LOGINIch starb am schlimmsten Tag meines Lebens. Die Stadt stand in Flammen, und die Toten liefen durch die Straßen. Mein Mann, der Mann, den ich elf Monate lang gesund gepflegt hatte, wachte endlich aus seinem Koma auf. Doch anstatt zu mir zu kommen, ging er mit seiner Geliebten und ihrem kleinen Sohn davon. Bevor er ging, schloss er mich ein und ließ mich verbrennen. Dann öffnete ich die Augen und stellte fest, dass ich einundzwanzig Tage vor der Apokalypse zurückgekehrt war. Diesmal weiß ich, was kommen wird. Ich habe die Hände einer Krankenschwester, einen geheimen Raum, den außer mir niemand sehen kann, und eine Scheidung, die ich unbedingt gewinnen will. Ich werde die Menschen beschützen, die ich liebe, und diejenigen, die mich verraten haben, werden für ihre Taten bezahlen. Doch irgendetwas stimmt nicht. Die Toten erheben sich früher als erwartet und verwandeln sich in Zombies, bevor der Zeitpunkt gekommen ist, an den ich mich erinnere. Der Regen ist bereits ätzend, und die Männer, die den ersten infizierten Körper mitnahmen, trugen silberne Vs auf ihren Ärmeln. Dasselbe Symbol, das in das Familienwappen meines Mannes eingestickt ist. Jemand wusste, dass das passieren würde. Vielleicht wusste man es schon immer. Jetzt frage ich mich langsam, ob der Countdown wirklich jemals das Ende der Welt angekündigt hat. Vielleicht zählte er in Wahrheit die Zeit bis zu mir herunter.
View More„Du machst mir immer wieder Angst, Nora.“Mara sagt es, noch bevor ich meinen Mantel ausziehen kann. Sie steht mitten in ihrer kleinen Küche. Beide Hände liegen flach auf der Arbeitsplatte, als könnte der Boden unter ihr zusammenbrechen. Ihre Haare sind völlig zerzaust, und unter ihren Augen liegen dunkle Schatten. Neben ihrem Handy steht eine Tasse mit kaltem Tee. Ein Blick auf sie genügt, um zu erkennen, dass sie überhaupt nicht geschlafen hat.„Mara …“„Nein. Fang nicht mit deinem ‚Mara‘ an.“ Ihre Stimme zittert. „Gestern hast du mir gesagt, dass die Welt in einundzwanzig Tagen untergeht. Einundzwanzig! Dann hast du versprochen, mir heute alles zu erklären. Und jetzt ist heute. Also wirst du dich hinsetzen und mit mir reden. Ganz in Ruhe. Was passiert hier eigentlich? Wie soll die Welt untergehen?“Ich hänge meinen Mantel über einen Stuhl. Meine Hände zittern, also stecke ich sie in die Taschen.„Setz dich erst einmal zu mir.“„Ich will mich nicht setzen.“„Bitte.“Sie starrt mich
Ben reißt sich los. Blut läuft über sein Handgelenk. Er stolpert rückwärts gegen die Wand und rutscht daran hinunter. Dabei stößt er kurze, erschrockene Atemzüge aus.„Er hat mich gebissen.“ Seine Stimme ist hoch und zittert. „Er war tot. Ich habe keinen Puls gespürt. Er war tot, Nora!“„Ich weiß. Ich weiß. Sieh mich an.“ Mit beiden Händen drücke ich die Metallstange weiter gegen Mr. Turners Brust. Meine Arme zittern. „Dr. Kessler! Rufen Sie die Sicherheitsleute! Sofort!“Kessler bewegt sich nicht.Er steht mitten im Raum wie erstarrt. Sein Tablet klemmt noch immer unter seinem Arm, sein Mund steht offen. Sein Gesicht ist völlig blass. Der berühmte Arzt mit der teuren Uhr sieht genauso verängstigt aus wie alle anderen. Seine Hände zittern.„Dr. Kessler!“Er zuckt zusammen. Dann scheint ihm wieder einzufallen, wo er ist. Hastig tastet er nach dem Rufknopf an seinem Gürtel, findet ihn und drückt dreimal darauf.„Sicherheit zu Station vier“, quietscht er. „Sicherheit sofort zu Station vi
„Nora, Gott sei Dank.“Mara packt meinen Arm, noch bevor ich überhaupt durch die Türen der Station bin.„Nicht weinen“, sagt sie. „Nicht schon wieder. Wenn du weinst, muss ich auch weinen, und dann schreit Dr. Kessler uns beide an.“„Ich weine nicht.“ Dabei tue ich es längst. Ich wische mir mit dem Handrücken über die Augen und zwinge mich, weiterzugehen. „Wo ist er?“„Bett neun. Komm.“Die Station riecht nach Bodenreiniger und altem Kaffee. Telefone klingeln. Ein Wagen rattert an uns vorbei. Alles ist so normal, dass es mir wehtut. Diese Menschen haben noch einundzwanzig Tage, und keiner von ihnen weiß es.Wir bleiben vor dem Vorhang stehen. Mara zieht ihn zur Seite.Herr Turner liegt auf einem flachen, weißen Kissen. Laut seiner Akte ist er ein einundfünfzigjähriger Busfahrer der Stadt. Seine Haut hat die Farbe von nassem Papier. Eine Maske ist über seiner Nase und seinem Mund befestigt, und jeder Atemzug rasselt darin wie eine Münze in einer Blechdose.Ich beuge mich näher zu ihm u
Ich huste und ziehe meinen Ärmel über die Nase. Meine Augen brennen. Ich wähle die Nummer meiner Mutter, aber der Anruf kommt nicht durch. Dann rufe ich Eli an. Es klingelt einmal, bevor die Mailbox rangeht.Dann höre ich die fröhliche aufgezeichnete Stimme meines kleinen Bruders.„Yo, hier ist Eli. Sag, was du zu sagen hast. Oh, nein, das war unhöflich. Bitte hinterlass eine Nachricht, ich schlafe nämlich gerade. Oder etwa nicht? Wenn ich schlafe, wie kann ich dann reden?“Ein Lachen entkommt mir. Natürlich. Selbst seine Mailbox ist lächerlich.Dann erinnere ich mich daran, warum ich anrufe, und mir schnürt es die Kehle zu.„Eli“, sage ich. Meine Stimme ist leise. „Ich bin's. Deine Schwester. Hör mir zu, nimm Mummy und geh zur Kirche in der Alder Street. Bleibt zusammen. Wartet nicht auf mich. Mir geht es gut. Mir geht es gut, das verspreche ich. Ich liebe euch beide. Ich liebe euch so sehr.“Ich lege auf. Der Rauch ist inzwischen dichter geworden. Er brennt in meinem Hals, und ich f





