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Kapitel 2

Penulis: Vivian
Das Bild zeigte ein edles Gericht in einem gehobenen Restaurant.

Obwohl kein Gesicht zu sehen war, fiel mir der Ehering auf, der in der oberen rechten Ecke ins Bild ragte.

Es war der Ring, den ich damals für unsere Hochzeit mit Maximilian ausgesucht hatte.

Nur trug er ihn immer am kleinen Finger der linken Hand.

Weil das für „Single“ steht.

Wie zynisch.

Ein Symbol der Ehe – und für Maximilian das Zeichen, dass er ungebunden war.

Am sechsten Geburtstag unseres Sohnes saß er mit seiner Geliebten bei Kerzenschein in einem noblen Restaurant.

All die Bitterkeit verwandelte sich in diesem Moment in Gleichgültigkeit.

Ich setzte ein Like unter den Post und legte das Handy beiseite.

Dann setzte ich Tim den Partyhut auf.

„Tim, alles Gute zum Geburtstag.“

Im Kerzenschein schloss mein Sohn die Augen und faltete die Hände.

„Mein Geburtstagswunsch ist, für immer mit Mama zusammen zu sein.“

Ich nahm mein Handy und hielt diesen Moment fest.

Der Gedanke zu gehen wuchs in diesem Augenblick zu einem festen Entschluss heran.

„Gut. Mama verspricht es dir.“

An diesem Abend sprach keiner von uns mehr über Maximilian.

Als hätte diese Familie schon immer nur aus uns beiden bestanden.

Nachdem Tim eingeschlafen war, holte ich die vorbereiteten Scheidungspapiere aus der Schublade.

Das letzte bisschen Zögern verschwand.

Um zwei Uhr nachts kam Maximilian endlich nach Hause.

Als er die Torte auf dem Tisch sah, blitzte kurz Reue in seinen Augen auf.

„Tut mir leid. Ich hab’s vergessen.“

Ich hätte fast gelacht. All die Erinnerungen auf seinem Handy – hatte er die wirklich nicht gesehen?

Oder war er so berauscht von einer anderen, dass er alles vergessen konnte?

Ich schlug die Scheidungspapiere auf der letzten Seite auf und reichte sie ihm, bemüht um Fassung.

„Unterschreib das bitte…“

Bevor ich ausreden konnte, klingelte sein Handy.

Sarahs aufgeregte Stimme ertönte.

„Herr Richter, bei mir ist der Strom ausgefallen. Können Sie vorbeikommen? Ich habe solche Angst.“

Maximilian sprang sofort auf. Sorge stand in seinen Augen.

„Warte. Ich komme sofort.“

Er legte auf, warf keinen Blick auf das Dokument und unterschrieb.

Ich trat zur Seite und sah ihm schweigend nach, wie er ging.

Maximilian, vergiss das nie.

Du hast diese Familie freiwillig aufgegeben.

Am nächsten Tag ging ich zur Firma, um meine Arbeit zu übergeben.

Maximilian kam von sich aus auf mich zu und reichte mir ein hübsch verpacktes Geschenk.

„Das Geburtstagsgeschenk für Tim. Ich hab gestern vergessen, es ihm zu geben.“

Überrascht nahm ich es entgegen und öffnete es.

Ein Stoffhund.

Ausgerechnet Hunde – Tims größte Angst.

Als er fünf war, hatte Maximilian ihn in einen Freizeitpark mitgenommen.

Unterwegs traf er zufällig einen Bekannten und ließ Tims Hand los.

Der kleine Junge verlor sich in der Menge.

Als wir ihn wiederfanden, kauerte er zitternd am Straßenrand – ein streunender Hund hatte ihn fast zu Tode erschreckt.

Seitdem waren Hunde Tims schlimmster Albtraum.

Und der, der alles verursacht hatte, schenkte ihm ausgerechnet das.

Ich wusste nicht, ob ich wütender oder enttäuschter war. Gleichgültig legte ich die Schachtel beiseite.

„Danke.“

Maximilian warf mir einen irritierten Blick zu, dann fiel ihm noch etwas ein.

„Bei Sarah ist der Strom ausgefallen. Ich dachte, sie könnte eine Weile bei uns wohnen.“

„Nimm dir heute frei, geh nach Hause und pack ein paar Sachen zusammen. Zieh mit Tim für ein paar Tage woanders hin.“

Diese beiläufigen Worte trafen mich wie ein Hammerschlag.

Fassungslos starrte ich ihn an.

„Du willst mich und Tim vor die Tür setzen – wegen Sarah?“

Maximilian runzelte die Stirn.

„So drastisch muss man das nicht ausdrücken. Sie wohnt nur vorübergehend bei uns.“

„Wir haben vereinbart, die Ehe geheim zu halten. Natürlich müssen wir vor Kollegen den Schein wahren.“

Ich lachte kurz auf. Was für eine Ironie.

Nur eine Kollegin?

Wirklich nur, um den Schein zu wahren?

Oder fand er, dass mein Sohn und ich seinem Liebesglück im Weg standen? Dass wir nicht ans Licht durften?

Ich wollte ihn nicht mehr ansehen und setzte mich an meinen Schreibtisch zurück.

„Verstanden.“

„Ich werde so schnell wie möglich packen und mit Tim gehen. Wir werden euch nicht stören.“

Egal. Ich würde sowieso gehen. Ein paar Tage früher oder später machte keinen Unterschied.

Meine schnelle Zustimmung schien ihn zu überraschen. Er zögerte.

Mit ungewohnt sanfter Stimme sagte er:

„Ich werde es wiedergutmachen.“

Ich sah nicht auf. Ich schwieg.

Der Schaden war angerichtet. Keine Wiedergutmachung konnte das ungeschehen machen.

Zu Hause packte ich unsere Sachen und ging mit Tim zur Tür.

Als ich die Tür öffnete, stand Maximilian direkt davor – mit Sarah.

Er schob ihren Koffer mit einer Hand, ganz der aufmerksame Kavalier.

In dem Moment, als sich unsere Blicke trafen, sah ich deutlich die Panik in seinen Augen aufblitzen.
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