.“

Sie wartete keine Antwort ab. Sie stürzte sich als Erste auf ihn, und der Kampf brach augenblicklich los, vier gegen einen, obwohl Ronan sich wie ein Mann bewegte, der schon gegen schlimmere Überzahl gekämpft und gewonnen hatte. Sloane presste sich mit dem Rücken gegen einen Baumstamm und beobachtete, wie er einen Angreifer mit einem Schlag zurücktrieb, der den Kampf hätte beenden müssen, es aber nicht tat, weil bereits zwei weitere von den Seiten näher kamen.

Einer von ihnen ließ ganz von Ronan ab und wandte sich stattdessen ihr zu.

Sloane hatte keine Waffe. Sie hatte nur ihre Tasche, die sie seit Stunden über der Schulter trug, und ihr Instinkt ließ ihre Hände nach dem Riemen greifen, um ihn dem Angreifer mit aller Kraft ins Gesicht zu schwingen, sobald er nahe genug kam. Es verschaffte ihr eine halbe Sekunde. Sie nutzte sie, um seitlich davonzukriechen und einen Baum zwischen sich und ihn zu bringen. Ihr Herz hämmerte so heftig, dass sie es bis in ihrer Kehle spürte.

„Holt sie euch“, rief die Frau erneut, diesmal schärfer, während sie einem Schlag von Ronan auswich, der ihr einen Moment später den Kopf abgerissen hätte. „Lasst nicht zu, dass das Mädchen von jemand anderem als uns geschnappt wird.“

Sloanes Angreifer stürzte sich erneut auf sie. Instinktiv ging sie in die Hocke, spürte Krallen durch die Luft dort schneiden, wo sich noch einen Herzschlag zuvor ihre Kehle befunden hatte, und rollte sich mit voller Kraft ins Unterholz, wobei sie sich die Handflächen an Steinen und Wurzeln blutig aufriss.

Ronan war da, bevor der Angreifer ihr folgen konnte. Er traf den Mann von der Seite mit solcher Wucht, dass beide gegen einen umgestürzten Baumstamm krachten. Der folgende Kampf war schnell und brutal und innerhalb weniger Sekunden vorbei. Am Ende bewegte sich der Angreifer nicht mehr.

Zwei waren noch übrig. Ronan drehte sich ihnen zu, genau in dem Moment, als sie sich neu formierten. Er atmete schwer, Blut lief aus einem flachen Schnitt an seinem Unterarm, den er nicht einmal zu bemerken schien.

„Genug“, sagte die Frau, und etwas in ihrem Ton hatte sich verändert. Er war angespannter geworden, dringlicher. „Wir sind nicht dafür ausgerüstet, ihn ebenfalls mitzunehmen. Rückzug.“

„Und das Mädchen?“

„Lass sie. Vorerst.“ Eine Pause. Als sie wieder sprach, war ihre Stimme leiser geworden, bestimmt nur für ihren Partner, doch die Nacht war still genug, dass Sloane jedes Wort trotzdem verstand. „Lass das Geschenk der Heilerin nicht in die Nähe des Mädchens. Nicht, bevor wir wissen, wie viel davon sie bereits in sich trägt.“

Sloane wurde kalt, und das hatte nichts mit der Nachtluft zu tun.

Die beiden verbliebenen Angreifer verschwanden zwischen den Bäumen, bevor Ronan sie erreichen konnte. So schnell und sauber, wie sie aufgetaucht waren, waren sie wieder verschwunden. Sie hinterließen nichts außer dem Körper des Mannes, den Ronan getötet hatte, und der dröhnenden Stille nach einem Kampf, der zu schnell vorbei gewesen war, um sich wie ein Sieg anzufühlen.

Ronan stand einen Moment lang da, die Brust heftig hebend, und starrte ihnen in die Dunkelheit hinterher. Dann wandte er sich Sloane zu, und die Frage, die sich seit dem Moment hinter seinen Augen aufgebaut hatte, in dem seine Klinge über ihrer Kehle erstarrt war, stand nun offen in seinem Gesicht.

„Sie haben keinen geflohenen Mordverdächtigen gejagt“, sagte er. „Ausgebildete Kämpfer wie die werden nicht hinter einer Heilerin hergeschickt, die beschuldigt wird, jemanden vergiftet zu haben.“

„Ich weiß.“

„Sie wollten dich. Ganz gezielt. Offenbar lebend, denn sie hatten mehrere Möglichkeiten, dich zu töten, und haben keine davon genutzt.“ Er überbrückte die Entfernung zwischen ihnen und musterte sie wie zuvor in der Lichtung, nur dass sich der Verdacht in seinen Augen inzwischen in etwas verwandelt hatte, das eher an Verwirrung grenzte. „Was meinte sie? Das Geschenk der Heilerin. Welches Geschenk?“

Sloane öffnete den Mund, um zu antworten, und stellte fest, dass sie ihm nichts geben konnte. Keine Erklärung, keine Erinnerung daran, dass ihr jemals gesagt worden war, sie besäße eine Gabe, wegen der man mitten in der Nacht ausgebildete Killer auf sie ansetzen würde.

„Ich weiß es nicht“, sagte sie. Und zum ersten Mal, seit ihre Hütte hinter ihr in Flammen aufgegangen war, erkannte sie, dass sie es tatsächlich meinte – auf eine Weise, die ihr mehr Angst machte als alles, was die Wachen, die Hunde oder sogar Ronans Klinge bisher geschafft hatten.

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