ログイン„Hinterausgang, jetzt", sagte Bexley und bewegte sich bereits.
Dorian widersprach nicht. Die Schritte draußen waren aus einem fernen Rhythmus zu etwas geworden, das nah genug war, um einzelne Stimmen zu hören, scharf und leise, die Anweisungen gaben, als hätten sie geübt, ein Gebäude zu umstellen. Er packte Wrens Arm und folgte Bexley durch einen engen Lagerraum voller Kisten, zu denen niemand je zurückkehren würde. „Dieser Ring", sagte Wren und hielt Schritt. „Was genau hat er gesagt?" „Ursprung instabil." Dorian stieß eine verrostete Tür auf, hinein in eine weitere Gasse, noch enger als die letzte. „Ich weiß nicht, was das bedeutet. Ich habe noch nie eine Belohnung gesehen, die so markiert war." „Beruhigend." „Das habe ich auch gedacht." Sie kamen auf eine Straße hinaus, die parallel zu der verlief, aus der sie geflohen waren, und Dorian verlangsamte gerade lange genug, um sich wieder zu orientieren. Was auch immer für ein Plan er heute noch im Kopf hatte, wurde von Stunde zu Stunde dünner, und jedes neue Problem zwang ihn zu denken statt sich einfach zu erinnern, ein Gefühl, an das er sich noch nicht gewöhnt hatte. Eine Gestalt trat aus einem Hauseingang vor ihnen hervor, locker und ungehetzt, als würde das Chaos der ganzen Straße ihn persönlich nichts angehen. „Ihr seht aus, als hättet ihr einen schweren Morgen", sagte der Mann. Dorians Hand wanderte instinktiv zum Ring an seinem Finger, obwohl er keine Ahnung hatte, ob der überhaupt etwas Nützliches tun würde. Bexley stellte sich halb vor Wren, ohne dass jemand ihn darum gebeten hätte. Der Fremde hob beide Hände, die Handflächen offen, ein lockeres Lächeln legte sich über sein Gesicht. „Entspannt euch. Ich gehöre nicht zu denen." Er nickte in die Richtung, aus der Dorians Gruppe gekommen war, dorthin, wo man die Jagdgruppe immer noch suchen hörte. „Name ist Corwin. Corwin Ashe. Ich beobachte schon seit zehn Minuten, wie dieser kleine Trupp den Block umkreist, und ich vermute, ihr drei seid das, was sie suchen." Dorians Magen wurde bei dem Namen eiskalt. Er kannte ihn so gut wie seinen eigenen, eingebrannt durch drei Jahre Vertrauen und einen letzten, tödlichen Verrat. Dieser Mann, der hier stand mit lockerem Grinsen und offenen Händen, war derselbe Mann, der Dorian am Tag 3000 die Klinge zwischen die Rippen gestoßen hatte. Nur dass dieser Corwin ihn nie kennengelernt hatte. Hatte noch keinen Grund, ihm zu vertrauen oder ihn zu verraten, oder überhaupt irgendetwas zu tun außer als Fremder am schlimmsten Tag der Welt zu existieren. „Warum kümmert es dich, wer sie suchen", sagte Dorian vorsichtig. „Weil eine koordinierte Räuberbande, die sich innerhalb der ersten Stunden der Apokalypse bildet, entweder sehr beeindruckend oder sehr verdächtig ist, und ich bin die Art Mensch, die gerne weiß, welches von beidem." Corwins Blick huschte kurz zum Ring an Dorians Hand, dann zurück zu seinem Gesicht, undurchschaubar. „Außerdem seht ihr aus, als könntet ihr ein paar zusätzliche Hände gebrauchen. Ich bin gut im Kampf. Besser mit Informationen." „Wir kennen dich nicht", sagte Wren. „Heute kennt niemand irgendjemanden. Ist wohl genau das Problem, oder?" Bexley warf Dorian einen Blick zu, eine stille Frage in den Augen. Dorian antwortete nicht sofort. Jeder Instinkt, aufgebaut aus einem Jahrzehnt Rückblick, schrie ihn an, von diesem Mann wegzugehen, ihn hier in dieser Gasse stehen zu lassen und nie zurückzuschauen, denn das letzte Mal, als Dorian ihm vertraute, kostete es alles. Aber die Räuber waren nah, und Corwin hatte in einem Punkt recht. Sie könnten die Hilfe gebrauchen. „Gut", sagte Dorian. „Du bist bei uns. Vorerst." Corwins Lächeln wurde ein wenig breiter, als hätte er genau diese Antwort erwartet. „Klug. Und jetzt, falls ihr nicht vorhabt, in dieser Gasse zu stehen, bis dieser Trupp euch findet, schlage ich vor, wir bewegen uns." Sie bewegten sich. Corwin führte sie durch eine Route, die Dorian nicht kannte, vorbei an eingestürzten Ladenfronten und verlassenen Autos, mit derselben lockeren Sicherheit, die er schon in der Gasse gezeigt hatte, als hätte er bereits die halbe Stadt kartiert in den wenigen Stunden, seit der Himmel sich geöffnet hatte. „Woher kennst du diese Straßen so gut", fragte Dorian und hielt seine Stimme leicht, auch wenn sich der Verdacht in seiner Brust immer weiter zusammenzog. „Ich habe früher hier Pakete ausgeliefert. Alte Gewohnheiten helfen wohl, wenn die Welt untergeht." Corwin blickte zurück zu ihm. „Du hast mir nie deinen Namen gesagt." „Dorian." „Dorian." Corwin wiederholte es langsam und prüfte die Form des Wortes, und etwas flackerte hinter seinen Augen, das Dorian nicht ganz einordnen konnte. Wiedererkennung, vielleicht. Oder etwas, das eher nach Berechnung aussah. „Dieser Name wird noch wichtig werden, oder?" „Warum sagst du das." „Weil dieser Jagdtrupp da hinten kein zufälliges Wort gerufen hat, als sie dich entdeckt haben. Sie haben deinen Namen gesagt, als würde er ihnen schon etwas bedeuten." Corwin blieb am Eingang einer weiteren Gasse stehen und prüfte beide Richtungen, bevor er sie weiterwinkte. „Menschen werden normalerweise nicht in den ersten Stunden einer Apokalypse berühmt, außer sie tun etwas, das Aufmerksamkeit verdient." Dorian sagte nichts, und Corwin drängte nicht weiter, obwohl die Stille zwischen ihnen schwerer wirkte, als sie es für zwei Fremde sein sollte, die sich seit weniger als fünfzehn Minuten kannten. Sie erreichten einen kleinen Hof zwischen zwei Gebäuden, ruhig genug, um Luft zu holen, und Wren wandte sich schließlich zu Dorian um, die Stimme leise. „Du weißt etwas über ihn", sagte sie. „Ich kann es sehen." „Ich kenne ihn nicht", sagte Dorian, was wahr war und trotzdem weit entfernt von der ganzen Wahrheit. „Das habe ich nicht gefragt." Bevor Dorian herausfinden konnte, wie er darauf ehrlich antworten sollte, pulsierte der Ring an seinem Finger erneut, wärmer diesmal, und eine neue Nachricht flackerte vor ihm auf, eine, die ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ. RING DES UNGESCHRIEBENEN: NÄHE-AUSLÖSER ERKANNT. SUBJEKT IDENTIFIZIERT: CORWIN ASHE. WARNUNG: AUSGANG BEREITS EINMAL GESCHRIEBEN. NEUSCHREIBUNG MÖGLICH. Dorian starrte auf die Worte, las sie zweimal, um sicherzugehen, dass er sie sich nicht nur einbildete. Der Ring hatte ihm keine Werte oder Boni gegeben, keines der Dinge, die er von einer Systembelohnung erwartet hätte. Er hatte ihm eine Warnung über eine bestimmte Person gegeben, eine Person, deren Namen er seit dem Aufwachen an diesem Morgen noch nie laut ausgesprochen hatte, eine Person, die der Ring irgendwie bereits als bedeutsam identifiziert hatte, bevor Dorian überhaupt erklärt hatte, warum. „Dorian." Wrens Stimme wieder, schärfer jetzt. „Was steht da." Er blickte von der Nachricht auf, direkt zu Corwin, der ihn mit demselben lockeren, undurchschaubaren Lächeln beobachtete und geduldig darauf wartete, was als Nächstes kommen würde. „Er weiß, wer du bist", sagte Dorian leise. „Irgendwie weiß er bereits genau, wer du bist."„Ein Problem, das du lösen musst?" Dorian hielt seine Stimme ruhig, obwohl sein Herz gegen die Rippen schlug. „Das klingt nicht besonders einladend."„Es war auch nicht so gemeint." Der Mann im grauen Mantel machte einen Schritt näher, und niemand von der Gruppe bewegte sich, wie gefangen in einer Stille, die er selbst über den Ort gelegt zu haben schien. „Aber ich bin ein höflicher Mann. Nennen wir es erstmal ein Gespräch."Bexley trat leicht vor, die Fäuste geballt. „Und wer genau bist du, dass du einfach so aus dem Nichts auftauchst?"„Ich sagte doch. Ein Wächter." Der Mann sah ihn kaum an, sein Blick blieb auf Dorian gerichtet, als würden die anderen drei kaum existieren. „Das System braucht Aufsicht, genau wie jede andere Struktur. Jemand muss dafür sorgen, dass sich die Dinge so entwickeln, wie sie sollen."„Und wie sollen sie sich entwickeln?", fragte Wren, ihre Stimme scharf.„Vorhersehbar." Der Wächter lächelte wieder, und dieses Mal lag etwas Kälteres darin. „Das ist das Pro
„Was zum Teufel bewegt sich da unten?", rief Bexley und wich einen Schritt zurück, als der Boden erneut bebte.Dorian spürte es durch die Schuhsohlen, tief und rhythmisch, wie ein Herzschlag, der der ganzen Straße gehörte. Aus seiner Erinnerung kam nichts. Kein Bericht, keine Warnung, kein einziger Hinweis, was unter der Stadt lauerte und sich gerade in ihre Richtung bewegte.„Ich weiß es nicht", sagte er, und das Eingeständnis kostete ihn mehr, als er zugeben wollte.„Zum ersten Mal heute", murmelte Corwin, „stimme ich dir zu, dass das kein gutes Zeichen ist."Wren stand mit angespannten Schultern, den Blick auf den Krater gerichtet, in den der Räuber gestürzt war. „Vielleicht ist es dasselbe, das ihn geholt hat."„Zu groß", sagte Bexley. „Das ist kein Mann, der da unten fällt. Das ist etwas, das sich bewegt."Ein Riss zog sich durch den Asphalt, kein sauberer Bruch, sondern etwas, das von innen nach außen drückte, und alle vier traten instinktiv zurück, als der Boden mit einem trock
„Was passiert gerade mit mir", sagte Corwin und starrte auf seinen eigenen brennenden Namen in der Luft.„Ich weiß es nicht." Dorian schüttelte seine schmerzende Hand, der Ring war wieder still, seine Nachricht bereits verblassend. „Das hat er noch nie getan. Er hat überhaupt noch nie etwas getan, bis ich ihn angesteckt habe."„Das ist keine Antwort."„Mehr habe ich nicht."Wren trat näher und betrachtete die letzten Spuren der Warnung, während sie sich auflöste. „Zeitlinienabweichung. Neuschreibung des Ausgangs. Das klingt, als würde der Ring versuchen, das zu ändern, was ihm passiert."„Ändern von was", sagte Corwin, die Stimme angespannt. „Du hast gesagt, ich sei wichtig gewesen in welchem Leben auch immer du schon gelebt hast. Du willst nicht sagen, ob das gut oder schlecht war. Jetzt sagt mir irgendein verfluchtes Schmuckstück, dass mein Ausgang gerade neu geschrieben wird. Verzeih mir, wenn ich gerne etwas mehr Informationen hätte, bevor ich entscheide, ob ich weiter neben irgen
„Was soll das heißen, er weiß, wer ich bin?" Corwins lockeres Lächeln hatte sich nicht bewegt, aber etwas hinter seinen Augen war sehr still geworden.„Ich weiß es noch nicht." Dorian schloss die Faust um den Ring und verdeckte damit seinen Blick auf den noch schwach in der Luft hängenden Text. „Er hat mir eine Warnung gegeben. Mehr nicht."„Eine Warnung über mich."„Über etwas, das mit dir zu tun hat. Er hat es nicht erklärt."Corwin musterte ihn noch einen Moment, dann lachte er kurz auf, ohne dass es seine Augen erreichte. „Nun, das ist ja gar nicht beunruhigend. Gut zu wissen, dass der magische Schmuck schon Meinungen über mich hat."Bexley verlagerte sein Gewicht und beobachtete den Wortwechsel mit offensichtlichem Unbehagen. „Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, dass mir jemand erklärt, was hier eigentlich vor sich geht. Dorian kannte meinen Namen, bevor ich ihn gesagt habe. Jetzt hat sein Ring Meinungen über einen Typen, den wir gerade erst kennengelernt haben. Ich fange a
„Hinterausgang, jetzt", sagte Bexley und bewegte sich bereits.Dorian widersprach nicht. Die Schritte draußen waren aus einem fernen Rhythmus zu etwas geworden, das nah genug war, um einzelne Stimmen zu hören, scharf und leise, die Anweisungen gaben, als hätten sie geübt, ein Gebäude zu umstellen. Er packte Wrens Arm und folgte Bexley durch einen engen Lagerraum voller Kisten, zu denen niemand je zurückkehren würde.„Dieser Ring", sagte Wren und hielt Schritt. „Was genau hat er gesagt?"„Ursprung instabil." Dorian stieß eine verrostete Tür auf, hinein in eine weitere Gasse, noch enger als die letzte. „Ich weiß nicht, was das bedeutet. Ich habe noch nie eine Belohnung gesehen, die so markiert war."„Beruhigend."„Das habe ich auch gedacht."Sie kamen auf eine Straße hinaus, die parallel zu der verlief, aus der sie geflohen waren, und Dorian verlangsamte gerade lange genug, um sich wieder zu orientieren. Was auch immer für ein Plan er heute noch im Kopf hatte, wurde von Stunde zu Stunde
„Lauf“, sagte Dorian und zog Wren und Bexley bereits zurück in die Gasse hinter ihnen. „Sofort.“Die Gruppe der Räuber bewegte sich schnell für Leute, die erst seit ein paar Stunden vom Ende der Welt wussten. Zu schnell. Zu koordiniert. Dorian wartete nicht ab, um herauszufinden, woher der Mann seinen Namen kannte. Er schob Bexley durch eine Lücke zwischen zwei Gebäuden und folgte dicht dahinter, Wren direkt auf seinen Fersen.„Wer war das?“, fragte Wren, die Stimme angespannt, während sie durch eine schmale Servicegasse eilten.„Ich weiß es nicht.“„Das ist nicht gerade beruhigend.“„Es ist die Wahrheit.“ Dorian warf einen kurzen Blick zurück. Noch keine Spur von der Gruppe, aber er hörte Geschrei, Befehle in kurzen, knappen Ausbrüchen. Wer auch immer sie waren – sie hatten einen Plan, und der Plan betraf speziell ihn. Das allein sagte ihm, dass etwas bereits schiefgelaufen war mit einer Version von Tag 1, von der er dachte, er hätte sie vollkommen verstanden.Sie kamen am anderen En







