LOGINLasst uns ein Spiel spielen. Die Regeln sind unanständig einfach: Alles, was du tun musst, ist, vor mir wegzulaufen, egal mit welchen Methoden. Ich werde auch versuchen, dich auf die verschiedensten Arten zu fangen. Wenn du acht Mal vor mir fliehst, kannst du den Sieg als deinen betrachten, aber schon ein falscher Schritt führt dich ins Verderben. Na? Spielen wir? Ach ja! Ich habe vergessen, dich zu warnen: Der Einsatz in diesem Spiel ist dein Leben.
View MoreProlog
Diese Geschichte beginnt lange vor der Gegenwart. Einmal, als die Erde noch in völliger Dunkelheit lag, flog ein Gott über den Himmel. Er sah einen kleinen Planeten, der demütig sein Schicksal erwartete, und beschloss, dass genau dieser das war, was Er brauchte. Und Gott gab dem kleinen Planeten Licht, damit er nie wieder in die Dunkelheit zurücksank. Aber ein Funke dieses Lichts fiel nicht auf sonnenbeschienenes Land, sondern in die kalten Tiefen des Ozeans, wohin die Sonne nie gelangt war. Und die Dunkelheit verschlang ihn. So wurde einer der dunkelsten Götter aller Zeiten geboren: Urgun, dessen Name „der das Licht verleugnete“ bedeutet. Alle tausend Jahre kehrt der verfluchte Gott an die Oberfläche zurück, um sein Spiel zu spielen. Die Regeln sind einfach wie der Tag, und Urgun selbst nannte das Spiel „Lauf, wenn du kannst“. Aber bisher hat keiner der auserwählten Spieler es bis zum Ende geschafft. Ich frage mich, ob jemals jemand ein Spiel gewinnen wird, in dem der Einsatz das Leben selbst ist, oder ist es wirklich unmöglich? Kapitel 1 „Jungs, lasst uns ins Kino gehen!“, schlug das winzige Mädchen mit dem Schopf schneeweißer Haare fröhlich vor. „Sie zeigen gerade Twilight.“ „Vielleicht lieber ein Café?“, warf das mädchen mit den Locken ein und warf sich den Schal mit einer leichten Bewegung über die Schulter. „Wir können den Film online schauen.“ „Wie wäre es mit einem Bummel durch die Läden?“, schlug das dritte Mädchen vor. „Hör mal, Alice, solltest du dich heute nicht mit Mason treffen?“, verengte die Blondine die Augen und sah ihre Freundin an. „Er ist zu Verwandten gefahren“, seufzte Alice. „Schade. Wir könnten ihn jetzt gut gebrauchen. Er wusste immer, was zu tun ist“, grinste das Mädchen mit den Locken. „Also, was machen wir?“, drehte sich die Blondine ungeduldig auf den Absätzen. „Entscheidet schneller!“ Genau da klingelte Alices Telefon. „Hallo? Was? Verdammt! Na gut, okay, ich komme sofort!“ Sie wandte sich an ihre Freundinnen. „Ich muss nach Hause. Dad will mich plötzlich zu Hause sehen. Tschüss!“ „Viel Glück“, sagte das Mädchen mit den Locken bedauernd und wandte sich an die Blondine. „Okay, erst Kino, dann Café!“ Alice ging gemächlich zum Schuleingang. So konnte sie einen zusätzlichen Block abkürzen. Unterwegs betrachtete sie zufrieden ihr Spiegelbild in einem Schaufenster. Es zeigte ein schlankes, feines Mädchen mit langem Haar in der Farbe warmer Schokolade. Die schwarze Lederjacke hob sowohl ihre Figur als auch ihre weichen grauen Augen hervor, und ihr dunkelgraues Barett war leicht zur Seite geneigt. Ja, Alice Lawson war schön. Sie wusste es genau und hatte gelernt, es seit ihrer Kindheit zu nutzen. Als sie das Schulgelände betrat, bemerkte sie, dass zwei Jungs ihr wie Schatten folgten. Alice ging schneller, aber ihre Verfolger blieben nicht zurück. Ich glaube, ich stecke in ernsthaften Schwierigkeiten, dachte sie und versuchte, nicht zu oft zurückzublicken. Idiotin! Gerüchte über verschwindende Mädchen gingen schon seit Wochen durch das Dorf. Was, wenn das die sind, die sie entführen? Nein, das ist dumm. Sie gehen einfach denselben Weg wie ich. Bis zum Ende des Sportplatzes waren es noch hundert Meter, als einer der Jungs plötzlich vorsprang, Alice am Ellbogen packte und sie zum Ausgang zerrte. Sie versuchte sich loszureißen, aber der zweite drückte ihr ein Taschentuch auf die Nase, das mit irgendeinem Dreck getränkt war, und Alice verlor das Bewusstsein. Sie kam langsam und schwer zu sich. Es fühlte sich an, als wäre sie an etwas gefesselt. Sie zerrte an Armen und Beinen, um sicherzugehen, und begriff, dass sie sich nicht irrte. „Wie lange wird sie noch bewusstlos sein?“ „Weiß nicht. Diese Idioten haben wahrscheinlich wieder die Dosis überdosiert. Es ist nichts. Sie wird höchstens zehn Minuten daliegen, dann wacht sie auf.“ Was für Stimmen waren das? Worüber redeten sie? Das Mädchen öffnete die Augen ein wenig, sah aber nichts außer einer schmutzigen Decke. Angst kroch wie Nebel in jeden Spalt ihres Bewusstseins. Eines war offensichtlich: Sie würde hier nicht lebend herauskommen. „Ziehen wir sie direkt zum Altar? Oder wie üblich?“ „Machst du Witze? Zum Altar? Hast du sie gesehen? Was für eine Puppe! Rosa Wangen, rote Lippen, Haut wie Porzellan... eine Schönheit! Und ich wette, sie ist noch unberührt. Das wird ein Fest! Sobald sie aufwacht, schlepp sie ins Bett, wir werden unseren Spaß haben...“ Gelächter ertönte. Alice biss sich auf die Lippen, bis sie bluteten, und versuchte, nicht in Schluchzen auszubrechen. Was jetzt? Wer könnte helfen? Irgendeiner! Bitte, helft mir! Bitte, irgendjemand, irgendetwas... Helft mir! Das Mädchen schrie dieselben Worte immer wieder in ihrem Kopf wie ein Gebet und war sich vollkommen bewusst, dass es hoffnungslos war. Einen Moment lang glaubte Alice, dass etwas am Rand ihres Bewusstseins antwortete, aber dann wurde alles wieder still. „Oh! Sie ist schon zu sich gekommen!“ Ein Mann von etwa vierzig Jahren näherte sich ihr, aber sein Gesicht war wegen der Kapuze nicht zu erkennen. „Nun, hallo, Schönheit. Dir wurde die Ehre zuteil, ein Geschenk für unseren Götzen Urgun zu werden, und davor wirst du uns unterhalten...“ „Wag es nicht, mich auch nur anzufassen“, flüsterte Alice. „Und wenn ich es doch tue, was dann?“, grinste der Mann. „Da ich sowieso sterben werde, willst du mir nicht erklären, was für ein Vogel dieser Urgun ist und wie hoch er fliegt? Wenigstens weiß ich dann, für wen ich leide“, dachte das Mädchen, sie müsse Zeit schinden. Natürlich kann man dem Schicksal nicht entgehen, und sie würde ihr Leben sowieso auf irgendeinem Altar beenden, aber wenigstens sollte sie Zeit haben, sich mit dem Unvermeidlichen abzufinden. „Schau, wie frech“, der Mann schob seine Kapuze zurück und ließ seinen schmutzigen, schweren Blick über Alices Figur gleiten. „Also gut, ein letzter Wunsch ist Gesetz. Urgun ist unser Götze, unser Gott, nenn ihn, wie du willst... Er wird die Menschen aus der Macht aller möglichen Kreaturen wie Drachen herausführen, und wir werden diese Welt regieren... Glaubst du nicht? Sieh!“ Der Mann streckte den Arm aus und öffnete die Handfläche, richtete sie zur Decke. Zuerst geschah nichts, aber dann schoss eine Feuersäule nach oben. „Und das ist erst der Anfang!“, informierte der „Eroberer“ das verblüffte Mädchen selbstgefällig. „Sieh, welche Wirkung nach nur fünf Opfern! Und wenn wir ihm das zwanzigste geben, können wir Hurrikane und Tornados erschaffen... Was, beeindruckt?“ „Man könnte es so sagen“, konnte das Mädchen trotz der Gefahr ihrer Lage nicht leugnen. „Und wie hat dieser Urgun euch überhaupt gefunden, oder habt ihr ihn gefunden? Ich glaube nicht, dass er herumlief und Flugblätter verteilte, um Leute aufzurufen, sich unter sein Banner zu stellen...“ „Pass auf, was du sagst, Abschaum!“ Der Mann sprang auf Alice zu und schlug ihr mit voller Kraft ins Gesicht, wobei er ihr die Lippe spaltete. „Eine Schlampe wie du hat nicht einmal das Recht, ihn beim Namen zu nennen! Genug, wir haben zu lange geredet, und es wird spät, also...“ „Nein!“, kreischte das Mädchen. Der Mann grinste. „Was, noch nicht genug gespielt? Hör auf zu zappeln, es wird dir gefallen...“ Beim Anblick des Sektierers, der seine schmutzigen Hände nach ihr ausstreckte, erstickte Alice einfach vor Wut. Aber zusammen mit der Wut kam die Erkenntnis der Hoffnungslosigkeit, denn es war unmöglich, sich gefesselt zu wehren... Plötzlich riss das Dach der baufälligen Hütte von seinem rechtmäßigen Platz, und in das entstandene Loch steckte etwas seinen Kopf, das einer riesigen Echse ähnelte. Der Mann schrie hysterisch und stürzte aus dem Haus. Die Echse schnaubte verächtlich und zog ihren Kopf wieder zurück. Danach musste sich Alice nach Gehör orientieren: Etwas Riesiges ging schwer an der Hütte vorbei zu den Schreien der Sektierer, dann brüllte es wütend und atmete offenbar Feuer, zumindest wurde es draußen plötzlich verdächtig hell, obwohl Sterne am Himmel brannten. Aber das ist unmöglich, schoss es dem Mädchen durch den Kopf. So etwas passiert nicht... Draußen wurde alles still. Alice spannte sich an und starrte auf die Tür. Ein paar Minuten später flog ein rothaariges Mädchen von etwa dreizehn herein, anders konnte man es nicht ausdrücken. Sie ließ ihre Augen schnell über das gefesselte Mädchen gleiten und schnippte mit den Fingern. Die Seile rissen und gaben sie frei. Alice sprang sofort auf und begann, ihre tauben Handgelenke zu reiben. „Also wirklich, warum sind menschliche Mädchen so einfach?“, stellte das Mädchen eine rhetorische Frage. „Sie können sich nicht einmal selbst wehren...“ „Ich möchte dich sehen, nachdem man dir von hinten Chloroform verpasst hat und du nicht zaubern kannst“, fauchte Alice. „Ich wette, du würdest anders singen...“ „Hm... Niemand hat mir je so gedankt“, grinste das Mädchen. „Oh, übrigens, kein Wort zu irgendjemandem darüber, was hier passiert ist, verstanden? Wir brauchen keine zusätzliche Publicity.“„Nein, das ist schon eine Tradition!“, öffnete Alice widerwillig die Augen.Wieder war sie an etwas gefesselt! Und es wäre ja in Ordnung, wenn sie sie vorher eingeschläfert hätten, aber nein! Diese Idioten zogen ein Knüppel allen Chloroformen, anderen Drogen und Schlaftabletten vor! Wie, nein, erklärt es mir, wie kann man so dumm sein anzunehmen, dass ein zerbrechliches fünfzehnjähriges Mädchen sich gegen drei gesunde Männer wehren kann und deshalb mit einem Knüppel bewusstlos geschlagen werden muss?Neugierig, wie die „Übergabe“-Zeremonie an ihren schon verhassten Urgun diesmal ablaufen würde, sah sich Alice um. Die Umgebung dieses „heiligen Ortes“ unterschied sich nicht sehr vom vorherigen Versammlungsort der Sektierer. Der einzige Unterschied war, dass jetzt schweigende Gestalten mit Kerzen in den Händen in den Ecken standen und irgendein Gesang zu hören war.Sieht aus, als wäre dieser Orden höher als der letzte, dachte das Mädchen. Sieh dir die Atmosph
Nach Ethans Geburt war die Beziehung zwischen dem Mädchen und ihrem Vater bis zum Äußersten gespannt. Besonders ließ ihren Vater zusammenzucken, dass Alice ganz nach ihrer verstorbenen Mutter kam. Dieselbe Größe, dieselbe Figur, dasselbe Gesicht und dieselben Manieren … sogar ihre Mimik und ihr Blick waren identisch. Der einzige Unterschied bestand darin, dass das Mädchen unglaublich aktiv und sarkastisch war, während Tessa weich und sanft wie ein Kätzchen gewesen war. Also war Alices Aussehen ein zweischneidiges Schwert: Einerseits diente es als Erinnerung an ihre Mutter, andererseits überschattete es Olivia vollständig, die neben dem Mädchen grau und gewöhnlich wirkte. Es gab also genügend Gründe für Entfremdung.Und Alice war erst fünfzehn, aber trotzdem hatte sie bereits mehr als einmal beweisen müssen, was sie ohne das Geld und den Ruf ihrer Eltern wert war.Manchmal wünschte sie sich einfach jemanden, der sie verstehen und unterstützen würde, was auch immer sie vorhatte, jemande
Nichts Besonderes geschah. Es gab keinen Donner und keinen Blitz, den Alice erwartet hatte, Aster verschwand einfach, und an ihrer Stelle erschien genau die Echse, die die „Befreier der Menschheit“ getötet hatte. Eine riesige Echse, das muss man sagen. Etwa so hoch wie ein zweistöckiges Haus und offenbar dunkel gefärbt (besser war es im Dunkeln nicht zu erkennen). Der Drache drehte den Kopf und starrte das Mädchen, das den Mund aufgerissen hatte, mit gelben Augen an, die im Dunkeln wie Katzenaugen leuchteten, und der Anblick war, gelinde gesagt, unheimlich.Was stehst du da? donnerte es in Alices Kopf. Oder hast du es dir anders überlegt zu fliegen?„Nicht im Leben!“, kam das Mädchen zu sich und näherte sich dem Riesen. Wie sollte sie auf dieses Wunder klettern?Der Drache seufzte traurig und duckte sich, wobei er die Beine beugte. Aha, jetzt ist es klar!Alice schätzte es ab, packte eine Schuppe und kletterte auf den Hals des Drachen.„Also das bedeutet der Ausdruck ‚jemandem auf dem
„Oh, klar, ich platze gleich, um dem ganzen Dorf zu erzählen, wie ich von Sektierern entführt wurde, die versuchten, mich zu vergewaltigen und mir auf irgendeinem Felsen die Kehle durchzuschneiden, und dann hat mich eine riesige Echse gerettet, indem sie diese Perversen einfach geröstet hat... oh ja! Was für eine Geschichte! Was für ein Klatsch!“ Alice rollte in gespielter Ekstase die Augen. „Hältst du mich für eine komplette Idiotin?!“, fragte sie sofort ernst. „Sie würden mich in die Psychiatrie stecken als Opfer eines gescheiterten sexuellen Übergriffs, dessen Verstand danach zusammengebrochen ist.“„Ich bin froh, dass du die Situation verstehst. Jetzt zur Sache. Wie lange verschwinden in eurem Dorf schon Mädchen?“„Vielleicht stellst du dich erst einmal vor?“, sah Alice das Mädchen eindringlich an.„Warum, ist das für dich wichtig?“, verengte das Mädchen die Augen.„Für wen soll ich sonst in der Kirche eine Kerze für die Gesundheit anzünden?“„Hör auf mit der Ironie! Ich heiße Ast