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Kapitel 3

Author: Bagel
Ein derart abscheulicher Verrat, und doch versuchte er, ihn mit einer Flut selbstgerechter, hohler Worte reinzuwaschen.

Nachdem ich eine kleine Tasche gepackt hatte, ging ich ins private Arbeitszimmer, um ein seltenes, vergriffenes medizinisches Fachbuch zu holen.

Als ich die Tür aufstieß, fand ich die Donna vor, die ihre Leute anwies, Dinge umzuräumen.

Sie warf einen Blick auf die Reisetasche zu meinen Füßen, ihr Gesicht eine Maske der Verachtung.

„Ich habe dieses Zimmer für Bianca freimachen lassen. Ich habe dem Personal gesagt, sie sollen all diese nutzlosen, verstaubten medizinischen Bücher wegwerfen. Sie hat gerade entbunden und braucht Platz. Dieses Zimmer ist perfekt für ihre Sachen.“

Als ich hineinsah, entdeckte ich meine wertvollen Bände achtlos in eine Ecke geworfen, ersetzt durch Kartons mit importierten Windeln und einen Kinderwagen mit eingeprägtem Familienwappen.

Doch sie war noch nicht fertig. „Außerdem schläfst du heute Nacht im Gästezimmer im Erdgeschoss. Wenn dir das nicht zusagt, kannst du dir gerne eine der Hütten hinter dem Haupthaus aussuchen.“

Ich hatte keine Kraft zu streiten. Die Erschöpfung der langen Reise, gepaart mit den unerbittlichen Schlägen dieses Tages, hatte mich völlig ausgelaugt.

Die heftige Morgenübelkeit der Zwillingsschwangerschaft ließ meinen Magen ständig revoltieren, und ich wollte mich einfach nur noch hinlegen.

Ich nickte nur stumpf, nahm meine Tasche und ging nach unten.

Doch spät in der Nacht brachen laute Babyschreie aus dem Hauptschlafzimmer hervor.

Ich drehte mich um und tastete nach meinen Ohrstöpseln, als ich Biancas tränenerstickte, kokette Stimme hörte.

„Luca, bring dieses Kleine schnell weg. Er lässt meine Wunde schmerzen, ich kann überhaupt nicht schlafen.“

Lucas leises Lachen folgte, so sanft, dass es eiskalt klang.

„Du bist das Wichtigste. Ich gebe den kleinen Racker der Amme. Lass ihn ruhig schreien. Der Arzt hat gesagt, das ist gut für seine Lungen.“

Sein beiläufiger Ton trug eine unverhohlene Bevorzugung und Nachsicht, die ich nie von ihm erfahren hatte.

Der rohe Schmerz in meiner Brust wallte wieder auf. Ich konnte nur die Decke über meinen Kopf ziehen und verzweifelt versuchen, ihr vertrautes Flüstern auszusperren.

Ich musste ruhen, für meine Babys.

Doch sobald ich die Augen schloss, füllte die Erinnerung an ihn, wie er zum ersten Mal vor mir auf die Knie ging und mir einen Antrag machte, meinen Geist.

Er hatte gerade seine Position als Underboss der Lupo-Familie gefestigt, einer der gefürchtetsten Männer der Stadt, doch er hatte nur Augen für mich.

Vor dem alten Priester der Familie hatte er geschworen, sein Leben mit mir zu verbringen.

Doch nun war der Mann, der nur Augen für mich hatte, verschwunden. Oder vielleicht war er tot.

Ich wälzte mich im Gästezimmer hin und her, unfähig zu schlafen. Noch bevor der Morgennebel sich gelichtet hatte, verließ ich das Anwesen mit meinem Gepäck.

Ich fuhr direkt zur Anwaltskanzlei, unterzeichnete zügig die Vermögensaufteilung und die Scheidungspapiere und holte die Auslandsreisegenehmigung ab, die schon lange für mich vorbereitet worden war.

Ich kündigte meine Stellung als exklusive Ärztin der Familie, und der Prozess verlief überraschend reibungslos.

Die alten Füchse im Familienrat, die wussten, dass ich so viele ihrer medizinischen Geheimnisse kannte, waren erleichtert, dass ich freiwillig meinen Zugang aufgab, und versuchten nicht, mich aufzuhalten.

Als ich das Gebäude verließ, drückte mir eine junge Pflegerin, der ich einst nach einer Schussverletzung das Leben gerettet hatte, ein kleines Kreuz als Glücksbringer in die Hand.

„Dr. Stella, ganz gleich, wohin Sie gehen – möge die Heilige Mutter über Sie wachen.“

Ich schenkte ihr ein dankbares Lächeln. Es war einer der wenigen warmen Momente, die ich von dieser Familie erfahren hatte.

Ich fuhr aus der Stadt hinaus und checkte in einem Motel an einer abgelegenen Landstraße in den Vororten ein.

Nachdem ich meine Tasche im Zimmer abgestellt hatte, ging ich den Kopfsteinpflasterweg des Ortes entlang bis zur alten Kirche an seinem Ende.

Ich kniete vor dem Altar nieder, entzündete zwei weiße Kerzen für die beiden kleinen Leben, die in mir heranwuchsen, und empfing vom Priester eine Olivenholz-Gebetskette und einen kleinen silbernen Marienanhänger.

Es hieß, sie würden ein ungeborenes Kind bis zur Geburt beschützen, wenn man sie trug.

Gerade als ich aus den schweren Eichentüren der Kirche trat, traf mich eine überwältigende Parfümwolke.

Mein Magen revoltierte, und ich lehnte mich gegen einen verwitterten Steinpfeiler am Eingang, unfähig, das trockene Würgen zu unterdrücken.

„Nanu, Stella. Ist das deine neue Taktik? Auf offener Straße eine Szene machen?“

Es war Biancas Stimme. Eine ganze Kolonne gepanzerter Wagen mit dem Wappen der Lupo-Familie parkte am Fuß der Kirchentreppe. Die gesamte Familie war da.

Sie lehnte lässig gegen ein Autofenster, die schwarze Diamantkette, die die zukünftige Donna symbolisierte – ein Geschenk, das Lucas Mutter ihr weitergereicht hatte –, hing schwer an ihrem Hals. Ihr Gesicht war von blühender Gesundheit, ohne jede Spur einer todkranken Patientin.

Luca warf mir einen Blick zu, kam aber nicht näher und hielt einen unbehaglichen Abstand zwischen uns.

„Was ist denn mit dir los? Warum siehst du so furchtbar aus? Auf der Straße zu erbrechen, passt nicht gerade zur Herrin der Lupo-Familie.“

Seine scharfen Augen scannten die Olivenholz-Gebetskette und den silbernen Anhänger in meiner Hand, die ich noch nicht eingesteckt hatte. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich, sein Blick wurde misstrauisch.

„Was ist das? Betest du für ein Kind? Bist du wirklich so verzweifelt? Jeden abergläubischen Trick versuchen. Wenn es nicht sein soll, erzwingst du es nicht.“

„Stella, ich fasse es nicht, dass du mir wegen eines Kindes immer noch nachträgst. Du hast mich so sehr enttäuscht.“

Ich sah still in sein Gesicht, das so vertraut und doch so fremd war, dass es mich bis auf die Knochen frösteln ließ.

Ich erinnerte mich genau daran, wie ich unser erstes Kind verlor, als ich ihn rettete. Ich war in eine tiefe Depression gefallen, meine Hände zitterten so stark, dass ich nicht einmal ein Skalpell halten konnte.

Damals hatte Luca, ohne Rücksicht auf die Schusswunde in seinem eigenen Rücken, mich in seine Arme gezogen, sein Atem wärmte mich durch mein Zittern, während er mir wieder und wieder ins Ohr flüsterte:

„Wir sind eine Familie, mit oder ohne Kind. Egal, was passiert, ich werde dich für den Rest meines Lebens beschützen.“

„Du bist meine einzige Frau. Niemand wird jemals deine Stellung bedrohen.“

Doch nun stand er auf seiner moralischen Anhöhe und sah kalt zu, wie eine andere Frau meine Würde auf offener Straße mit Füßen trat.

Er hatte jedes Wort seiner Gelübde vergessen.

Die Donna im Wagen ließ ihr Fenster herunter und verdrehte die Augen, ohne sich die Mühe zu machen, es zu verbergen.

„Stella, du bist eine Frau, die nicht einmal die Blutlinie fortführen kann, und du verbringst deine ganze Zeit damit, für diese medizinischen Kongresse um die halbe Welt zu fliegen. Wie kannst du dich mit Bianca vergleichen, die ihr Leben riskierte, um der Familie den Erben zu schenken?“

„Mit deinem griesgrämigen Gesicht ist es kein Wunder, dass Luca sich für eine andere entschieden hat. Wenn du jemandem die Schuld geben willst, dann gib sie dir selbst, weil du deinen Mann nicht halten konntest.“

Ihre Beleidigungen hallten durch die Straße und entlockten den umstehenden bewaffneten Männern süffisantes Grinsen.

Meine Hände an meinen Seiten ballten sich zu Fäusten, meine Nägel gruben sich so tief in meine Handflächen, dass sie beinahe bluteten, während ich mich zwang, den letzten Rest meiner Würde zu bewahren.

Ich wischte meinen Mund mit einem Taschentuch ab und steckte die Gebetsgegenstände in meine Tasche.

„Das geht euch alle gar nichts an.“

„Wieso denn nicht?“

Bianca lehnte sich zierlich an Lucas Arm und berührte dabei absichtlich die schwere Diamantkette an ihrem Hals.

„Luca fand es schlimm, dass mir Unrecht widerfahren ist, und hat beschlossen, morgen die prächtigste Taufe für unseren Sohn im Bankettsaal abzuhalten. Alle verbündeten Familien werden da sein. Es ist das größte Ereignis des Jahres. Solltest du als die nominelle Mutter nicht wenigstens kommen und deinen Segen spenden?“

Eine Taufe? Mein Blick schoss zu Luca.

Nach dem strengen Kodex der Mafia durfte nur die offiziell anerkannte Matriarchin der Familie bei der Taufe neben dem Vater am Taufbecken stehen und den Segen des Priesters empfangen.

Dass er mit ihr erschien, bedeutete mehr als nur die Anerkennung des Kindes. Es hieß, Bianca vor allen verbündeten Familien als seine Frau zu etablieren.

Was war dann unsere dreijährige Ehe, geschmiedet in Blut und Feuer? Ein Witz, den man wegwarf, wenn er nicht mehr nützlich war?

Mein kalter Blick schien einen Anflug von Schuld in ihm zu wecken. Instinktiv straffte er die Schultern.

„Was soll dieser Blick?“ Er hielt inne, sein Ton wurde etwas sanfter.

„Bianca hat ihr Leben riskiert, um mir einen Sohn zu schenken. Sie verdient diesen Respekt. Was dich betrifft – solange du bereit bist, deine Vorurteile heute beiseite zu legen, hatte ich nie die Absicht, dir den Titel der Frau des Unterbosses zu nehmen.“

„Erscheine morgen und spiel deine Rolle. Wahr mein Gesicht und das der Familie. Tu nicht so, als bräche der Himmel ein, und spiel nicht krank vor unseren Gästen. Ich vertraue darauf, dass du dich besser benimmst.“

Er hatte diese öffentliche Demütigung für mich also bereits akzeptiert.

Ich berührte sanft meinen Bauch durch den Mantel.

Was auch immer an verbliebener Anhänglichkeit ich für diesen Mann empfand, verwandelte sich in diesem Moment vollständig zu Asche.

„Keine Sorge“, sagte ich mit ruhiger Stimme.

„Das ‚Geschenk‘, das ich für euch beide vorbereitet habe, wird pünktlich eintreffen.“

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