MasukNur Liebe. Reine, einfache, ungeheure Liebe. Eine Liebe, die das Zimmer erfüllt, die die Krankheit vertreibt, den Schmerz, den Tod. Eine Liebe, die heilt, die repariert, die aufbaut.— Ich liebe dich, murmle ich gegen ihren Mund.— Ich liebe dich, Diego. Ich liebe dich, wie ich nie geliebt habe. Ich liebe dich, wie man nur einmal im Leben liebt. Ich liebe dich, als gäbe es kein Morgen, und als hätten wir die Ewigkeit vor uns.Wir kommen gemeinsam, ohne einen Schrei, nur ein langes geteiltes Zittern, unsere Atemzüge vermischt, unsere Herzen im Gleichklang schlagend. Es ist sanft, es ist stark, es ist alles.Lange danach, als unsere Atemzüge sich beruhigen, murmelt sie:— Das ist das erste Mal.— Was?— Dass du mich ohne Gewalt nimmst. Ohne Besitzanspruch. Ohne diese Wut, die früher in dir war. Einfach ... aus Liebe.— Weil es das erste Mal ist, dass ich wirklich zu lieben weiß. Früher verwechselte ich L
Ihre eigenen Hände heilen auch, langsam. Die Verbände werden durch leichtere Pflaster ersetzt, dann durch Salben, dann durch die neue Haut, die nachwächst, rosa und empfindlich. Sie werde wieder malen können, sagen die Ärzte. Es werde Zeit brauchen, Geduld, Rehabilitation. Aber sie werde es können. Nachts schläft sie im Sessel neben dem Fenster. Ich betrachte sie lange, ihre vom Schlaf geglätteten Züge, ihre Hände auf ihren Knien, ihren langsamen, regelmäßigen Atem. Sie hat ihre Hände für mich geopfert. Ihre Künstlerhände. Ihre Hände, die die Schönheit malen. Ihre Hände, die vielleicht nie wieder einen Pinsel werden halten können. Und sie sagt, das habe keine Bedeutung. — Valentina, murmle ich in einer Nacht, in der ich sie beim Schlafen betrachte. Valentina, ich liebe dich. Sie hört mich nicht. Aber ich sage es trotzdem. Weil es wahr ist. Weil es das Einzige ist, was zählt. Eines Nachts ertrage ic
Sie tritt näher, schiebt Valentina mit einer brüsken, fast gewalttätigen Geste beiseite. Valentina weicht zurück, überrascht, angestoßen, sagt aber nichts. Sie wartet. Sie beobachtet.Chiara beugt sich über mich, ihr Gesicht wenige Zentimeter von meinem entfernt. Ihr Parfüm überflutet mich, dieser Jasmin, von dem sie weiß, dass ich ihn verabscheue, den sie absichtlich trägt, um mich daran zu erinnern, wer sie ist, was sie darstellt, was sie gewesen ist.— Ich bin hier. Ich werde mich um dich kümmern. Die besten Ärzte, die besten Behandlungen, die besten Kliniken. Ich werde dich hier herausholen, dich nach Hause bringen. Ich werde dich heilen, Diego. Ich. Nicht sie.Ihre Hand legt sich auf meinen Arm, knapp oberhalb der Verbände. Sie ist kalt, wie immer, als würde ihr Blut nicht wirklich zirkulieren, als wäre sie innerlich bereits halb tot.Ich sehe sie an. Ich sehe ihre wahnsinnigen Augen, ihr zu starres Lächeln, ihre makellose Fassade. Und d
DiegoDer Schmerz ist das Erste, was ich spüre, als ich aus dem Schwarz auftauche. Ein ungeheurer Schmerz, überall, der meinen Körper wie eine zweite Haut bedeckt, der bei jedem Herzschlag pulsiert, der mich in jeder Sekunde daran erinnert, dass ich lebe, dass ich atme, dass ich leide.Vor allem meine Hände.Sie sind in Weiß gehüllt, diese Hände, die so oft geschlagen, so oft besessen, so oft zerstört haben. Sie sind nur noch bandagierte Stümpfe, Erinnerungen an das, was sie waren, Versprechen dessen, was sie vielleicht nie mehr sein werden. Ich betrachte sie, oder vielmehr das, was von ihnen übrig ist, und frage mich, ob ich Valentina jemals damit werde berühren können, ob ich jemals ihre Haut, ihre Haare, ihr Gesicht werde streicheln können.Ich öffne die Augen. Die Krankenhausdecke, weiß, hell, steril. Der Geruch von Desinfektionsmittel, vom umherschleichenden Tod, vom sich festklammernden Leben. Das Geräusch der Maschinen, die piepen
Keine Frage. Kein Befehl. Ein Gebet. Das Gebet eines Mannes, der weiß, dass er vielleicht sterben wird, und der vor seinem Gehen eine letzte Gewissheit will. Einen letzten Liebesbeweis.— Ich bleibe, Diego. Ich bleibe. Ich bleibe für immer, ich bleibe fürs Leben, ich bleibe bis zum Tod und darüber hinaus, ich bleibe sogar, wenn du mich verjagen willst, selbst wenn du vor mir fliehen willst, selbst wenn du mich zerstören willst. Ich bleibe.Die Sirenen heulen in der Ferne, kommen näher. Die Menschen schreien, werkeln, rufen den Rettungsdienst, versuchen die Flammen zu löschen, die Straße freizuräumen. Ich bleibe dort, knie neben ihm, seine verbrannten Hände in meinen, meine Tränen fallen auf sein Gesicht, waschen Ruß, Schweiß und Blut fort.— Ich bleibe, Diego. Ich bleibe.Er schließt die Augen. Eine Sekunde. Zwei Sekunden. Drei. Eine Ewigkeit, in der ich glaube, dass er geht, dass er mich verlässt, dass er mich allein lässt in dieser Hölle, mit nur dem Geräusch der Sirenen und dem Ger
ValentinaDie Mittagssonne brennt hart auf den Asphalt, lässt die Luft über den Autos flimmern, erzeugt Luftspiegelungen auf dem glühenden Bitumen. Mexiko-Stadt schwitzt, keucht, leidet unter dieser bleiernen Hitze, aber ich spüre nichts. Ich spüre nur ihn. Nur seine Gegenwart vor mir. Nur dieses Bedürfnis, ihn zu beschützen, ihn zu behalten, ihn niemals aus den Augen zu lassen.Ich gehe hinter Diego, etwa zwanzig Meter entfernt, wie wir es nach Chiaras Drohung beschlossen haben. Nicht zu nah, nicht zu fern. Gerade genug, um zu überwachen, zu schützen, eingreifen zu können, falls etwas passiert. Er war es, der darauf bestanden hat. Er sagte mir: Valentina, wenn sie etwas tut, wird es gegen mich sein. Bleib im Hintergrund. Wenn du eine Gefahr siehst, versteckst du dich, rufst an, bewegst dich nicht.Er weiß nicht, dass ich nicht auf ihn hören werde. Er weiß nicht, dass ich zu ihm laufen werde, wenn die Gefahr kommt, nicht von ihm weg. Er weiß nicht, dass ich bereit bin, für ihn zu ster
LorenzoDie ehrgeizige Frau, von der ich glaubte, sie zu kennen, hätte sich gewehrt. Sie hätte ihre Waffen eingesetzt – diesen Blick, dieses Lächeln, das mich um den Verstand brachte –, um ihr Los zu mildern. Sie hätte versucht, mich erneut zu verführen, die Kontrolle zurückzugewinnen.Aber Giulia
GiuliaDie Tür meiner Wohnung schließt sich hinter mir mit einem dumpfen Klicken, einem endgültigen Geräusch, das die Dichtigkeit der Welt besiegelt. Hier gibt es keinen Lorenzo Conti mehr. Keine strahlende Chiara. Kein Büro, keine Zahlen, keine von Hass erfüllten Blicke. Es gibt nur die Stille. Ei
GiuliaDie Lüge war so gewaltig, so monströs, dass sie beinahe wahr wurde. Ihr Glück war das Einzige, woran ich mich noch klammern konnte. Die einzige Rechtfertigung, die im Trümmerfeld meines Lebens noch Bestand hatte.— Du bist die beste Schwester der Welt, flüsterte sie mit feuchten Augen. Ich m
GiuliaDie Stille im Büro nach zwanzig Uhr ist ein lebendiges Wesen. Sie senkt sich schwer auf meine Schultern, dringt in meine Lungen ein, ersetzt das Blut in meinen Adern durch eine eiskalte, stehende Flüssigkeit. Im grellen Licht meiner Lampe ist mein Gesicht im schwarzen Spiegel des Bildschirms







