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Kapitel 4

Author: Bagel
Bevor ich mich entschloss zu gehen, registrierte mein chirurgischer Instinkt, dass etwas mit Biancas Baby nicht stimmte.

Die Atmung des Babys war ungewöhnlich flach, und die Lippen wiesen einen schwachen bläulichen Schimmer auf: klassische Anzeichen eines schweren angeborenen Herzfehlers.

Ganz gleich, was Luca getan hatte – ich konnte nicht einfach zusehen, wie ein unschuldiges Kind litt. Ich nutzte meine Kontakte, um einen renommierten Kinderkardiologen zu einer kurzen Untersuchung auf das Anwesen zu bringen.

Doch als ich den Arzt ins Kinderzimmer führte, drehte Bianca völlig durch.

„Was machst du da?!“, schrie sie, riss das Baby an sich und umklammerte es fest. „Mein Sohn ist vollkommen gesund! Er ist der Erbe der Lupo-Familie! Du bist doch nur eifersüchtig, weil ich einen Sohn zur Welt gebracht habe und du unfruchtbar bist, also versuchst du, ihn zu verfluchen!“

Sie brach in theatralische Tränen aus, ihr Wehklagen hallte durch die Gänge.

Luca stürmte herein, sein Gesicht finster vor Zorn. Ohne eine einzige Frage zu stellen, schlang er die Arme um Bianca, um sie zu trösten – seine unverhohlene Parteinahme brach mir erneut das Herz.

„Stella, das ist ein neuer Tiefpunkt“, fauchte er. „Ein Neugeborenes zu verfluchen, nur weil du selbst keins haben kannst? Raus hier!“

Als ich seine beschützende Haltung sah, überkam mich ein Gefühl der Absurdität. All meine verbliebenen Hoffnungen lösten sich auf.

„Gut“, sagte ich kalt. „Wenn du nicht willst, dass er untersucht wird, dann eben nicht. Vergiss es.“

Die große Taufzeremonie fand wie geplant statt.

Der größte Bankettsaal der Familie war in einen Palast aus weißen Rosen und Kristalllüstern verwandelt worden.

Am Haupteingang war ein riesiges, goldgerahmtes Ölgemälde von Luca und Bianca mit dem Säugling prominent ausgestellt.

Die Oberhäupter aller großen verbündeten Familien waren anwesend.

Alle tuschelten und wetteten darauf, ob die verschmähte Arztfrau auftauchen würde, um eine Szene zu machen.

Am anderen Ende des Saales stand Luca auf der ehrwürdigen Taufbühne, gekleidet in einen schwarzen Maßanzug, eine Aura der Arroganz umgebend.

Als der Priester begann, die Schrift zu rezitieren, schweiften Lucas Augen immer wieder zu den schweren, geschnitzten Holztüren des Saales.

Er wartete auf mich. Vielleicht wartete er darauf, mich vor Eifersucht die Kontrolle verlieren zu sehen, oder darauf, dass ich ihn jämmerlich anflehte, mich nicht zu verlassen.

„Das Weihwasser ist vorbereitet. Der Vater wird nun die Nachfolgepapiere unterzeichnen!“, verkündete der Priester laut.

Bianca, strahlend und das Baby im Arm, klammerte sich an Lucas Seite und wartete begierig darauf, dass er die Feder ansetzte und das riesige Lupo-Imperium offiziell ihrem Sohn überschrieb.

Gerade als Luca den Füllfederhalter aufnahm und die Spitze über dem Dokument schwebte, wurden die Türen des Bankettsaals aufgestoßen.

„Warten!“

Der Saal brach in Aufruhr aus. Alle drehten sich aufgeregt um, in der Erwartung, die dramatische Konfrontation der rechtmäßigen Ehefrau mitzuerleben.

Doch die Person, die hereinschritt, war nicht ich. Ein Kurier in einer schwarzen Jacke.

„Puh ... gerade noch geschafft“, sagte er und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Unter den Blicken von Hunderten ging er geradewegs zur Bühne.

„Wer von Ihnen ist Luca? Ich habe eine Eilzustellung von Stella Lupo. Sie hat ausdrücklich angewiesen, dass sie Ihnen vor der Unterzeichnung übergeben werden muss.“

Lucas angespannter Kiefer lockerte sich leicht. Er starrte auf die schwarze Box mit dem Zahlenschloss und ließ ein wissendes, kaltes Lächeln aufblitzen.

„Ich wusste, dass sie einknicken würde. Was ist es? Eine kriecherische Entschuldigung? Oder noch mehr nutzloser Tand, um den sie irgendeinen Gott in einem vergessenen Winkel der Welt angebettelt hat?“

Bianca kicherte und hielt sich die Hand vor den Mund. „Ach, Stella ist einfach zu nett. Sie konnte nicht kommen, hat aber trotzdem ein Geschenk geschickt. Wie aufmerksam.“

Der Kurier sah die beiden an, sein Gesicht ausdruckslos, und schob die Box direkt in Lucas Hände.

„Ich weiß nicht, was es ist, aber die Absenderin sagte, es sei das passendste Geschenk für Sie beide.“

Mit der Miene eines Siegers hob Luca eine Augenbraue und ließ vor allen Bossen der Stadt das Schloss aufschnappen.

„Wenigstens kennt sie ihren Platz.“ Die Worte blieben ihm im Halse stecken.

Der Deckel sprang auf. Obenauf lag eine unterschriebene Scheidungsvereinbarung – eine, die auf sämtliche Ansprüche auf Vermögensaufteilung verzichtete.

In dem Moment, als er erstarrte, segelte ein dünner Zettel aus der Box und landete sanft auf dem Saum von Biancas teurem Kleid.

Luca wurde vollkommen starr. Er bückte sich langsam, wie eine Marionette, deren Fäden durchtrennt waren, und hob den Zettel auf.

In der nächsten Sekunde schrumpften seine Pupillen zu Stecknadelköpfen. Er taumelte rückwärts und stieß beinahe den Champagnerturm hinter sich um.

Es war ein Ultraschallbefund.

Darauf gedruckt, klar und deutlich, standen die Worte:

„Patientin: Stella; Schwangerschaftswoche: 4; Fötalstatus: Zwillinge, vital.“

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