MasukVierzehn Monate, drei Wochen und vier Tage. So lange ist Emma Carson bereits mit einem Mann verheiratet, der sie kaum ansieht. Sie hat gelernt, ihre Kleider selbst zu schließen, allein zu Abend zu essen und bei jeder Veranstaltung einen Schritt hinter ihrem Ehemann zu stehen. Wer ständig übersehen wird, lernt, besonders gut zuzuhören. Was sie jedoch nie erfahren hat, ist, was Liam Carson bereits zwei Wochen vor ihrer Hochzeit geplant hatte. Sechs Monate. Sie ordentlich heiraten. Sich ordentlich scheiden lassen. Zu der Frau zurückkehren, die er von Anfang an wirklich wollte. Doch Liam serviert ihr die Scheidung bei einer Tasse Kaffee, als würde er lediglich ein Abonnement kündigen. Er schickt Emma mit nichts als ihrer Würde fort und stellt nie die eine Frage, die alles verändert hätte. Er fragt nie, ob sie sein Kind unter dem Herzen trägt. Dabei tut sie genau das. Drei sogar. Achtzehn Monate später existiert Emma Carson nicht mehr. Jetzt ist sie Emma Bellamy. Sie leitet Bellamy Inc., eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas. Sie ist niemandem mehr Rechenschaft schuldig. Sie zieht drei brillante, temperamentvolle Kinder mit grauen Augen in einer Pariser Wohnung groß, die nach Lavendel und neuen Möglichkeiten duftet. Niemand in ihrer Branche weiß, wer sie einmal war. Bis Carson Holdings um ein Treffen bittet. Sie lehnt ab. Dann noch einmal. Als Liam schließlich selbst nach Paris fliegt, sitzt Emma am Kopfende ihres eigenen Konferenztisches und fordert ihn auf, sie Ms. Bellamy zu nennen. Er glaubt, er sei gekommen, um einen Geschäftsabschluss zu machen. Er hat keine Ahnung, worauf er sich wirklich einlässt. Er will die Fusion. Alles andere muss er sich erst verdienen. Das Unternehmen. Ihre Vergebung. Und die drei kleinen Kinder mit seinen Augen, die seinen Namen noch nie gehört haben. Manche Frauen zerbrechen. Emma Bellamy hat ein Imperium aufgebaut.
Lihat lebih banyakEmmas PerspektiveDie kleine Pappschachtel liegt auf dem Ledersitz zwischen Julian und mir und summt mit der stetigen Vibration des Wagens.Darin befinden sich vier Rohlinge für Generalschlüssel und ein Messingschlüssel, der aus einer schmutzigen Pfütze in der Rue de Grenelle geborgen wurde. Sie fühlen sich schwerer an als Metall. Sie fühlen sich an wie der physische Beweis dafür, wie zerbrechlich die Wände um meine Kinder geworden sind.Henri fährt mit beiden Händen fest auf zehn und zwei Uhr, seine Augen prüfen ständig den Rückspiegel. Er stellt keine Fragen. Er nimmt die Kurven geschmeidig, meidet die großen Boulevards und steuert uns durch ein Labyrinth aus ruhigen Wohngassen zurück zur Rue de Verneuil.Auch Julian spricht nicht. Seine Hand liegt flach auf seinem Knie, zwei Zentimeter von meiner entfernt, nah genug, dass ich die Wärme spüre, die durch seine Hose abst
Liams PerspektiveDie roten Rücklichter von Henris Wagen verschwinden um die Ecke der Rue de Grenelle, ihre Reflexion blutet wie frische Tinte auf dem nassen Asphalt. Der Auspuff dampft in der kalten Luft, eine kurze, blasse Wolke, die drei Sekunden lang über dem Kopfsteinpflaster hängt, bevor der Wind sie fortweht.Ich stehe noch immer vor dem Laden des Schlüsseldienstes.Der Regen setzt wieder ein, dünn und nadelcharf, und tippt auf die Schultern meines Mantels. Ich ziehe meinen Kragen nicht hoch. Ich bewege mich nicht. Meine Hände stecken noch immer in meinen Taschen, meine Finger in den Futterstoff zu festen, starren Fäusten geballt.Marcus tritt neben mich. Er hält einen schwarzen Regenschirm und neigt ihn leicht, um mich vor dem Nieselregen zu schützen, sein Gesicht vollkommen ausdruckslos. Er fragt nicht, ob es mir gut geht. Er bietet weder ein Glas Wasser noch einen Platz im Auto an. Marcus ist schon lange genug bei mir, um zu wissen, wann die Stille in meiner Brust zu schwer
Emmas PerspektiveDie Worte hängen in der grauen Luft zwischen uns, kalt und scharf.Das Fenster des Kinderzimmers.Meine Hand zittert nicht. Ich erlaube es ihr nicht. Aber das Pflaster unter meinen Stiefeln fühlt sich plötzlich instabil an, als würde der Boden selbst nachgeben. Vor meinem inneren Auge sehe ich den kleinen weißen Rahmen des Fensters am Ende des Flurs... dasjenige, das auf den ruhigen Innenhof blickt... dasjenige, an dem Willa in ihrem Schlafanzug steht, um dem Regen zuzusehen.Ich sehe eine Hand, die durch das Glas greift.Ich sehe den Hasen auf den Boden fallen.Eine Hitzewelle steigt in meinem Nacken auf, heiß und gewaltsam, direkt gefolgt von einer Kälte, die die kleinen Härchen auf meinen Armen unter dem Mantel hochstehen lässt.Neben mir bewegt sich Julian. Er schreit nicht. Er nimmt seine Hände nicht aus den Taschen. Er macht einfach einen Schritt nach vorne, s
Liams PerspektiveTalias Finger bleibt drei Sekunden lang erhoben.Sie zeigt direkt auf das Fenster... direkt auf uns. Ihre Sonnenbrille spiegelt den grauen Himmel wider, und ihr Mund ist zu einer schmalen, harten Linie verzogen, die ich von Dutzenden Abendessen in Los Angeles kenne – der Gesichtsausdruck, den sie trug, kurz bevor sie beim Nachtisch den Ruf von jemandem zerstörte.Dann senkt sie die Hand. Sie nimmt die Lederreisetasche von der Balkonbrüstung. Sie dreht sich um, geht zurück in die Wohnung, und die grünen Fensterläden schwingen hinter ihr mit einem scharfen, hölzernen Knall zu, der durch die schmale Straße hallt.Emma senkt das Fernglas. Ihr Gesicht ist vollkommen ruhig, aber ihre Atmung hat sich verändert – kurz und kontrolliert durch die Nase."Sie weiß, dass wir hier sind", sagt Julian. Er hat sich nicht vom Fenster wegbewegt. Seine Hand liegt flach auf dem Glas, sein Körper leicht vor Emma geschoben."Sie weiß es, seit wir rein gegangen sind", sagt Emma. "Sie beobac











