Acht Fluchten vor einem Gott

Acht Fluchten vor einem Gott

last updateLast Updated : 2026-11-06
By:  Edward FrostUpdated just now
Language: Deutsch
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Lasst uns ein Spiel spielen. Die Regeln sind unanständig einfach: Alles, was du tun musst, ist, vor mir wegzulaufen, egal mit welchen Methoden. Ich werde auch versuchen, dich auf die verschiedensten Arten zu fangen. Wenn du acht Mal vor mir fliehst, kannst du den Sieg als deinen betrachten, aber schon ein falscher Schritt führt dich ins Verderben. Na? Spielen wir? Ach ja! Ich habe vergessen, dich zu warnen: Der Einsatz in diesem Spiel ist dein Leben.

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Chapter 1

Kapitel 1

Prolog

Diese Geschichte beginnt lange vor der Gegenwart. Einmal, als die Erde noch in völliger Dunkelheit lag, flog ein Gott über den Himmel. Er sah einen kleinen Planeten, der demütig sein Schicksal erwartete, und beschloss, dass genau dieser das war, was Er brauchte. Und Gott gab dem kleinen Planeten Licht, damit er nie wieder in die Dunkelheit zurücksank. Aber ein Funke dieses Lichts fiel nicht auf sonnenbeschienenes Land, sondern in die kalten Tiefen des Ozeans, wohin die Sonne nie gelangt war. Und die Dunkelheit verschlang ihn. So wurde einer der dunkelsten Götter aller Zeiten geboren: Urgun, dessen Name „der das Licht verleugnete“ bedeutet.

Alle tausend Jahre kehrt der verfluchte Gott an die Oberfläche zurück, um sein Spiel zu spielen. Die Regeln sind einfach wie der Tag, und Urgun selbst nannte das Spiel „Lauf, wenn du kannst“. Aber bisher hat keiner der auserwählten Spieler es bis zum Ende geschafft.

Ich frage mich, ob jemals jemand ein Spiel gewinnen wird, in dem der Einsatz das Leben selbst ist, oder ist es wirklich unmöglich?

Kapitel 1

„Jungs, lasst uns ins Kino gehen!“, schlug das winzige Mädchen mit dem Schopf schneeweißer Haare fröhlich vor. „Sie zeigen gerade Twilight.“

„Vielleicht lieber ein Café?“, warf das mädchen mit den Locken ein und warf sich den Schal mit einer leichten Bewegung über die Schulter. „Wir können den Film online schauen.“

„Wie wäre es mit einem Bummel durch die Läden?“, schlug das dritte Mädchen vor.

„Hör mal, Alice, solltest du dich heute nicht mit Mason treffen?“, verengte die Blondine die Augen und sah ihre Freundin an.

„Er ist zu Verwandten gefahren“, seufzte Alice.

„Schade. Wir könnten ihn jetzt gut gebrauchen. Er wusste immer, was zu tun ist“, grinste das Mädchen mit den Locken.

„Also, was machen wir?“, drehte sich die Blondine ungeduldig auf den Absätzen. „Entscheidet schneller!“

Genau da klingelte Alices Telefon.

„Hallo? Was? Verdammt! Na gut, okay, ich komme sofort!“ Sie wandte sich an ihre Freundinnen. „Ich muss nach Hause. Dad will mich plötzlich zu Hause sehen. Tschüss!“

„Viel Glück“, sagte das Mädchen mit den Locken bedauernd und wandte sich an die Blondine. „Okay, erst Kino, dann Café!“

Alice ging gemächlich zum Schuleingang. So konnte sie einen zusätzlichen Block abkürzen.

Unterwegs betrachtete sie zufrieden ihr Spiegelbild in einem Schaufenster. Es zeigte ein schlankes, feines Mädchen mit langem Haar in der Farbe warmer Schokolade. Die schwarze Lederjacke hob sowohl ihre Figur als auch ihre weichen grauen Augen hervor, und ihr dunkelgraues Barett war leicht zur Seite geneigt. Ja, Alice Lawson war schön. Sie wusste es genau und hatte gelernt, es seit ihrer Kindheit zu nutzen.

Als sie das Schulgelände betrat, bemerkte sie, dass zwei Jungs ihr wie Schatten folgten.

Alice ging schneller, aber ihre Verfolger blieben nicht zurück.

Ich glaube, ich stecke in ernsthaften Schwierigkeiten, dachte sie und versuchte, nicht zu oft zurückzublicken. Idiotin! Gerüchte über verschwindende Mädchen gingen schon seit Wochen durch das Dorf. Was, wenn das die sind, die sie entführen? Nein, das ist dumm. Sie gehen einfach denselben Weg wie ich.

Bis zum Ende des Sportplatzes waren es noch hundert Meter, als einer der Jungs plötzlich vorsprang, Alice am Ellbogen packte und sie zum Ausgang zerrte.

Sie versuchte sich loszureißen, aber der zweite drückte ihr ein Taschentuch auf die Nase, das mit irgendeinem Dreck getränkt war, und Alice verlor das Bewusstsein.

Sie kam langsam und schwer zu sich. Es fühlte sich an, als wäre sie an etwas gefesselt. Sie zerrte an Armen und Beinen, um sicherzugehen, und begriff, dass sie sich nicht irrte.

„Wie lange wird sie noch bewusstlos sein?“

„Weiß nicht. Diese Idioten haben wahrscheinlich wieder die Dosis überdosiert. Es ist nichts. Sie wird höchstens zehn Minuten daliegen, dann wacht sie auf.“

Was für Stimmen waren das? Worüber redeten sie? Das Mädchen öffnete die Augen ein wenig, sah aber nichts außer einer schmutzigen Decke. Angst kroch wie Nebel in jeden Spalt ihres Bewusstseins. Eines war offensichtlich: Sie würde hier nicht lebend herauskommen.

„Ziehen wir sie direkt zum Altar? Oder wie üblich?“

„Machst du Witze? Zum Altar? Hast du sie gesehen? Was für eine Puppe! Rosa Wangen, rote Lippen, Haut wie Porzellan... eine Schönheit! Und ich wette, sie ist noch unberührt. Das wird ein Fest! Sobald sie aufwacht, schlepp sie ins Bett, wir werden unseren Spaß haben...“

Gelächter ertönte. Alice biss sich auf die Lippen, bis sie bluteten, und versuchte, nicht in Schluchzen auszubrechen. Was jetzt? Wer könnte helfen?

Irgendeiner! Bitte, helft mir! Bitte, irgendjemand, irgendetwas... Helft mir! Das Mädchen schrie dieselben Worte immer wieder in ihrem Kopf wie ein Gebet und war sich vollkommen bewusst, dass es hoffnungslos war.

Einen Moment lang glaubte Alice, dass etwas am Rand ihres Bewusstseins antwortete, aber dann wurde alles wieder still.

„Oh! Sie ist schon zu sich gekommen!“ Ein Mann von etwa vierzig Jahren näherte sich ihr, aber sein Gesicht war wegen der Kapuze nicht zu erkennen. „Nun, hallo, Schönheit. Dir wurde die Ehre zuteil, ein Geschenk für unseren Götzen Urgun zu werden, und davor wirst du uns unterhalten...“

„Wag es nicht, mich auch nur anzufassen“, flüsterte Alice.

„Und wenn ich es doch tue, was dann?“, grinste der Mann.

„Da ich sowieso sterben werde, willst du mir nicht erklären, was für ein Vogel dieser Urgun ist und wie hoch er fliegt? Wenigstens weiß ich dann, für wen ich leide“, dachte das Mädchen, sie müsse Zeit schinden. Natürlich kann man dem Schicksal nicht entgehen, und sie würde ihr Leben sowieso auf irgendeinem Altar beenden, aber wenigstens sollte sie Zeit haben, sich mit dem Unvermeidlichen abzufinden.

„Schau, wie frech“, der Mann schob seine Kapuze zurück und ließ seinen schmutzigen, schweren Blick über Alices Figur gleiten. „Also gut, ein letzter Wunsch ist Gesetz. Urgun ist unser Götze, unser Gott, nenn ihn, wie du willst... Er wird die Menschen aus der Macht aller möglichen Kreaturen wie Drachen herausführen, und wir werden diese Welt regieren... Glaubst du nicht? Sieh!“

Der Mann streckte den Arm aus und öffnete die Handfläche, richtete sie zur Decke. Zuerst geschah nichts, aber dann schoss eine Feuersäule nach oben.

„Und das ist erst der Anfang!“, informierte der „Eroberer“ das verblüffte Mädchen selbstgefällig. „Sieh, welche Wirkung nach nur fünf Opfern! Und wenn wir ihm das zwanzigste geben, können wir Hurrikane und Tornados erschaffen... Was, beeindruckt?“

„Man könnte es so sagen“, konnte das Mädchen trotz der Gefahr ihrer Lage nicht leugnen. „Und wie hat dieser Urgun euch überhaupt gefunden, oder habt ihr ihn gefunden? Ich glaube nicht, dass er herumlief und Flugblätter verteilte, um Leute aufzurufen, sich unter sein Banner zu stellen...“

„Pass auf, was du sagst, Abschaum!“ Der Mann sprang auf Alice zu und schlug ihr mit voller Kraft ins Gesicht, wobei er ihr die Lippe spaltete. „Eine Schlampe wie du hat nicht einmal das Recht, ihn beim Namen zu nennen! Genug, wir haben zu lange geredet, und es wird spät, also...“

„Nein!“, kreischte das Mädchen.

Der Mann grinste.

„Was, noch nicht genug gespielt? Hör auf zu zappeln, es wird dir gefallen...“

Beim Anblick des Sektierers, der seine schmutzigen Hände nach ihr ausstreckte, erstickte Alice einfach vor Wut. Aber zusammen mit der Wut kam die Erkenntnis der Hoffnungslosigkeit, denn es war unmöglich, sich gefesselt zu wehren...

Plötzlich riss das Dach der baufälligen Hütte von seinem rechtmäßigen Platz, und in das entstandene Loch steckte etwas seinen Kopf, das einer riesigen Echse ähnelte. Der Mann schrie hysterisch und stürzte aus dem Haus. Die Echse schnaubte verächtlich und zog ihren Kopf wieder zurück. Danach musste sich Alice nach Gehör orientieren: Etwas Riesiges ging schwer an der Hütte vorbei zu den Schreien der Sektierer, dann brüllte es wütend und atmete offenbar Feuer, zumindest wurde es draußen plötzlich verdächtig hell, obwohl Sterne am Himmel brannten.

Aber das ist unmöglich, schoss es dem Mädchen durch den Kopf. So etwas passiert nicht...

Draußen wurde alles still. Alice spannte sich an und starrte auf die Tür. Ein paar Minuten später flog ein rothaariges Mädchen von etwa dreizehn herein, anders konnte man es nicht ausdrücken. Sie ließ ihre Augen schnell über das gefesselte Mädchen gleiten und schnippte mit den Fingern. Die Seile rissen und gaben sie frei. Alice sprang sofort auf und begann, ihre tauben Handgelenke zu reiben.

„Also wirklich, warum sind menschliche Mädchen so einfach?“, stellte das Mädchen eine rhetorische Frage. „Sie können sich nicht einmal selbst wehren...“

„Ich möchte dich sehen, nachdem man dir von hinten Chloroform verpasst hat und du nicht zaubern kannst“, fauchte Alice. „Ich wette, du würdest anders singen...“

„Hm... Niemand hat mir je so gedankt“, grinste das Mädchen. „Oh, übrigens, kein Wort zu irgendjemandem darüber, was hier passiert ist, verstanden? Wir brauchen keine zusätzliche Publicity.“

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