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last update Petsa ng paglalathala: 2026-08-07 03:25:48

Kapitel 4

Lian hielt den Blick gesenkt. Noch immer spürte sie das Gewicht seiner Augen auf sich, obwohl sie wusste, dass er längst nicht mehr hinsah. Mit ruhigen, beinahe lautlosen Schritten ging sie zu ihrer Arzttasche. Ihr Herz schlug unregelmäßig, doch ihre Stimme blieb professionell – kühl, sachlich und frei von jedem persönlichen Gefühl.

„Die Wunde darf nicht mit Wasser in Berührung kommen. Desinfizieren Sie sie einmal täglich und tragen Sie lockere Kleidung, damit nichts an den Nähten reibt.“

Sie stellte mehrere kleine Medikamentenschachteln auf den Tisch, ohne ihn anzusehen.

„Das hier sind die Tabletten. Und das ist das Desinfektionsmittel.“

Einen Moment lang blieb es still.

Dann kam seine knappe Antwort.

„Verstanden.“

Mehr sagte er nicht.

Sie wartete einen Augenblick, als hätte sie unbewusst noch etwas erwartet. Doch er wandte sich nicht um.

Nur sein Schatten fiel über den Boden.

Lian schloss langsam ihre Tasche, drehte sich um und verließ den Raum.

---

Als sie wenig später ein Taxi zurück zum Krankenhaus nahm, zeigte die Uhr bereits kurz vor elf.

In der Cafeteria zwang sie sich zu einer kleinen Mahlzeit. Das Essen schmeckte nach nichts. Jeder Bissen fühlte sich an wie eine mechanische Bewegung, während ihre Gedanken weit entfernt waren.

Kaum hatte sie ihre Ambulanz betreten, erhielt sie die Nachricht, der Direktor wolle sie sofort sprechen.

Sein Gesicht wirkte ungewöhnlich angespannt.

Er schwieg lange, bevor er schließlich tief Luft holte.

„Ich habe entschieden, Tina den Ausbildungsplatz in der Zweiten Militärmedizinischen Zone zu geben.“

Für einen Augenblick verlor Lian die Sprache.

„Aber ... Sie hatten mir den Platz bereits zugesagt.“

Der Direktor schloss kurz die Augen.

„Das stimmt.“

Seine Stimme klang müde.

„Unsere modernsten medizinischen Geräte wurden von der Light Group gespendet. Herr Jakob Gabriel persönlich hat mich gebeten, Tina auszuwählen.“

Er machte eine hilflose Pause.

„Ich konnte seine Bitte nicht ablehnen.“

Der Name traf sie wie ein lautloser Schlag.

Jakob Gabriel.

Ihr Ehemann.

Ein Mann, den ihre eigene Familie kaum je gesehen hatte.

Ein Mann, den sie selbst nur aus Wirtschaftsmagazinen und Fernsehinterviews kannte.

Und nun war ausgerechnet sein Name mit Tina verbunden.

Ein bitterer Geschmack breitete sich in ihrem Mund aus.

„Also... ist die Entscheidung endgültig?“

Der Direktor nickte langsam.

„Ja.“

Er sah sie ehrlich an.

„Aber missverstehen Sie das bitte nicht. Niemand hier zweifelt an Ihren Fähigkeiten. Ihr Ansehen im Krankenhaus bleibt unverändert.“

Lian senkte den Blick.

Sie schluckte den Kloß in ihrem Hals hinunter.

„Ich verstehe.“

Natürlich verstand sie.

Die Ehe war nie aus Liebe entstanden.

Sie war lediglich eine Vereinbarung zwischen den Familien gewesen.

Warum sollte Jakob heute Rücksicht auf ihre Wünsche nehmen?

Sie richtete sich auf.

Als sie wieder sprach, war ihre Stimme vollkommen ruhig.

„Heute Nachmittag stehen noch zwei Operationen auf meinem Plan.“

Sie griff nach ihrer Akte.

„Ich sollte gehen.“

Der Direktor seufzte leise.

„Natürlich.“

Mit einem schwachen Lächeln öffnete er ihr die Tür.

Lian verließ das Büro.

Der Flur lag still vor ihr.

Nur ihre Schritte hallten durch den langen Gang, während in ihrem Inneren bereits ein Kampf begonnen hatte, den niemand sehen konnte.

Nach zwei aufeinanderfolgenden Operationen verließ Lian den OP-Trakt erst Stunden später.

Jede Bewegung fühlte sich an, als laste Blei auf ihren Schultern. Die sterile Kälte des Operationssaals hing ihr noch in den Kleidern, während das monotone Piepen der Monitore in ihrem Kopf nachhallte.

Sie wusch sich sorgfältig die Hände, zog den blauen OP-Kittel aus und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl in der Umkleide sinken.

Endlich Stille.

Sie schloss für einen Moment die Augen.

Da öffnete sich die Tür.

Ein süßlicher Duft teuren Parfums drang in den Raum, noch bevor Tina eintrat. Sie lächelte freundlich – zumindest auf den ersten Blick. Wer genauer hinsah, erkannte, dass hinter diesem Lächeln Berechnung lauerte.

„Dr. Lian“, sagte sie mit sanfter Stimme. „Hast du heute Abend Zeit? Wir könnten zusammen essen gehen.“

Lian hob langsam den Kopf.

Die Müdigkeit stand ihr ins Gesicht geschrieben.

„Es tut mir leid.“

Sie schüttelte leicht den Kopf.

„Ich habe noch etwas Wichtiges zu erledigen.“

Mehr sagte sie nicht.

Ihre Worte standen wie eine Glasscheibe zwischen ihnen – durchsichtig, aber unüberwindbar.

Schon während des Studiums waren sie nie Freundinnen gewesen.

Tina liebte Aufmerksamkeit.

Sie betrat jeden Raum, als gehöre ihr die Bühne.

Lian dagegen verschwand lieber hinter Fachbüchern, Operationsplänen und langen Nachtschichten. Ruhm bedeutete ihr nichts. Präzision dagegen alles.

Tina blieb einen Moment stehen.

Offenbar war sie nicht nur wegen der Einladung gekommen.

„Eigentlich... wollte ich dir noch etwas sagen.“

Lian hängte ihren Kittel in den Spind, ohne sich umzudrehen.

„Ich höre.“

Für einen kurzen Augenblick zögerte Tina.

Dann setzte sie ein bedauerndes Lächeln auf.

„Du hast bestimmt schon erfahren, was mit dem Ausbildungsplatz passiert ist.“

Sie senkte gespielt den Blick.

„Es tut mir wirklich leid. Ich wusste nicht, dass der Präsident persönlich eingreifen würde.“

„Schon gut.“

Lian schnitt ihr mit zwei ruhigen Worten jede weitere Erklärung ab.

Keine Vorwürfe.

Keine Enttäuschung.

Nur Gleichgültigkeit.

Zumindest nach außen.

Tina hob erneut den Blick.

Ein kaum wahrnehmbares Leuchten huschte durch ihre Augen.

„Darf ich dich noch um einen Gefallen bitten?“

Jetzt drehte sich Lian zu ihr um.

„Welchen?“

„Bitte erzähl niemandem, dass ich gestern Nacht nicht im Krankenhaus war.“

Sie lächelte verlegen.

„Kurz vor Beginn meiner Ausbildung möchte ich wirklich keinen Ärger bekommen.“

Lian musterte sie einen Moment.

Die Bitte war seltsam.

Aber Tina war schon immer jemand gewesen, der Geheimnisse hinter einem Lächeln versteckte.

„Keine Sorge.“

Ihre Antwort kam ruhig und ohne jedes Zögern.

„Ich werde nichts sagen.“

„Danke.“

Tina lächelte erleichtert.

Kurz darauf verließ sie den Raum.

Lian blieb allein zurück.

Eigentlich hätte sie die Sache längst vergessen müssen.

Dienstpläne änderten sich ständig.

Ärzte wurden kurzfristig ersetzt.

Im Krankenhaus gehörten unvorhersehbare Änderungen zum Alltag wie das Piepen der Monitore oder der Geruch von Desinfektionsmittel.

Und doch...

Irgendetwas ließ sie nicht los.

Ein leises Gefühl tief in ihrem Inneren flüsterte, dass diese Nacht mehr Geheimnisse verbarg, als irgendjemand ahnte.

---

Draußen hatte sich inzwischen die Dunkelheit über die Stadt gelegt.

Zwischen grauen Wolken blitzten vereinzelte Sterne hervor.

Die Straßenlaternen spiegelten sich auf dem noch feuchten Asphalt und tauchten die Straße in warmes, goldenes Licht.

Am Straßenrand glitt lautlos ein luxuriöser Van heran.

Sein schwarzer Lack reflektierte die Lichter der Stadt wie flüssiges Metall.

Auf dem Rücksitz saß Jakob.

Nach außen wirkte er vollkommen gelassen.

Doch hinter seinem ruhigen Blick arbeitete sein Verstand ununterbrochen.

Immer wieder tauchte das Gesicht der Ärztin vor seinem inneren Auge auf.

Die ruhigen Hände.

Die sichere Naht.

Die sachliche Stimme.

Keine Spur von Nervosität.

Sie hatte ihn behandelt, als wäre er einfach nur ein weiterer Patient.

Und genau das ließ ihn nicht mehr los.

Zakary beugte sich grinsend nach vorne.

„Na?“

Er warf Jakob einen vielsagenden Blick zu.

„Jetzt gib's doch endlich zu. Meine kleine Kollegin hat hervorragende Arbeit geleistet.“

Jakob antwortete nicht.

Sein Blick blieb auf den vorbeiziehenden Straßenlichtern ruhen.

Als versuchte er, sich an jedes einzelne Detail dieser Begegnung zu erinnern.

Plötzlich zeigte Adam durch die Windschutzscheibe.

„Da vorne.“

„Das ist Dr. Tina.“

Jakob ließ die Seitenscheibe langsam hinunter.

Kühle Nachtluft strömte ins Wageninnere.

Sie roch nach feuchtem Asphalt und blühendem Jasmin.

Eine Frau näherte sich selbstbewusst dem Fahrzeug.

Ihr langes Haar glänzte unter den Straßenlaternen, und auf ihren Lippen lag ein makelloses Lächeln.

Zakary blinzelte überrascht.

„Tina?“

Adam sah ihn fragend an.

„Du kennst sie?“

„Natürlich.“

Zakary nickte.

„Sie war ein paar Semester unter mir an der Universität.“

Jakobs Blick verengte sich kaum merklich.

Langsam begannen sich die einzelnen Puzzleteile zu verbinden.

In der vergangenen Nacht hatte eine Ärztin sein Leben gerettet.

Heute hatte dieselbe Frau seine Wunden versorgt.

Und nun näherte sich Tina seinem Wagen.

War sie tatsächlich die Ärztin gewesen?

Oder hatte er auf dem Krankenbett Namen und Gesichter verwechselt?

Zum ersten Mal seit Langem war sich Jakob einer Sache nicht mehr sicher.

Adam lächelte schief.

„Nicht, dass Amor uns allen längst einen Schritt voraus ist.“

Zakary verdrehte die Augen.

„Wovon redest du eigentlich?“

Adam wollte gerade antworten.

„Herr Jakob, ich glaube...“

Doch noch bevor er den Satz beenden konnte, blieb Tina direkt neben dem Wagen stehen.

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