LOGINZoe hütet ein tödliches Geheimnis. Ausgebildet zur skrupellosen Attentäterin und gejagt von der Organisation, die sie großgezogen hat, laufen ihr die Zeit, die Möglichkeiten und die Verstecke davon. Dann platzt sie in die Verlobungsfeier des Milliardärs Cooper McCarthy. Kurz vor seiner Verlobungsfeier abserviert, ist Cooper gedemütigt, wütend und steht kurz davor, zum Gespött der New Yorker Elite zu werden. Ein Ballsaal voller Gäste wartet, die Presse kreist wie Haie um ihn, und seine einflussreiche Großmutter droht, sein Erbe zu gefährden. Der Milliardärserbe braucht dringend eine neue Verlobte bis Mitternacht. Als ihm eine mysteriöse Frau, die sich im Fond seines Rolls-Royce versteckt, eine Scheinehe mit strengen Regeln anbietet – kein Küssen, kein Sex und auf keinen Fall Verlieben –, geht Cooper den leichtsinnigsten Deal seines Lebens ein. Was als kalte Geschäftsbeziehung beginnt, entwickelt sich schnell zu einer gefährlichen Sucht. Hinter Zoes verschlossenem Herzen verbirgt sich eine Frau mit Narben, die Cooper unbedingt heilen möchte. Und hinter Coopers eiskalter Milliardärsmaske steckt ein Mann, der sie auf eine Weise lieben kann, wie sie es noch nie erlebt hat. Doch Zoe verbirgt eine verheerende Wahrheit: Sie hat eine Verbindung zu Coopers Familie, die ihre Liebe zerstören könnte. Als Verrat ans Licht kommt, Feinde näher rücken und Zoes Geheimnisse endlich enthüllt werden, muss Cooper entscheiden, ob er der Frau vergeben kann, die seine Welt erschüttert hat … während Zoe erkennt, dass das Schrecklichste manchmal nicht die Jagd ist. Sondern die Liebe. Besonders von jemandem, der allen Grund hätte, einen zu hassen.
View MoreZoes Sicht
Die Kirche roch nach altem Holz und Kerzenwachs.
Ich saß in der letzten Kirchenbank. Mein schwarzer Pullover saß locker, gekauft in einem Secondhandladen zwei Bundesstaaten entfernt. Dunkle Jeans. Schwarze Turnschuhe. Eine Baseballkappe tief ins Gesicht gezogen. Nichts, was auf einer Überwachungskamera auffallen würde. Nichts, woran sich irgendjemand erinnern würde.
Der Pastor kam den Mittelgang entlang.
Er war in seinen Fünfzigern, groß und trug ein schlichtes schwarzes Priesterhemd. Sein Gesicht war freundlich.
Ich hasste das.
„Hallo“, sagte er. „Ich bin Pastor Alex. Geht es Ihnen gut?“
Ich wollte nicht reden. Aber das war mein letzter Job. Mein letzter Morgen als diese Person. Also sah ich ihn an und sagte die Wahrheit.
„Nein“, sagte ich. „Mir geht es nicht gut.“
Er setzte sich neben mich.
„Was bedrückt Sie?“, fragte er.
„Ich bin ein Sünder.“ „Und ich werde gleich noch mehr sündigen“, sagte ich.
Er zuckte nicht mit der Wimper. „Wir sind alle Sünder. Aber Gottes Gnade ist größer als alles andere.“
Ich schüttelte den Kopf. „Dein Gott mag mir alles andere vergeben. Aber nicht das, was ich jetzt tun werde.“
Er schwieg einen Moment. Dann sagte er: „Wenn du weißt, dass es eine Sünde ist, ist es noch nicht zu spät. Du musst es nicht tun.“
Ich lachte. Es kam mir wie ein gequältes Lachen heraus.
„Du verstehst es nicht. Das ist der Preis für meine Freiheit. Wenn ich das tue, bin ich weg.“
Er sah mich an.
„Was musst du tun?“
Ich hielt seinem Blick stand.
„Ich wurde mit zehn Millionen Dollar dafür bezahlt, dich zu töten.“
Ich wartete darauf, dass er schrie, weglief, bettelte oder um Hilfe rief.
Nichts davon tat er.
Er saß einfach nur da. Dann drehte er sich zu mir um und atmete langsam aus.
„Zehn Millionen Dollar.“ Seine Stimme klang furchtlos. Nur Staunen. „So viel Geld habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen.“ Er schüttelte langsam den Kopf. „Und jemand hat es ausgegeben, um mich zu töten.“
Ich beobachtete ihn weiter. Wartete darauf, dass die Angst kam. Sie kam nicht.„Du dienst Gott“, sagte ich. „Du hast diesen Ort gebaut, oder du kümmerst dich darum, oder was auch immer du hier tust. Du bist ein Prediger. Warum sollte dich jemand so sehr tot sehen wollen, dass er so viel Geld dafür bezahlt?“ Etwas Echtes durchfuhr mich in diesem Moment und durchbrach die Distanz, die ich jahrelang kultiviert hatte. „Was hast du getan? Was warst du vor all dem? Warum sollte jemand einen Prediger tot sehen wollen?“
Er drehte sich zu mir um, und seine Augen waren ganz ruhig. „Das ist eine bessere Frage für dich. Denn du bist derjenige, der mich töten soll.“
„Das System tötet nur böse Menschen. Du musst Schreckliches getan haben. Dinge, auf die du nicht stolz bist.“
Er sah mich mitleidig an.
„Du sagst das, weil du es für wahr halten willst“, sagte er. „Nicht, weil du es glaubst. Du willst die Schuld woanders hinlenken.“
Er hatte Recht. Ich hasste es, dass er Recht hatte.
Ich schüttelte den Gedanken ab. Zog die Pistole aus meinem Hosenbund.
Die Pistole war schwer, so schwer wie nie zuvor.
„Wird mir dein Gott vergeben, dass ich seinen Diener in seinem eigenen Haus getötet habe?“, fragte ich.
Er lächelte. Ein kleines, trauriges Lächeln.
„Er hat dir schon vergeben. Lange bevor du geboren wurdest.“
Meine Hand zitterte. Ich konnte mich nicht erinnern, wann meine Hand das letzte Mal bei einem Auftrag gezittert hatte.
„Du hast keine Angst vor mir“, flüsterte ich.
„Es gibt nichts, wovor du Angst haben musst, wenn du deinem Schöpfer begegnest.“ Er neigte den Kopf. „Ich habe nur Mitleid mit dir. Es bricht mir das Herz, dich so zu sehen. Du bist so jung und so müde, und ich sehe, dass dir vor langer Zeit etwas Schreckliches angetan wurde.“
Etwas in mir zerbrach.
Die Tränen schossen mir in die Augen, bevor ich sie aufhalten konnte. Heiß und hässlich. Ich wischte mir mit der freien Hand übers Gesicht, aber sie hörten nicht auf.
„Nichts Persönliches“, brachte ich hervor.
„Wie heißt du, Kind?“
Ich hätte nicht antworten sollen. Ich wusste es besser. Aber mein Mund öffnete sich trotzdem.
„Zoe.“
„Zoe“, sagte er. „Ich verzeihe dir, Zoe. Es ist okay –“
Ich drückte ab, bevor er ausreden konnte. Ich verdiene seine Vergebung nicht, also wollte ich sie nicht hören.
Er sank gegen die Kirchenbank zurück. Seine Augen blieben offen.
Ich schloss sie mit den Fingern.
Sechs Jahre. Sechs Jahre im Dienste des Systems. Nie zuvor hatte ich einem Zielobjekt mein Gesicht gezeigt. Immer eine Maske. Immer eine Verkleidung. Immer ein Gespenst.
Aber ich ließ diesen Mann mich sehen und sagte ihm meinen Namen. Lächerlich.
Ich sollte Erleichterung verspüren. Freiheit. Ich hatte mich gerade freigekauft.
Aber alles, was ich spürte, war die Schwere seiner Güte, die mich in meiner Brust erdrückte.
Ich ging. Die kleine Kirche lag am Stadtrand von Flagstaff, Arizona, meilenweit entfernt von dem Leben, das in New York auf mich wartete.
*** Im Flugzeug zurück nach New York starrte ich aus dem Fenster und dachte über den Namen nach, den ich ihm gegeben hatte.
Zoe.
Mein richtiger Name. Mein Codename war Whisper.
Ich wählte ihn, weil ein Flüstern nicht angekündigt wird. Es klopft nicht an. Man hört kein Flüstern kommen, und plötzlich ist es schon im Ohr. Und man ist tot.
Zoes SichtIch versuchte, mir einen Reim auf die Familie zu machen, die um mich herum saß.Die Familie McCarthy. Wohlhabend. Mächtig. Von jedem respektiert, der ihren Namen kannte.Und vollkommen, absolut dysfunktional.Zack, der eindeutig Coopers Onkel war, aß immer noch sein Brot, als hätte er seit Wochen kein Essen mehr gesehen. Irgendetwas an ihm störte mich. Etwas Vertrautes. Es erinnerte mich an jemanden, an den ich nicht denken wollte.Pastor Alex.Ich verdrängte den Gedanken sofort. Nein. Geh da nicht hin. Darum geht es hier nicht. Du bildest dir Dinge ein.Aber die Ähnlichkeit blieb in meinem Hinterkopf haften.Uriel starrte mich vom anderen Ende des Tisches aus an. Ihre Augen waren scharf. Berechnend. Sie kannte mich aus der Boutique sehr gut. Ich hatte mehrmals für sie eingekauft. Sie hatte gesehen, wie ich an Coopers Arm hereinkam, verwandelt vom Verkaufsmädchen zur Verlobten eines Milliardärs.Fragen brannten hinter ihrem Blick. Ich konnte sie förmlich hören. Wie bist du
Coopers SichtIch hielt den Reisepass hoch und drehte ihn in meinen Händen. Das Foto war unbestreitbar Zoe. Aber der Name, der darunter gedruckt war, war es nicht.Zoes Gesicht wurde blass. „Gib ihn zurück.“Sie griff danach. Ich zog ihn zurück.„Nicht, bevor du mir sagst, warum auf deinem Reisepass ein anderer Name steht.“„Das geht dich nichts an.“„Nichts an –“ Ich lachte. Ein kurzes, ungläubiges Geräusch. „Du bist meine Verlobte. Wir haben gerade einen Vertrag unterschrieben. Das hier...“ Ich hielt den Reisepass hoch. „...ist meine Angelegenheit.“„Gib ihn her, Cooper.“ Sie griff wieder nach dem Reisepass. Ich hielt ihn höher.„Sag es mir, oder ich behalte ihn.“„Behalt ihn.“ Sie zuckte mit den Schultern, aber ich sah die Spannung in ihrem Kiefer. „Ist mir egal. Davon gibt es noch mehr.“„Zoe“, sagte ich und senkte langsam den Pass. „Weißt du, dass es illegal ist, einen gefälschten Reisepass zu besitzen? Menschen haben so etwas nur, wenn sie versuchen zu verschwinden, ohne eine Sp
Zoes SichtCooper beugte sich vor. Seine Augen trafen meine.„Oder willst du, dass wir Sex mit einschließen?“Die Worte hingen schwer und aufgeladen zwischen uns in der Luft.Ich spürte, wie mein Gesicht heiß wurde. Hitze kroch meinen Hals hinauf. Ich wollte wegsehen. Ich wollte weglaufen. Aber ich hielt seinem Blick stand.Sex. Mit Cooper McCarthy.Der Gedanke ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen. Ich verdrängte ihn sofort.Nein. Auf gar keinen Fall. Ich werde meine Unschuld nicht an diesen arroganten, kontrollierenden, frustrierenden Mann verlieren. Nicht jetzt. Niemals.Aber dann dachte ich an das, was er gerade gesagt hatte. Dass es uns beiden freistehe, mit anderen Leuten zu schlafen.Bei diesem Gedanken drehte sich mir der Magen um.Warum stört mich das? Das sollte es nicht. Es ist perfekt. Er gibt mir Freiheit. Ich sollte dankbar sein.Aber das war ich nicht. Ich verstand nicht, warum.Ich schnaubte hörbar und schüttelte die Gedanken ab.„Das wird niemals passieren“, s
Zoes SichtIch schnaubte und verschränkte die Arme, während ich zusah, wie die Lichter der Stadt am Fenster vorbeizogen.Gefangene.Ich hätte fast gelacht. Ich. Whisper.Ich war niemandes Gefangene.„Wir setzen den Vertrag auf, sobald wir zu Hause sind“, sagte er. „Regeln. Grenzen. Alles drum und dran. Wir ziehen das wirklich durch.“Ich sah ihn nicht an. „Das werden wir sehen.“„Verdammt richtig, das werden wir sehen.“Sein Herrenhaus tauchte hinter den Toren auf – gewaltig und imposant.Cooper hupte. Ein massives Eisentor schwang auf und ein Mann in einer schwarzen Sicherheitsuniform trat vor.„Mr. McCarthy.“ Der Mann nickte respektvoll.„Zion.“ Coopers Stimme war kalt. Autoritär. „Wenn sie dieses Haus verlässt oder wenn du dieses Tor für sie öffnest, lasse ich deinen Kopf rollen. Trommle die Jungs zusammen. Informiere alle. Sie darf dieses Anwesen unter keinen Umständen verlassen.“Ich sah Cooper an. „Wow. Du übertreibst es wirklich.“„Deine Hoheit hat es verdient“, sagte er trocke
Zoes SichtIch richtete mich langsam vom Boden des Rolls-Royce auf. Der Raum wirkte jetzt kleiner, beengter. Cooper McCarthy saß am Steuer, seine Schultern angespannt unter dem Sakko. Ich hörte noch immer das Echo seiner gebrochenen Stimme von vor ein paar Minuten, als er Sandra anflehte zu bleiben
Zoes SichtRennen zieht Blicke auf sich. Rennen signalisiert Angst. Rennen bringt einen in eine überfüllte Lobby voller Überwachungskameras.Ich drehte mich zum Haupteingang um und ging schnell. Mein Herz raste. Meine Handflächen waren feucht.Eine Gruppe Gäste kam durch die Drehtüren. Lachend und
Zoes SichtDaphne griff in ihre Jacke und zog einen gefalteten Umschlag hervor.Sie drückte ihn mir in die Hände. Darin befanden sich ein Reisepass, ein Führerschein und eine Sozialversicherungskarte. Alle mit einem anderen Namen und meinem Foto.„Ich habe die für dich anfertigen lassen“, sagte Dap
Andere Attentäter wollen in Erinnerung bleiben. Ich aber wollte das sein, was man erst spürt, wenn man nicht mehr da ist.Doch als ich im Flugzeug saß und die Wolken unter mir vorbeiziehen sah, fragte ich mich, ob ich jemals ein Flüstern gewesen war.Oder ob ich nur ein Mädchen war, dem die Stimme





