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Kapitel 3

Author: Neunrausch
Ein Kind...

Augenblicklich breitete sich ein Schmerz, scharf wie tausend Nadeln, in Johannas ganzem Körper aus.

Es war Ende des Frühlings des vergangenen Jahres.

Sebastian war betrunken nach Hause gekommen und versehentlich in ihr Zimmer geraten.

Sie vergaß niemals, wie er in einem Moment voller Leidenschaft ihren Namen an ihrem Ohr flüsterte.

„Johanna...“

In jener Nacht empfing sie sein Kind.

Seit der Schwangerschaft veränderte sich ihre Beziehung auf subtile Weise.

Sebastian blieb zwar weiterhin oft über Nacht fort, doch er engagierte eine Ernährungsberaterin für sie und sorgte dafür, dass sie jeden Tag ausgewogene Mahlzeiten bekam.

Damals glaubte sie, das war der Anfang ihres Glücks.

Doch im Winter desselben Jahres hörte das Kind im achten Monat plötzlich auf, zu leben.

Das Herz des Babys hörte auf, zu schlagen.

Sie musste die Geburt einleiten lassen.

Aus Angst, ihr noch mehr Schmerz zuzufügen, erlaubten die Ärzte und Pfleger ihr nicht, das Kind zu sehen.

Sie konnte sich nicht einmal richtig verabschieden.

Sie durfte die kleinen Hände ihres Kindes nie berühren.

Seitdem wagte niemand mehr, in ihrer Gegenwart das Wort „Kind“ auszusprechen.

Es wurde zu einem verbotenen Bereich ihres Herzens.

Nun, da das Thema erneut aufkam, fühlte sie sich, als wurde sie in einen Eiskeller gestoßen.

Leise Schritte erklangen auf der Treppe.

Eine Dienstmagd kam nach oben.

„Junge Herrin.“

Johanna kam wieder zu sich.

Sie wischte sich über die geröteten Augen, hob das Tablett an und trat ins Zimmer.

Das Gespräch verstummte abrupt.

Als Großmutter Johanna erblickte, zog sich ihr Herz vor Mitleid zusammen.

Hätte sie gewusst, dass Johanna bereits oben war, hätte sie das Thema Kind niemals angesprochen.

Sofort wandte sie sich zu Sebastian um und hoffte, er würde von sich aus zu Johanna gehen.

Doch Sebastian stand reglos wie ein Eisblock da.

Er warf Johanna lediglich einen beiläufigen Blick zu und verließ anschließend das Zimmer.

...

Nachdem die alte Frau einschlief, maß Johanna erneut ihre Temperatur.

Erst als sie sicher war, dass das Fieber verschwand, verließ sie das Zimmer.

Für diese Nacht ordnete die alte Frau Falk an, dass Johanna und Sebastian im Familienanwesen bleiben sollten.

Sie beauftragte sogar Herrn Weiß persönlich, Johanna bis zu dem einst für das Ehepaar eingerichteten Hochzeitshaus zu begleiten.

Das Haus stand separat auf dem Gelände des Falk-Anwesens und war ausschließlich für die beiden bestimmt.

Johanna wusste nicht, wo Sebastian war.

Seit er das Zimmer der Großmutter verließ, verschwand er.

Gehorsam hörte er nie zu seinen Eigenschaften.

Und jetzt, da er längst mächtig genug war, brauchte er ohnehin auf niemanden der Familie Falk mehr zu hören.

Vielleicht ging er bereits.

Als sie die Tür erreichte, blickte sie zu Butler Weiß zurück, der gerade sein Handy aus der Tasche zog.

„Herr Weiß, gehen Sie bitte schlafen.“

„Das geht leider nicht, junge Herrin. Die alte Frau hat mir aufgetragen, Beweisfotos zu machen.“

Früher nannte er sie stets „Fräulein Johanna“.

Nach ihrer Hochzeit erkannte Sebastian ihre Stellung zwar nie wirklich an, doch auf Anordnung der Großmutter mussten alle Angehörigen und Bediensteten sie als junge Herrin oder Frau Falk ansprechen.

Offenbar traute die Großmutter den beiden überhaupt nicht.

Johanna wusste nicht mehr, was sie sagen sollte.

Mit einer völlig resignierten Miene blieb sie vor der Tür stehen und ließ Herrn Weiß zwei Fotos machen.

Nachdem er die Bilder überprüfte, nickte er zufrieden.

„Das reicht. Ich kann Bericht erstatten. Ruhen Sie sich früh aus, junge Herrin.“

Als sie ihm nachsah, wie er davonging, atmete Johanna erleichtert auf.

Zum Glück war Sebastian nicht hier.

Dann konnte sie wenigstens allein im Hochzeitshaus schlafen.

Nachdem sie die Tür hinter sich schloss, lehnte sie sich dagegen und presste die Hand auf ihr schmerzendes rechtes Bein.

... Beinahe konnte sie die Fassade nicht mehr aufrechterhalten.

In der vergangenen Nacht trat einer der Angreifer ihr dreimal mit voller Wucht gegen das rechte Bein.

Noch zwei solche Tritte, und das Bein war vermutlich dauerhaft geschädigt.

Wenn die Polizei die Männer erst einmal fasste, sorgte sie dafür, dass sie ihre Strafe bekamen.

„Soll ich erst herkommen und dich tragen?“

Plötzlich erklang in der Dunkelheit die kühle Stimme eines Mannes.

Johanna erschrak.

Sie hatte noch keine Zeit, das Licht einzuschalten.

Als sie in Richtung der Stimme blickte, nahm eine dunkle Gestalt langsam Konturen an.

Ein Lichtreflex glitt über ein Brillenglas.

Sebastian lehnte am geöffneten Fenster und rauchte.

Mit komplizierten Gefühlen betrachtete Johanna ihn.

Also war er doch nicht gegangen.

Er kehrte sogar vor ihr in dieses Haus zurück.

Das bedeutete, dass sie die Nacht gemeinsam verbrachte.

Früher ließ allein dieser Gedanke ihr Herz schneller schlagen.

Doch nun dachte sie an die Scheidungsvereinbarung in der Schublade und an Clara Winter.

Und jede Erwartung verflüchtigte sich augenblicklich.

Johanna verzichtete darauf, das Licht einzuschalten, und ging unter Schmerzen auf das Sofa zu.

Sie verbrachte die Nacht einfach dort.

Morgen würde alles vorbei sein.

Doch noch bevor sie das Sofa erreichte, wurde sie von einer kräftigen Hand zurückgerissen.

Ihr Gleichgewicht ging verloren, und sie fiel gegen eine breite, warme Brust.

Kaum spürte Sebastian, dass sie sich befreien wollte, zog sich sein Arm um ihre Taille fester zusammen.

Sein feuchtheißer Kuss streifte ihr Ohr.

Johannas Körper erzitterte instinktiv.

Das war das erste Mal seit jenem Abend im vergangenen Frühling, dass Sebastian sie wieder berührte.

Im nächsten Moment lag sie auf dem Sofa.

Sein Körper hielt sie fest, seine Nähe umschloss sie vollständig.

„Großmutter möchte, dass wir ein Kind bekommen.“

Die Worte trafen sie wie eiskaltes Wasser. Johanna dachte an die Scheidungsvereinbarung und an die Worte der Großmutter.

Sie wandte den Kopf zur Seite und blickte ihm direkt in die Augen.

Ihre Kehle fühlte sich an, wie unzählige Nadeln darin steckten.

„Willst du wirklich ein Kind? Oder willst du die Bedingungen, die Großmutter dir versprochen hat?“

Sebastian umfasste ihre beiden Handgelenke und hielt sie über ihrem Kopf fest.

Mit einer Hand nahm er die Brille ab.

Ohne die Gläser wirkte sein Blick plötzlich scharf und gefährlich wie der eines Raubtiers.

Das war sein wahres Gesicht.

„Welchen Unterschied macht das? Als du damals unbedingt darauf bestanden hast, mich zu heiraten, hättest du darauf vorbereitet sein sollen.“

Johannas Gesicht verlor jede Farbe.

„Oder nicht?“

Er lächelte kalt.

„Johanna.“

Die vertrauliche Art, wie er ihren Namen aussprach, schmerzte bis ins Mark.

Ohne Liebe klang diese Vertrautheit wie blanker Hohn.

Niemand wusste besser als Sebastian, wie man sie verwundete.

Er lachte leise auf.

Dann ließ er sich tiefer sinken und nahm ihr mühelos jede Kraft zum Widerstand.

Als ihre Kleidung verrutschte, zuckte Johanna heftig zusammen.

Unwillkürlich tauchten die Erinnerungen an die vergangene Nacht auf, an die Männer, an die Gewalt und an die Hände, die an ihrer Kleidung zerrten.

Wäre damals nicht ein hilfsbereiter Passant vorbeigekommen...

In diesem Augenblick konnte sie nicht mehr unterscheiden, ob vor ihr Sebastian stand oder einer ihrer Angreifer.

„Nein!“

Wie ein in die Enge getriebenes Tier biss sie ihm in den Hals.

In der Dunkelheit sog Sebastian scharf die Luft ein.

„Du bist tatsächlich mutiger geworden. Jetzt beißt du sogar schon?“

Eine große Hand umschloss ihr Kinn.

Sebastian zog seine Krawatte heraus und wollte ihre Hände damit fixieren.

In diesem Moment durchschnitt ein Klingelton die Stille des Zimmers.

Der Bildschirm eines Handys leuchtete bläulich auf.

Das Licht fiel schwach auf die Gestalten auf dem Sofa.

Durch die Vibration drehte sich das Telefon auf dem Couchtisch leicht zur Seite.

Der Name auf dem Display sprang Johanna sofort ins Auge.

Clara.

Clara Winter.

Als Sebastian für einen Augenblick ablenkte, befreite Johanna sich aus seinem Griff.

Zitternd zog sie ihre Kleidung zusammen und bedeckte die großflächigen Blutergüsse, die die Prügel der vergangenen Nacht hinterließen.

Mit schmerzendem rechten Bein kroch sie in die Ecke des Sofas.

Im selben Moment ging die Lampe neben dem Sofa an.

Sebastians Krawatte hing locker um seinen Kragen.

Zwei Knöpfe seines Hemdes standen offen.

Sein Adamsapfel bewegte sich langsam.

Das Handy klingelte noch immer.

Johannas Gesicht war bleich, ihre Augen dagegen auffallend rot.

Mit bitterem Spott sagte sie: „Herr Falk, Ihre Jugendliebe ruft an. Wollen Sie nicht rangehen?“

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  • Herr Falk, Sie sind raus!   Kapitel 29

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  • Herr Falk, Sie sind raus!   Kapitel 28

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  • Herr Falk, Sie sind raus!   Kapitel 27

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  • Herr Falk, Sie sind raus!   Kapitel 26

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  • Herr Falk, Sie sind raus!   Kapitel 25

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Higit pang Kabanata
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