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Kapitel 3

Author: CieraBachman
Rainas Perspektive

Der Regen prasselte auf meine feuchte Haut und ließ meine Atemzüge ein wenig leichter werden. Der Wald um mich herum war still. Seine sonst so geschäftigen Tiere hatten sich vor dem Platzregen in ihren Verstecken verkrochen. Mit jedem Zug der erdigen Waldluft, die mich umgab, wurde das Gewicht auf meiner Brust ein wenig leichter und mein inneres Chaos beruhigte sich.

Nachdem ich erfahren hatte, dass Alpha Xander mein Gefährte war, war ich aus dem Rudelhaus geflüchtet. Ich hatte den anderen Omegas gesagt, es ginge mir nicht gut, und war direkt nach draußen gerannt. Ich hatte die vertraute Panik in mir aufsteigen gespürt, und die Luft in meinen Lungen war mit jeder Sekunde im Haus dünner geworden. Ich wusste, dass der Gefährte, auf den ich nicht vorbereitet war, nur ein Zimmer weit entfernt war.

Mondgöttin, warum ich?

„Es tut mir leid“, entschuldigte sich Weather zum millionsten Mal. „Ich hätte dir das nicht einfach so an den Kopf werfen dürfen.“

„Schon gut, Weather. Ich hätte es sowieso irgendwann erfahren.“

Normalerweise hätte ich meine Wölfin beruhigt, aber im Moment hatte ich dafür keine Kraft. Ich hätte nie gedacht, dass ich ihm jetzt schon begegnen würde, nicht bei meiner aktuellen Lage und Stellung im Rudel. Anscheinend hatte die Mondgöttin jedoch andere Pläne mit mir. Welche Pläne das waren, wusste ich nicht einmal im Ansatz. Das Einzige Positive an der ganzen Sache war, dass er mich nicht als seine Gefährtin erkannt hatte.

Mein Leben war ein einziges, tobendes Chaos, aber je länger ich im Regen saß, desto klarer wurden meine Gedanken. Zum ersten Mal seit Langem konnte ich wirklich darüber nachdenken, wohin mein Leben mich führte.

Ich war eine achtzehnjährige Shifter-Prinzessin, die sich in einem beliebigen Rudel versteckte und so tat, als wäre sie nichts weiter als eine wolflose Omega.

Ich verbarg, wer ich wirklich war, schon mein ganzes Leben. Von dem Moment an, in dem Weather und ich geboren wurden, hatten meine Eltern uns von allen ferngehalten. Meine Geburt wurde nie verkündet oder gefeiert, und nur eine Handvoll Eingeweihter wusste überhaupt, dass meine Mutter schwanger gewesen war. All das taten sie, um uns zu schützen – vor den Menschen, die nichts lieber getan hätten, als uns und unsere Kräfte für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen.

Niemand wusste, dass Weather und ich etwas Besonderes waren. Wir waren in einer Vollmondnacht mitten in einem Regensturm geboren worden, als die Mondgöttin meine Eltern besuchte und mich zur Luna des Regens ernannte. Zur Königin der Stürme. Niemand sonst besaß Kräfte wie wir.

Wir beherrschten Regen, Graupel, Schnee, Blitz und Wind. Unsere Kräfte waren einzigartig und tödlich für jeden, der uns bedrohte, und leider waren das schon viel zu viele gewesen.

Vor zehn Jahren hatte sich mein Leben innerhalb weniger Minuten gewandelt – von einem Dasein im Palast an der Seite meiner königlichen Eltern, in dem ich zur künftigen Königin ausgebildet wurde, zu einem Leben im völligen Nichts. Und das nur wegen eines herzlosen, selbstsüchtigen Verräters, der sich nach etwas verzehrte, das niemals ihm bestimmt zustehen sollte.

Nach meinem Thron und meinem Königreich.

Ich würde niemals aufhören, für das zu kämpfen, was uns genommen worden war. Meine Eltern waren ihretwegen gestorben, und ich würde alles in meiner Macht Stehende tun, damit ihr Tod nicht vergeblich gewesen war. Wir würden sie stolz machen.

Bei all dem, was ich noch erreichen musste – welchen Platz sollte da ein Gefährte Platz haben? Mein ganzes Leben war nicht nur trügerisch, sondern auch gefährlich. Arrick und seine Einzelgänger-Wölfe würden vor nichts zurückschrecken, um mich endgültig zu vernichten. Sie würden alles tun und jeden verletzen, um an mich heranzukommen, besonders meine einzige Schwäche: meinen Gefährten.

Ich spürte, wie meine Gedanken einen dunklen Abgrund hinabglitten. Er wollte mich verschlingen und in seine eisige Umarmung ziehen, ohne mich jemals wieder freizugeben. Es war so leicht, in der eigenen Trauer zu versinken und die Kontrolle über die düsteren Gedanken zu verlieren. Ich musste weiterkämpfen.

Und das würde ich.
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