Share

Kapitel 3

Author: Amelie
Jonas Wagner war einer von Maximilian von Falkens persönlichen Sekretären.

Als er ihr Kündigungsschreiben sah, war er äußerst überrascht.

Er gehörte zu den wenigen im Unternehmen, die von der Beziehung zwischen Clara und Maximilian wussten.

Jeder, der Maximilian kannte, wusste, dass sein Herz nicht Clara gehörte.

Nach der Hochzeit war er sehr kühl zu Clara und kam selten nach Hause.

Um Maximilian näher zu kommen und ihn für sich zu gewinnen, hatte Clara beschlossen, im Von Falken Konzern zu arbeiten.

Ihr ursprüngliches Ziel war es, Maximilians persönliche Sekretärin zu werden.

Aber Maximilian war dagegen.

Selbst als der alte Herr einschritt, konnte er Maximilian nicht umstimmen.

Schließlich musste Clara sich mit weniger zufriedengeben und blieb im Sekretariat als eine von Maximilians vielen gewöhnlichen Sekretärinnen.

Anfangs hatte Jonas befürchtet, Clara würde das Sekretariat auf den Kopf stellen.

Doch es kam anders als erwartet.

Clara nutzte zwar ihre Position, um Maximilian näher zu kommen, aber sie benahm sich richtig und übertrieb es nie.

Im Gegenteil, vielleicht um Maximilian zu beeindrucken, arbeitete Clara sehr gewissenhaft und zeigte ausgezeichnete Fähigkeiten. Ob während der Schwangerschaft, nach der Geburt oder zu anderen Zeiten – sie hielt sich immer an die Unternehmensrichtlinien und forderte nie eine Sonderbehandlung.

Nach einigen Jahren war Clara zur Teamleiterin im Sekretariat aufgestiegen.

Jonas hatte Claras Gefühle für Maximilian immer beobachtet.

Ehrlich gesagt hatte er nie gedacht, dass Clara kündigen würde.

Er glaubte auch nicht, dass Clara es übers Herz bringen würde, freiwillig zu kündigen.

Dass Clara jetzt kündigte, lag vermutlich daran, dass zwischen ihr und Maximilian etwas vorgefallen war, von dem er nichts wusste, sodass Maximilian sie zur Kündigung gedrängt hatte.

Clara war sehr kompetent. Obwohl es schade war, blieb Jonas professionell: „Ich habe Ihr Kündigungsschreiben erhalten. Ich werde schnellstmöglich jemanden für Ihre Nachfolge arrangieren.“

„Gut.“

Clara nickte und ging zurück zu ihrem Arbeitsplatz.

Nach einer Weile erstattete Jonas Maximilian online Bericht.

Als sie fast fertig waren, fiel ihm plötzlich Claras Kündigung ein: „Übrigens, Herr von Falken, bezüglich—“

Obwohl er Clara gesagt hatte, er würde schnell eine Nachfolge arrangieren, wollte er doch Maximilians Meinung einholen, wann genau Clara gehen sollte.

Falls Maximilian wollte, dass Clara schon morgen nicht mehr käme, würde er es gleich veranlassen.

Doch als die Worte auf seiner Zunge lagen, erinnerte er sich daran, dass Maximilian bei Claras Einstellung gesagt hatte, alle ihre Angelegenheiten im Unternehmen sollten nach den Unternehmensrichtlinien gehandhabt werden, ohne ihm extra Bericht zu erstatten.

Er würde sich nicht einmischen.

Und so war es tatsächlich gewesen.

All die Jahre hatte Maximilian im Unternehmen nie von sich aus nach Clara gefragt.

Wenn er Clara im Büro begegnete, behandelte er sie wie eine völlig Fremde.

Clara hatte sich in den Jahren gut geschlagen. Als sie ihr vor zwei Jahren eine Beförderung anbieten wollten, hatten sie es angesichts Maximilians Abneigung gegen Clara vorsichtig bei ihm angesprochen.

Die Botschaft war: Wenn er dagegen wäre, würden sie es sein lassen.

Damals hatte Maximilian die Stirn gerunzelt und ungeduldig wiederholt, er würde sich nicht einmischen, sie sollten nach den Richtlinien verfahren.

Und sie sollten ihn künftig nicht mehr wegen Claras Angelegenheiten im Unternehmen fragen.

Als Jonas lange schwieg, runzelte Maximilian die Stirn: „Was ist?“

Jonas kam zu sich und sagte hastig: „Nichts weiter.“

Da Maximilian von Claras Kündigung wusste, es aber nicht von sich aus erwähnte, war es in seinen Augen offenbar unwichtig.

Er würde wie immer nach den Unternehmensregeln verfahren.

Bei diesem Gedanken sagte Jonas nichts mehr.

Maximilian beendete den Videocall.

...

„Woran denkst du?“

Mittags klopfte eine Kollegin Clara plötzlich auf die Schulter.

Clara kam zu sich und schüttelte lächelnd den Kopf: „Nichts.“

„Musst du heute nicht deine Tochter anrufen?“

„Nein, nicht mehr nötig.“

Normalerweise rief sie ihre Tochter zweimal täglich an.

Einmal um ein Uhr nachts, einmal gegen zwölf Uhr mittags.

Das wussten alle Kollegen im Büro.

Was sie nicht wussten: Der Vater ihrer Tochter war ihr großer Boss.

Nach Feierabend ging Clara zum Markt und kaufte Gemüse und ein paar Grünpflanzen.

Nach dem Essen suchte Clara online nach Informationen zur Technologiemesse.

Danach rief sie jemanden an: „Reserviere mir ein Ticket für die Technologiemesse nächsten Monat.“

„Bist du sicher?“ Die Stimme an der Leitung klang kühl: „Die letzten beiden Male hast du auch um Tickets gebeten, bist aber kein einziges Mal gekommen. Wie viele Leute träumen von diesen Tickets, und du hast sie einfach verschwendet.“

Die jährliche heimische Technologiemesse war ein bedeutendes Ereignis der Technologiebranche. Nicht jeder konnte Tickets bekommen.

Ihr Unternehmen hatte einige Teilnehmerplätze erhalten, viele ihrer Spitzenkräfte wollten teilnehmen.

Jeder Platz war äußerst wertvoll für sie.

„Wenn ich diesmal auch nicht komme, werde ich dich nie wieder darum bitten.“

An der Leitung wurde aufgelegt, ohne etwas zu sagen.

Clara wusste, das bedeutete Zustimmung.

Clara lächelte.

Was sie nicht gesagt hatte: Sie wollte ins Unternehmen zurückkehren.

Als Gesellschafterin hatte sie sich in der Anfangsphase des Unternehmens für Heirat und Kinder entschieden, war aus dem Unternehmen ausgeschieden und hatte sich auf die Familie konzentriert. Das hatte ihre Entwicklungspläne völlig durcheinandergebracht und dem Unternehmen viele Chancen gekostet.

Alle waren sauer und genervt von ihr.

In den letzten Jahren hatten sie kaum noch Kontakt.

Sie wollte zwar ins Unternehmen zurück, aber nach der Hochzeit hatte sie sich auf die Familie konzentriert.

Sie war zu lange aus dem Geschäft gewesen.

Sie befürchtete, ohne Vorbereitung nicht mehr mithalten zu können.

Deshalb plante sie, sich erst einmal gründlich über die aktuelle Branche zu informieren, bevor sie konkrete Pläne machte.

In den folgenden Tagen arbeitete Clara tagsüber normal und kümmerte sich abends um ihre eigenen Angelegenheiten.

Sie kontaktierte weder ihre Tochter noch Maximilian von sich aus.

Natürlich meldeten sie sich auch nicht bei ihr.

Das überraschte sie nicht.

Schon seit über einem halben Jahr war der Kontakt zu ihnen nur noch ihre einseitige Initiative.

Sie nahmen es nur passiv hin.

...

Alpenstein.

Sophie von Falken hatte sich angewöhnt, jeden Morgen nach dem Aufwachen Elena Richter anzurufen.

An diesem Tag rief sie wie immer gleich nach dem Aufwachen Elena an.

Aber kaum hatte sie mit Elena gesprochen, fing sie an zu weinen.

Denn Elena hatte ihr eine schreckliche Nachricht mitgeteilt.

„Tante Elena geht zurück ins Heimatland!“

Sophie war untröstlich. Nach dem Gespräch mit Elena rief sie sofort Maximilian an: „Papa, weißt du das?“

Im Büro blätterte Maximilian durch Unterlagen: „Ja.“

„Seit wann weißt du es?“

„Schon eine Weile.“

„Du, Papa, du bist gemein...“ Sophie umklammerte weinend ihr rosa Schweinchen-Stofftier: „Warum hast du mir nichts gesagt? Ich will Tante Elena nicht verlieren! Wenn Tante Elena nicht da ist, will ich auch nicht mehr hier in den Kindergarten gehen. Ich will zurück ins Heimatland, buhuhu~“

Maximilian sagte ruhig: „Es ist schon in Arbeit.“

Sophie verstand nicht: „W-was meinst du?“

„Wir gehen nächste Woche zurück ins Heimatland.“

Continue to read this book for free
Scan code to download App
Comments (2)
goodnovel comment avatar
Marianne Becker
wie kann man sich als Mitarbeiter nur so blöd verhalten und ihm über die Kündigung nicht bescheid sagen? sie ist ja schließlich nicht nur seine Ehefrau, sondern auch seine Angestellte und wenn es um Angestellte geht, muss man auch immer bescheid sagen
goodnovel comment avatar
akadetta
Wie es wohl weiter geht ..
VIEW ALL COMMENTS

Latest chapter

  • Kaltes Herz, späte Reue   Kapitel 824

    Auf die Nachricht, die er Maximilian am Tag der Probleme bei Richter Technologies geschickt hatte, hatte Maximilian erst am nächsten Nachmittag geantwortet – und das auch nur knapp, mit ein paar Worten: [Alles in Ordnung, ich regle das selbst.]Alexander: „Soll ich ihm mal schreiben und nachfragen?“Sebastian: „Ja, mach das.“Alexander holte sein Handy hervor und schickte Maximilian eine Nachricht.[Hast du die Sache so weit im Griff? Wann kommst du ungefähr zurück?]Während er schrieb, wanderte Sebastians Blick wieder zu Clara, die nicht weit entfernt stand.Wie sonst auch stand Clara an diesem Abend im Mittelpunkt.Nachdem Alexander die Nachricht abgeschickt hatte, sah auch er zu Clara hinüber.Was bei Dr. Lindemanns Empfang geschehen war, hatte ihn wirklich sehr überrascht. Hinterher hatte er tatsächlich überlegt, ihr zu schreiben und zu fragen, wie es ihr ging.Aber er wusste, dass es ihm nicht zustand, sich um sie zu sorgen, und am Ende hatte er die Nachricht nicht abgesc

  • Kaltes Herz, späte Reue   Kapitel 823

    Erst als Clara ins Haus trat, sah sie, dass die alte Frau von Falken zu Besuch gekommen war.Als sie Clara hereinkommen sah, lächelte die alte Frau von Falken. „Clara, da bist du ja.“Clara lächelte zurück, legte ihre Handtasche ab und setzte sich neben sie. „Großmutter, wann bist du denn zurückgekommen?“Dass die alte Frau von Falken vor einiger Zeit in die Berge gefahren war, um der Sommerhitze zu entgehen, wusste Clara.„Heute Mittag.“ Die alte Frau von Falken nahm ihre Hand. „Ich habe dort allerhand regionale Spezialitäten gekauft und wollte euch etwas davon vorbeibringen.“Nach ein paar Minuten Plauderei wurde das Essen aufgetragen. Bei Tisch erzählte die alte Frau von Falken allerlei Anekdoten von ihrem Sommeraufenthalt in den Bergen.Sie und Claras Großmutter hatten sich eine ganze Weile nicht gesehen, und so gab es reichlich Gesprächsstoff.Die alte Frau von Falken blieb bis fast neun Uhr abends, bevor sie sich zum Aufbruch bereit machte.Erst als Clara und ihre Großmut

  • Kaltes Herz, späte Reue   Kapitel 822

    Da weder bei Clara noch bei Efficio ein Durchkommen war, blieb nur noch …Sabine biss sich auf die Lippe: „Vom Vorabend bis jetzt ist ein ganzer Tag vergangen, und von Maximilian gibt es immer noch keine Nachricht. Elena – will Maximilian etwa –“„Keine Nachricht ist auch eine gute Nachricht“, sagte Yolanda ruhig.„Genau.“ Nach dem Vorfall war auch Henriette aus Yorstadt angereist. „Die Nachricht von den Problemen der Firma verbreitet sich gerade wie ein Lauffeuer im Netz. Alle schauen auf uns und auf Maximilian. Wenn Maximilian uns jetzt helfen würde, wäre nicht nur er betroffen, sondern die ganze Familie von Falken.“„Deshalb ist es für uns eigentlich besser, wenn Maximilian uns nicht hilft.“Sabine wurde aufgeregt: „Aber wenn Maximilian uns nicht hilft, geht doch die Firma wirklich unter! Und wir hätten einen Berg Schulden –“Henriette warf ihr einen Blick zu: „Solange es Maximilian gibt – wovor hast du Angst?“Sabine stutzte.In diesem Moment verstand sogar sie, was das hie

  • Kaltes Herz, späte Reue   Kapitel 821

    Clara nickte. „Ich habe es gehört.“ Sie stand auf: „Entschuldigen Sie mich kurz.“Damit drehte sie sich um und ging.Julian wollte noch etwas sagen, aber als er das sah, hielt er sich zurück.Auf seine Entschuldigung hatte er verschiedene Reaktionen erwartet – vielleicht würde Clara sie annehmen, vielleicht würde sie ihn verspotten.Aber Claras Reaktion überraschte ihn.Es sah so aus, als hätte sie seine Entschuldigung angenommen.Aber sie hatte auch nur seine Entschuldigung angenommen.Danach … kam nichts mehr.Clara schloss sich schnell einem anderen Gespräch an.Professor Schmidt, Clara und Adrian hatten noch zu tun. Nach dem Essen und einer Tasse Tee verabschiedeten sie sich bald.Im Wagen sprachen Clara, Professor Schmidt und Adrian gerade über ein Thema, als ihr Handy klingelte.Eine unbekannte Nummer.Clara sah darauf und nahm ab.„Clara, ich bin es, ich –“Es war Heinrichs Stimme. Sobald Clara sie erkannte, legte sie ohne zu zögern auf und blockierte die Nummer.

  • Kaltes Herz, späte Reue   Kapitel 820

    Noch überraschender war, dass sie und Clara so miteinander verbunden waren.Und dass Clara Schülerin von Professor Schmidt war.Gerade als er das dachte, rief auch die alte Frau von Falken an ……Clara schlief noch etwas und wachte erst gegen ein Uhr nachmittags auf.Bei Langmark gab es noch einiges zu erledigen. Nach einem schnellen Essen fuhr sie zurück.Adrian war auch gerade angekommen.Nachdem sie eine Weile gearbeitet hatten, rief Professor Schmidt an und lud sie zum Abendessen bei der Familie Kramer ein.Als sie dort ankamen, empfing sie Niklas. „Da seid ihr ja. Bitte, kommt rein.“Clara nickte.Niklas sagte höflich: „Ich habe gehört, bei Langmark gab es Probleme. Alles in Ordnung?“Aus Höflichkeit richtete er die Frage an Clara und Adrian gleichermaßen.Aber Adrian hob nur die Braue und sagte nichts.Clara antwortete: „Kein Problem, das meiste ist erledigt.“Als sie eintraten, stellte sie fest, dass Professor Schmidt schon da war – und auch Julian.Als er sie sah

  • Kaltes Herz, späte Reue   Kapitel 819

    Sie rief den Butler an, um nach Sophie zu fragen.„Sophie ist oben und liest“, sagte der Butler. „Soll ich sie rufen, damit Sie mit ihr sprechen können?“Clara: „Nein, nicht nötig.“Solange es Sophie gut ging, war sie beruhigt.Nach ein paar Worten mit dem Butler legte sie auf.Wegen der Ereignisse des Vorabends war die Aufmerksamkeit im Netz für die Richters und Sommers hoch, und die Nachricht von den Problemen bei Richter Technologies verbreitete sich schnell.Die Nutzer diskutierten lebhaft.Als Isabelle davon erfuhr, rief sie sofort Maximilian an.Es dauerte eine Weile, bis jemand abnahm.Aber es war nicht Maximilian, sondern sein Sekretär Jonas.„Frau von Falken, Herr von Falken ist gerade in einer dringenden Besprechung –“Isabelles Ton war gereizt: „Ist er wirklich in einer Besprechung, oder will er meinen Anruf nicht annehmen?“„Das – Herr von Falken hat gerade wirklich sehr viel zu tun, er ist tatsächlich sehr beschäftigt. Diese Krisensitzung hat gerade erst begonn

  • Kaltes Herz, späte Reue   Kapitel 2

    Gegen neun Uhr abends kamen Maximilian von Falken und seine Tochter nach Hause.Sophie von Falken klammerte sich an den Saum von Maximilians Jacke und stieg nur zögernd aus dem Auto.Weil ihre Mutter da war, wollte sie heute Abend eigentlich gar nicht nach Hause.Aber Tante Elena hatte gesagt, Ma

  • Kaltes Herz, späte Reue   Kapitel 1

    Als Clara von Falken am Flughafen von Alpenstein ankam, war es bereits nach neun Uhr abends.Heute war ihr Geburtstag.Beim Einschalten ihres Handys empfing sie eine Flut von Geburtstagsglückwünschen.Alle kamen von Kollegen und Freunden.Von Maximilian von Falken dagegen keine einzige Nachricht.Cl

  • Kaltes Herz, späte Reue   Kapitel 7

    Claras zwei Kolleginnen warfen verstohlen einen Blick auf Elena und wichen hastig zwei Schritte zurück, pressten sich an die Wand.Elena sah auch Clara.Doch sofort wandte sie gleichgültig den Blick ab. Offensichtlich beachtete sie Clara gar nicht und stieg mit den Managern in den Aufzug.Als sic

  • Kaltes Herz, späte Reue   Kapitel 6

    Am nächsten Tag.Als Maximilian ins Büro kam, traf er Clara direkt am Eingang.Clara wusste nicht, dass Maximilian und Sophie bereits zurück im Land waren.Völlig unvorbereitet im Büro auf Maximilian zu treffen, ließ Clara abrupt innehalten.Maximilian war ebenfalls überrascht, sie zu sehen, dac

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status