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Kapitel 5

Penulis: Amelie
Adrian Hartmann und Clara hatten sich all die Jahre tatsächlich selten getroffen.

Aber schon nach wenigen Begegnungen konnte Adrian erkennen, dass die Clara von heute weit entfernt war von der selbstbewussten jungen Frau von damals.

Wenn er an die frühere Clara dachte, hätte er nie gedacht, dass das Wort „Selbstzweifel“ jemals auf sie zutreffen würde.

Über Claras Eheleben mit Maximilian wusste Adrian nicht viel.

Aber ein bisschen wusste er schon.

Er hatte eine Vermutung, sprach sie aber nicht aus. Stattdessen sagte er sehr ernst: „Es macht nichts, wenn du eine Weile zurückliegst. Deine Fähigkeiten und dein Talent sind mit gewöhnlichen Genies nicht zu vergleichen. Clara, solange du noch Lust auf diesen Weg hast, ist es noch nicht zu spät, jetzt neu anzufangen.“

„Vergiss nicht, du warst die Studentin, mit der unser Professor in seiner gesamten Laufbahn am zufriedensten war.“

Clara lächelte beim Zuhören: „Wenn der Professor es hören würde, würde er nur verächtlich schnauben und sagen, er musste sich eben mit dem besten Zwerg unter den Zwergen zufriedengeben.“

Als sie an den kultivierten, aber scharfzüngigen Professor von damals dachte, wurde Claras Lächeln schwächer: „Ich habe vorhin in den Nachrichten gesehen, dass der Professor auch zur Feier gekommen ist. Geht es ihm gut?“

„Bestens. Nur dass wir, seine Studenten, die ihm ständig Schande machen, immer wieder vor ihm auftauchen, findet er äußerst lästig.“

Clara lachte auf und sehnte sich unwillkürlich nach den Tagen zurück, als sie unter ihrem Mentor täglich wissenschaftliche Arbeiten schreiben musste.

Adrian: „Komm zurück, Clara.“

Claras Hand um die Teetasse verkrampfte sich. Nach einem tiefen Atemzug nickte sie: „Gut.“

Sie hatte schon als Kind mit künstlicher Intelligenz angefangen.

Sie liebte dieses Gebiet wirklich.

Aus Liebe zu Maximilian hatte sie ihre Träume sechs, sieben Jahre lang aufgegeben.

Nach sechs, sieben Jahren Abwesenheit würde es vielleicht eine Weile dauern, aufzuholen.

Aber sie glaubte daran: Wenn sie sich anstrengte, war noch alles möglich.

Adrian fragte weiter: „Wann ungefähr kommst du zurück?“

„Die aktuelle Arbeit muss noch übergeben werden, das dauert wohl noch eine Weile.“

„Kein Problem, es eilt ja nicht.“

Da sie zurückkommen würde, was machte es schon, noch etwas zu warten?

Sie unterhielten sich noch eine Weile. Adrian schaute auf die Uhr und sagte: „Meine Leute haben mir ein Algorithmus-Genie vorgestellt. Angeblich ist er erst vor ein paar Tagen aus dem Ausland zurückgekommen. Wir treffen uns gleich. Da wir uns gerade getroffen haben, willst du mitkommen?“

Clara schüttelte den Kopf: „Ich kenne deine Leute nicht, ein andermal.“

„Auch gut.“

Kaum war Adrian gegangen, sah Clara, wie Victoria von Falken, Maximilians Schwester, auf sie zukam.

Clara hatte sie auch in den Nachrichten gesehen.

Aber sie hatte nicht erwartet, sie ausgerechnet hier zu treffen.

Sie grüßte: „Victoria.“

Victoria antwortete nicht, sondern runzelte die Stirn: „Was machst du hier?“

„Heute ist die Jubiläumsfeier der Universität Thalstein, ich bin zurückgekommen, umzuschauen.“

Ohne Claras Erinnerung hätte Victoria vergessen, dass sie auch Absolventin der Universität Thalstein war.

Aber abgesehen von Studenten und Lehrkräften waren heute eigentlich nur von der Universität eingeladene Ehrenalumni zurückgekommen.

Was hatte sie, Clara, ein Niemand, hier zu suchen?

Egal.

Solange sie draußen nicht herumredete und die Familie von Falken blamierte, war es Victoria auch egal.

Bei diesem Gedanken kam Victoria direkt zur Sache: „Felix sagt, er vermisst deine Speisen. Ich lasse ihn später zu dir und Maximilian bringen.“

Felix war Victorias Sohn, ein, zwei Jahre älter als Sophie.

Victoria und ihr Mann verstanden sich nicht. Victoria hatte in den letzten Jahren viel gearbeitet und sich kaum um das Kind gekümmert. Ihr Sohn wurde immer rebellischer, jetzt wollte sie ihn erziehen, konnte ihn aber kaum noch bändigen.

Als sie erfuhr, dass ihr Sohn Claras Essen mochte, schickte Victoria ihn in den letzten zwei Jahren immer zu ihr und Maximilian, wenn sie Zeit hatte.

Außer der alten Dame nahm niemand in der Familie von Falken Clara ernst.

Halbwüchsige Kinder ahmen nach, was sie sehen.

Victorias Sohn mochte zwar ihr Essen, verachtete aber seine Tante aus tiefstem Herzen. Bei ihr behandelte er sie praktisch wie eine Dienstbotin, die er herumkommandieren konnte.

Früher hatte Clara sich wegen Maximilian um Victorias Kind gekümmert und die Respektlosigkeit des Jungen nicht zu Herzen genommen.

Aber jetzt, wo sie und Maximilian sich scheiden lassen wollten, wollte sie sich nicht mehr für Maximilian verbiegen.

Deshalb lehnte Clara direkt ab: „Tut mir leid, Victoria, ich habe morgen keine Zeit.“

Da sie in ihr Fachgebiet zurückkehren wollte, würde sie sich Zeit künftig nur für wichtige Dinge nehmen.

Nach der Scheidung hatte sie nichts mehr mit Maximilian oder Victoria zu tun.

Sie würde ihre Zeit nicht mehr für sie verschwenden.

Victoria hatte nicht erwartet, dass Clara sie ablehnen würde.

Schließlich hatte Clara früher für Maximilian oft ihre Würde aufgegeben, um sich bei der Familie von Falken einzuschmeicheln.

Aber Victoria dachte nicht weiter darüber nach.

Clara hatte sie noch nie abgelehnt. Wenn Clara jetzt sagte, sie hätte zu tun, dann hatte sie bestimmt zu tun. Wie könnte Clara sonst die Chance verpassen, sich bei ihr einzuschmeicheln?

Trotzdem war sie nicht sehr erfreut: „Maximilian und Sophie sind nicht bei dir, was könntest du schon Wichtiges zu tun haben?“

Clara konnte sich ein bitteres Lächeln nicht verkneifen.

All die Jahre hatte sie sich selbst aufgegeben, ihr Leben drehte sich nur um Maximilian und ihre Tochter.

Jetzt so einen Kommentar von Victoria zu bekommen, war tatsächlich verdient.

Aber so würde es nicht weitergehen.

Bei diesem Gedanken wollte Clara gerade etwas sagen, als zufällig ein paar Leute auf sie zukamen.

„Frau von Falken!“

Sie kamen offensichtlich zu Victoria.

Als sie Clara sahen, musterten sie sie und fragten: „Frau von Falken, wer ist das?“

Victoria sagte nicht, dass Clara ihre Schwägerin war, sondern nur kühl: „Eine Bekannte.“

„Oh, eine Bekannte...“

Sie waren wie Victoria zur Jubiläumsfeier der Universität Thalstein zurückgekommen, alle von hohem Status.

Als sie sahen, dass Victoria eine Bekannte traf, dachten sie, es wäre jemand Wichtiges.

Jetzt, wo sie Victorias Haltung gegenüber Clara sahen, schauten sie Clara nicht mehr an – außer einem, der Clara hübsch fand und ihre schneeweißen, schlanken Beine ein paarmal anstarrte.

Sie umringten Victoria und gingen schnell weiter.

Dass Victoria sich nicht zu ihr als Schwägerin bekannte – früher hätte Clara das traurig und verletzt gemacht.

Aber jetzt war es ihr egal.

Nachdem Victoria gegangen war, nahm sie ihre Tasche und ging ebenfalls.

Am selben Abend gegen zehn Uhr landete das Flugzeug mit Maximilian und Sophie pünktlich am Flughafen.

Als sie zu Hause ankamen, war es fast Mitternacht.

Sophie war schon eingeschlafen, bevor sie zu Hause waren.

Maximilian trug Sophie nach oben. Als er am Hauptschlafzimmer vorbeikam, sah er, dass die Tür offenstand, aber drinnen war es stockdunkel.

Nachdem er Sophie in ihr Zimmer gebracht hatte, ging er ins Hauptschlafzimmer zurück. Maximilian schaltete das gedämpfte Licht ein und warf einen Blick aufs Bett – es war leer.

Clara war nicht da.

Gerade brachte der Butler sein Gepäck nach oben. Maximilian lockerte seine Krawatte und fragte: „Wo ist sie?“

Der Butler sagte eilig: „Frau von Falken ist auf Geschäftsreise.“

Vor einem halben Monat hatte Clara ihre Sachen gepackt und war gegangen, als er zufällig nicht da war.

Die anderen Hausangestellten der Villa sagten, Clara sei mit Gepäck weggegangen, wahrscheinlich auf Geschäftsreise.

Seltsam war nur, dass Clara früher selten auf Geschäftsreise ging, und wenn, dann nur für zwei, drei Tage.

Diesmal war sie schon einen halben Monat weg und noch nicht zurück.

Maximilian machte „Hmm“ und fragte nicht weiter.

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