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KAPITEL 5

Author: Joy Heart
last update publish date: 2026-07-21 23:15:43

Judys Sicht

Meine Hände erstarrten und ich versank in tiefen Gedanken. Wie kann ich jemanden heiraten, den ich kaum kenne? Die Frage wiederholte sich in meinem Kopf wie eine kaputte Schallplatte. Ich saß still auf der Bettkante, starrte die Wand an, mein Herz schwer. Eine Ehe war nichts, womit man Scherze trieb. Sie sollte Liebe, Vertrauen und ein Für-immer sein.

Aber mein Leben war ohnehin schon schiefgelaufen.

Ich erinnerte mich daran, wie meine Mutter schwach im Krankenhausbett lag, meine Hände hielt und lächelte, als wäre alles in Ordnung, obwohl es das eindeutig nicht war. Die Worte des Arztes hallten immer wieder in meinem Kopf wider.

„45.000 Dollar. Kein Geld, keine Operation.“

Ich schluckte schwer.

Wenn das Heiraten eines Fremden die einzige Möglichkeit war, meine Mutter zu retten, dann hatte ich keine andere Wahl. Ich hatte bereits meine Liebe verloren. Ich konnte es mir nicht leisten, auch noch meine Mutter zu verlieren.

Später am Tag, gegen ein Uhr nachmittags, ging ich ins Krankenhaus, um meine Mutter zu besuchen. Im Krankenhaus war es ruhig, abgesehen von dem Geräusch der Geräte und den Schrittgeräuschen. Mein Herz schmerzte, als ich sie sah. Sie sah dünner aus, schwächer, aber sie lächelte trotzdem, als sie mich sah.

„Meine Judy“, flüsterte sie sanft.

„Ich bin hier, Mama“, sagte ich und hielt behutsam ihre Hand.

Sie sah mich genau an. „Du siehst besorgt aus.“

„Es geht mir gut“, log ich.

Sie lächelte schwach. „Gott wird einen Weg ebnen.“

Diese Worte brachen mir fast das Herz.

Nachdem ich eine Weile bei ihr geblieben war, verließ ich das Krankenhaus und ging in das Einkaufszentrum, um Besorgungen für sie zu machen – Obst, Milch, Brot und andere Dinge, die sie nach der Operation brauchen würde. Ich bewegte mich leise durch das Einkaufszentrum, ohne auf irgendjemanden zu achten, die Gedanken schwer in meinem Kopf.

In diesem Moment hörte ich eine Stimme, die alles zertrümmerte.

„Schatz, bitte mach schnell. Wir kommen zu spät zum Gynäkologen!“

Mein Herz setzte schmerzhaft aus.

Langsam drehte ich mich um.

Da war sie.

Isabella.

Sie sah strahlend aus, gekleidet in teure Kleidung, ihr Gesicht glühte vor Glück. Eine Hand lag stolz auf ihrem Bauch. Clark stand neben ihr und bezahlte ihre Sachen wie der stolze Ehemann, der er war.

Meine Brust zog sich zusammen.

Ich versuchte wegzusehen, aber es war zu spät.

Sie hatte mich gesehen.

Sie ging langsam auf mich zu, ihre Lippen zu einem spöttischen Lächeln verzogen.

„Hallo, Fräulein Judy“, sagte sie süßlich. Dann lachte sie. „Oh Entschuldigung, mein Fehler. Ich meine Ex-Freundin.“

Die Leute um uns herum begannen zu stieren.

„Was willst du, Isabella?“, fragte ich und versuchte ruhig zu klingen, obwohl mein Herz brach.

„Oh entspann dich, Judy“, lachte sie laut. „Ich habe mich nur gefragt, was du in einem so teuren Einkaufszentrum machst.“

Sie sah sich dramatisch um.

„Oder arbeitest du jetzt als Hausmädchen?“, fügte sie hinzu. „Weil das ehrlich gesagt zu deiner Herkunft passt.“

Mein Gesicht brannte vor Scham.

„Du hast wirklich Mut“, fuhr sie fort. „Nach all dem tauchst du immer noch an Orten wie diesem auf.“

„Ich bin hier zum Einkaufen“, sagte ich durch zusammengebissene Zähne.

Sie lachte noch lauter. „Mit welchem Geld? Clarks Geld?“

Das tat weh.

„Weißt du“, sagte sie langsam und trat näher, „fünf Jahre mit meinem Mann und nichts vorzuweisen. Kein Ring. Keine Ehe. Kein Kind.“

Sie hielt inne und berührte stolz ihren Bauch.

„In der Zwischenzeit habe ich alles in wenigen Monaten bekommen.“

Ich spürte, wie sich mein Hals zuschnürte.

„Du warst nur eine Frau zum Üben“, fuhr sie grausam fort. „Jemand, mit dem er ausging, während er auf die Richtige wartete.“

Meine Hände zitterten.

„Sieh dich an“, fügte sie hinzu und musterte mich von Kopf bis Fuß. „Immer noch arm. Immer noch am Kämpfen. Immer noch darum bettelnd, dass das Leben fair zu dir ist.“

Die Leute tuschelten bereits.

„Du hast ihn mir gestohlen“, fuhr ich sie an, Wut brannte in mir.

Sie spottete. „Gestohlen? Judy, bitte. Ein Mann, der gestohlen werden kann, hat dir nie gehört.“

Ihre Worte trafen mich tief.

„Er hat sich für mich entschieden“, sagte sie stolz. „Weil ich besser bin. Reicher. Mit mehr Klasse.“

Ich konnte es nicht mehr ertragen.

„Ich habe keine Zeit für eine Freund-Diebin, die keinen eigenen Mann finden konnte und stehlen musste, was jemand anderem gehört, weil sie für sich selbst nicht reicht“, schrie ich. „Blödes Arschloch!“

Ihr Lächeln verschwand augenblicklich.

Bevor ich reagieren konnte, packte sie aggressiv mein Hemd.

Der Stoff riss laut hörbar.

Ein Keuchen ging durch die Menge.

„Lass mich los!“, schrie ich und versuchte mich zu befreien.

Wut übernahm die Überhand. Ich hob meine Hand, um ihr eine Ohrfeige zu geben –

Doch eine starke männliche Hand hielt mich fest umschlungen.

„Wie kannst du es wagen, Judy?!“

Ich erstarrte.

Ich drehte mich langsam um.

Es war Clark.

Mein Herz zerbrach von Neuem.

„Versuchst du ernsthaft, deine dreckigen Hände gegen meine schwangere Frau zu erheben?“, schrie er.

„Schwanger?“, flüsterte ich, während sich meine Welt drehte.

„Ja, schwanger“, sagte Isabella stolz. „Unterschiedlich zu manchen Leuten, die jahrelang zusammen waren, ohne schwanger zu werden.“

Sie grinste feixend.

„Du bist wahrscheinlich unfruchtbar.“

Diese Worte zermalmten meine Seele.

Clark zog sie beschützend an sich, seine Hand an ihrer Taille. „Halt dich von meiner Familie fern“, sagte er kalt.

Familie.

Schwangere Frau.

Ich konnte nicht atmen.

Tränen verschleierten meine Sicht, während die Leute mich anstarrten, als wäre ich nichts. Ich drehte mich um und rannte mit meinem zerrissenen Kleid aus dem Einkaufszentrum, mein Herz in Trümmern. Ich winkte verzweifelt Taxis herbei, aber keines hielt an.

Gerade als ich aufgeben wollte, parkte ein sauberer schwarzer Range Rover vor mir.

Davids Stirn legte sich in Falten, als er Judy deutlich sah und versuchte, ihren Blick zu treffen.

„Steig ein.“

Ich stand wie angewurzelt da.

„Ich habe gesagt, steig ins Auto“, wurde seine Stimme gebietender. „Lass mich das nicht wiederholen.“

Sein Ton ließ keinen Raum für eine Weigerung. Ich stieg leise ins Auto und wir fuhren los.

Das Innere des Range Rovers war warm und luxuriös. Weiche Ledersitze und der feine Duft teuren Herrendufts erfüllten den Raum. Seine bloße Anwesenheit machte mich nervös.

Er sagte kein Wort.

Wir hielten vor einer Boutique. Er kaufte mir Kleidung, Schuhe und sogar ein weißes Hochzeitskleid.

Mein Herz raste, als ich ihm wie ein verlorenes Kind folgte.

Schließlich kamen wir in einer Anwaltskanzlei an.

Er legte ein Dokument vor mich hin.

„Fräulein Judy“, sagte er ruhig, „unterschreiben Sie den Ehevertrag. Ich habe meinen Teil getan.“

Meine Hände zitterten, als ich den Stift hielt.

Ich war kurz davor, mein Schicksal zu besiegeln.

Und es gab kein Zurück mehr.

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