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Kapitel 4

Author: Rotes Laub
Die Terrasse war mit Decken ausgelegt. Auf dem langen Tisch standen Wein und kleine Häppchen, ringsum brannten Mondlichter, die selbst der Wind nicht löschen konnte.

Kane hatte außerdem alle Diener fortgeschickt, sodass nur wir beide zurückblieben.

„Früher hast du ständig mit mir gestritten.“ Kane schenkte mein Glas voll. „Da hatte ich überhaupt keine Lust, mit dir zu trinken.“

Ich sah auf die bernsteinfarbene Flüssigkeit, die im Glas schwankte, und schwieg.

Kane hielt mein Schweigen offenbar für Zustimmung und wurde nur noch besser gelaunt.

„Jetzt bist du viel vernünftiger. Von nun an verbringe ich Zeit mit dir, sobald ich kann.“

Kane lehnte sich zurück und begann bereits, unsere Zukunft auszumalen.

„Morgen lasse ich das Kinderzimmer herrichten. Ach ja, ich hoffe, es wird eine kleine Wölfin.“

Kane sah mich an und lächelte.

„Sie wird bestimmt dein silbernes Haar und deine Augen erben. Wenn sie groß genug ist, bringe ich ihr persönlich das Jagen bei.“

Meine Finger schlossen sich immer fester um das Weinglas.

Der Welpe, den wir beide hätten lieben und verwöhnen sollen, war längst nichts mehr als kaltes Blut.

Doch Kane plante noch immer die Zukunft eines Welpen, den es nicht mehr gab.

Ein reißender Schmerz fuhr durch die längst leere Stelle in meinem Bauch und raubte mir fast den Atem.

„Evelyn, was ist mit dir?“

Kane legte seine Hand auf meine und sah mich besorgt an. „Warum bist du so blass?“

Ich sah ihn an.

Früher sah Kane mich genauso an.

Damals war er gerade Alpha des Schwarzkiefer-Rudels geworden. Um mich für sich zu gewinnen, harrte er allein vor dem Tempel der Mondgöttin aus.

Ein heftiger Schneesturm machte die Wege über die Berge unpassierbar. Kane war von Kopf bis Fuß mit Reif bedeckt und umklammerte eine Silbermondblume in seiner Hand.

„Erzähl mir nichts mehr vom Willen der Mondgöttin. Und sag auch nicht wieder, dass du dazu bestimmt bist, Priesterin zu werden.“

In Kanes Augen leuchtete ein eigensinniges, reines Licht. „Ich will, dass du meine Luna wirst. Nicht einmal die Mondgöttin selbst kann mich davon abhalten!“

Als ich ihn so sah, verliebte ich mich schließlich in ihn.

Für mich stellte Kane sich allein gegen die ganze Welt.

Und für ihn gab ich mein Amt als Priesterin auf – und alles, was mir der Tempel der Mondgöttin gegeben hatte.

Doch jetzt wusste Kane nicht einmal, dass der Welpe, auf den wir beide so sehnsüchtig gewartet hatten, bereits tot war.

Ich schluckte den süßlich-metallischen Geschmack hinunter und war endlich bereit, ihm die Wahrheit zu sagen.

„Kane, ich muss dir etwas sagen –“

Plötzlich waren vor der Terrasse hastige Schritte zu hören.

Eine Wache eilte herbei und kniete am Fuß der Stufen auf ein Knie nieder.

„Alpha, eine Dienerin der Beta bittet darum, vorgelassen zu werden.“

Kane hob reflexartig die Hand und unterbrach mich. „Lass sie sofort herein.“

Ich biss mir auf die Unterlippe. Ein metallischer Geschmack breitete sich in meinem Mund aus.

Die Dienerin trat mit gesenktem Kopf ein. Ihre Stimme zitterte.

„Die Beta hat sich versehentlich mit einem Silberdolch in den Finger geschnitten. Die Blutung hört einfach nicht auf.“

Es war nur ein kleiner Schnitt von einem Silberdolch.

Doch Kanes Miene veränderte sich schlagartig.

Kane stand sofort auf, um zu gehen, ohne mir auch nur einen Blick zu schenken.

„Bring mich zu ihr.“

Ich sah seinem eiligen Abgang nach. Plötzlich kam mir alles wie bitterer Hohn vor.

Vor drei Tagen kniete ich mit einer Hand auf meinem Unterleib vor der Mondquelle, und für Kane war es nur eine Kleinigkeit.

Jetzt hatte Serena lediglich einen kleinen Schnitt am Finger, doch Kane konnte keine Sekunde warten.

Kane ging zwei Schritte und schien sich plötzlich an etwas zu erinnern. Er drehte sich zu mir um.

„Was wolltest du mir gerade sagen?“

Mondlicht fiel auf sein Gesicht und beleuchtete die Augen, die ich einst so sehr geliebt hatte.

Ich sah ihn an. Der letzte Rest Wärme in meinem Herzen erlosch.

„Nichts.“ Ich hob mein Glas und nahm einen kleinen Schluck. „Geh nur zu ihr.“

Kane musterte mich zögernd.

Vielleicht wirkte ich zu ruhig. Kane zog leicht die Brauen zusammen, fragte jedoch nicht weiter nach.

„Warte hier auf mich. Ich bin gleich zurück.“

Damit folgte Kane der Dienerin von der Terrasse.

Erst als ihre Schritte vollständig verklungen waren, stand ich auf und kehrte ins Zimmer zurück.

Neben dem Bett stand mein bereits gepacktes Gepäck – erschreckend leicht.

Darin befanden sich nur mein altes Priesterinnengewand, mein Gebetbuch für Reinigungsrituale und das Schutzamulett für meinen Welpen, das ich nie wieder brauchen würde.

Sieben Jahre hatte ich hier verbracht, und doch gab es nichts, was ich aus diesem Leben noch mitnehmen wollte.

Ich nahm mein Gepäck und verließ das Alpha-Anwesen.

Das schwere Tor schloss sich langsam hinter mir.

Ich durchquerte den Schwarzkiefernwald, ging am Wachturm vorbei und passierte schließlich die letzte Patrouillenlinie.

Mondlicht lag auf dem Grenzstein des Rudelgebiets wie eine dünne Schicht Reif.

Ich trat über die Grenze.

Da erklang eine alte Stimme an meinem Ohr.

„Die Mondgöttin segne dich. Du bist also doch endlich zurückgekehrt.“

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Pinakabagong kabanata

  • Luna – Countdown zum Abschied   Kapitel 10

    Dieses Amt war mir von niemandem geschenkt worden.Jeder Einzelne im Tempel der Mondgöttin hatte mit seiner Stimme darüber entschieden.Ich führte nun ein neues Leben.Jeden Tag leitete ich Mondrituale, unterrichtete junge Priesterinnen und prüfte die Hilfsgesuche, die aus den verschiedenen Rudeln eintrafen.Wenn die Alphas der großen Rudel mir begegneten, mussten sie ihre Alpha-Aura dämpfen und sich vor mir verbeugen.In diesen drei Jahren hörte ich immer wieder Gerüchte über Kane.Offenbar ging es ihm nicht gut.Gerüchten zufolge verfiel er dem Alkohol und traf bei mehreren wichtigen Entscheidungen hintereinander Fehlentscheidungen.Nach außen befolgte der Ältestenrat des Schwarzkiefer-Rudels weiterhin Kanes Befehle. Insgeheim zweifelten die Ältesten jedoch längst daran, ob er noch geeignet war, das Rudel zu führen.Doch ich schenkte diesen Gerüchten keine weitere Beachtung – inzwischen hatte ich Wichtigeres zu tun.Erst am Tag vor der geplanten Neuwahl des Alpha im Schwarzkiefer-Rud

  • Luna – Countdown zum Abschied   Kapitel 9

    Kristalle, Juwelen und die Besitzurkunden von Kanes privaten Ländereien bedeckten die langen Stufen vor dem Tempel.Kane ließ sogar den Schlüssel zur privaten Schatzkammer des Alpha bringen und ausrichten, dass ich über alles im Schwarzkiefer-Rudel verfügen könne, wenn ich nur zurückkäme.Ich ließ alles unverändert zurückschicken.Nur die Besitzurkunde der Mondquelle behielt ich.Ich öffnete die Mondquelle für alle. Jede Wölfin, die ein ärztliches Notfallsiegel vorlegte, durfte die Mondquelle sofort und kostenlos nutzen.Die Seele meines Welpen, die einst vor dem Tor der Mondquelle abgewiesen worden war, wurde schließlich zum Schutz aller anderen Welpen.Nach der Rückgabe der Geschenke kam Kane persönlich.Die Wachen erzählten mir, dass Kane seit mehreren Tagen vor dem Tempel wartete – von der Abenddämmerung bis zum Monduntergang.„Möchten Sie ihn empfangen?“, fragte mich ein Tempeldiener.Ich blätterte eine Seite meines Gebetbuchs um.„Nein.“Wie viele Tage Kane schließlich noch ausha

  • Luna – Countdown zum Abschied   Kapitel 8

    Alle gaben ihre Waffen ab, dämpften ihre Alpha-Aura und betraten mit gesenktem Kopf ehrerbietig den Gerichtssaal des Tempels.Kane saß auf der Anklagebank. Seine Miene war so finster wie der Himmel vor einem Gewitter.Ich dagegen stand im Priesterinnengewand an der Seite der Hohepriesterin.Von Anfang bis Ende sah ich Kane kein einziges Mal an.Die Hohepriesterin hob den Mondstab. „Die Verhandlung ist eröffnet.“Ihr Blick glitt durch den Saal, ihre Stimme war kalt. „Evelyn erhebt offiziell Anklage gegen Beta Serena vom Schwarzkiefer-Rudel. Ihr wird vorgeworfen, ihre Befugnisse überschritten, die ehemalige Luna des Schwarzkiefer-Rudels vorsätzlich gedemütigt und dadurch den Tod ihres ungeborenen Welpen verursacht zu haben.“Die Wachen traten vor und legten sämtliche Beweise vor.Auch jener Antrag zur Nutzung der Mondquelle, der mit meinem Blut getränkt war, wurde allen Anwesenden vorgelegt.Ich sah auf das alte Dokument. In meiner Brust war nichts mehr von dem zerreißenden Schmerz, den

  • Luna – Countdown zum Abschied   Kapitel 7

    Die Hohepriesterin saß neben mir und reichte mir eine Schale mit Arznei.„Du bist noch sehr geschwächt. Erhol dich erst einmal. Alles andere hat Zeit.“Sie machte mir keinen Vorwurf daraus, dass ich vor sieben Jahren mein Priesterinnengewand abgelegt hatte. Sie fragte auch nicht, warum ich erst zurückkehrte, nachdem ich alles verloren hatte.Nachdem ich die Arznei ausgetrunken hatte, stellte sie mir nur eine Frage.„Evelyn, erinnerst du dich noch an den Eid der Priesterinnen?“Ich stockte einen Moment und senkte den Kopf. „Natürlich.“Der Eid war mir längst in Fleisch und Blut übergegangen. Ich konnte ihn unmöglich vergessen.Die Hohepriesterin nickte und ließ einen Tempeldiener eine Holzkiste bringen.Darin lag das Priesterinnengewand, das ich mit zurückgebracht hatte.Das Gewand war bereits gereinigt und schimmerte im Mondlicht.„Du hast es nicht weggeworfen“, sagte die Hohepriesterin. „Aber ob du es wieder tragen darfst, hängt davon ab, ob du noch würdig bist.“Die Rückkehr in mein

  • Luna – Countdown zum Abschied   Kapitel 6

    Kane schlief die ganze Nacht nicht.Er saß im Schlafzimmer und griff immer wieder nach dem verstummten Gefährtenlink.Keine Antwort.Kane konnte sich nur immer wieder einreden, dass Evelyn den Tempel der Mondgöttin lediglich nutzte, um ihn unter Druck zu setzen.Solange er nicht nachgab, musste sie früher oder später zurückkommen.Am nächsten Morgen ging Kane wie gewohnt zum Ratssaal.Doch kaum betrat er die Steinstufen, bemerkte er, dass etwas nicht stimmte.Vor der Anschlagtafel drängten sich zahlreiche Rudelmitglieder.Als sie Kane sahen, verstummte das Gemurmel schlagartig. In ihren Blicken lag nichts mehr von der gewohnten Ehrfurcht. Stattdessen wichen sie ihm unsicher aus.Mit gerunzelter Stirn trat Kane näher.An der Anschlagtafel hing die Belobigung, die Evelyn vor ihrer Abreise geschrieben hatte – auf seinen eigenen Wunsch.Die Schrift sah aus, als wäre sie mit Blut geschrieben. Jeder einzelne Buchstabe war dunkelrot.„Zu loben ist Beta Serena dafür, dass sie die vorgeschriebe

  • Luna – Countdown zum Abschied   Kapitel 5

    Kane kehrte erst tief in der Nacht zum Anwesen zurück.Bis dahin hatte er die ganze Zeit bei Serena verbracht.Serena hatte sich mit einem Silberdolch einen kleinen Schnitt am Finger zugezogen. Angeblich ließ sich die Blutung nicht stillen.Als Kane dort ankam, blutete die Wunde längst nicht mehr.Serena wirkte jedoch völlig verstört. Immer wieder hielt sie sich die Hand und fragte Kane mit geröteten Augen, ob eine Narbe zurückbleiben würde.Kane wurde ihre ständigen Fragen leid, beruhigte Serena aber trotzdem geduldig.Schließlich fing Serenas Bruder einst einen tödlichen Silberpfeil ab, der Kane gegolten hatte.Diese alte Dankesschuld konnte Kane nicht vergessen.Bei Evelyn ging Kane davon aus, dass sie sich längst beruhigt hatte.Dass sie gehen wollte, hatte sie seiner Meinung nach nur im Zorn dahingesagt.In den vergangenen sieben Jahren gab Evelyn nach jedem Streit am Ende doch wieder nach.Selbst mit geröteten Augen bereitete sie Kane noch heiße Suppe zu und ordnete die Unterlage

Higit pang Kabanata
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