Teilen

Ich hörte Gedanken des Sohns meines Mannes
Ich hörte Gedanken des Sohns meines Mannes
Frida

Kapitel 1

Frida
Eines Morgens, auf dem Weg aus dem Haus, entdeckte ich am Straßenrand ein ausgesetztes Baby.

Ich wollte es gerade hochheben, um es mit nach Hause zu nehmen, als ich plötzlich seine Gedanken hörte.

[Mein Vater hat sich das wirklich clever ausgedacht: Er legt mich extra vor Sissi Lenz ab, damit sie mich bei sich aufnimmt und adoptiert. So werde ich ganz offiziell in die Familie Lenz aufgenommen.]

[Damals hat Sissi Lenz mutwillig mit der Macht ihrer Familie meine Eltern auseinandergerissen. Jetzt, wo sie für meinen Vater dessen uneheliches Kind großzieht, bekommt sie endlich, was sie verdient!]

[Sobald ich der Erbe der Familie Lenz bin, helfe ich meinem Vater, diese miese Schlampe so schnell wie möglich aus dem Weg zu räumen. Dann holen wir meine Mutter, und wir drei werden endlich zusammen sein.]

Das Baby auf dem Boden grinste mich noch immer breit an, aber seine Gedanken hatte ich längst glasklar vernommen.

Ein leichtes Lächeln umspielte meine Lippen, und ich wählte eine Nummer.

Da er nun einmal ein uneheliches Kind war, sollte er auch dorthin kommen, wo er hingehörte!

1

Am Abend kam Felix Weber mit einer großen Tüte voller Milchpulver und Windeln durch die Tür.

„Schatz, ich habe gehört, dass du heute Morgen, als du aus dem Haus gegangen bist, ein ausgesetztes Baby gefunden hast.“

„Wenn dieses Kind zu uns gekommen ist, dann ist das Schicksal. Lass es uns adoptieren.“

Ich zog mir die Gesichtsmaske ab und sah ihn mit gespielter Verwunderung an.

„Schatz, wovon redest du? Wann hätte ich denn ein Kind gefunden?“

Ein Anflug von Nervosität huschte über Felix’ Gesicht.

„Das Kind, das du heute Morgen im Grünstreifen neben der Wohnanlage gefunden hast, als du aus dem Haus gegangen bist.“

„Schatz, ich weiß, wie gutherzig du bist. Ein ausgesetztes Baby würdest du niemals einfach liegen lassen.“

Ich lächelte. „Natürlich nicht. Ich helfe ja schon streunenden Katzen und Hunden, wenn ich sie draußen sehe – wie viel mehr dann einem Kind.“

Als er das hörte, atmete Felix sichtlich auf.

„Dann hol das Kind doch schnell raus, es müsste hungrig sein. Ich habe Milchpulver gekauft, ich mache ihm sofort eine Flasche.“

Mit unschuldiger Miene sagte ich: „Das Problem ist nur, dass ich gar kein Kind gefunden habe!“

Felix erstarrte.

„Schatz, mach jetzt keine Witze. Willst du mir etwa eine Überraschung bereiten?“

Ich sah ihn ernst an. „Hier geht es um ein Menschenleben, wie könnte ich darüber Witze machen? Wenn ich tatsächlich ein Kind gefunden hätte, hätte ich sofort die Polizei gerufen! Wie käme ich darauf, es einfach mit nach Hause zu nehmen?“

Unwillkürlich entfuhr es Felix: „Aber sie hat gesagt, sie hätte mit eigenen Augen gesehen, wie du das Kind nach Hause getragen hast ...“

Ich zog die Augenbrauen hoch, sah Felix an und fragte: „Wer ist sie?“

Felix merkte, dass er sich verplappert hatte, und ruderte hastig zurück: „Der ... der Sicherheitsmann. Genau, der Sicherheitsmann unserer Wohnanlage hat gesagt, er hätte gesehen, wie du das Kind hochgehoben hast.“

Mit einem Lächeln auf den Lippen sagte ich: „Dann hat der Sicherheitsmann sich wohl getäuscht. Die Sicherheitsleute sind ja auch nicht mehr die Jüngsten. Da ist es kein Wunder, wenn sie nicht mehr so gut sehen.“

„Nein, sie kann sich unmöglich geirrt haben ...“

Fest davon überzeugt, dass ich das Kind tatsächlich nach Hause gebracht hatte, durchsuchte Felix in Windeseile jeden einzelnen Raum der Wohnung – aber von einem Baby war keine Spur zu finden.

Im nächsten Moment geriet er völlig in Panik.

„Wie kann das sein? Wo ist das Kind?“

Ich trat zu ihm und sagte mit beruhigender Stimme: „Schatz, wenn du dir ein Kind wünschst, lass uns im Krankenhaus einen Termin für die Rückgängigmachung deiner Sterilisation vereinbaren. Dann können wir unser eigenes Kind bekommen.“

Kurz nach unserer Hochzeit hatte Felix einmal zu mir gesagt: „Wenn eine Frau ein Kind bekommt, steht sie dabei mit einem Fuß im Grab. Ich will nicht, dass du irgendein Risiko eingehst.“ Und dann hatte er sich aus eigenem Antrieb sterilisieren lassen.

Damals war ich von dieser Geste zutiefst berührt gewesen und hatte geglaubt, endlich einen Mann gefunden zu haben, der mich wirklich liebte und sich um mich sorgte.

Jetzt, wo ich an die Existenz dieses unehelichen Kindes dachte, kam mir das alles nur noch lächerlich vor.

Ich nahm ihn am Arm und zog ihn in Richtung Schlafzimmer.

„Du warst den ganzen Tag unterwegs, ruh dich jetzt endlich aus.“

Felix riss sich los, ein wenig hastig. „Mir ist gerade etwas eingefallen, das ich in der Firma noch erledigen muss. Ich kümmere mich schnell darum.“

Ich sah ihm nach, wie er hastig davoneilte, und ein kaltes Lächeln umspielte meine Lippen.

Ich wusste genau, dass er das Kind suchen wollte. Aber außer mir wusste in diesem Moment niemand, wo es war!

Lies dieses Buch weiterhin kostenlos
Code scannen, um die App herunterzuladen

Aktuellstes Kapitel

  • Ich hörte Gedanken des Sohns meines Mannes   Kapitel 10

    10Ich griff sofort zu meinem Handy und bestellte drei Lastwagen voller Höllengeld, Sportwagenmodelle und Modellvillen und ließ alles verbrennen, damit es Lina erreichte.„Lina, wenn du diese Dinge erhältst, dann bestich damit noch ein paar Bedienstete im Reich des Herrschers der Unterwelt. Komm heute Nacht in meinen Traum, ich möchte dich wirklich noch einmal sehen.“Nachdem ich alles verbrannt hatte, fuhr ich zurück zum Lenz-Anwesen.Abends trank ich ein Glas Milch, um besser einschlafen zu können, und tatsächlich – als ich eingeschlafen war, sah ich Lina im Traum.Lina und ich fielen uns aufgeregt in die Arme.„Sissi, ich habe dir doch immer gesagt, dass Felix Weber aussah wie ein typischer Aufsteiger mit Hintergedanken, aber du wolltest ja nicht auf mich hören. Fast hätte er dich ruiniert.“„Lina, ich weiß, dass du über mich gewacht hast. Ich habe dich wirklich vermisst. Ist alles angekommen, was ich für dich verbrannt habe?“„Ja, ist es, ist es. Mit diesem Zeug habe ich die Boten

  • Ich hörte Gedanken des Sohns meines Mannes   Kapitel 9

    9Gerade als Mara mit dem Baby im Arm aufbrechen wollte, hörte ich plötzlich eine andere, tiefe Männerstimme.[Ich habe mein Wort nie gebrochen – von Anfang an war dir das Schicksal der Familie Lenz zugedacht.][Du solltest als Adoptivsohn von Sissi Lenz aufwachsen, sie gemeinsam mit Felix Weber aus dem Weg räumen, dir das gesamte Vermögen der Familie Lenz aneignen, dann Mara Hoffmann zu dir holen, damit ihr drei endlich vereint seid – und danach wäre dein Geschäft immer größer geworden – ein Leben in unvergleichlichem Reichtum.][Was ist denn jetzt los? Ich bin noch gar nicht erwachsen, wieso bringt meine eigene Mutter mich jetzt schon zurück?][Man kann nur sagen, das Leben ist eben unberechenbar – heutzutage hat schließlich jeder ein paar Verwandte da unten. Sissis beste Freundin Lina Vogt hat die Hüterin des Vergessenstranks mit einer Billion Höllengeld bestochen und sich von ihr einen Cheatcode freischalten lassen, damit Sissi deine Gedanken hören und so ihr eigenes Schicksal ände

  • Ich hörte Gedanken des Sohns meines Mannes   Kapitel 8

    8Ich lachte kalt auf. „Felix Weber, in meiner Welt gibt es das Wort Vergebung nicht. Für dich ist es vorbei.“Felix sank vor mir auf die Knie und flehte mich unter Tränen an.„Nein, Schatz, ich weiß wirklich, dass ich falsch gehandelt habe. Irren ist menschlich, jeder macht mal Fehler. Du kannst mir nicht einmal die Chance verweigern, es wiedergutzumachen ...“Ich trat ihn zu Boden.„Bei mir hast du kein Recht zu verhandeln.“Nach diesen Worten ging ich direkt in die Wohnanlage hinein. Felix wollte mir noch hinterherlaufen, wurde aber sofort vom Sicherheitsmann aufgehalten.„Diese Wohnung gehört Frau Lenz. Von jetzt an sind Sie hier kein Bewohner mehr. Bitte verlassen Sie sofort die Wohnanlage!“„Wenn Sie versuchen, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen, werden wir nicht länger höflich bleiben!“Mara stand hastig auf, gestützt von der Frau neben ihr, und rief mir nach: „Frau Lenz, wo ist mein Kind?“Ohne mich umzudrehen, sagte ich: „Komm mit.“Mara folgte mir, und ich führte sie direk

  • Ich hörte Gedanken des Sohns meines Mannes   Kapitel 7

    7Mara wurde immer aufgebrachter und packte Felix plötzlich am Arm.„Felix, du hast mir doch gesagt, dass Sissi Lenz dich mit deiner Zukunft und meiner Sicherheit bedroht hat, damit du dich von mir trennst. Du warst nur mit ihr zusammen, um mich zu schützen.“„Felix, solange wir drei – du, ich und unser Kind – zusammen sein können, habe ich vor keiner Gefahr Angst. Wir leben in einem Rechtsstaat, ich glaube nicht, dass die Familie Lenz das Gesetz einfach mit Füßen treten kann!“Eigentlich hatte ich Mara bisher für verachtenswert gehalten, weil sie wissentlich als Geliebte in eine Ehe gedrängt hatte. Aber jetzt wurde mir klar: Auch sie war nur ein bemitleidenswertes Opfer von Felix’ Lügen.Mit fester Stimme sagte ich: „Felix hat mir damals erzählt, es sei Liebe auf den ersten Blick gewesen. Er hat mich jeden Tag freiwillig zur Arbeit gefahren und wieder abgeholt, hat gesagt, er heiratet keine andere als mich, und war sogar bereit, in die Familie Lenz einzuheiraten.“„Von dem Moment, in

  • Ich hörte Gedanken des Sohns meines Mannes   Kapitel 6

    6„Schatz, ich kann dir das alles erklären, ich ...“Ich wollte sein verlogenes Gesicht keinen Moment länger ertragen und legte die Karten kurzerhand offen auf den Tisch.„Felix Weber, ich weiß, dass du damals nur wegen der Macht und des Vermögens meiner Familie in diese Ehe eingewilligt hast. Jeder strebt nach einem besseren Leben – das liegt in der Natur des Menschen, und Ehrgeiz an sich ist nichts Schlechtes.“„Aber jetzt verstehe ich: Deine Gier war stärker als dein Ehrgeiz. Du warst nie zufrieden mit dem, was du hattest, und wolltest immer noch mehr – am Ende hast du dich damit nur selbst zugrunde gerichtet, und nun stehst du mit leeren Händen da.“Von meinen Worten getroffen, brachte Felix kein Wort heraus. Trotzig fragte er: „Ich habe mich die ganze Zeit über keine Blöße gegeben – wie hast du es herausgefunden?“Ich stieß ein kaltes Lachen aus. „Die Sonne bringt eben alles an den Tag. Als plötzlich ein Kind direkt vor mir auftauchte, musste ich misstrauisch werden.“„Du dachtest

  • Ich hörte Gedanken des Sohns meines Mannes   Kapitel 5

    5Ich entfaltete den Vaterschaftstestbericht vor aller Augen, und alle rissen überrascht die Augen auf.Felix stammelte: „Schatz, das ist ein Missverständnis. Das Krankenhaus muss sich bei diesem Bericht vertan haben.“Ich zog zwei weitere Vaterschaftstestberichte aus meiner Tasche.„Felix Weber, wir sind seit fünf Jahren verheiratet. Du hast mich die ganze Zeit über aufmerksam umsorgt und mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Bis gestern habe ich nie an dir gezweifelt, und schon gar nicht hätte ich gedacht, dass du mich betrügst.“„Aber die Tatsachen liegen klar vor uns. Einen Vaterschaftstestbericht kannst du noch als Irrtum abtun, aber diese drei wurden in drei verschiedenen Krankenhäusern erstellt – willst du etwa behaupten, alle drei sind gefälscht?“Felix fand keine Worte mehr zur Verteidigung und senkte nur den Kopf.Als die Umstehenden ihn so sahen, begriffen sie sofort alles.„Jetzt verstehe ich es: Das Kind ist Felix Webers uneheliches Kind. Er hat es bestimmt absichtlich

Weitere Kapitel
Entdecke und lies gute Romane kostenlos
Kostenloser Zugriff auf zahlreiche Romane in der GoodNovel-App. Lade deine Lieblingsbücher herunter und lies jederzeit und überall.
Bücher in der App kostenlos lesen
CODE SCANNEN, UM IN DER APP ZU LESEN
DMCA.com Protection Status