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Kapitel 23: Fenns Bote

Author: Luna Vale
last update Petsa ng paglalathala: 2026-11-01 00:51:30

„Dreihundert Meter", sagte Dorian und starrte auf die Zeile, die der Ring in die Luft zeichnete. „Sie kommt direkt auf uns zu."

„Allein?", fragte Corwin und zog sein Messer.

„Ich glaube schon."

Bexley saß aufrecht auf der Behandlungsliege, noch bleich, aber wach. Ines stand neben ihm und knetete ihre Schürze. Wren trat ans Fenster, das Rohr in der Hand. Niemand sprach. Nach dem Zettel, nach den sechs Tagen, wusste keiner mehr, wem er trauen sollte.

Dann ging die Tür auf.

Ilona Rask stand im Rah
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    „Lass ihn los, Fenn." Dorian stellte sich zwischen Corwin und die anderen, die Fäuste geballt.Corwins Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, das nicht seines war. „Er spürt nichts, Herr Kess. Ich leihe mir nur seine Stimme. Das Siegel war nie nur ein Auge. Es ist auch ein Ohr."Wren stürzte vor. „Wo ist meine Schwester?"„Sicher." Fenn sprach ruhig, fast freundlich. „Sie hat gegessen. Sie hat gefragt, wann Sie kommen. Ich habe gesagt, bald."„Ich will sie hören."„Das ist nicht möglich. Noch nicht."Bexley wollte Corwin packen, aber Dorian hielt ihn am Arm zurück. „Wenn wir ihm wehtun, tun wir Corwin weh."„Vernünftig", sagte Fenn. „Ich will nur reden. Sie haben mir Antworten versprochen, Herr Kess. Hier ist meine Bedingung. Erzählen Sie Frau Calloway die ganze Wahrheit. Nicht die Hälfte, die Sie ihr bisher gegeben haben. Dann sage ich Ihnen, was Sie für ihre Schwester tun können."„Warum willst du das hören?"„Weil Menschen sich verändern, wenn sie die Wahrheit hören. Ich sehe das g

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    „Sag mir, was auf diesem Blatt stand."Wren hielt das weiße Papier zwischen zwei Fingern wie ein Beweisstück. Im Keller war es still geworden. Bexley hatte sich aufgesetzt. Corwin stand an der Wand, Ines neben ihm, beide regungslos. Die letzte Kerze flackerte.Sie weinte nicht. Das war das Schlimmste. Ihre Augen blieben trocken, und ihre Hand zitterte so stark, dass das Papier raschelte.Dorian rieb sich die Augen. „Ich weiß nicht, wovon du redest."„Das sehe ich." Ihre Stimme war ruhig, und gerade das machte ihm Angst. „Es lag in deiner Jacke. Eine Liste mit Namen und Zahlen."Er tastete die Innentasche ab. Sie war leer. „Ich habe keine Liste geschrieben."„Doch. Um sechs Uhr vierzig am ersten Tag, noch vor dem Parkhaus." Sie trat näher. „Bexley, Tag drei. Hale, Tag neun. Ich, Tag siebenundvierzig. Corwin, Tag dreitausend."Corwin verzog den Mund, sagte aber nichts.„Und darunter", sagte Wren, „stand ein Name, den ich dir gestern im Hof genannt habe. Elle Calloway. Tag zwölf."Das Wo

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    „Schnell, Ines, bevor es richtig hinsieht", sagte Ilona.Ines presste beide Hände auf Corwins Brust. Goldenes Licht quoll zwischen ihren Fingern hervor. Das graue Auge unter seiner Haut zuckte, blinzelte und schloss sich. Die Linien verblassten bis auf einen schwachen Schatten.Corwin sackte gegen die Mauer. „Ist es weg?"„Betäubt", sagte Ilona. „Zwei Tage, vielleicht drei. Danach muss sie es wiederholen."„Und wenn nicht?", fragte Bexley.„Dann löst es aus, sobald Dorian stärker wird." Ilona warf sich den Rucksack über die Schulter. „Also wachst nicht zu schnell. Ich melde mich."Sie war fort, bevor jemand eine Frage stellen konnte.Corwin hielt sich die Brust. „Bindet mich heute Nacht", sagte er. „Wenn das Ding auslöst, will ich nicht derjenige sein, der..." Er sprach den Satz nicht zu Ende.„Wir binden dich nicht", sagte Wren sofort.„Bexley und Ines bleiben bei dir", sagte Dorian. „Wir passen auf, aber wir sperren dich nicht weg." Er zögerte. „Das mit dem Messer tut mir leid."Cor

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    „Komm runter, Ilona. Wir haben dich gesehen."Dorian sah zum Dach der Klinik hinauf. Einen Atemzug lang blieb alles still. Dann sprang Ilona herab, landete lautlos in der Hocke auf dem Beton, wie jemand, der gelernt hat, dass jeder Schritt gehört werden kann. Sie richtete sich langsam auf, den Rucksack noch immer über der Schulter.„Du hast gut gespielt", sagte sie. „Fast zu gut."„Du hast gesagt, ich soll schlecht kämpfen. Ich habe es versucht."„Zwei Schläge lang." Sie winkte ab. „Lenz kommt wieder, und nächstes Mal bringt er keine Prüfung mit, sondern eine Liste. Aber darum geht es jetzt nicht. Frag ihn lieber, wo er gestern Nacht war." Sie nickte zu Corwin hinüber.Alle drehten sich um. Corwin stand mit verschränkten Armen an der Mauer. Das lockere Lächeln war verschwunden.„Wovon redet sie?", fragte Wren.„Keine Ahnung", sagte Corwin.„Er lügt", sagte Ilona ruhig. „Kurz nach der Welle stand er in der Gasse hinter dem Gemeindezentrum. Mit einem Mann in grauer Kleidung. Zehn Minute

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    „Dreihundert Meter", sagte Dorian und starrte auf die Zeile, die der Ring in die Luft zeichnete. „Sie kommt direkt auf uns zu."„Allein?", fragte Corwin und zog sein Messer.„Ich glaube schon."Bexley saß aufrecht auf der Behandlungsliege, noch bleich, aber wach. Ines stand neben ihm und knetete ihre Schürze. Wren trat ans Fenster, das Rohr in der Hand. Niemand sprach. Nach dem Zettel, nach den sechs Tagen, wusste keiner mehr, wem er trauen sollte.Dann ging die Tür auf.Ilona Rask stand im Rahmen, den Rucksack über einer Schulter, das dunkle Haar verschwitzt. Sie sah Corwins Messer an und seufzte. „Steck das weg. Ich bin nicht dein Problem."„Dein Zettel sagt etwas anderes", sagte Dorian.„Mein Zettel sagt die Wahrheit. Und die Wahrheit ist gleich hier." Sie trat ein und schloss die Tür hinter sich. „Fenn schickt einen Prüfer. Er ist in zwei Minuten da. Er nennt es Routineprüfung für alle Erwachten des Sektors. In Wahrheit will er sehen, wie du reagierst, wenn du nicht damit rechnest

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    „Das ist die Klinik", sagte Dorian und zeigte auf das Backsteinhaus am Ende der Straße. „Dr. Brandt öffnet heute um acht. Sie heilt jede Wunde, die jünger als zwölf Stunden ist. Bexley steht in einer Stunde wieder."Bexley hing zwischen Corwin und Wren, grau im Gesicht. „Eine Heilerin am zweiten Tag", murmelte er. „Das klingt zu gut."„Sie hat mir einmal das Bein gerettet. Ich war dreimal bei ihr."Wren sah ihn von der Seite an. Seit dem Platz hatte sie kaum ein Wort mit ihm gewechselt. Aber sie war mitgekommen. Das zählte.Die Straße war still. Zu still. Kein Vogel, kein Geräusch von den Barrikaden, nur das Knirschen ihrer Schritte auf Glas.Die Tür der Klinik stand offen.„Das ist falsch", sagte Dorian. „Sie schließt immer ab."Corwin zog sein Messer. „Dann bleib hinter mir."Drinnen roch es nach Staub und kaltem Metall. Der Wartebereich war umgestürzt, Stühle lagen verstreut, Akten bedeckten den Boden wie Schnee. Am Empfang hing ein Schild, schief und halb abgerissen. Dr. H. Brandt

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