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KAPITEL 4

Author: Joy Heart
last update publish date: 2026-07-10 17:49:16

Judys Perspektive

In dem Moment, als das Wort „heiraten“ seine Lippen verließ, veränderte sich die Atmosphäre im Hotelzimmer vollkommen.

Die Luft wurde dick.

Schwer.

Mein Herz begann wild gegen meine Brust zu hämmern, und meine Finger krampften sich um das Weinglas, das ich hielt. Ich umklammerte es so fest, dass meine Knöchel langsam weiß anliefen.

Eine Ehe?

Mit diesem Mann?

Mit dem Erzfeind meines Ex?

„Und…“, fuhr Mr. David ruhig fort, als hätte er mir gerade ein Geschäftsangebot und keine lebensverändernde Entscheidung unterbreitet, „dieser Vertrag hat Regeln.“

Er entfernte sich langsam von mir und stellte sich an das große Glasfenster, wobei er auf die wunderschöne Stadt hinabblickte wie ein König, der sein Königreich beobachtet.

„Nach einem Jahr“, sagte er, ohne sich umzudenken, „unserer lieblosen Ehe lassen wir uns scheiden und gehen getrennte Wege.“

Mein Hals wurde trocken.

„Keine Emotionen im Spiel“, fuhr er fort. „Keine Gefühle. Kein unnötiges Drama.“

Ich schluckte schwer.

„Kein Sex“, fügte er kalt hinzu. „Es sei denn, wir wollen es beide.“

Bei diesen Worten setzte mein Herz heftig aus.

Die Stille, die folgte, war erstickend.

Ich starrte seinen Rücken an, während meine Gedanken wild kreiselten. Alles fühlte sich unwirklich an. Vor wenigen Stunden lag mein Leben noch in Scherben. Jetzt fühlte es sich an, als würde es von einem Fremden völlig neu geschrieben.

„Warum?“, fragte ich schließlich und brach das Schweigen. „Warum wollen Sie mich heiraten?“

Er wurde still.

Zu still.

Langsam drehte er sich um, um mir ins Gesicht zu sehen.

Und da sah ich es.

Der ruhige Ausdruck in seinem Gesicht verschwand. Seine Kiefermuskeln spannten sich an. Seine Augen verdunkelten sich vor Wut, Schmerz und etwas, das noch viel tiefer saß.

„Na ja…“, sagte er langsam, während sich ein bösartiges Lächeln auf seinen Lippen ausbreitete. „Wie süß wäre es wohl, die Ex-Freundin meines Feindes zu heiraten?“

Mir rutschte das Herz in die Hose.

„Also ja“, fuhr er kalt fort, „ich will Rache. Ich will, dass Clark spürt, wie Verrat schmeckt.“

Die Art, wie er Clarks Namen aussprach, jagte mir einen Schauer über den Rücken.

„Und wann werden Sie die Krankenhausrechnungen meiner Mutter bezahlen?“, fragte ich sofort, während meine Stimme leicht zitterte.

„Sobald Sie den Ehevertrag unterschreiben und wir verheiratet sind“, antwortete er ohne Zögern. „Jeder Cent wird bezahlt.“

Mein Atem stockte.

„Aber“, fügte er scharf hinzu, „diese Ehe muss echt aussehen. Absolut echt. Sie werden mich zu Veranstaltungen begleiten. Sie werden an meiner Seite lächeln. Sie werden sich wie meine Ehefrau verhalten.“

Er trat näher.

„Und Sie werden mich in der Öffentlichkeit niemals blamieren“, sagte er bestimmt.

Ich nickte langsam.

In meinem Kopf herrschte pures Chaos.

Wie war mein Leben nur so geendet?

Die schwache Stimme meiner Mutter hallte in meinen Gedanken wider.

Judy, bitte heirate bald.

Ich möchte noch deine Enkelkinder sehen.

Mein Herz verkrampfte sich schmerzhaft.

Wie sollte ich ihr diese Ehe erklären?

Wie sollte ich ihr sagen, dass Clark – der Mann, den sie liebte und dem sie vertraute – mich verraten und eine andere Frau geheiratet hatte?

Der Gedanke allein drehte mir den Magen um.

Aber dann blitzte eine andere Erinnerung in meinem Kopf auf.

Clark am Altar.

Wie er Isabella küsste.

Wie er lächelte, als hätte ich nie existiert.

Meine Brust brannte vor Wut.

Die Liebe, die ich mit Clark geteilt hatte, war echt gewesen. Oder zumindest hatte ich das geglaubt. Er hatte mich beschützt. Er hatte mich vor der Kritik seiner Familie verteidigt. Er hatte Versprechen gegeben.

Aber sein Verrat war ebenso echt.

Er hatte mich abserviert, ohne zurückzublicken.

Er hatte Geld und Status über die Liebe gestellt.

Und plötzlich war ich es leid zu weinen.

Leid, schwach zu sein.

Leid, das Opfer zu sein.

Ich hob langsam den Kopf und blickte Mr. David direkt in die Augen.

„Ich werde Sie heiraten“, sagte ich bestimmt.

Er hielt inne.

„Ich werde Sie heiraten, Mr. David Jones“, wiederholte ich mit klarer Stimme.

Diese Worte schockierten mich selbst.

„Zumindest“, fuhr ich bitter fort, „werde ich endlich meine Rache an diesem Taugenichts von einem Bastard bekommen.“

Im Raum wurde es totenstill.

Mr. David starrte mich an, als würde er mich zum ersten Mal wirklich sehen.

Dann… breitete sich langsam ein Lächeln auf seinen Lippen aus.

Ein dunkles, zufriedenes Lächeln.

„Ich liebe, was ich da sehe“, sagte er leise. „Feuer. Kühnheit. Wut.“

Er nickte anerkennend. „Gut. Wir bekommen beide, was wir wollen.“

Er drehte sich beiläufig um und winkte mit der Hand.

„Sie können jetzt gehen.“

Die Art, wie er mich wegschickte, ließ meine Brust eng werden, aber ich sagte nichts.

Ich stand schweigend auf.

Bevor ich die Tür erreichte, sprach er erneut.

„Ihr Kleid.“

Ich sah an mir herab und erinnerte mich an den Fleck.

„So können Sie nicht gehen“, sagte er ruhig.

Er ging zum Kleiderschrank und holte ein ordentlich zusammengelegtes Hemd heraus.

„Ziehen Sie das an.“

Ich zögerte. „Ich—“

„Keine Widerrede“, unterbrach er mich. „Nehmen Sie es.“

Widerstrebend nahm ich das Hemd an.

Es roch teuer.

Maskulin.

Mächtig.

Ich zog mich schnell um und verließ den Raum, ohne mich noch einmal umzusehen.

Als ich nach Hause kam, wartete Sophia bereits.

Sie saß mit verschränkten Beinen auf dem Sofa, die Augen auf die Tür geheftet, als hätte sie dort seit Stunden gewartet.

„Hey Süße!“, rief sie sofort. „Was hat denn so lange gedauert?“

Ihr Blick fiel auf das Hemd, das ich trug.

Sie hielt inne.

Dann tat sie so, als würde sie laut husten.

„Sieht aus, als wäre da was Süßes passiert“, neckte sie mich.

„Du bist wirklich verrückt, Sophia“, sagte ich schnell. „Es ist überhaupt nichts passiert.“

Sie zog eine Augenbraue hoch. „Bist du sicher?“

„Ja!“

„Hat er dich geküsst?“, fragte sie unverblümt.

„Was?!“, schrie ich fast. „Sophia, hör auf mit deinem Wahnsinn!“

Sie lachte laut auf. „Entspann dich. Du weißt, ich liebe Klatsch.“

Ich seufzte tief.

„Du wirst nicht glauben, wer dieser Mann ist“, sagte ich leise.

Sie lehnte sich näher heran. „Wer?“

„Mr. David Jones.“

Ihre Augen weiteten sich.

„Was zur Hölle?!“, schrie sie. „Der CEO von Pegasus Holdings? Der Mann, den dein nutzloser Ex vor Jahren verraten hat?“

„Ja“, nickte ich.

Sie sprang auf. „Und was will er von dir?“

Mein Herz setzte aus.

Ich konnte es ihr nicht sagen.

Noch nicht.

„Er hat angeboten, bei den Krankenhausrechnungen meiner Mutter zu helfen“, sagte ich vorsichtig.

Sie klatschte begeistert in die Hände. „Ooh! Süße, du hast so ein Glück. Jede Frau würde sterben, um an deiner Stelle zu sein.“

Ich zwang mir ein Lächeln ab.

Wer hilft heutzutage schon ohne Bedingungen?

Und doch… ich konnte es nicht leugnen.

Mr. David Jones war gefährlich gut aussehend.

Groß.

Breite Schultern.

Eine markante Kieferpartie.

Kalte Augen, die einen Mann vernichten und eine Frau ruinieren konnten.

Wir redeten noch, als mein Handy summte.

Eine Nachricht ploppte auf.

„Ich habe einen Ring für die Hochzeit besorgt.“

„Machen Sie sich bereit, bald den Vertrag zu unterschreiben.“

Mein Herz machte einen heftigen Satz.

Ein Ring?

Hochzeit?

Vertrag?

Das passierte gerade wirklich.

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