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Kapitel 4

Author: Amelie
Sophie von Falken sprang aus dem Bett: „Wirklich?!“

„Ja.“

„Warum hat Tante Elena mir das dann gerade nicht gesagt?“

„Die Sache ist gerade erst klar geworden, sie weiß es noch nicht.“

Sophie war außer sich vor Freude: „Papa, dann sag es Tante Elena noch nicht. Lass uns ihr eine Überraschung machen, wenn wir zurück sind, okay?!“

„Okay.“

„Papa, du bist der Beste! Ich liebe dich über alles!“

Nach dem Telefonat war Sophie immer noch überglücklich. Sie sang und tanzte auf dem Bett.

Nach einer Weile fiel ihr plötzlich Clara ein.

Die letzten Tage war sie bestens gelaunt gewesen, weil Mama sie nicht angerufen hatte.

Um den Telefonaten mit Mama zu entgehen, war sie die letzten Tage nicht nur absichtlich früher aus dem Haus gegangen, sondern hatte nach dem Kindergarten auch ihr Handy weit weggelegt oder ausgeschaltet.

Nach zwei Tagen machte sie sich Sorgen, dass Mama wütend werden könnte, und hörte damit auf.

Zu ihrer Überraschung hatte Mama sie die folgenden Tage tatsächlich nicht mehr angerufen.

Zuerst dachte sie, Mama hätte bemerkt, dass sie ihre Anrufe absichtlich verpasst hatte.

Aber dann überlegte sie: Nach ihrer bisherigen Erfahrung würde Mama sie sofort zurechtweisen, wenn sie etwas falsch gemacht hätte, statt aus Wut nicht mehr anzurufen.

Schließlich war sie das Wichtigste für Mama. Mama liebte sie am meisten. Sie glaubte nicht, dass Mama es wirklich übers Herz bringen würde, aus Ärger nicht mehr anzurufen!

Bei diesem Gedanken vermisste Sophie Clara plötzlich ein wenig.

Es war das erste Mal seit vielen Tagen, dass sie an Clara dachte.

Sie konnte nicht anders und rief Clara an.

Doch kaum hatte sie gewählt, fiel ihr ein: Obwohl sie nach der Rückkehr Tante Elena schnell wiedersehen würde, würde Mama mit Sicherheit alles tun, um sie daran zu hindern, Tante Elena zu treffen.

Sie könnte nicht mehr wie hier Tante Elena sehen, wie sie wollte.

Bei diesem Gedanken verschlechterte sich Sophies Laune schlagartig.

Im Heimatland war es gerade nachts.

Clara schlief bereits.

Sophies Anruf weckte sie.

Als sie Sophies Anruf sah und gerade abnehmen wollte, legte Sophie wütend auf.

Obwohl Clara in der Scheidungsvereinbarung für Maximilian auf das Sorgerecht für Sophie verzichtet hatte, war Sophie trotzdem ihre Tochter.

Sie hatte eine gewisse Verantwortung für sie.

Als Sophie sie anrief und dann plötzlich auflegte, machte sie sich Sorgen, dass etwas passiert sein könnte. Sie rief sofort zurück.

Sophie sah es, drehte ihr Gesicht weg und wollte nicht abnehmen.

Clara wurde noch besorgter und rief sofort das Festnetz der Villa an.

Frau Müller nahm schnell ab. Nach Claras Erklärung sagte sie eilig: „Sophie geht es bestimmt gut. Sie ist gestern spät ins Bett gegangen und heute spät aufgestanden. Als ich vorhin oben war, schlief sie noch. Ich schaue nach und rufe Sie dann zurück.“

Nach Frau Müllers Worten war Clara beruhigt: „Gut, danke.“

Als Frau Müller nach oben kam, war Sophie bereits im Bad beim Waschen.

Nachdem Frau Müller die Situation erklärt hatte, spülte Sophie ihren Mund aus und log mit gesenktem Kopf: „Hab aus Versehen draufgedrückt.“

Frau Müller zweifelte nicht daran. Da Sophie sich die Zähne putzte, ging sie nach unten, um Clara Bescheid zu geben.

Sophie schaute ihr nach, schnaubte und fühlte sich etwas besser.

Clara war nach Frau Müllers Erklärung beruhigt.

Aber plötzlich geweckt, konnte sie lange nicht wieder einschlafen. Als sie am nächsten Tag zur Arbeit ging, war sie nicht in bester Verfassung.

Der Umschlag mit der Scheidungsvereinbarung, den Clara Maximilian gegeben hatte – seit Maximilian damals Elenas Anruf entgegengenommen hatte, hatte er nicht mehr daran gedacht.

Am Tag der Rückreise legte Maximilian die letzten Unterlagen in seine Aktentasche. Nachdem er sicher war, nichts vergessen zu haben, ging er nach unten.

„Fertig, wir können losfahren.“

Die Lincoln-Stretchlimousine verließ bald die Villa in Richtung Flughafen.

...

Von Maximilians Rückkehr ins Heimatland wusste Clara nichts.

Niemand hatte es ihr gesagt.

Seit sie aus der Villa ausgezogen war, waren zwei Monate vergangen.

In diesem halben Monat hatte sie sich allmählich an das ruhige und entspannte Leben allein gewöhnt und es schätzen gelernt.

Heute war Wochenende. Sie stand etwas später auf.

Nach dem Aufstehen und Waschen öffnete sie die Vorhänge. Draußen schien die Sonne. Sie streckte sich, goss ihre Blumen und Pflanzen und wollte gerade ein einfaches Frühstück machen, als es klingelte.

Es war ihre Nachbarin von gegenüber, Frau Fischer.

„Frau von Falken, störe ich?“

Clara sagte freundlich: „Nein, ich bin schon wach.“

„Das ist gut.“ Frau Fischer war herzlich: „Das sind frisch gedämpfte Teigtaschen von heute Morgen, für Sie zum Probieren.“

„Danke, das ist wirklich zu freundlich.“

„Das gehört sich doch. Hätten Sie neulich nicht meine Lilli vor dem tollwütigen Hund gerettet, wer weiß, wie schlimm sie gebissen worden wäre. Wir wollten uns die ganze Zeit richtig bedanken, aber mein Mann und ich hatten so viel Arbeit, dass wir keine Zeit fanden. Das ist uns wirklich peinlich...“

„Das war doch selbstverständlich. Sie sind zu freundlich, Frau Fischer.“

Nach einem kurzen Plausch ging Frau Fischer.

Clara frühstückte und studierte dabei den Algorithmus-Mechanismus einer KI, die sie gerade untersuchte.

Am Nachmittag poppte eine Nachricht über das 100-jähriges Jubiläum der Universität Thalstein auf ihrem Handy auf.

Clara stockte, schaute auf das Datum und erinnerte sich, dass heute tatsächlich das Jubiläum der Universität Thalstein war.

Sie ging ins Internet und sah, dass es mehrere Trending Topics zu #100-jähriges Jubiläum Universität Thalstein# gab.

Die Feier hatte so viel Aufmerksamkeit erregt, nicht nur weil die Universität Thalstein die Top-Universität des Landes war und jede ihrer Bewegungen beobachtet wurde, sondern auch weil dies das erste 100-jähriges Jubiläum war. Deshalb waren besonders viele Ehrenalumni zur Feier an ihre Alma Mater zurückgekehrt.

Diese Ehrenalumni waren allesamt Koryphäen ihrer jeweiligen Branchen.

Clara schaute mehrmals hin.

Als sie mehrere vertraute Gesichter in der Kamera sah, zitterte ihre Hand mit dem Handy.

Die vergangenen Uni-Tage strömten in ihre Erinnerung.

Ihr Herz geriet plötzlich in Aufruhr.

Hätte sie nicht direkt nach dem Bachelor geheiratet, wäre vielleicht auch sie heute als Ehrenalumna zur Feier eingeladen worden?

Clara klappte den Laptop zu. Nach kurzem Zögern fuhr sie zur Universität Thalstein.

Es war bereits Nachmittag.

Viele der eingeladenen Prominenten waren schon gegangen.

Trotzdem war der Campus noch voller Menschen.

Clara wanderte ziellos über den Campus. Als sie das vertraute Laborgebäude erreichte, rief sie eine vertraute Stimme.

„Clara?“

Zwanzig Minuten später, in einem Teehaus außerhalb der Universität Thalstein.

Adrian Hartmann schenkte Clara Tee ein: „Wie geht es dir?“

Clara umfasste die Teetasse und lächelte mit gesenktem Blick: „Gut, nur... ich lasse mich scheiden.“

Adrian hatte nicht mit dieser Antwort gerechnet und pausierte: „Das tut mir leid.“

„Schon okay.“

„Was sind deine Pläne? Kommst du zurück ins Unternehmen?“

„Das habe ich vor, nur...“

Adrian kannte ihre Bedenken nicht, sagte aber sehr ernst: „Clara, das Unternehmen braucht dich. Du hast auch Anteile am Unternehmen. Ich hoffe, du kommst zurück und übernimmst die Führung.“

„Ich, ich...“

Angesichts Adrians ernstem Gesicht hatte Clara es schwer, sich zu erklären.

Es war nicht so, dass sie nicht wollte.

Aber die KI-Branche entwickelte sich jetzt zu schnell.

Sie war sechs Jahre raus aus dem Geschäft. Selbst wenn sie jetzt zurückkehrte, könnte sie wahrscheinlich nicht mehr mithalten, geschweige denn wie früher alle an die Spitze der Branche führen.

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