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last update Fecha de publicación: 2026-07-28 13:23:23

~Jasmine~

Freya war die ganze Woche über meine größte Stütze und mein Rückgrat, während wir uns auf dem Campus einlebten – wirklich eine treue, verlässliche Freundin. Ich wusste gar nicht, womit ich sie verdient hatte, aber ich war unendlich dankbar, sie in meinem Leben zu haben.

Der große Umzug vom Rudel der Crested Mountains an die Ivory Spire University fühlte sich an wie das Erwachen aus einem Schwarz-Weiß-Traum in eine Welt voller leuchtender Farben.

Alles hier war wunderschön und voller Leben. Wir haben gemeinsam so viele tolle Orte entdeckt, vor allem weil wir viel früher als die meisten anderen angereist waren.

Zuhause war die Stimmung um mich herum düster und erdrückend. Viele behandelten mich wie ein Mangelwesen, meine eigenen Familienmitglieder eingeschlossen. Ich war dort nie glücklich gewesen. Aber hier? Hier war alles anders. Niemand kannte mich. Ich war neu. Ich war frei!

In unserer ersten Woche waren Freya und ich ein einziges organisiertes Chaos – falls das überhaupt Sinn ergibt. Wir verbrachten die Tage damit, Kisten in unsere Wohnheimzimmer zu schleppen; es waren minimalistische Suiten, in denen sich zwei oder mehr Studierende den Schlafraum teilten...

Für mich war allein die Tatsache, ein Zimmer zu haben, in das meine Stiefschwestern nicht einfach nach Belieben platzen konnten, ein Luxus, den ich noch gar nicht richtig begreifen konnte.

Am zweiten Nachmittag lernten wir Sofia kennen. Ein braunhaariges Mädchen mit zierlicher Statur. Sie wirkte sanft und umgänglich. Sie war im zweiten Studienjahr und – nach ihrer ausgeprägten Aura zu urteilen – eine hochrangige Werwölfin, obwohl wir sie nie nach ihrem Privatleben fragten.

In den folgenden Tagen wurde Sofia zu unserer Rettungsleine. Auch sie fragte nicht nach meinem Rang oder meiner Blutlinie. Mit der Zeit wurden wir enge Freunde, genau wie die drei Musketiere.

Sie zeigte uns einfach die Gegend, verriet uns, in welchen Cafés es das schnellste WLAN gab und welche Dachgärten sich am besten eignen, um den Sonnenuntergang zu beobachten.

Zum allerersten Mal in meinem Leben war ich nicht der Makel oder das ausgestoßene Mädchen.

Ich war einfach nur Jasmine.

Freitagnacht lagen wir drei auf dem Boden meines Wohnheimzimmers gestreckt. Wir knabberten Snacks – salziges Popcorn und süß-säuerliche Weintrauben.

Meine Lehrbücher lagen aufgeschlagen vor mir, aber meine Gedanken waren meilenweit entfernt.

„Ich sag’s dir, Jas“, meinte Freya, während sie sich gegen mein Bettende lehnte und Snack um Snack mampfte. „Dieses Stipendium hat alles für dich verändert. Wir können hier endlich richtig leben.“

„Ich warte immer noch darauf, dass mich die Realität einholt“, gestand ich und drückte mein Kissen an die Brust. „Zuhause bei den Crested Mountains bedeutete Stille immer, dass Ärger im Anmarsch war. Hier ist es einfach nur... Ruhe.“

Sofia, die faul auf ihrem Handy gescrollt hatte, während sie Trauben naschte, richtete sich plötzlich kerzengerade auf.

„Warte mal! Du bist über das Stipendienprogramm der Königin aufgenommen worden?“, fragte sie.

Ich nickte langsam, ohne zu verstehen, worauf sie hinauswollte.

„Wie genial ist das denn, Jas! Das heißt, du bist ein absolutes Genie! Jetzt habe ich eine Freundin, die mir beim Lernen und bei den Aufgaben hilft!“, kicherte sie vor Begeisterung wie eine Fünfjährige.

Freya und ich mussten herzlich über ihren kleinen Ausbruch lachen.

Sofia hatte diesen verschmitzten Glanz in den Augen, von dem ich allmählich lernte, dass er meistens Ärger bedeutete… die unterhaltsame Art von Ärger.

„So, genug jetzt“, verkündete sie und klatschte in die Hände. „Die Stimmung hier drin ist ein bisschen im Keller.“

„Es ist Freitagabend an der Ivory Spire, Mädels… Wir futtern seit vier Stunden Junkfood und lesen über ‚Lunare Rotationen‘. Mein Gehirn verwandelt sich langsam in Matsch.“

„Worauf willst du hinaus, Sof?“, fragte Freya mit neugierig hochgezogenen Augenbrauen.

„Ich will darauf hinaus, dass auf der Gästeliste des ‚Den‘ mein Name steht“, antwortete sie mit einem diebischen Grinsen. „Es ist der größte Club der Stadt. Jeder geht hin. Es ist laut, es ist dunkel und die Musik dröhnt so stark, dass man sein eigenes Wort nicht versteht… genau das, was wir heute Abend brauchen.“

„Hopp, hopp, hoch mit euch!“, rief sie und zog uns in eine sitzende Position.

Ich blickte an meinem Übergrößen-Hoodie herunter und fühlte meinen unordentlichen Dutt, den ich mir schnell zusammengebunden hatte.

„Ich weiß nicht, Sof. Ich habe mich eigentlich darauf gefreut, dieses Kapitel zu Ende zu lesen und endlich mal acht Stunden zu schlafen.“

Sofia stöhnte auf und warf eine Traube nach mir.

„Schlaf ist was für die Sommersemesterferien, Jasmine! Du bist zwanzig, du siehst umwerfend aus und du bist jetzt offiziell ein Stadtmädchen. Du verbringst deinen ersten Freitagabend auf dem Campus nicht im Zimmer – selbst wenn es ein sehr schönes Zimmer ist.“

„Sie hat recht, Jas“, stupste Freya mich mit funkelnden Augen an. „Wir haben noch nicht einmal die Lichter der Stadt gesehen. Nur für eine Nacht? Lass uns tanzen gehen und danach kommen wir direkt zurück. Kein Drama. Keine Werwölfe von zuhause.“

Ich sah von Freyas hoffnungsvollem Gesicht zu Sofias entschlossenem Blick. Das Band der Ablehnung fühlte sich in meinem Hinterkopf immer noch wie ein dumpfer Schmerz an, aber zum ersten Mal wollte ich ihn mit etwas überdröhnen, das lauter war als meine eigenen Gedanken.

„Na gut“, lachte ich, stand auf und warf mein Kissen beiseite. „Aber wenn ich vor der halben Uni stolpere, seid ihr beide schuld!“

„Abgemacht!“, jubelte Sofia, sprang auf und steuerte auf meinen Kleiderschrank zu. „Und jetzt holen wir dich aus diesem Hoodie raus. Ich habe ein Kleid in meinem Zimmer, das wie für deine Augenfarbe gemacht ist. Darin wirst du einfach umwerfend aussehen.“

~~~~~~~~

Das „Den“ hatte absolut nichts mit den Lagerfeuern im Wald bei den Crested Mountains gemeinsam. Es war ein Gebäude, das im Schatten lag und von einem so tiefen Bass vibrierte, dass ich das Dröhnen bis in die Knochen spürte.

Sofia ging voran und bahnte sich mit dem Selbstbewusstsein von jemandem, dem der Laden gehörte, einen Weg durch die Menge.

„Bleibt dicht bei mir!“, schrie Sofia gegen den Remix eines bekannten Songs an. „Lounge-Bereich VIP ist gleich um die Ecke!“

Ich fühlte mich ungeschützt in dem schwarzen Kleid, in das Sofia mich praktisch hineingedrängt hatte. Es fühlte sich wie eine zweite Haut an. Zum ersten Mal hatte ich keinen XXL-Hoodie, hinter dem ich mich verstecken konnte. Ich fühlte mich... nun ja… gesehen.

Wir fingen gerade an, uns einzurichten, als ich es spürte...

Ein plötzlicher Hitzeschwall in meinem Nacken...

Ich drehte den Kopf und musterte das Meer aus tanzenden Körpern, bis mein Blick an einer Ecksitzgruppe hängen blieb, die in bernsteinfarbenes Licht getaucht war.

Dort saß, entspannt zurückgelehnt mit einem Glas Wein in der Hand, ein Typ, der aussah, als wäre er von der Perfektion selbst gemeißelt worden.

Er beobachtete mich einfach, während sich an beiden Seiten zwei hübsche Blondinen an seine Arme schmiegten.

Seine Augen waren das Wunderschönste und Unglaublichste, was ich je gesehen hatte… flüssiger Honig, leuchtend und stechend, selbst im dämmrigen Licht des Clubs.

Er wandte den Blick nicht ab, als sich unsere Augen trafen.

Stattdessen umspielte ein langsames, süffisantes Grinsen seine Lippen.

„Sofia“, flüsterte ich und trat nah an ihr Ohr. „Wer ist das? Der da hinten in der Ecke, der aussieht, als wolle er in meine Seele blicken?“

Sofia folgte meinem Blick und schnappte überrascht nach Luft.

„Ich wusste gar nicht, dass er schon zurück ist. Das ist Caspian. Er ist mein Cousin. Kommt Mädels, ich stelle euch einander vor!“

Mein Puls beschleunigte sich, als Sofia mich und Freya in Richtung der Loge zog. Jeder Schritt näher fühlte sich an wie der Eintritt in ein Magnetfeld.

Aus der Nähe war Caspian nur noch umwerfender. Er hatte eine markante Kinnlinie und dunkles Haar, das ihm in die Stirn fiel. Er sah aus, als würde er köstlich duften – zu schade nur, dass ich geruchsblind bin...

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