LOGINAus einer Patchworkfamilie stammend, ist Chantelle am Rande aufgewachsen, liebevoll von ihrer Großmutter großgezogen, nachdem ihre Mutter gestorben war. Von ihrem Vater Gérard, der von seiner neuen Frau Rhonda dominiert wird, beiseitegeschoben und hinter ihrer eingebildeten Halbschwester Mégane zurückgesetzt, hat sie gelernt, im Schweigen zu überleben. Als ihre Großmutter schwer erkrankt, verändert eine Diagnose ihren Alltag. Ohne familiäre Unterstützung oder ausreichende Mittel nimmt Chantelle ein unerwartetes Angebot an: hundert Nächte gegen eine Million Euro, bei einem reichen Mann, dessen Identität sie nie erfahren wird. Bei jedem Treffen trägt der Mann eine Maske, schweigt und erlaubt ihr kein Wort. Es bleiben ihr nur anonyme Banküberweisungen und ein penetranter Duft als Erinnerung. Eines Tages wird sie von ihrem Vater gezwungen, an einem Familiendinner teilzunehmen. Dort entdeckt Chantelle zu ihrem Entsetzen Méganes Verlobten: Collen Wilkinson, den kalten und unnahbaren CEO der mächtigen Unternehmensgruppe, in der sie als einfache Angestellte arbeitet. Vom ersten Moment an ist sie verstört. Ein Detail trifft sie wie ein Schlag: sein Parfüm. Es ist genau dasselbe wie das des maskierten Mannes, mit dem sie bereits zwölf Nächte verbracht hat... und es stehen noch achtundachtzig aus. Jetzt ist er in ihrem Leben im hellen Tageslicht aufgetaucht, und sie muss der Wahrheit hinter diesem verstörenden Vertrag ins Auge sehen.
View MoreEdmond kam ins Wohnzimmer zurück, ein Glas Wasser in der Hand. Er bemerkte nichts. Er setzte sich wieder vor seinen Computer, öffnete die Dateien erneut und nahm sein Telefongespräch wieder auf.»So, ich schicke dir die vervollständigten Dateien noch einmal. Überprüfe alles und sag mir, ob es okay ist.«»Warte … ja, jetzt ist es gut. Ich habe alles, was ich brauche.«»Perfekt.«Er war glücklich. Wirklich glücklich. Zum ersten Mal seit Monaten sah er einen Ausweg aus der Pleite, die seine Firma bedrohte.»Also hör mir genau zu«, fuhr er mit entschlossener Stimme fort. »Ihr müsst das Projekt noch vor den Wilkersons abschließen. Und noch vor ihnen mit Apex in Kontakt treten.«»Verstanden. Wir machen uns sofort an die Arbeit.«»Und seid diskret. Sehr diskret. Wenn jemand entdeckt, was wir tun …«»Keine Sorge. Wir sind Profis.«Die Leitung wurde unterbrochen.Edmond lehnte sich in seinem S
Die Nacht war längst über die Stadt hereingebrochen. In der Wohnung, die sie gemietet hatten, herrschte Stille, nur unterbrochen vom gleichmäßigen Ticken der Wanduhr im Wohnzimmer. Die gedämpften Lampen warfen sanfte Schatten an die Wände, schufen eine trügerisch friedliche Atmosphäre.Éléonore saß auf dem Sofa, einen Roman in der Hand, aber sie las nicht wirklich. Ihre Augen überflogen die Zeilen, ohne sie zu sehen, ihr Geist war woanders. Sie dachte an Stéphane, an den Konzern, an diese Krise, die fast alles zerstört hätte. Und sie dachte an Edmond. Immer wieder an Edmond.Dann hörte sie ihn.Schritte im Flur. Schwer, entschlossen. Die Schlafzimmertür öffnete sich, und Edmond erschien im Türrahmen des Wohnzimmers. Er hielt seinen Laptop unter dem Arm.Éléonore hob den Kopf, überrascht. Es war das erste Mal seit ihrer Ankunft, dass er dieses Gerät anfasste. Seit Tagen hatte er es in seinem Koffer gelassen, ausgeschaltet, vergessen. Sie hatte sich schon gefragt, ob er seine Firma völl
Nach der Mittagspause kehrte Sophie ins Unternehmen zurück. Ihr Herz klopfte, ihre Hände waren leicht feucht. Das Gespräch mit Edmond Dumas ging ihr noch im Kopf herum. Clarisses Arbeit sabotieren. Sie diskreditieren. Zurückholen, was ihr zusteht.Sie durchquerte das Großraumbüro und näherte sich zum ersten Mal seit Beginn des Projekts Clarisses Schreibtisch.Die junge Frau war wie immer über ihren Bildschirm gebeugt, ihre Finger flogen über die Tastatur, die Kopfhörer auf den Ohren. Sie war dabei, den Bericht fertigzustellen, den sie bei Stéphane abgeben sollte. Die Seiten scrollten über den Bildschirm, die Grafiken reihten sich an, die Anmerkungen vervollständigten sich. Sie hatte den Kopf nicht gehoben, als sie Sophies Schritte hörte. Sie hob ihn auch nicht, als Sophie direkt neben ihr stehen blieb.»Clarisse«, sagte Sophie mit sanfter, fast schüchterner Stimme.Clarisse antwortete nicht. Ihre Finger flogen weiter über die Tastatur.»Ich habe einen Salat gegessen. Na ja, einen halb
Stéphane fuhr in die fünfzehnte Etage hinauf, das Gesicht noch immer ausdruckslos, aber der Geist unruhig. Die Begegnung zwischen Edmond und Sophie in der siebten Etage gefiel ihm gar nicht. Dieser Mann durchstreifte alles, mischte sich in alles ein, sprach mit jedem. Es musste etwas getan werden.Er ging zu Éléonores Büro und klopfte leise an die Tür.»Herein«, antwortete die Stimme seiner Tante.Er öffnete die Tür und trat ein. Éléonore saß hinter ihrem Schreibtisch, Akten vor sich ausgebreitet. Sie sah auf und lächelte ihn an.»Stéphane. Was für eine angenehme Überraschung. Setz dich.«Er setzte sich auf den Stuhl ihr gegenüber, verschränkte die Arme und atmete tief durch.»Tante, ich muss mit Ihnen sprechen. Über Edmond.«Éléonores Lächeln verblasste leicht.»Was hat er jetzt wieder getan?«»Er wandert ununterbrochen überall herum. In allen Etagen. In allen Fluren. Er spricht mit den Angestellten, er nimmt an Besprechungen teil, ohne eingeladen zu sein. Und vorhin habe ich ihn in











