LOGINLyra
Er fasste sich an die Stirn und schüttelte genervt den Kopf. „Komm mit."Stumm und mit knallendem Herzen folgte ich ihm auf dem Fuß. Ich war zwar extrem nervös, aber immerhin hatte ich es geschafft, ihn von Marie abzulenken. Es würde schon irgendwie gutgehen ... Es musste einfach.Er lief vorangehen in sein Zimmer und drehte sich zu mir um. Lange starrte er mich stumm an.„... Wieso?", fragte er schließlich einfach nur.Verstand er das wirklich nicht? Oder tat eLyra Ich setzte mich auf die harte Kante des Bettes und starrte erschöpft die fleckige Wand an. Das Motel war nun wirklich nicht die beste Adresse, aber immerhin hatte ich für die Nacht ein Dach über dem Kopf. Der Mann an der Rezeption hatte mich vorhin extrem merkwürdig gemustert, als ich mit Killians mattschwarzem Luxussportwagen auf den düsteren Parkplatz gerollt war und eingecheckt hatte.Ich hatte ihn nicht töten können ... Nicht, als er so hilflos vor mir lag, fast schon am Verbluten. Wenn wir im Kampf gegeneinander antraten, war das etwas ganz anderes. Aber in so einem Moment brachte ich es einfach nicht übers Herz. Allgemein hätte ich ihn wahrscheinlich niemals töten können – ihn verletzen oder schachmatt setzen vielleicht, aber mehr auch nicht.Obwohl ich hunderte Kilometer weit weg war, wich die lähmende Anspannung nicht aus meinen Knochen. Killian besaß einen unheimlichen sechsten Sinn. Er wusste gefühlt immer ganz genau, wo ich mich aufhielt – ich hatte keine Ahnung, wie
Killian Als ich die Augen langsam aufschlug, lag ich in meinem gewohnten Bett im Anwesen – und Erik stand aufrecht neben mir.Was war noch mal passiert? ... Ach ja. Lyra war kurz davor gewesen, mich endgültig ins Jenseits zu befördern.Ich strich mir müde mit der flachen Hand über das Gesicht. „Wieso bist du hier ... und wieso stehst du stramm wie ein Soldat, Erik?", fragte ich mit rauer Stimme.„Ich war besorgt, Sir. Und solange Sie abwesend waren, wollte ich es mir nicht anmaßen, mich zu setzen", antwortete er gewohnt ehrerbietig.„Ich habe dir doch schon tausendmal gesagt, dass du mich nicht ständig um Erlaubnis bitten musst. Setz dich ruhig", sagte ich angestrengt und fasste mir vorsichtig an die schmerzende Stelle unter dem Schlüsselbein.„Ich habe das von klein auf so gelernt, das kann ich nicht so einfach ablegen", erwiderte er mit einem leichten Lächeln.„Was ist eigentlich genau passiert, nachdem mir schwarz vor Augen wurde?", fragte ich und blickte neugierig unter den Verba
Lyra Er warf einen flüchtigen Blick auf die Wunde. „Nur ein Kratzer, Honey."„Das ist doch kein verflixter Kratzer!", rief ich geschockt und starrte auf sein Hemd. Der Stoff war auf der linken Seite bereits komplett blutgetränkt. „Du musst mich sofort runterlassen!"Er seufzte genervt. „Schau mal, Schatz: Wir sind doch jetzt gleich zu Hause. Halt einfach still und mach es mir nicht noch unnötig schwerer."Ich blickte mich verwirrt um. Wir standen tatsächlich schon vor den massiven Toren seines Grundstücks. „Wie zum ... Wir waren doch gar nicht so weit entfernt?"„Am Anfang hast du über eine Stunde bewusstlos in meinen Armen gelegen, deshalb kam dir der Weg nicht so lang vor", sagte er. „Glaub mir, es war ein verdammt großes Stück."„Ich habe nicht geschlafen, ich war ohnmächtig!", entgegnete ich gereizt.Er zog mit der freien Hand einen Schlüssel aus der Hosentasche und entriegelte das Tor. „Ich musste dich trotzdem tragen. Sogar jetzt noch."Ich verschränkte trotzig die Arme vor der
Lyra„Lyra? Was machst du denn da unten?", rief er von oben aus der Dunkelheit zu mir herab.„Was soll ich hier unten schon groß machen?! Ich bin den halben Berg runtergestolpert!", rief ich wütend und unter Tränen zurück.„... Warte, ich komme", rief er und kletterte vorsichtig den steilen Hang hinunter.Als er endlich bei mir ankam, entfuhr mir ein erleichertes, fast schon ungläubiges Lachen. „Ich habe eben ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich mich nicht einfach hier unten weiter vor dir verstecken soll."Er hob irritiert eine Augenbraue. „Das findest du etwa witzig? Du hast eindeutig eine Gehirnerschütterung abbekommen."Ich lachte erneut leise auf. „Kann gut sein – nach all dem Gerolle den Abhang runter! Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass ich mich jemals im Leben darüber freuen würde, dein Gesicht zu sehen!"Er warf einen kurzen, prüfenden Blick auf mein verletztes Bein. „Ich nehme das jetzt einfach mal als Kompliment ... Kannst du dich überhaupt bewegen?", fragte er und tr
KillianIch hob amüsiert eine Augenbraue. „Ach komm schon ... Du hast nach all dem, was wir zusammen erlebt haben, erst jetzt Angst vor mir?"Sie hob stolz ihr Kinn und straffte die Schultern. „Ich habe absolut keine Angst vor dir."Für einen klitzekleinen Moment hatte ich es ihr sogar geglaubt, doch ich konnte die Körpersprache eines Menschen wie ein offenes Buch lesen. Ihre Augen verrieten sie ohne Gnade: Sie war schlicht nicht in der Lage, meinem Blick über längere Zeit standzuhalten, was verräterische Unsicherheit bedeutete. Dennoch war ihr Charakter bemerkenswert stark – sie schaffte es immer wieder, mich kurzzeitig in die Irre zu führen. Doch dieses Mal hatte ich sie durchschaut. Und jetzt konnte ich mit ihr spielen!Grinsend machte ich einen bedrohlich langsamen Schritt auf sie zu. „Willst du etwa ... Angst vor mir bekommen?", fragte ich gedehnt, mit einer messerscharfen Nuance in der Stimme. Ich war gespannt, ob sie die Drohung heraushörte.Sie verschränkte die Arme vor der Br
Lyra Er kam mir so bedrohlich nahe, dass ich langsam Schritt für Schritt zurückwich. Ich wusste nicht genau, was da gerade auf mich zukam – aber so, wie sein Blick schimmerte, war es garantiert nichts Gutes.Er legte den Kopf leicht schief. „Also Honey, fange ich mal ganz von vorne an: Mein Vater war ein extrem erfolgreicher Immobilienmakler. Wir lebten in einem schicken Anwesen, mit allem drum und dran. Mami, Papi und ich. Fängt doch schon mal richtig harmonisch an, oder?"Eigentlich schon ...„Das einzige Problem war, dass mein Vater schwerer Alkoholiker war. Und ganz klassisch hat er absolut nicht davor zurückgeschreckt, mich und meine Mutter regelmäßig krankenhausreif zu prügeln. Ich habe meine Mutter wirklich über alles geliebt und alles für sie getan. Doch sie war zutiefst egoistisch. Sie gab mir jedes Mal die Schuld für die Wutausbrüche meines Vaters. Aber ich war jung und naiv – und tat trotzdem brav alles, was sie von mir verlangte. Weißt du eigentlich, was sie damals immer







