LOGINDas Messer lag in seinem offenen Kasten wie etwas, das länger gewartet hatte, als irgendeiner von uns gelebt hatte.Staub fiel weiter von der gerissenen Decke. Die Uhrzeiger über dem Turm knirschten rückwärts mit einem Geräusch, das mir in den Zähnen wehtat. Corbin beobachtete mich, ohne zu blinzeln. Meine Mutter sah aus, als hätte sie bereits begonnen zu trauern. Jax stand zwischen mir und der Klinge, Blut lief immer noch an der Seite seines Gesichts herunter, und er atmete schwer.„Lumi, tu es nicht“, sagte er.Das Echo drückte gegen die Innenseite meines Schädels, ruhig und absolut.„Nimm es auf. Die Übung ist vorbei.“Kora war immer noch auf den Knien, das Kind-Echo kämpfte mit ihr um die Kontrolle. Thistle hockte tief, das Fell gesträubt, und knurrte den älteren Fadenweber an, der den Kasten getragen hatte.Ich machte einen Schritt vorwärts.Jax packte mein Handgelenk. Seine Hand war warm und ruhig trotz allem. „Wenn du dieses Ding anfasst, weiß ich nicht, ob ich dich noch erreic
Das Geräusch der schweren Tür, die sich über uns schloss, legte sich über das Archiv wie ein angehaltener Atem.Jax bewegte sich zuerst. Er ging zur Eisentür, die wir verriegelt hatten, und presste das Ohr dagegen. Kora stemmte sich auf der Bank aufrecht, das Gesicht blass, das Kind-Echo immer noch hinter ihren Augen flackernd. Thistle plattete sich unter einem Regal voller alter Karten nieder.Ich blieb, wo ich war, auf dem Boden und lauschte den langsamen Schritten, die die Turmtreppe hinunterkamen. Mehr als ein Paar. Die Warnung meiner Mutter war wahr gewesen.Jax blickte zu mir zurück. „Drei Leute. Vielleicht vier. Sie lassen sich Zeit.“„Sie will, dass wir sie kommen hören“, sagte ich.Er durchquerte den Raum und hockte sich vor mich. Regen tropfte immer noch aus seinem Haar. Die Schnittwunde über seiner Augenbraue hatte aufgehört zu bluten, hinterließ aber eine dunkle Linie. Für einen Moment wirkten das Archiv, die Schritte, sogar die zerfasernde Stadt draußen entfernt. Seine Ha
Die Laternen erloschen alle auf einmal, und der Grat versank in dichter, regendurchtränkter Dunkelheit.Einen Moment lang bewegte sich niemand. Das einzige verbliebene Licht war der schwache Schein des Gegenstands in den Händen meiner Mutter. Er malte ihr Gesicht in kaltem Blauweiß und ließ die Tränen auf ihren Wangen wie Linien aus Eis aussehen.Das Echo hielt immer noch meine Stimme.„Du kannst nicht aufhalten, was du mit erschaffen hast“, sagte es durch mich. „In jeder Wendung versuchst du, mich einzusperren. In jeder Wendung bricht der Faden trotzdem.“Die Hände meiner Mutter zitterten. „Verschwinde aus meiner Tochter.“Sie hob den Gegenstand höher. Die Luft zwischen uns wurde schwer und drückte gegen meine Brust und meinen Schädel wie Wasser. Das Echo zuckte in mir mit einem scharfen, stummen Knurren zurück. Meine Knie knickten beinahe ein.Jax stürzte vor. Er erreichte meine Mutter, bevor die beiden Unverwobenen, die ihr den Grat hinunter gefolgt waren, ihn aufhalten konnten. Si
Corbins Lächeln erreichte seine Augen nicht.Die beiden Unverwobenen an der gegenüberliegenden Wand setzten sich sofort in Bewegung. Meine Mutter drehte sich vollständig zur Tür und erstarrte, als sie mich sah. Für einen Herzschlag huschte etwas wie Schuld über ihr Gesicht. Dann verschwand es und wurde durch dieselbe sorgfältige Leere ersetzt, die sie jahrelang getragen hatte, wann immer mein Echo nachts zu laut gesprochen hatte.„Lumi“, sagte sie. „Du hättest nicht hierherkommen sollen.“„Du hast ihm gesagt, wo die Anker sind“, antwortete ich. Meine Stimme klang ruhig. Ich fühlte mich nicht ruhig.Corbin trat näher, die Hände offen, als wolle er zeigen, dass er keine Waffe trug. „Deine Mutter versteht, was du immer noch ablehnst zu sehen. Der Faden ist ein Käfig. Jedes Echo ist eine Kette. Ihn zu durchschneiden ist die einzige Barmherzigkeit, die noch bleibt.“Jax stellte sich vor Kora und mich. „Bleibt hinter mir.“Einer der Unverwobenen stürzte vor. Jax ging ihm entgegen, rammte di
Ich starrte auf den Metallsplitter in meiner Hand, als gehöre er jemand anderem.Die Kante hatte bereits eine dünne weiße Linie über meine gegenüberliegende Handfläche hinterlassen. Ich öffnete die Finger und ließ das Stück fallen. Es klirrte auf dem Holzboden des Lagerhauses und lag dort, gewöhnlich und hässlich.Jax hockte sich vor mich. „Lumi. Sieh mich an.“Ich tat es. Seine sturmfarbenen Augen suchten die meinen, ruhig und besorgt.„Ich habe das nicht aufgenommen“, sagte ich. „Ich habe es erst gesehen, als die Vision endete.“Kora stand ein paar Schritte entfernt, die Arme um sich geschlungen. „Dein Echo hat dich dazu gebracht.“„Es hat ‚Übung‘ gesagt“, antwortete ich. Das Wort schmeckte falsch in meinem Mund.Jax hob den Splitter vorsichtig auf und legte ihn auf eine zerbrochene Kiste, außer greifbarer Reichweite. „Die Vision hat dir gezeigt, wie du den Faden durchschneidest. Und jetzt versucht dein Echo, deine Hände an die Bewegung zu gewöhnen. Das ist keine Warnung. Das ist Vo
Die Worte hingen zwischen uns in der Dunkelheit.Koras Augen gehörten wieder ihr, weit und verängstigt, aber das Bild, das sie beschrieben hatte, blieb in der Luft wie Rauch. Ich spürte, wie Jax neben mir erstarrte. Wasser plätscherte leise gegen den steinernen Vorsprung. Hoch oben bewegten sich Corbins Männer durch die Tunnel, ihre Stimmen gedämpft, aber immer noch zu nah.„Was meinst du damit, dass ich ein Messer gehalten habe?“ fragte ich.Kora schluckte. Ihre Stimme war rau, als hätte das Kind-Echo ihre Kehle roh geschabt. „Es war kein gewöhnliches Messer. Es war etwas aus Fadenlicht und Metall. Du standest im Zentrum von allem, und der Himmel riss über dir auf. Du hast etwas durchschnitten, das wie ein leuchtendes Seil aussah, und in dem Moment, als du es tatest, begannen die Menschen zu schreien. Dann wurde alles weiß.“Jax’ Blick huschte zu mir. „Hat dein Echo dir etwas davon gezeigt?“Ich schüttelte den Kopf. „Nein. Noch nicht.“In meiner Brust blieb die Stimme, die die meine







